richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Drehbuch² oder keep it short, not simple

INT. DICHTERWOHNUNG/SCHREIBTISCH – VORMITTAG

Der Dichter sitzt an seinem Schreibtisch, hört Musik (Seal und Amy Macdonald) und schreibt einen Blog-Eintrag. Er hat leichte Kopfschmerzen. Er sieht auf das Mobiltelefon. Tippt eine Nummer und hält das Telefon ans Ohr.

DICHTER

Ich bin’s. Richard. Hab ich dich aufgeweckt? Egal, wann ich dich anrufe, immer weck ich dich auf. Ihr habt wohl alle so einen seltsamen Schlafrhythmus, wie? Okay, kommen wir zum Wesentlichen. Häh? Ja, gestern hab ich’s SP. geschickt. Nein, sie hat sich noch nicht gemeldet. Heute oder morgen. Hat sie gesagt. Hm? Wie? Ja, ist die zweite Version … hat aber immer noch 370 Seiten. Ach? Du sagst mir jetzt was Neues. Ja, ich weiß, dass es zu viel für einen Kinofilm ist, aber ich hab ja nur geschrieben, was du mir diktiert hast, schon vergessen?  Nein, nein, da hast du mich jetzt falsch verstanden … du kannst mir alles diktieren. Lieber zu viel, als zu wenig. Genau. SP. meint ja, dass sie das Sript kürzen könne, ohne, dass der Witz verloren ginge… ich lass mich überraschen, was sie mir vorschlägt. Da ich ja sowieso daraus ein Buch machen will, ist es mir … na, sagen wir, fast egal, was am Ende daraus wird. Wichtig ist ja nur, dass SP. mit dem Endscript zufrieden ist und es den Investoren mit Verve pitcht, oder? Ja, ich geb dir Bescheid, wenn ich mit ihr gesprochen habe. Aha. Vielleicht.  Ja, gestern  Nachmittag. Über vier Stunden habe ich mit ihr über den zweiten Band gesprochen. Naja … es war … wie soll ich sagen … ernüchternd. Aber halb so schlimm, ich hab gestern Abend noch eine Idee gehabt, wie ich das Ganze doch noch auf Kurs bringen kann. Wie? Naja … zuerst dachte ich ja, ich mache etwas Eigenständiges daraus … losgelöst von der Tiret-Saga … aber da bin ich mir auch nicht mehr so sicher … das Problem rührt daher, dass sich der zweite und dritte Band chronologisch überschneiden und … ja, das hat mir ja so gut gefallen, aber beseits dessen … das größte Problem ist eigentlich, dass der zweite Band im Grunde ein hübsches Kriminalstück ist, das viele Wendungen bereit hält … ein richtiger Breuer, hat sie gesagt. Ja, hat mich auch amüsiert. Aber der Band trägt nicht viel zur Saga bei. Jedenfalls habe ich mir überlegt, den zweiten Band gleich nach dem ersten Beginnen zu lassen und gleich in das Kriminalstück einzusteigen und den Fokus darauf zu legen. Hört sich doch gut an, oder? Wie? Ach so? Naja, bedeutet, dass ich es von der ersten bis zur letzten Seite umarbeiten muss. Aber der Kern ist gesund und funktioniert. Sag ich mal. Natürlich vertrau ich dir. Na, hör mal. Ich könnte dir ja meine Ideen erzählen, wenn ich mir klar bin. Ach, die kennst du schon? Stimmt, die kommen ja von dir. Und? Gähnst du? Wenn ich Kopfschmerzen habe, ist mir dir nicht viel anzufangen, weißt du das eigentlich? Glaubst du, dass es da einen Zusammenhang gibt? Wie? Was mein Therapeut dazu sagt? Er findet es nicht gut, dass ich mit dir spreche. Ich sollte endlich einmal damit abschließen. Versteh ich auch nicht. Er hätte gemeint, wir hätten eine ungesunde Beziehung … du würdest mich ausnutzen. Was soll ich darauf sagen? Dass es nicht stimmt? Dann stecken die mich bald in die Gummizelle. Und Laptop krieg ich dann sicher nicht. Das gefällt dir auch nicht. Siehst du! Okay. Am besten du gehst jetzt mal eine Runde schlafen und ich werde den familiären Verpflichtungen nachkommen und meinen leeren Magen füllen. Rufst du mich an? Ja, so wie immer. Ciao.

Der Dichter legt das Mobiltelefon zur Seite.  Man sieht, dass es ausgeschalten ist.

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Eine Antwort zu “Drehbuch² oder keep it short, not simple

  1. Wortman Sonntag, 25 Januar, 2009 um 15:57

    Wie heißt es so schön? Man muss intelligent sein um Selbstgespräche zu führen. Das hast du ja grade sehr gut bewiesen 🙂

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