Investitionen

Gestern also das Sparschwein geplündert (die Scherben liegen noch herum) und über den sparsamen Schatten gesprungen. Zuerst, durch einen puren Zufall, Lhotzkys Literaturbuffet in der Taborstraße entdeckt – 2. Bezirk, nicht unweit der Innenstadt – und sogleich angetan gewesen. Immerhin kann man dort in aller Ruhe und Gemütlichkeit Kaffee und Kuchen zu sich nehmen und in den Büchern schmökern. Der Espresso ist um unschlagbare 1,- zu haben und schmeckt nicht schlecht. Ein Hotspot (WLAN) wird gratis angeboten – hab ich aber noch nicht ausprobiert. Ja, es wird Zeit für ein neues Notebook, ich weiß.

shopping in june

Dann das sympathische Antiquariat Schleifer im 3. Bezirk aufgesucht, wo ich meine bestellten Bücher abholte, die skurillen Leutchen beim Suchen und Goustieren beobachtete und eine zerfledderte Broschüre aus dem Jahre 1880 ergattern konnte. Auf die Frage von Herrn Schleifer („Studieren Sie die französische Revolution? Das ist eine Lebensaufgabe!“) meinte ich nur, ein Buch darüber schreiben zu wollen. Und weil er gar so ungläubig dreing’schaut hat, gab ich ihm kurzerhand meine Karte. Schließlich und endlich soll er wissen, dass auch Schriftsteller (und solche, die es werden wollen) seine Lokalität frequentieren. Werde sicherlich öfters dort anzutreffen sein. Wer sich übrigens für antiquarische Bücher interessiert, kann sich mal bei Booklooker oder dem ZVAB umsehen. Bis dato hab ich nur mal bei Booklooker meine Fühler ausgestreckt (zwei Schwarten aus Zürich einfliegen lassen – wenn ich’s gewusst hätte, hätt ich’s mir damals gleich mitnehmen können und mir so die horrenden Versandkosten erspart). Ärgerlich, dass ich noch kein österreichisches Antiquariat finden konnnte, die Flauberts „Wörterbuch der Gemeinplätze“ im Angebot haben. Gestern einen Auszug davon kosten dürfen – und hätt mir beinah ins Hoserl gemacht, so amüsant und witzig, wie der Monsieur Flaubert seine französischen Zeitgenossen auf die Schaufel genommen hat.

Schließlich und endlich ein neues Mobilofon erstanden. Ein Testbericht wird freilich folgen – weil ich ja im Netz auch immer wie gierig nach solchen suche. Nach drei Testberichten ist man zumeist so klug und unentschlossen wie zuvor. Das ist die Krux, das ist das Dilemma.

Überhaupt erinnere ich mich an alte Zeiten, als das Kaufen dürfen, das Haben wollen und das Bekommen müssen, einen starken Drang auslöste. Es war eine jubilierende Freude, die sich da auf das neu erstandene Produkt ergoss. Und erst die leuchtenden Augen. Man durfte keine Zeit verlieren, mit dem Auspacken, mit dem „in Betrieb setzen“. Alles musste schnell, schnell, schnell gehen. Welch Glückseligkeit, es in Funktion zu sehen, zu hören, zu spüren. Tiefe Befriedung verschaffte es damals. Wenn auch nicht für lange Zeit. Bald bedurfte es einer neuerlichen Anschaffung. Und so wurde die Dosis mit jedem Kauf leicht erhöht, die Gegenstände meines Herzens kostspieliger und teurer. Immer mehr. Immer mehr. Immer mehr.

Seit ich mich für das Schreiben entschlossen habe, für das Genügsame, das Sparsame, das Notwendigste (und das ist noch immer übertrieben viel), machen mir größere Einkäufe keinen Spaß, verschaffen mir nicht jene Befriedigung, die einen in den Zustand des Kindes versetzen. Leuchtende Augen? Nein! Kritische, zweifelnde sind es geworden. Immer Murphys Gesetz im Hinterkopf. Immer all jene Momente, als Produkte nicht das taten, was sie hätten tun sollen. Enttäuschung hie und da. Das schlechte Gewissen, Geld für Unnötiges, nicht Funktionierendes ausgegeben zu haben. Die Schwierigkeiten, die vielen Probleme, wenn das Gerät den Dienst versagt, einer Reperatur bedarf.

Und so gibt es nur dann ein zufriedenes Gefühl, wenn das Produkt, das Gerät eine Investition in die Zukunft ist. Wenn es mein kreatives Tun fördert, wenn es mir mehr Zeit lässt, wenn es mir neue Kontakte bringt. So, wie der Musiker ein Instrument zum Spielen benötigt, so benötigt der Schreiber, der Dichter, der Schriftsteller so viel Instrumente, wie es notwendig ist, seine Gedanken anzufachen, zu ordnen, zu schlichten, niederzuschreiben. Ja, so eine Investition tut ausgesprochen gut und lässt auf morgen hoffen.

update: Ojemine! Ich befürchte, das war wohl das letzte Foto, das ich mit meiner alten Digitalkamera geschossen habe. Wie’s der Teufel haben will, fällt mir das Ding vom Schreibtisch – und obwohl robust wie ein Panzer, muss es ausgerechnet die empfindlichste Stelle, den Programmschalter treffen (erinnert ein bisserl an die Tragödie des Schlachtschiffes Bismarck). Vermutlich hat der klobige Apparat befürchtet, die Mobilofon-Kamera wird ihm den Rang ablaufen – was gut hätte sein können, immerhin ist das Mobilo immer bei der Hand, verbraucht nicht Unmengen von Akkus und löst schärfer auf (ich sage ja, das Ding ist alt). Ein bisserl traurig bin ich schon. Aber selber Schuld. Weil ich das Kabelgewirr nicht freilegte, und weil ich das Wort „ergoß“ im Duden nachschlagen musste. Wär ich mir sicher gewesen, ich wär mit meinem Sessel nicht nach hinten gerückt und …