richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Tagesarchive: Donnerstag, 12 Februar, 2009

Jonathan und das magische Amulett – Tag 3

Am dritten Tag ging meine Bestellung im Kaffeehaus routiniert von der Hand respektive über die Lippen, wie Jonathan fest stellte (es hörte sich so an: “Coffee of the week,  klein, schwarz, für hier und einen Blueberry Muffin und ein Glas Wasser”).

Neben der Durchsicht des von Jonathan zu Hause zu Papier gebrachtem, wurde noch die mögliche Plotentwicklung besprochen und ein Interview gemacht. Interessanterweise glichen sich seine Fragen mit den meiner Eltern, was darauf schließen lässt, dass das Alter keinen Unterschied macht, wenn es herauszufinden gilt, was es mit meiner Schriftstellerei auf sich hat. Generell leben wir ja in einer Zeit, in der das Quantitative weit über das Qualitative gestellt wird. Warum? Weil wir Stück für Stück verlernen, Qualität zu erkennen. Denn dafür braucht es schon mehr, als nur seine Finger zum Zählen. Aber wenn ein Künstler eine Kartoffel (vulgo Erdäpfel) in Staniolpapier einwickelt, diese aus zehn Meter zu Boden fallen lässt und das Endergebnis einrahmt und findige/wichtige Investoren dafür zehn Trillionen Dollar hinblättern, sich die Medien förmlich in Lobeshymnen überschlagen (“Das Gemetzel des Gen-Wahnsinns lässt uns verstört zurück”), wie soll dann ein normalsterblicher Mensch sagen dürfen, dass ihm dieses “Kunstwerk” nicht gefällt, ohne als Kulturbanause abgestempelt zu werden? Zurück zur Schriftstellerei. Die Phantasie ist ja bekanntlich eine Voraussetzung um als Autor/Künstler durchzugehen. Diese bunten Bilder im Kopf (vulgo Träumerei) verschaffen einem nicht nur zu spannenden Geschichten, sondern lassen einen glauben, man würde mit seinem Buch/Kunstwerk reich und berühmt werden. Jonathan möchte es auch. Immerhin, wir arbeiten daran.

(c) Jonathan H. – 12.Feber 2009 – 3.Tag:  Überarbeitung

Der Karren des Händlers rumpelte über den schmalen Weg, der zum Dorf führte.Als der Wagen das Dorf erreichte, sah der Händler drei junge Männer auf sich zugehen. Die drei jungen Männer fragten den Händler, ob es Neuigkeiten gäbe. Der Händler blieb stehen.
“Alle jungen Männer über 16 Jahren”, sagte der Händler, “werden in die Hauptstadt gerufen.”
“Warum?”, fragte Thomas.
“Es geht um eine Prüfung beim Magier. Aber mehr weiß ich nicht”, antwortete der Händler und musterte die drei Jungen – “Seid ihr schon über 16?”
“Ich bin Thomas, der Älteste und 19 Jahre alt. Mein Bruder Fritz ist ein Jahr jünger.”
Da Max nichts sagte, fragte ihn der Händler:
“Was ist mit dir?”
“Ich heiße Max und bin leider erst 15.”
“Du siehst aber älter aus”, sagte der Händler – “Wollt ihr etwas kaufen?”
“Hast du verzauberte Gegenstände?”, fragte Thomas.
“Ja, natürlich habe ich verzauberte Gegenstände.”
“Können wir sie sehen?”
“Nur wenn ihr Geld habt!”, schüttelte der Händler den Kopf.
“Ich habe ein paar Münzen gespart”, räusperte sich der alte Einsiedler, der sich unbemerkt genähert hat.
“Wer bist du?”, fragte der Händler.
“Das ist unwichtig. Hier sind die Münzen”, antwortete der Einsiedler und warf dem Händler Münzen hin.
Der Händler sammelt erfreut die Münzen ein. Dann holte er eine Kiste hervor in der sich verzauberte Gegenstände befanden. Der Händler zeigte dem Einsiedler seine Sachen.
“Das ist ein Stab, der in Richtung Wasser zeigt, hier Pfeile, die auch über weite Strecken fliegen können, einen Liebestrank, Heilsalben, eine höllenscharfe Axt die nie rostet oder stumpf wird, eine unzerstörbares Kettenhemd und mehrere leuchtende Kristalle.”
“Das entspricht nicht meiner Vorstellung von magischen Gegenständen. Hast du etwas Besseres?”
Der Händler holte ein Kästchen hervor, öffnete es und entnahm ein dreieckiges Amulett. Der Einsiedler nahm es und besah es sich.
“Das ist für den Magier bestimmt, aber ich könnte dir etwas Ähnliches besorgen.”
„Was kann dieses Dreieck?“ fragte Fritz.
„Das geht euch nichts an“, antwortete der Händler.
“In manch besonderen Händen verwandelt es sich. Gib mir den Liebestrank!”, sagte der Einsiedler.
“Mag dich etwa keiner im Dorf, alter Mann?”, fragte der Händler und gab ihm das Fläschchen.
“Er ist der Einsiedler!”, rief Thomas.
Dann kam ihr Vater zum Händler.

„Es gibt eine Versammlung. Dort kannst du dann Neuigkeiten erzählen”, sagte der Vater zum Händler und zum Einsiedler: “Du bist dort nicht erwünscht”

Der Vater wandte sich an seine Kinder und sagte ihnen: “Das Kornfeld wartet auf euch.”

*
Auf dem Weg zum Kornfeld blieb Thomas stehen und sagte:.
“Dieses magische Amulett hat vielleicht mit der Prüfung zu tun. Wenn wir dieses Amulett verwandeln können, dann werden wir sicher die Prüfung bestehen. Jetzt sind alle bei der Versammlung und keiner würde uns sehen, wenn wir es ausprobieren.”
“Du willst es ihm stehlen?”, fragte Max.
“Wir geben es nachher zurück”, antwortete Thomas.
“Aber was ist, wenn uns wer beim Ausprobieren sieht?”, möchte Max wissen.
“Wir gehen in die Scheune, dort sieht uns niemand!”, antwortete Fritz.
“Glaubt ihr, ihr dürft zur Prüfung, wenn euch jemand erwischt?”, fragte Max.
“Wir werden schon nicht erwischt, Max”, antwortete Thomas.
“Ich weiß nicht so recht”, sagte Max.
“Du musst ja nur aufpassen, dass niemand kommt”, kam es von Fritz.
“Du darfst auch den magischen Gegenstand angreifen”, sagte Thomas, “wenn du mitgehst.”
Max antwortete nicht, sondern dachte darüber nach.
“Bist du ein Mann oder ein Kind?”, fragte ihn Thomas.
“Ich komme mit!”, gab Max nach.
*

In der Scheune ihrer Eltern am Dorfrand, neben dem Kornspeicher und nicht unweit des Gemeindehauses, wo die Versammlung stattfand, bestaunten die drei das magische Amulett.Thomas fand heraus, dass er eine der beiden unteren Ecken drehen konnte. Dabei erklang ein dumpfer Ton. Die anderen Ecken konnte er aber nicht bewegen. Dann versuchte es Fritz, aber er konnte die anderen beiden Ecken auch nicht drehen.
“Kann ich auch mal probieren?”, fragte Max.
“Es geht nicht”, sagte Fritz und gab Max das Dreieck.
“Der Magier hat einen Schutzzauber auf das Dreieck gelegt, damit es keiner aktivieren kann”, sagte Thomas.
Max bemerkte, dass er alle drei Ecken umklappen konnte und es so zu einem kleineren dreieckigen Amulett wurde. Beim Umklappen erklang jedesmal ein hellerer Ton, aber sonst geschah nichts.
“Gib her!”, sagte Fritz und nahm Max das Dreieck ab.
Fritz probierte mehrmals die Ecken zu drehen oder umzuklappen, aber es ging nicht.
“Lass dir was einfallen”, sagt Thomas zu ihm, “oder willst du, dass Max besser ist als du?”
Fritz probierte weiter, doch es gelang ihm nicht, das Dreieck zu verändern. Wutentbrannt warf er es in die Höhe. Als es gegen die Decke prallte, verwandelte sich das Amulett zu einem Ei, ein reiner Ton war zu hören und das Ei fiel nach unten.
“Ich krieg’s!”, sagte Fritz und fing das Ei mit seinen Händen.
“Gut gefangen, Fritz!”, lobte ihn Max.
“Das Ei ist warm”, sagte Fritz.
Thomas ging näher und sah sich das Ei an.
“Was ist da drinnen?”, fragte er.
“Das Ei wird immer heißer!”, ruft Fritz.
“Dann leg es auf den Boden, Fritz!”, sagte Max.
Ehe Fritz das Ei zu Boden legen konnte, musste er es fallen lassen, da es zu heiß war und er sich seine Hände verbrannte. Das Ei prallte auf den Boden auf und platzte auf. Ein kleines feuerrotes Küken schlüpfte aus dem Ei.
“Was machen wir jetzt?”, fragte Fritz.
Das Küken lief zu einem Heuhaufen und verschwand darin. Max ging zum Heuhaufen und suchte das Küken.
“Komm, Max, gehen wir lieber, bevor wir erwischt werden. Die Versammlung dauert nicht mehr lange”, sagte Thomas.
“Wir sollten das Küken fangen und zurück bringen”, sagte Max.
“Dann sieht der Händler ein Küken statt einem Dreieck?”, fragte Thomas.
“Es brennt!”, rief Max, als er sah, dass der Heuhaufen Feuer fing.
„Schnell hinaus!“, rief Fritz.
Die drei rannten aus der Scheune.
„Das arme Küken.“ sagte Fritz keuchend.
Ein brennender Vogel flog aus der Scheune und in den Wald hinein.
„War da noch eine Taube in der Scheune?”, fragte Max.
„Anscheinend”, antwortete Thomas – “Die anderen werden das Feuer bald bemerken. Wir sollten schnell weg!“, meinte Thomas.
„Nein, wir müssen die anderen warnen.“ widersprach Max.
„Warnen? Spinnst du? Willst du Ärger bekommen? Wir waren unerlaubt hier, haben nicht gearbeitet und das Dreieck vom Händler ist weg“, sagte Thomas.
„Und die Scheune brennt“, fügte Fritz hinzu.
„Besser die Scheune als das Dorf“, meinte Max – „Das Feuer könnte auf den Kornspeicher überspringen!”
„Unsinn, die werden das Feuer früh genug bemerken.“ behauptete Thomas.
„Wenn nicht, dann brennt das Dorf ab, nur weil ihr zu feige wart” ,sagte Max.
„Wenn wir erwischt werden, können wir die Prüfung beim Magier vergessen“, sagte Thomas – “Du läutest die Sturmglocke, während wir zum Kornfeld rennen! Und denk daran, dass du uns nicht verrätst!“
„Ich komme mit. Nehmen wir die Abkürzung durch den Wald“, sagte Fritz.
Thomas und Fritz liefen zum Wald, Max zur kleinen Kirche und läutete die Glocke. Dann rannte er zum Wald und sah aus den Augenwinkel eine Gestalt im Schatten des Kornspeichers stehen.

*

Der Dorfälteste hörte die Glocke und verließ mit den Dorfbewohnern das Gemeindehaus. Dann schrie er: „Feuer, die Scheune brennt! Alle zum löschen!“
Sie liefen zur Scheune. Die einen versuchten den Brand zu löschen, während die anderen den Kornspeicher mit Wasser überschütteten, damit das Feuer nicht überspringt. Doch dem Feuer konnten die Dorfbewohner nicht Einhalt gebieten. Da kam der Händler mit einem seltsam aussehenden Artefakt aus seinem Wagen und schrie, denn Lärm übertönend: „Aus dem Weg!“
Er drehte an einem kleinen Rädchen und warf es mitten in die brennende Scheune.
Dann warf er sich zu Boden. Plötzlich spritzte eine riesige Wasserfontäne in die Höhe und löschte den Brand.
“Das Feuer ist gelöscht!”, riefen die Bewohner – “Warum hat es überhaupt gebrannt? Und wer hat geläutet?“
„Wie können wir dir danken?“ fragte der Dorfälteste den Händler.
„Bringt mir mein magisches Amulett zurück, das mir gestohlen wurde!”, antwortete der Händler.
Der Dorfälteste fragte: „Wann wurde es gestohlen?“
„Während der Versammlung.“
„Alle waren bei der Versammlung, außer dem Einsiedler und ein paar Kindern.”
“Der Einsiedler? Er hat sich dafür interessiert. Vertraut ihr ihm?”, fragte der Händler.
“Nein. Er tut immer sehr geheimnisvoll“, sagte der Dorfälteste.
“Wo ist der Einsiedler?”, fragte der Händler.
“Ich bin hier!”
Der Händler und der Dorfälteste drehten sich um und sahen den Einsiedler.
„Ich habe nach dem Läuten jemanden weglaufen sehen“, sagte der Einsiedler.
„Wie sah er aus? Wie heißt er? Lebt er hier im Dorf?“ fragte der Dorfälteste.
„Es war der jüngste Sohn von Hildegard und Franz“, antwortete der Einsiedler.
“Franz! Wir müssen mit dir sprechen”, rief der Dorfälteste.
Der Vater der drei Brüder kam zum Dorfältesten.
“Sag mir, Franz, wo ist dein jüngster Sohn?”
“Der arbeitet mit seinen beiden Brüdern am Kornfeld!”
“Der Einsiedler behauptet, dass dein Sohn im Dorf war, als das Feuer ausbrach. Was sagst du dazu?”
“Max? Er würde so etwas nie tun!”
“Und dem Händler fehlt ein wertvolles Amulett! Wir werden mit deinem Sohn sprechen.”

*

Am Abend saßen der Dorfälteste und der Händler in der Stube. Der Vater führte seine drei Söhne herein.
“Seid ihr am Kornfeld gewesen?”
“Wir haben dort gerarbeitet, Vater”, antwortete Thomas.
“Max! Warst du wirklich am Kornfeld?”, fragte der Vater streng.
“Max war mit uns am Kornfeld, Vater”, antwortete Thomas statt Max.
“Dich habe ich nicht gefragt, Thomas!”
Der Dorfälteste wandte sich an Max.
“Der Einsiedler behauptet, dich gesehen zu haben, kurz nach dem die Glocke geläutet wurde. Wir glauben dir natürlich mehr, als dem Einsiedler. Wenn du uns hier und jetzt sagst, dass du mit deinen Brüdern am Kornfeld warst, dann glauben wir dir. Denn wenn du es nicht warst, dann muss es der Einsiedler gewesen sein.”
“Was würde mit ihm passieren?”, fragte Max.
“Dann muss er mir das Amulett bezahlen!”, sagte der Händler.
“Und die Scheune”, fügte der Vater hinzu
“Wir werden ihn aus dem Dorf jagen!”, sagte der Dorfälteste – “Also, Max?”
“Dieses Amulett hat mich interessiert. Ich wollte es mir nur kurz ansehen.
Dann habe ich die brennende Scheune bemerkt. Ich habe mit der Glocke geläutet um euch zu warnen und bin dann weggerannt.“ erzählte Max.
„Und was ist mit dem Amulett? Hast du es noch?”, fragte der Händler.
„Nein, ich habe es beim Laufen im Wald verloren.“
„Du hast es verloren?“, sagte der Händler, „Es war sehr wertvoll!”
“Max, du wirst es bei ihm abarbeiten!”, sagte der Vater.
“Ja, Vater”, antwortete Max.
“Das akzeptiere ich. Morgen reise ich ab und du wirst mich begleiten, junger Mann!”

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