richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

And the Oscar goes to Schnarch

1:59 Meine Herren, die Oscar-Verleihung hat noch gar nicht angefangen und ich bin schon hundemüde. Derweil hätt ich sogar ein bisserl vorgeschlafen. Vermutlich zu wenig. Schlapperlot. Die ORF-Berichterstattung legt ihren Fokus natürlich auf die österreichische Nominierung „Revanche“ *gähn*. Aha. Kate Winslet ist am roten Teppich. *spannend* Irgendwie würde ich  gerne die Gedanken der Leutchen lesen können. Was denken die sich, wenn sie vom Moderatorpärchen interviewt werden? Ich tippe auf folgende Gedankengänge:

[PG 17] „What the fuck?“ – „Hey, com’on, you moron!“ – „Fuck you!“ – „Kiss my ass!“ – „Shut up, stupid!“ – „What a shitty dress!“ – „Are you kiddin‘?“ – „Shitface!“ – „What the hell is going on?“ – „Oh no.“ – „Wanna go home.“ – „Don’t piss on my shoes.“

2:12 Aha. Mickey Rourkes Chihuahua-Terrier-Mischlingsdame Loki entschlummerte selig in seinen Armen.

2:20 Ich frage mich ja, warum es soo wichtig ist, zu wissen, von welchem Designer die Starlets ihre Kleider geborgt haben? Vermutlich, weil man in zwanzig Sekunden nicht über den Weltfrieden befinden kann.

2:23 Jake Black ist der einzige, der funny ist (bzw. sich einen Spaß erlaubt), während die anderen in ihrer gespielten Lockerheit so steif herumstelzen, dass jedes Lächeln eine einzige teuflische Grimasse ist, die dem Joker zur Ehre gereichen würde. Apropos. Würd mich ja wundern, wenn der gute Ledger nicht mit einem Oscar nach Hause fliegt (Wolke 7).

2:30 Kick-off! Es geht los!

2:33 Hugh Jackman ist ja ein charmanter Moderator. Das Bühnendesign ist erfrischend anders. Huch. Das Glamour-Fieber hat mich gepackt. 37 ° im Schatten.

2:43 Die stärksten Momente in jeder Oscar-Nacht? Die Zusammenschnitte alter Oscar-Nächte. Huh. Da könnte man sentimental werden (besser: man wird es!) und sich denken, dass die Show früher echter, authentischer und nicht so eine überdrüber-kommerz-sache war.

2:46 Aha. Supporting Actress 2009 is … Penelope Cruz! Meine Güte. Was ist denen da eingefallen? Eine manisch depressive spanische Künstler-Diva in einem Woody Allen Film zu spielen bedarf keiner großartigen schauspielerischen Leistung, jedenfalls nicht für Penelope Cruz. Aber ihre Dankesrede ist herzergreifend. Besonders der spanische Teil.

2:54 ooh! Original Screenplay! Hübsch designt – man sieht die Szene am Papier und was daraus im Film wurde. Und der Oscar geht an Dustin Lance Black „Milk„. Probably gay. No. Definitly gay. Schätze, damit hat die Akadamie ihren Alibi-Oscar überreicht.

2:59 ooooh! Adapted Screenplay! Und der Oscar geht an Simon Beaufoy „Slumdog Millionaire„. India is on the way!

3:03 Yippie. Jack Blake is funny! Animated Feature Film. Da haben die Leute von Pixar ein paar Animationsüberstunden gemacht. Oscar goes to „Wall-E„. Hmm. Animated Short Film. „La Maison en petite cubes„. Kunio Kato rattert seine englischsprachige Dankesrede herunter, als gäbe es kein Englisch. Interessanterweise ist der Titel seines Werkes in französisch. Schätze, das kann er genauso gut, wie das Englisch. Woran man sieht, das Film keinen Dolmetscher braucht.

3:15 Art Direction. Aha. The Duchess ist nominiert. Erinnert ja an Tiret (mich wenigstens), auch wenn es in England spielt. And the Oscar goes to „Benjamin Button„. Geht jetzt der Oscar-Reigen los?

3:19 Costume Design. Aha. The Duchess ist nominiert. Erinnert an … okay, das hatten wir schon. Hurray. „The Duchess„. Solche Kleider muss man mal schneidern. „Kheira Knightly is a classy lady.“

3:23 Makeup. „Benjamin Button„, again.

3:31 Cinematography. And the Oscar goes to „Slumdog Millionaire„, again.

3:44 Da schau her. Kiffer-Typen sind Oscar-tauglich. Wer hätte das gedacht? Die Zeiten ändern sich. [natürlich nur deshalb, weil Pineapple Express enorm Geld gemacht hat]. Live Action Short Film. Hallelulja. Spielzeugladen. Die Piefkes haben einen Oscar gewonnen. Aha. Ostdeutscher („behind the wall“). Er hat 4 Jahre an einem 14 Minuten Film gearbeitet. Das nenn ich Ausdauer. So. Mein grüner Tee ist gleich fertig. Und Mamas-Kuchen muss jetzt Energie für die nächsten zwei Stunden liefern.

4:03 Supporting Actor. Jetzt wird sich zeigen, ob Heath seinen Oscar bekommt (eigentlich gilt es ja für Wien, dass man in der Stadt zuerst sterben muss, damit sie einem hochleben lassen, aber dafür dann sehr lange – frei nach Qualtinger). Und der Oscar geht in den Himmel. Wolke Numero 7. Hoffe, die Goldstatue wird nicht vom Zoll beschlagnahmt („da könnt ja jeder kommen“). Huh, die Tränendrüse wird kurz gedrückt. Aber schon geht es weiter. In die Werbung. Schließlich wollen wir alle gut leben. (Okay, das stimmt nicht ganz, es geht weiter zum … Doku-Film, I guess.)

4:13 Documentary. Huh. „Silly gods!“ Hollywood spielt mit dem Feuer. Wenigstens bei der Auswahl des Kommentators sind sie nicht zimperlich. Direkt erfreulich. Hoppla. Man on wire. Philippe Petit, der Kerl, der einen Drahtseilakt nach dem anderen hinlegte, merkt in seiner Dankesrede an, dass man die Regeln brechen solle (oder hab ich ihn da falsch verstanden?). Crazy. Documentary Short Subject. Smile Pinki.

4:25 Visual Effects. Benjamin Button, again. Man muss also keinen Action-Flick machen, um mit visuellen Effekten punkten zu können. Dazu bedarf es nur einen Mann, den man rückwärts altern lässt. Ich frage mich, ob sie den Oscar gewonnen hätten, wenn der Mann normal gealtert wäre. Sound Editing. The Dark Knight, again. Sound Mixing. Slumdog Millionaire, again. Der indische Soundmixer kippt gleich ins Nirvana, vor Aufregung. Film Editing. Slumdog Millionaire, again. Man erkennt die Crew dieses Filmes an ihrem englischen Akzent.

4:41 Jerry Lewis (auch schon bald 83 Jahre jung) wird gewürdigt. Ja, so funktioniert das Big Showbiz: so lange du Dollars bringst, wirst du beklatscht und bejubelt und mit Ehrungen überhäuft. Ansonsten wirst du belächelt. Und bekommst mit etwa 80 Jahren Standing Ovations. Dreißig Jahre lang ignoriert dich Hollywood/Biz und dann geben sie dir drei Minuten, wo du dich hübsch bei der Acadamy und Hollywood bedanken darfst. Und nächsten Montag zeigt der ORF „Funny Bones“. Um Mitternacht. Bitte um Applaus!

4:50 Original Score. And the Oscar goes to Slumdog Millionaire, again. Huh. Bollywood takes over. Original Song. Okay. Der Oscar geht vermutlich auch nach „Indien“. Die indisch gefärbte Musik haut mich nicht vom Hocker, aber die Mädels gefallen mir. Und der Rythmus geht ins Blut. Oh. Bei Wall-E gibt’s einen Peter Gabriel Song. Hört, hört. Na, wie zu erwarten war. Slumdog Millionaire, again. Jetzt wird’s bald fad. Der Singer/Songwriter macht es kurz und bringt es auf den Punkt. („I ‚ve had the choice between hate and love. I choose love and I am here.“)

5:06 „Auslandsoscar„. Da ist ja Götz Spielmanns „Revanche“ nominiert. Huh. How thrilling. TRÖÖÖÖÖT. And the Oscar goes to Japan. Japan? What the fuck. What’s going on? Die japanische Film-Crew spricht ihre Dankesrede zackig. Als wären sie gedrillt worden. Ah, verstehe. Der Film soll sehr  …

5:10 NOW! DAS BESTE DER OSCAR-NACHT! Der Trailer der verstorbenen Filmschaffenden. Naja. Die Musik war nicht besonders. Schade. Normalerweise treibt einem dieser kurze Zusammenschnitt die Tränen in die Augen.

5:17 Director. Sieht mir nach Danny Boyle und Slumdog Millionaire aus. Na bitte, was hab ich geschrieben.

5:25 Best Actress. Huh. Da wird auf das Emotions-Gaspedal gedrückt. Erinnert ein wenig an eine Selbsthilfegruppe  für gescheiterte SchauspielerInnen („Nun sagen wir unserem Gegenüber etwas Positives, das aus dem Herzen kommt“). And the Oscar goes to … Kate Winslet. Yippie. Die gute Kate hat mir ja schon immer gefallen. Rule Britannia, Britannia rule the sea (and Hollywood).

5:37 Best Actor. Der Auftritt der glorreichen Sieben (sind aber nur 5 Ex-Oscar-Preisträger). Sollte ja ein Heimspiel für Mickey Rourke, the returning Champ. sein. Sagt SP. Die immerhin schon mal in seiner Nähe gesessen ist, damals, als sie in LA. war. Hat sich nicht getraut, ihn anzusprechen, obwohl er auf der Party ganz alleine an einem Tisch saß. Tja. Hätte sie sich damals getraut, wer weiß, vielleicht wäre sie heute an seiner Seite. Tja. Was wird jetzt SP. sagen? Sean Penn hat Mickey Rourke den Oscar weggeschnappt! Was sagt uns das? Besser ein erfolgreicher (aber toter) Homo, als ein erfolgloser (und lebender) Wrestler. That’s Hollywood, folks! „Mickey Rourke ist my brother und raises again“, sagt Sean Penn am Schluss. Na dann.

5:47 Uh. The most important man on the moon, pardon, in the world, Steven Spielberg. Best Film 2009 is Slumdog Millionaire. Bumsti. Damit wird den (überteuerten) US-Stars die Rute ins Fenster gestellt („wir zahlen dir höchstens ne Million, ansonsten gehen wir nach Sri Lanka“).

Das war sie, die Oscar-Nacht, 2009. Was muss ich als nächstes tun? Ach ja. Schlafen gehen. Kurz noch einmal über das Geschreibsel drüberschauen. Fertig.

6:10 Shut off!

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9 Antworten zu “And the Oscar goes to Schnarch

  1. maureen v. nebenschauplatz Freitag, 27 Februar, 2009 um 10:09

    mein lieber dichter

    jetzt hab‘ ich mich sogar bei den „oscars“ amüsiert. dank deinem erfrischendem text.

    herzlich, maureen

  2. Richard K. Breuer Freitag, 27 Februar, 2009 um 12:20

    Dass du noch Zeit hast, soo lange Blog-Beiträge zu lesen, verwundert, Maureen. Hoffe, dass deine beiden Racker nicht darunter leiden 😉

    Merci fürs Kompliment. Liest man – und ich im Besonderen – immer gerne von dir.

  3. maureen v. nebenschauplatz Mittwoch, 4 März, 2009 um 23:51

    die zeit die zeit… ja,ja.
    bin noch hier, bei dir mehr als viel anderswo!
    herzlichst, maureen

  4. maureen v. nebenschauplatz Mittwoch, 4 März, 2009 um 23:53

    … und apropos: oscars schauen hätte länger gedauert als deinen bericht zu lesen. somit war das lesen bei dir sehr ökonomisch, was die zeit betrifft… 🙂 … und was die lust des lesens betrifft sowieso.

  5. Richard K. Breuer Donnerstag, 5 März, 2009 um 16:10

    Hola. Jetzt hab ich auch noch die Welt gerettet. Ich klopf mir auf die Schulter 😉

    Na, wenn wir Glück haben, gibt’s bald wieder was Ordentliches zu lesen, Maureen. Zwar unökonomisch, aber das dichterische Ego braucht Papier und zwei Buchdeckel. Jawohl!

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