Schreibwetterleuchten

Gestern Nachmittag Gasthörer der Werkstätte Theaterdramaturgie der VWV Kunst & Kommunikation. Gernot Plass, einer der Leiter des Theaters an der Gumpendorferstraße (TAG) erzählte über die Geschichte des Wiener Off-Theaters (die Klein- und Mittelbühnen, die versuchen, sich neben den großen Schauspielhäusern zu platzieren), über das Leben mit zu wenig Budget (freilich, zum Sterben ist’s wieder zu viel), über den Anspruch Qualität abzuliefern, über die Frage, wie man das Theater füllt (StudentInnen kommen bis Ende Juni gratis in den Genuss!) und zu guter Letzt die (politischen) Querelen, die mit der Kunstförderung einhergehen.

Ich gestehe, noch nie im TAG gewesen zu sein. Wird sich freilich ändern (müssen). Immer dann, wenn du jemanden persönlich kennen und schätzen lernst, er dir sympathisch ist und du weißt, dass er mit Leib und Seele in dem aufgeht, was er kreativ tut, dann kannst du diesem Menschen deine Wertschätzung zeigen, in dem du Zeit, Energie oder Geld investierst. Durch Lob und schöne Worte und der bekannten Wiener Schulterklopferei ist nichts erreicht.

Im Anschluss an die Werkstätte plauderte ich angenehmst mit einer Gasthörerin namens B. Sie studiert die Rechtswissenschaften und hat bei Sommer-Musikfestivals in allen Bereichen mitgearbeitet. Sie scheint mir geerdet (Thema: Förderungen; TWW) und stellt die richtigen Fragen („Darf ich du sagen?“). Damit ist für mich klar, sollte ich einmal eine Theaterproduktion auf die Beine stellen, sie wäre im Boot (ich gehe davon aus, dass sie gut schwimmen kann).

Am Abend im schwarzen Salon des Volkstheaters (ist eine Probe- bühne im Dachbereich – man wird hinaufgeführt) die Schreibwetter– Lesung besucht. Raoul Biltgen, das Multitalent in Sachen Schreiben und Schauspielern, mit dem ich im losen Kontakt bin, hat eines seiner Stücke lesen lassen (und selber mitgelesen). Amüsant! Danach gab’s einen Umtrunk (Wein!) und die übliche Plauderei (so man sich traut, die hohen Herrschaften anzusprechen). Wieder mit der Vollblut-Schauspielerin Inge Maux beisammengestanden – wieder beeindruckten mich diese leuchtenden, begeisterten Augen, wenn sie von ihrer geliebten Rolle als Närrin (Shakespeare) sprach. Schön, dass ich auch die Gelegenheit bekam, ihr und Raoul Biltgen („steht das auf deiner WebSite?“) von meinem „Erfolg“ (TWW) zu erzählen. Trotzdem beschlich mich das unangenehme Gefühl, dass man meinen könnte, ich wolle mich anbiedern, mich anbieten, mich anpreisen. Anbiederung liegt mir fern, so wahr ich ein Blog habe, trotzdem bin ich es. Es ist unmöglich, objektiv über seine Leistungen zu befinden. Deshalb tut es gut, wenn es andere tun. Deshalb ist es so notwendig, dass es andere tun – auch wenn diese bezahlt werden, es würde keiner die Nase rümpfen.

Zu guter Letzt, wieder spielt der Zufall Regie, ist mir die WebSite von Kheira Linder (Berlin) über meinen Bildschirm gelaufen. Ihre Illustrationen, ihr ArtWork gefallen mir. Ein bisserl überleg ich bereits, mein neues Buchprojekt von ihr bepinseln zu lassen. Sie könne zwischen „Dienstleistung und Kunst“ unterscheiden, schrieb sie mir auf meine Anfrage hin. Schön, wenn diese Unterscheidung noch gemacht wird. Denn, wie sagte Gernot Plass gestern, zuerst halten die Leute die Hand auf.

3 Kommentare zu „Schreibwetterleuchten“

  1. Ach, schön ist das hier. Kunstvoll, ohne künstlich zu sein. Blauer (Blog-)Himmel, gesprenkelt mit Schönwetter-Wölkchen und trotzdem blitzt’s, donnert’s, regnet’s und leuchtet’s. Man schaut, liest, genießt, amüsiert sich, lernt, vertieft sich – Prognose: 30 Grad im Schatten und ein angenehmes Lüftchen. Ja ja, schön ist das hier …

    PS. Sehr clever mit der E-Mail Adresse – hm, da opfere ich meine Privatsphäre (even if not published) mal eben für die Kunst – was tut man nicht alles …

  2. Da blitzt der Kommentar aus dem virtuellen Wölkchen, fährt in das Blog, donnert, dass sich die Zeilen aufs Angenehmste verbiegen und dann ist mit einmal wieder alles vorbei. Nur dieses „L.“ bleibt zurück.

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