Nummer 3458723190 vortreten zum Blog-Lesen

Ja, schön langsam wird mir einiges klarer. Ich muss mich hüten, jemanden in einer persönlichen E-Mail, so nebenbei, auf mein neues Weblog aufmerksam zu machen („Hey, dann kannst du hin und wieder etwas von mir lesen, falls ich mich mal länger nicht melde. Toll, nicht?“). Weil die Antwort darauf merkwürdigerweise ähnlich ausfällt: „zu wenig Zeit“ oder „ich verbringe lieber die Zeit mit realen Gesprächen“. Aber wer genau hinhört (ja, entweder bist du sensibel oder nicht völlig abgestumpft), der weiß, worum es in Wahrheit geht.

Wir wollen keine x-beliebige Nummer sein. Wir wollen persönlich angesprochen werden. Wir wollen mit jemanden kommunizieren, plaudern, reden, lachen. Wir wollen vom „Gesprächspartner“ am anderen Ender der Internet-Leitung wahrgenommen und akzeptiert werden. Wir wollen hören, dass wir interessant für den anderen sind. Wir wollen uns austauschen. Wollen uns sicher sein, dass wir es mit einem Herz, nicht mit der Ratio zu tun haben.

Erst heute – in einem kleinen Wiener Teeladen*, während einer Weinverkostung* – erzählte der Ägypter Zaid, ein älterer Herr, davon. Dass er Menschen um sich haben möchte (ja, wir haben viel gelacht – war’s der Wein?), und dass nur wahre Freunde jenes Kapital sind, das du wirklich brauchst im Leben. Nichts anderes!

Und ein Weblog ist das genaue Gegenteil. Es lebt nicht. Es sprudelt nicht. Keine Plaudertasche. Viele Schubladen. Es ist tote Kommunikation. Und wer reitet ein totes Pferd? [hab ich schon gesagt, dass M. auf meinem Schreibtisch Fanti entdeckt hat? Obwohl M. noch nie einen Fuß (oder zwei) über meine Türschwelle gesetzt hat. Zauberei?]

So. Das sollte es aber für heute endgültig gewesen sein.
Ich werde nun mein Pferd satteln.

* es sieht nach einer schleichenden Werbung aus – vermutlich ist es das auch – aber wenn man bedenkt, dass die Inhaberin sich ihren Wunschtraum erfüllte (Ladenlokal), dafür einen gutbezahlten Job in der Privatwirtschaft an den Nagel hing und nun versucht, über die Runden zu kommen (wer vermeint, mit einem Teegeschäft reich zu werden, der vermeint auch, als Schriftsteller versorgt zu sein), möchte man mir diese unbezahlte PR verzeihen. Und Silvia, die ebenfalls der Marketingbranche den Rücken kehrte, versucht nun ihr Ding durchzuziehen. Neid, nein, Neid ist auch hier nicht angebracht. Sie haben beide das Risiko des Scheiterns in Kauf genommen, um anderen (und natürlich sich selbst) eine Freude zu bereiten. Die wenigsten sehen es – aber ohne das Engagement einer Renate oder einer Silvia wäre die zivilisierte Gesellschaft eine ärmere. Das wollte ich jetzt unbedingt gesagt haben. Und in meinem Blog kann ich sagen, was ich will.

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5 Kommentare zu „Nummer 3458723190 vortreten zum Blog-Lesen“

  1. Blogs können sehr wohl leben, hier stimme ich dir nicht zu. Allerdings, und das beherrscht du grandios, kann man in einem Blog das letzte Wort haben – wo noch?

  2. Was es bringt, ein Weblog? Es kann Kontakte herstellen, es erleichtert das Kennen lernen. Aber aus der virtuellen (toten) Kommunikation muss früher oder später eine reale (lebendige) werden. Ansonsten verläuft es im Sand. Aber wenn ich mal die Laura in Frankreich treffe – oder sie mich in Wien besucht, dann haben wir es geschafft, lebendig zu werden.

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