Das A(r)telier am Ende der Straße

Gestern, Donnerstag, also die „Eröffnung“ der Design-Verkaufs- Ausstellung im kleinen Atelier der Michaela von Kirchknopf, die schon beim Künstlerfrühstück für amüsante Furore sorgte.

mk

Nachdem ich sie Tage zuvor unentgeltlich beraten hatte, welche Bilder wo anzubringen sind, ließ ich kurzerhand drei original- verpackte Exemplare von „Rotkäppchen 2069“ dort und bedrängte, pardon, becircte sie solange, bis sie eines in das Fensterchen stellte, auf dass es jedermann und jederfrau sehen kann, wenn er oder sie es denn möchten. Völlig gerührt musste ich ein Foto davon machen. Ach, was bin ich stolz auf mich! Äh, ja, ein großes Dankeschön geht selbstverständlich an Mademoiselle M.

artelier_rotkappe

Gestern, um wieder zum bloggenden Thema zu kommen, gab es also einen kleinen Umtrunk bei ihr. Wie zu erwarten war, durfte viel und oft gelacht werden – so man den Humor der Beteiligten goutiert. Ich präsentierte den ersten ansehnlichen Entwurf des neuen Buchum- schlages (vulgo Cover) von „Tiret„. Wer nun Süßholzraspelei oder Schultergeklopfe erwartet hat (ich!), der wurde enttäuscht (ich!). Die Malermeisterin besah sich den Ausdruck, runzelte kurz die Stirn und gab ihre fachkundige Meinung ab: „Das sieht für mich wie eine Menükarte aus!“ Was soll man da sagen? Jetzt muss ich wohl ein Kochrezept dem Anhang beifügen – ich denke dabei an „Malerin am Spieß in einer scharfen Pfeffersauce“. Weitere Vorschläge werden gerne entgegen genommen.

Ich steckte also den Entwurf wieder weg und kümmerte mich ums Vernetzen. So kam ich mit Walter F. ins Gespräch, der sich dem Comic verschrieben hat und ein comiceskes Kriminal-Journal vertreibt. So nebenbei produziert er für OKTO-TV Ka-Puff – ein Comic-Journal. Er hätte einen tollen französischen Zeichner an der Hand, sagte er mir, der gerne etwas über Wien machen würde. Dass dabei das Wien der Jahrhundertwende den Hintergrund geben soll, ließ mich aufhorchen. Ja, daraus könnte vielleicht ein neues, überschaubares Projekt werden. Nachdem mir ja schon attestiert wurde, dass ich ein begnadeter Comic-Autor wäre (also, für diesen Blog-Beitrag hab ich bitteschön nix bezahlt!), bleibt einem nichts anderes über, als sich darin zu versuchen. Was fällt einem zum Wiener Fin de Siècle ein? Na bitte, geht ja.

Monika Herschberger, Künstlerin ihres Zeichens, stellte sich zu mir und Tom St. und machte keinen Hehl daraus, dass sie Muschis verkaufe. Der Katalog war gleich zur Hand. Was die Irritation bei Tom auflöste. Ich frag mich ja, wie viel man(n) für Kunstmuschis auszugeben bereit ist. Freilich, so ein Angebot („Ich kauf dir deine Muschi ab!“) könnte leicht missverstanden werden. Andererseits, wer weiß, vielleicht ist dieses Missverständnis durchaus erwünscht – aber das gehört jetzt nicht hierher.

artelier01

Nachdem ich einige Becher des dargebotenen Weines genüsslich getrunken habe („Richard! Eigentlich müsstest ja du den Wein mitbringen, nach dem du die Leute eingeladen hast.“), konnte ich (und die anderen) eine leichte Beschwipsung feststellen – kein Wunder also, dass ich Kalifornien mit Polen verwechselte. Was mir unendlich peinlich war und noch immer ist. Renée, mea culpa!

So spielte wieder mal der Zufall Regie und führte Elga aus Meran mit X (wie hieß er doch gleich? Jedenfalls ist er Fisch im Sternzeichen) aus Bozen (für mich hatte er einen schweizer Dialekt) zusammen. Südtiroler Plauderei am Spittelberg, sozusagen. Elga wurde dann sogar fündig, bei Alex, der seinen handgefertigten Schmuck präsentierte. Maßanfertigung! Für Elgas kleinen Finger. Ob er ihren Namen eingravieren solle, fragte er. Elga war zutiefst erstaunt, ob dieses Service. Ja, man merkt einfach, wenn jemand seine Kreativität im Blut hat.

artelier02

Maria M., die einen gedruckten Sponsorführer für Kunst herumreichte (die Einträge für „Literatur“ hielten sich in Grenzen), kaufte eines der Rotkäppchen-Exemplare (nachdem Elga die Werbetrommel rührte: „Das musst du unbedingt lesen!“). Der Preis, der ja bekanntlich immer Verhandlungssache war/ist, wurde verhandelt. Was die Ateliersbesitzerin gar nicht gern hörte („Hey, ich mach hier die Preise!“). Ich nickte und sie steckte das Geld ein. Also trank ich weiter. Bis der Wein geleert war. Eine Flasche Sekt gab’s zu guter Letzt. Als Draufgabe, sozusagen. Die bescherte mir wohl das Kopfweh am Morgen. Ja, so ein Künstlerdasein ist kein Zucker- schlecken. Apropos, die Kekse der Frau Mama Kirchknopf waren allerschmackhaftest.

Advertisements

11 Kommentare zu „Das A(r)telier am Ende der Straße“

  1. Hallo herzallerliebster Richard, Lord of Words!

    Ja, ich bin AUCH nett (hat wer das Gegenteil behauptet?) und deswegen doch noch heute ein zweiter Blog-Eintragungsversuch und hoffen wir, daß der Blechtrottel es diesmal schafft. Obwohl müde, muß ich das Kompliment weitergeben. Spitze Feder und scharfe Worte, wie immer gut gewürzt. Und: Menüpläne sind doch was Feines! Essen erfreut den Leib und Dein Buch wird den Geist beflügeln. Hatte es vorher schon angekündigt. Erste Lesung im OFF-SZENE A(r)telier Tatort, bei unaufgeräumter Atelieratmosphäre, in Bohemien-style! Freue mich drauf! Die Französische Botschaft laden wir auch gleich ein – vielleicht gibt es eine kleine Revolution, wer weiß!
    Reservierungen für unbestimmte Zeit werden gerne schon heute angenommen.

    So long, Made-Moiselle Michi aus dem artelier tatort am Spittelberg!

  2. Hurrraa, der Blechtrottel hat es tatsächlich geschafft und deinen Kommentar abgespeichert. Du weißt ja, für einen Romancier (vulgo Schreiberling) ist nichts so gefährlich wie das Schweigen (frei nach Samuel Johnson).

    OFF-Szene-Lesung? Ja, klingt gut. Man könnte es gleich mit einer Malperformance kombinieren („Ja, diese Farbspritzer auf meinem Sakko sind ein Original!“)

    Die Französische Botschaft? Ob die in dein kleines A(r)telier passt? Vermutlich müsste der ganze Spittelberg abgeriegelt sein, der Sicherheit wegen. Klingt irgendwie interessant.

    Merci für deinen Kommentar.
    Der Menüplan erstellende und Geist beflügelnde Dichter zu Wien.

  3. nicht zu vergessen, der sponsorführer wurde auf wunsch des autors (neue buchidee vielleicht???) in die nette runde gebracht 🙂 das leidenschaftliche blättern im heftchen hatte nur eine nebensächliche bedeutung – richard du bist ein wahrer verkaufskünstler – michaela verzeih mir 🙂

  4. Ich bin ein „wahrer Verkaufskünstler“? Du meinst, weil ich dir ein Exemplar vom „Rotkäppchen“ aufgeschwatzt habe, den Preis um die Hälfte reduzieren musste und von dem Geld nix gesehen habe? Hm?! Wahrlich, ich bin ein wahrer Künstler – ich lebe und liebe für meine Kunst, sozusagen 😉

  5. Wie hab ich das nur gemacht, dass Mademoisselle M. mein Buch ganz freiwillig in die Auslage stellte?! Und danke, dass es so schön auf deinem Foto drauf ist. Und was habe ich falsch gemacht, dass ich dein Buch freiwillig und ohne Beschwatzung kaufte?! Und warum war ich gestern nicht beschwipst? Und wie hat es Markus gemacht, dass er eines meiner Bücher verkaufte? Und wieso waren zum Schluss plötzlich 2(!) begnadete Lacherinnen & Malerinnen im Artelier – obwohl ich dich nachgewiesener Weise NICHT beschwipst sah? So viele Fragen am so jungen Tag!!

    War fein mit euch,
    Peter

  6. @ Peter: „Wie hab ich das nur gemacht, dass Mademoisselle M. mein Buch ganz freiwillig in die Auslage stellte?!“

    Nach dem ich die Michaela genötigt habe, mein Buch in die Auslage zu stellen, meinte sie, dass es nur fair wäre, wenn man auch dein Buch in der Auslage präsentierte. Ja, die gute Michaela hat das Herz am rechten Künstlerfleck 😉

    Stimmt. War nicht beschwipst. Warum eigentlich nicht? Darüber muss ich jetzt nachdenken. Werde beim nächsten Mal der A(r)telierbesitzerin vorschlagen, einen Komödiantenstadl zu installieren („Mitten im 7ten“ oder „Das Lachen ist des Künstlers Lust“)

  7. So ist das mit dem Lektorat: aus meinem Tippfehler:
    „obwohl ich dich nachgewiesener Weise NICHT beschwipst war?“ – was eigentlich „obwohl ich doch nachgewiesener Weise NICHT beschwipst war?“ hast du „obwohl ich dich nachgewiesener Weise NICHT beschwipst sah?“ gemacht.
    Konklusio: wir waren beide nicht beschwipst – und werden darüber nachdenken, warum eigentlich nicht – und das ev. bei der (genötigten) Finissage nachholen und auf M.Ms großes Herz trinken!

  8. *Hicks*

    Ich habe mir erlaubt, deinen Kommentar in mein „Gästebuch“ auf meiner Website PR-mäßig auszuschlachten und habe einen Link zu einer Site gefunden, in der man ein bisserl was von dir lesen kann. Ich denke, die Leutchen soll(t)en wissen, wer dieser unbeschwipste Peter Bosch ist, oderrr?

    Sodala, jetzt schlag ich mir gleich mal den Bauch voll 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s