richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Feedback zu Tiret oder Der Sumpf des Dichters

Rückmeldung zur Leseprobe;
die Verfasserin „Magali“ ist dem Autor bekannt …

Lieber Richard,

nun habe ich es doch nicht mehr geschafft, Dir vor dem 24. zu schreiben. Deine Leseprobe habe ich gelesen.

„Tiret“ ist ein historischer Roman, es ist ein Sittengemälde und es wird wohl auch ein Mosaik daraus – das kann man aufgrund eines kurzen Text-Auszugs nicht beurteilen. Der entpricht in etwa einem Steinchen im Mosaik. Du mußt Dein Buch nicht in einer Richtung zuordnen, Du kannst ja eine für Dich neu schaffen. Kulturgeschichte wäre auch eine Möglichkeit. Sollte das Buch in einer Buchhandlung landen, wird es aber wohl bei den historischen Romanen zu liegen kommen.

Selbstverlag ist ein Problem. Ganz bestimmt ist nicht alles, was in Publikumsverlagen gedruckt wird, gut. Auch das, was in Literatur- verlagen publiziert wird, ist nicht per se der Weisheit letzter Schluß.

Dennoch muß man sehen, daß diese Häuser einen Grund-Standard haben. Der mag zunächst Mittelmaß sein, aber er tendiert nach oben. Von diesem Standard heben sich die schlechten Erzeugnisse ab. Daran werden sie gemessen. Eben weil ein Unternehmen wie Random House (um ein Beispiel zu nennen) auch verflixt gute Bücher herausbringt, fallen einem schwächere Erzeugnisse auf.

Im Selbstverlag, gleich wie man es tauft, ist das Niveau aber in der Regel so schlecht, daß die wenigen guten Erzeugnisse darin unter- gehen und zwar mit Haut und Haar und fliegenden Segeln. Es zieht einen sozusagen in den Sumpf.

Das gilt im übrigen auch für eine Anzahl von Kleinstverlagen, die in den letzten zwei, drei Jahren auf dem Markt gekommen sind. Der eine oder andere von ihnen ist auch mit einem sehr guten Buch baden gegangen. Ein Verlag ist eben mehr als Liebe zum Buch und eine gute Druckerei.

Das Problem, Deine Bücher zu vertreiben, hast Du darüberhinaus. Hin und wieder verkaufen sie sich gut, es gibt einen Frankfurter Taxifahrer, der (schlecht geschriebene) Frankfurt – Krimis heraus- bringt und inzwischen recht gut daran verdient, er hat Auflagen von über 5 000 Exemplaren. Verkauften Exemplaren. Dahinter steckt aber eine Menge Energie und Durchhaltevermögen, zum Beispiel dafür, in wörtlich allen Buchhandlungen aufzukreuzen und die Ware anzubieten. Buchhändler, jedenfalls soweit ich das gehört habe, mögen so etwas nicht besonders. Da ist Geduld und Menschen- kenntnis und Charme gefragt. Bist Du ein guter Verkäufer?

Das eigene Buch liegt einem am Herzen, es ist einem nah – und so, wie man es sich gedacht hat, will man es an Mann und Frau bringen. Ein Publikum finden und es überzeugen, ist aber eine ungeheuer schwere Aufgabe.

Zu Deinem Text:

sprachlich – stilistisch hat er mich angesprochen, inhaltlich weniger. Texte, in denen gleich auf den ersten Seiten Frauen sadistisch hingemordet werden, gefallen mir nicht. Das ist mein persönlicher Geschmack und meine persönliche Einstellung, aber in dem Punkt hört bei mir jeder Spaß auf.

Die weitere Handlung hat ein hübsches 18.-Jh.- Flair, wozu sicher auch beiträgt, daß Dein Deutsch eben Österreichisch ist. Vielver- sprechend, aber nicht unbedingt meine Richtung.

Ich hoffe, daß Du für Dein großes Unternehmen das Publikum findest, das Du Dir wünschst. Ich meinerseits wünsche Dir viel Energie, Durchhaltevermögen und vor allem viele schöne Einfälle für den weiteren Fortlauf Deiner Geschichte.

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4 Antworten zu “Feedback zu Tiret oder Der Sumpf des Dichters

  1. pebowski Dienstag, 25 Dezember, 2007 um 1:30

    RKB kann gut verkaufen: sonst wäre sein Rotkäppchen nicht ausverkauft. Und gut planen kann er auch: sonst hätte er nicht genau so viel drucken lassen, dass es ausverkauft ist und immer noch Nachfrage da ist (das Tante-Jolesch-Schinkenflecker-Prinzip)

    Und ja, es ist ein Krampf mit den Eigenverlagen, aber die Alternativen sind auch nicht berauschend. Die Chance von einen der großen genommen zu werden ist ungefähr so wie ein Lotto-Sechser, bei den kleineren wird aus budgetären Gründen auch kaum Werbung gemacht, die Präsenz in Buchhandlungen ist genauso mau – beim Eigenverlag bleibt statt den mageren 8-10% immerhin der ganze Gewinn.

    Was ist die Alternative? Autorenverlage? Web 2.0? Guerilla Marketing. The times are a-changin‘.

    Und welcher Verlag leistet sich heute noch ein anständiges Lektorat? Autorenbetreuung? An 1 Hand abzuzählen. Ich glaube, da hat sich Richard selbst mehr Qualität organisiert als er in den meisten Verlagen bekommen würde. Von der Qualität des Layouts ganz zu schweigen.

    Meine persönliche Meinung, Peter

  2. Richard K. Breuer Mittwoch, 26 Dezember, 2007 um 0:06

    Ich denke, die Texte sprechen für sich, oderrr?

  3. maureen Donnerstag, 27 Dezember, 2007 um 15:38

    mein lieber dichter,

    ich kenn‘ mich zwar nicht aus im ganzen autoren / selbstverlage-dschungel. doch scheint mir dein vorgehen extrem organisiert, strukturiert und in aller hinsicht von hoher qualität. ebenso ist das layout perfekt, wunderschöner umschlag, die gestaltung ist wirklich sehr hübsch, auffallend hübsch. ich stelle mir vor, wie der tiret so daliegt und man einfach hinschauen muss. hoffentlich bleibts nicht nur beim hinschauen, sondern auch beim reinschauen.

    das hast du sehr schön hingekriegt. wenn ich es dürfte, so wär‘ ich jetzt stolz auf dich. maureen

  4. Richard K. Breuer Samstag, 29 Dezember, 2007 um 2:08

    Ach, solch lobend schöne Worte hör ich natürlich immer gerne, meine liebe Maureen, aber du trägst ja meine rosarote Brille auf deiner Nase 😉

    Du bist also stolz auf mich? Dann dann hefte ich dieses Kompliment gerne an meine Dichter-Brust. Was mich wiederum zu „Azadeh“ führt (ja, alle meine schreibenden Wege führen irgendwann dorthin):

    Azdeh: „Ich fürchte, Herr Leutnant, es ist an der Zeit, mich zu verabschieden …“
    Märwald: „Werde … ich Euch wieder sehen dürfen?“
    Azadeh: „Natürlich! Ihr ward auf dem … blumigen Schlachtfeld vorbildlich. Habt mutig und couragiert gehandelt. Dafür möchte ich Euch eine Auszeichnung überreichen. Ist es mir erlaubt? Ja? Fein! Voilà [sie haucht ihm einen Kuss auf die Wange]. Diesen Orden könnt Ihr getrost mit Stolz nach Hause tragen, Herr Leutnant!“

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