richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Carl Zeiss und Annett in Jena

Dienstag, 28. August 2007

Jena. Carl Zeiss Jena. Bekannte Fußballelf zu DDR-Zeiten. Erinnere mich an eines dieser Mannschaftsfotos, die ich 1978 in ein Sammelalblum geklebt habe, neben Lok Leipzig und Dynamo Dresden. Der Bahnhof (mit dem klingenden Namen „Jena Paradies“) sieht nach ruhiger Provinz aus. Ich tripple in das Zentrum und finde nur durch Zufall die Touristen-Informationsstelle. Ich gehe hinein und geb meine Wünsche bekannt. Eine junge Frau (darf man(n) noch Mädel sagen?) macht sich über den Computer her („hab ich schon länger nicht mehr gemacht“), stellt sofort fest, dass ich eine günstige Bleibe suche (woran hat sie’s gemerkt? Weil ich mir vielleicht schon seit einer Woche nicht die Haare gewaschen habe?). Sie wird schnell fündig – nicht unweit des Stadtkerns, um günstige 22,- ein formidables Appartement. Später erst erfahre ich, dass ich das Glück hatte, dass jemand für heute abgesagt hat. Ansonsten wären alle Appartements ausgebucht. Sie nimmt meine Daten auf. Merkwürdigerweise findet die Software den Ort „Wien“ nicht. Kurz überlege ich, ob zwischenzeitlich Wien von der Landkarte verschwunden ist, aber es stellt sich gottlob heraus, dass nur eine zusätzliche Eingabe erforderlich ist. Damit ist alles unter Dach und Fach.

Ich bin hocherfreut, deponiere unbürokratisch meinen Trolley („ja, stellen Sie ihn einfach da ab“) und frage, ob ich sie fotografieren darf („für mein Blog“). Sie hat nichts dagegen, also knipse ich ungeniert drauf los. Dann verschwindet sie kurz im Büro, während mich eine ältere Dame, die die ganze Zeit hinter mir gestanden ist, anspricht und lächelnd sagt, dass sie mir auch ein Quartier angeboten hätte, wenn sie in ihrer Wohnung noch Platz gewesen wäre. Dann meint sie, ich solle die junge Dame hinterm Schalter lobend erwähnen. Ich antworte, dass ich es gern tun werde, aber ihren Namen leider nicht kenne. Darauf nimmt die ältere Dame einen Zettel, schreibt mir den Namen auf und reicht ihn mir mit den Worten: „Ich bin ihre Mutter.“

Nun denn, meine liebe Annett Försterling von der Touristen-Informationsstelle in Jena, hier an dieser Stelle gibt es ein dickes Lob für dich, weil ich eine mehr als sympathische, freundliche und amüsante Beratung erhalten habe und genießen durfte. Ach, gäb’s doch nur mehr solcher Annetts in all diesen Info-Zentren, das Reisen würde unendlich angenehmer sein.

Vielleicht sollte ich Annett auf einen Kaffee einladen, bevor es wieder gen Wien geht. Moment. Wer oder was treibt mich eigentlich nach Wien? Darüber muss ich nachdenken.

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7 Antworten zu “Carl Zeiss und Annett in Jena

  1. Der Milchmann Donnerstag, 30 August, 2007 um 1:12

    Ja,ja, big mother is watching you! Wenn Du also das nette Annetterl zum Kaffee entführen willst, wird a nette (oder Annettes) Frau Mama nicht weit weg sitzen. „Wien, Wien, nur Du allein, …“

  2. maureen Donnerstag, 30 August, 2007 um 9:50

    die liebende mutter als verkupplerin… jetzt siehst du mal, was für einen eindruck du aufs weiblliche geschlecht machst! ich hoffe, annett kennt deine blogadresse, damit sie auch lesen kann, wie lobend sie erwähnt wurde…

    herzlichst, maureen

  3. Richard K. Breuer Donnerstag, 30 August, 2007 um 10:33

    @ maureen: Eindruck aufs weibliche Geschlecht? Scheinbar dürfte ich einen Eindruck aufs mütterliche Geschlecht machen 😉 Ja, werde ihr die Blog-Adresse freilich nennen. Lob, wem Lob gebührt. Schon im Reisefieber?

  4. Richard K. Breuer Donnerstag, 30 August, 2007 um 10:35

    @ Milchbub: schön gesungen. Weiter so.

  5. Laura Donnerstag, 30 August, 2007 um 16:32

    Ich bin sicher Annett freut sich auf einem Kaffee… äh, natürlich treibt dich nichts nach Wien. Bleib nur ruhig in Deutschland bis meinen Aufenthalt in Hamburg!

  6. maureen Donnerstag, 30 August, 2007 um 22:41

    @ richard: mütter wollen stets nur das beste für ihre töchter, das weiss ich aus eigener erfahrung! 🙂

  7. Richard K. Breuer Samstag, 1 September, 2007 um 1:44

    @ Laura: Hamburg? Ja, die Hafenstadt muss ich mir auch noch mal anschauen. Vielleicht bekomm ich ja mal ein WG-Zimmer für ein paar Tage zur Verfügung gestellt. Wer weiß, wer weiß …

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