richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Tagesarchive: Sonntag, 22 Februar, 2009

23.02.2010 – 00:59:59

vorsicht

In einem Jahr endet mein Schutz. Besser: der Anti-Viren-Schutz, inklusive Fire-Wall, also das Rundum-Sorglos-PC-Paket. Schon merkwürdig, wie sich alles entwickelt hat. [und während ich das schreibe, hat meine Firewall gerade einen bösartigen Hacker daran gehindert, einzudringen; Hausfriedensbruch goes virtuality] Es begann damit, dass junge Soziopathen mit Aknepickeln bemerkten, dass sie zwar nicht die reale Welt, dafür aber die binäre beherrschen konnten. Aus einem Nichtsnutz wurde ein gefürchteter Nichtsnutz. Die Jünger der Hackserei entwickelten immer neuere, gefährlichere Wege, die geordnete Computer-Welt ins Chaos zu stürzen. Was als Minderwertigkeitskomplex eines 14jährigen Jungen begann, ist heute ein Milliardengeschäft geworden. Konzerne erkannten die Angst der User [„Huch, mein PC lebt und tut Dinge, die er vorher nicht gemacht hat!“] und reagierten prompt darauf. In dem sie die Angst noch weiter schürten [„Tut ihr PC Dinge, die er eigentlich nicht tun dürfte?“] und dazu gleich die Lösung anpriesen – eine virtuelle Penicillin-Kur. Freilich gegen Einwurf großer Münzen.

Wir halten fest: weil pubertierende Jungs keine Mädls abbekommen, muss ich mir jetzt einen virtuellen Verhütungsschutz für meinen PC kaufen und beten, dass dieser VIRUS  (Anti-Viren-Firewall-Überdrüber-Schutz-Programme sind ein einziger Riesenvirus, von dem wir annehmen, dass er brav ist – erinnert uns das wiederum nicht an „Big Brother is watching you“? Überhaupt, ähnelt dieses Programm nicht dem Home Security Department, dem die Bürger viele „Freiheiten“ erlauben, damit man sie vor 14jährigen pubertierenden Soziopathen schützt, die mit Sprengstoff zur Schule gehen (Mutter: „Vergiss die Handgranate nicht, Schatz“).

Wie man es auch dreht und wendet, es sieht so aus: Eine kleine Gruppe macht große Gewinne aus der Riesenangst, die wenige auslösen, aber alle bedrohen. Wäre ich Manager einer Anti-Viren-Software-Firma, also, ich würde dafür sorgen, dass 14jährige pubertierende Jungs mit Aknepickel keine Mädels abbekommen. Damit ist sichergestellt, dass das Geschäft weiterhin gut läuft. Damit will ich weder eine Anleitung geben („How to become Millionaire in one year“), noch behaupten, dass seriöse Firmen nicht seriös wären. Ich bin schließlich auch kein Manager. Nur ein kleiner Schreiberling, der wartet, bis die OSCAR-Verleihung losgeht *gähn* und noch einige Stunden Zeit hat.

Ah, jetzt frage ich mich gerade, was eigentlich jene Soziopathen machen, die keine Mädls abbekommen, aber schon jenseits der Pubertät sind? Ach so, stimmt, das sind dann die Künstler. Die glauben ja auch, sie könnten die Welt verändern (oder ins Chaos stürzen). Haha. Direkt zum Lachen.

Advertisements