Die Antwort eines Philosophen

Um den unten angeführten Text zu verstehen, ist es notwendig, diesen Beitrag über das Gespräch mit Dr. Peter Zeillinger gelesen zu haben! Die Antwort von ihm ist schon etwas Besonderes. Man kann wunderbar erkennen, welch exakter und vor allem liebenswürdiger Geist hier in den Zeilen mitschwingt.

Lieber Richard,

herzlichen Dank für die freundliche „Rezension“ unseres Gesprächs. Ich kann es – das Gespräch – und auch mich darin gut wiederfinden. Auch mit dem „Rauschebart“ habe ich mich bereits recht gut angefreundet (- um nicht zu sagen „stolz“ darauf zu sein). Ich habe hier also nichts Inhaltliches oder Wesentliches zu ergänzen. – Natürlich (und Du ahnst es bereits) muss der auf diese zuvorkommende Weise von Dir Angefragte doch ein wenig seinem Ego Genüge tun und da und dort ein wenig an der Formulierung herumbessern. Ich erlaube mir zwei solche Anmerkungen:

1) Du schreibst »“Thron/Stuhl der Macht“ (weltliches Oberhaupt oder eine Regierung)«: Letztlich ist jedoch der Thron nicht das Oberhaupt (oder die Regierung) selbst, sondern lediglich der „Ort“, an dem das „Oberhaupt“ zu thronen versucht (und damit zwangsläufig die Ideologie, d.h. die Grenzziehung und damit die Ausgrenzung, die mit Ideologie stets verbunden ist, verursacht). Demgegenüber wäre die Idee der Repräsentation der (leeren) Stelle der Macht jedoch die, diesen „Ort“, d.h. den Thron eben leer zu lassen und statt dessen dafür zu sorgen, dass er auch leer bleibt ohne deshalb ignoriert zu werden. – Bereits das Freihalten ist eine konkrete und in der Praxis nicht zu unterschätzende Aufgabe, die (quasi automatisch) dazu führt, Ungerechtigkeiten aufzudecken und sich für andere Strukturen einzusetzen (ohne dabei vorzugeben, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben – wie man so schön sagt.) – Es geht also um Engagement, und das ist stets etwas Politisches, d.h. politisch Relevantes. – Kurz: Der Re-präsentant besetzt nicht den Thron (dies wäre unmittelbare Präsentation), sondern re-präsentiert dessen Ort ohne ihn zu besetzen.

2) Im Kontext der „dritten Möglichkeit“ schreibst Du, diese „müsste also eine Abwahl beinhalten […]“. – Jein, würde ich sagen. Wenn die Abwahl zwingend wäre, wäre schon wieder zuviel Wissen, d.h. zuviel falsche Sicherheit im Spiel. Das Engagement würde in einen „Vollzug eines Programms“ verwandelt (und damit tendenziell bereits wieder ideologisch). – Ohne hier viel zu ändern würde ich einfach sagen, die „dritte Möglichkeit“ bestünde darin, die „MÖGLICHKEIT einer Abwahl“, besser noch: die „notwendige Möglichkeit einer Abwahl“ stets in Betracht zu ziehen – und sich nicht dem Napoleon auf Zeit zu ergeben. Dies hieße, selbst (als Individuum, aber auch als Gruppe, Kollektiv, etc.) Verantwortung dafür zu übernehmen ob diese Möglichkeit schlagend wird oder nicht. Das Auftauchen des Populisten – ob er nun offen als solcher agiert oder auch subtiler, wie wir es nur allzu oft gewohnt sind -, der letztlich stets vor allem im eigenen Namen agiert (auch wenn er den Massen anderes vorzugaukeln versucht) ist dabei ein gutes Kriterium für den Zeitpunkt, sich mit der Möglichkeit und eventuell auch der Notwendigkeit der Abwahl bzw. der prinzipiellen politischen Infragestellung solchen Agierens auseinanderzusetzen.

Du siehst, dass ich wieder versuche, möglichst komplex über kleine Füllworte („Ort“, „Möglichkeit“) zu sprechen, deren Existenz in einem Blog vermutlich zumeist keinen großen Unterschied erkennen lässt. Von der Sache aber wären sie wohl sehr ernst zu nehmen.

Herzlichen Dank nochmals für unser Gespräch gestern. Das Programm forderte – so wörtlich in einem Brief der Veranstalter – die „Dekonstruktion der Experten“, die mit dem gesprächseinleitenden Gong einsetzen sollte. Wenn diese „Dekonstruktion“ (= de-Konstruktion, d.h. Aufdecken der Konstruktion und damit des Konstrukts) den fragwürdigen Experten-Status in der Gesprächs- situation nicht aufgedeckt hätte, dann wäre das Notwendige nicht getan worden. Auf dass es also geschehen sei …

Der „Abdruck“ erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors!

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