richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Jonathan und das magische Dreieck – Tag 2

Nach der gestrigen Plotentwicklung konnte Jonathan darangehen, mit der Geschichte zu beginnen. Eine Seite ist es einmal geworden. Nicht viel, andererseits soll es ja Schriftsteller geben, die zufrieden sind, wenn sie einen Satz zu Papier gebracht haben. Alles ist relativ oder in den Worten von Jonathan: „Wenn ich jeden Tag eine Seite schreibe, dann ist das Buch in einem halben Jahr fertig.“ Ja, manchmal ist die Schriftstellerei eine gewöhnliche Milchmädchenrechnung (bei Balzac musste es so gewesen sein: „noch sieben Bände , dann habe ich am Ende des Jahres meine Schulden getilgt“). Frau P., Lehrerin von Jonathan, überraschte mit einem Kurzbesuch („möchte nur sehen, dass es den Schülern gut geht“). Sie konnte sich überzeugen, dass sich der angehende Schriftsteller im Kaffeehaus wohl fühlte. Eine unbedingte Voraussetzung, für einen Wiener Dichter. Ja, ja.

(c) Jonathan H. – 11.Feber 2009 – 2.Tag:  Überarbeitung der ersten Seite

Überarbeitete Fassung: Das magische Dreieck

Der Karren des Händlers rumpelte über den schmalen Weg, der zum Dorf führte. Als der Wagen das Dorf erreichte, sah der Händler drei junge Männer auf sich zugehen. Die drei jungen Männer fragten den Händler, ob es Neuigkeiten gäbe. Der Händler blieb stehen.
„Alle jungen Männer über 16 Jahren“, sagte der Händler, „werden in die Hauptstadt gerufen.“
„Warum?“, fragte Thomas.
„Es geht um eine Prüfung beim Magier. Aber mehr weiß ich nicht“, antwortete der Händler und musterte die drei Jungen – „Seid ihr schon über 16?“
„Ich bin Thomas, der Älteste und 19 Jahre alt. Mein Bruder Fritz ist ein Jahr jünger.“
Da Max nichts sagte, fragte ihn der Händler:
„Was ist mit dir?“
„Ich heiße Max und bin leider erst 15.“
„Du siehst aber älter aus“, sagte der Händler – „Wollt ihr etwas kaufen?“
„Hast du magische Gegenstände?“, fragte Thomas.
„Ja, natürlich habe ich magische Gegenstände. Wollt ihr sie sehen?“

[auszuformulieren: mehrere kleinere verzauberte Gegenstände, die für Dorfbewohner sehr nützlich sind und das magische Dreieck. Vater kommt zu ihnen und sagt dem Händler, dass es eine Versammlung gibt. Er schickt seine Kinder aufs Kornfeld. Die drei gehen Richtung Kornfeld. Thomas bleibt stehen.]

„Warum bleibst du stehen?“, fragte ihn Fritz.
„Dieses magische Dreieck hat vielleicht mit der Prüfung zu tun.“, antwortete er.
„Ja, und?“
„Wir könnten es doch ausprobieren. Jetzt sind alle bei der Versammlung und keiner würde uns sehen.“
„Du willst es ihm stehlen?“, fragte Max.
„Wir geben es nachher zurück“, antwortete Thomas.
„Vielleicht geht es ja in der Prüfung darum, dass wir das Dreieck verwandeln müssen. Wir könnten es jetzt schon versuchen.“
„Aber was ist, wenn uns wer beim Ausprobieren sieht?“, möchte Max wissen.
„Wir gehen in die Scheune, dort sieht uns niemand!“, antwortete Thomas.
„Glaubt ihr, ihr dürft zur Prüfung, wenn euch jemand erwischt?“, fragte Max.
„Wir werden schon nicht erwischt, Max“, antwortete Thomas.
„Ich weiß nicht so recht“, sagte Max.
„Du musst ja nur aufpassen, dass niemand kommt“, kam es von Fritz.

„Du darfst auch den magischen Gegenstand angreifen“, sagte Thomas, „wenn du mitgehst.“
Max antwortete nicht, sondern dachte darüber nach.
„Bist du ein Mann oder ein Kind?“, fragte ihn Thomas.
„Ich komme mit!“, sagte Max.

*

In der Scheune ihrer Eltern am Dorfrand, nicht unweit des Gemeindehauses, wo die Versammlung stattfand, bestaunten die drei das magische Dreieck.Thomas fand heraus, dass er eine der beiden unteren Ecken drehen konnte. Dabei erklang ein dumpfer Ton. Die anderen Ecken konnte er aber nicht drehen. Dann versuchte es Fritz, aber er konnte die anderen beiden Ecken auch nicht drehen.
„Kann ich auch mal probieren?“, fragte Max.
„Es geht nicht“, sagte Fritz und gab Max das Dreieck.
„Der Magier hat einen Schutzzauber auf das Dreieck gelegt, damit es keiner aktivieren kann“, sagte Thomas.
Max bemerkte, dass er alle drei Ecken umklappen konnte und es so zu einem kleineren Dreieck wurde. Beim Umklappen erklang jedesmal ein hellerer Ton, aber sonst geschah nichts.
„Gib her!“, sagte Fritz und nahm Max das Dreieck ab.
Fritz probierte mehrmals die Ecken zu drehen oder umzuklappen, aber es ging nicht.
„Lass dir was einfallen“, sagt Thomas zu ihm, „oder willst du, dass Max besser ist als du?“
Fritz probierte weiter, doch es gelang ihm nicht, das Dreieck zu verändern. Wutentbrannt warf er es in die Höhe. Als es gegen die Decke prallte, verwandelte sich das Dreieck zu einem Ei, ein sehr heller Ton war zu hören und das Ei fiel nach unten.
„Ich krieg’s!“, sagte Fritz und fing mit seinen beiden Händen das Ei auf.
„Gut gefangen, Fritz!“, lobte ihn Max.
„Das Ei ist warm“, sagte Fritz.
Thomas geht näher und sieht sich das Ei an.
„Was ist da drinnen?“, fragte er.
„Das Ei wird immer heißer!“, ruft Fritz.
„Dann leg es zu Boden, Fritz!“, sagte Max.
Ehe Fritz das Ei zu Boden legen konnte, musste er es fallen lassen, da es zu heiß war und er sich seine Hände verbrannte. Das Ei prallte auf den Boden auf und platzte auf. Ein kleines feuerrotes Küken schlüpft aus dem Ei.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Fritz.
Das Küken lief zu einem Heuhaufen und verschwand darunter. Max ging zum Heuhaufen und suchte das Küken.
„Komm, Max, gehen wir lieber, bevor wir erwischt werden. Die Versammlung dauert nicht mehr lange“, sagte Thomas.
„Wir sollten das Küken fangen und zurück bringen“, sagte Max.
„Dann sieht der Händler ein Küken statt einem Dreieck?“, fragte Thomas.
„Es brennt!“, rief Max, als er sieht, dass der Heuhaufen in Flammen stand.

to be continued!

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4 Antworten zu “Jonathan und das magische Dreieck – Tag 2

  1. pebowski Mittwoch, 11 Februar, 2009 um 20:24

    Es kann ja nicht jeder an einem Wochenende 300 Seiten schreiben, und dann jeden Tag eine neue Version – von 0.91 auf 3.1 inNull Koma Nix! 😉
    Vielleicht hätte ich Jonathan bei der ersten Vorbesprechung nichts von meiner Arbeitsweise erzählen sollen: jeden Tag 1 Seite – so ist das 714 Seiten-Ding entstanden. Ich hab aber auch dazugesagt, dass das MEINE Arbeitsweise ist und jeder seine eigene finden muss. Dafür ist es wieder kaum überarbeitet.
    Zeig ihm ruhig das Speed-Writing!!!

  2. Richard K. Breuer Mittwoch, 11 Februar, 2009 um 22:36

    Ja, ich hab ihm gesagt: Jonathan, wenn du einmal so gut bist, wie der Pebo, dann schreibst eine Seite, überarbeitest sie ein Mal und das war’s.

    Aber wenn man nix g’lernt hat, dann muss man auf Teufel komm raus 123 Versionen schreiben und hoffen, dass wenigstens eine halbwegs was taugt. Speed-Writing mit viel Netz und viel Boden, sozusagen.

    Ach so: von den 300 Seiten schmeiß ich dann die Hälfte in den Kübel und die andere schreib ich neu. Wenn ich gut drauf bin. Ansonsten geh ich ins Kaffeehaus.

  3. pebowski Donnerstag, 12 Februar, 2009 um 0:52

    Mit viel Netz – da müssten wir mit Jonathans Vater noch ein ernstes Wort reden – da der ja strikt gegen das Internet ist. Wenn der wüsste, unter welchen Einfluss sein Sohn da geraten ist. Ein Dichter heutzutage ohne Internet – das geht schon überhaupt nicht. Aber Väter müssen ja nicht alles wissen, odrrrr? 😉
    PS: Die 150 Seiten für den Kübel könntest ja noch bei ebay versteigern. Wär das nicht ein literarischer Recycling-Gedanke, ein gewinnbringender noch dazu.

  4. Richard K. Breuer Donnerstag, 12 Februar, 2009 um 18:29

    Ich dachte ebay ist den Bach runter. Okay, könnte mich mal erkundigen, wo der Kilopreis für Altpapier liegt.

    ad Internetz: Sagen wir mal so: wer es in/auf den literarischen Olymp geschafft hat, kann getrost den Stecker ziehen. Da ich diesen Kommentar eigenhändig (tatsächlich sind es zwei Hände, die im Zehn-Finger-System tippen) verfasst habe, kann man ermessen, auf welcher Sprosse der Erfolgsleiter ich stehe. Das Gute an der Sache: wenn’s mich runterhaut, von der Leiter, tue ich mir nicht weh.

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