richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Filmkritik: Der Knochenmann

Gestern, im Künstlerhauskino, die Premiere zur Wolf-Haas-Verfilmung „Der Knochenmann“. Stilgerecht gab es Gulasch und gebackenes Huhn, samt Kartoffelsalat, VOR der Vorstellung. Nachher hätte es vermutlich den einen oder anderen sensiblen Magen gehörig rotieren lassen. Deshalb, gleich vorweg: für Zartbesaitete kann der Film schon an die Grenzen des Erlaubten und Erträglichen gehen.

Wer den Inhalt des Filmes nicht kennt, bitte sehr: www.skip.at

Kurzkritik: Wer einen Hader-Brenner-Film erwartet, wird wohl nicht enttäuscht werden (ohne die Bücher zu kennen); für eine österreichische Produktion muss man schon den Hut ziehen, was da so an Einfällen aus dem kostengünstigen Hut gezaubert wird. Allen voran die seltsame Geräuschkulisse der Sofasurfers, die wunderbar zur Stimmung des Films beiträgt. Soundtrack-Auskoppelung wird es wohl keine geben. Die Kameraarbeit zu Beginn des Filmes, während der Credits, ist erste Sahne. Respekt! Die Schauspieler-Riege ist natürlich vom Feinsten, da gibt’s nix zum Rütteln oder Schütteln. Josef Bierbichler gibt eine barvouröse Vorstellung eines g’standen Wirten zum Wundern (oder Fürchten, je nach dem) und Birgit Minichmayer lässt ihre Erotik spielen (davon hat sie ja eine Menge). Josef Hader mimt den Brenner wie eh und je souverän (man könnte meinen, er hätte nie etwas anderes gespielt), diesmal aber verliebt (naja, der Liebesplot kommt ein wenig dünn daher) und ein wenig daneben stehend (jaja). Simon Schwarz hellt den (zutiefst morbid dunklen) Film wieder auf und sorgt für garantierte Lacher.

Eines fällt aber auf: „Der Knochenmann“ ist kein Krimi mehr, nicht im herkömmlichen Sinne, wie die vorangegangen Filme der Serie. Brenners einzige detektivische Großtat ist es, einen abgetrennten Finger im Keller zu finden, dort, wo die Hühnerrestln zerkleinert werden (Details spare ich jetzt besser aus, das sollte man gesehen haben). Ansonsten tut er nicht viel, im Gegensatz zu den anderen „Gestörten“. Am ehesten könnte man den Film als schwarzhumorigen Thriller mit Splatter-Einlagen klassifizieren. Gute Unterhaltung ist jedenfalls garantiert, wenngleich, wie anfangst erwähnt, man einen guten Magen braucht. Ach ja, der Hader und die Minichmayer (besser: Brenner und die Löschenkohl-Schwiegertochter) werden intim (vulgo: haben Sex). An dieser Szene kann man gut erkennen, dass man einen österreichischen Film sieht. Warum? Die Frage erübrigt sich, oder?

8/10

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12 Antworten zu “Filmkritik: Der Knochenmann

  1. Manu Samstag, 7 März, 2009 um 7:54

    ah, hust, könntest du die letzte frage für einen piefke doch einmal genauer ausführen? 😉 meinst du den ernüchternden realismus des ganzen? übrigens: gute kritik! habe mir den film gestern zu gemüte geführt. hach, harte kost für einen veganen magen…

  2. Richard K. Breuer Samstag, 7 März, 2009 um 11:06

    Ja, da schau her, die gute Manu 🙂

    Die Frage gehört ausschweifend beantwortet. Ich werd mich um eine Antwort kümmern. Momenterl.

  3. Wortman Sonntag, 8 März, 2009 um 11:37

    Ist das ein österreichisches Independantprodukt oder wird das auch woanders im Kino zu sehen sein?

  4. Manu Sonntag, 8 März, 2009 um 12:04

    @Wortman: Der Film hatte in Deutschland vor einem Monat auf der Berlinale Premiere und ist dort bereits seit Mitte Februar im Kino.

  5. Wortman Sonntag, 8 März, 2009 um 12:13

    Danke Manu.
    Hab davon gar nichts gehört.

  6. T. Montag, 9 März, 2009 um 19:53

    Feiner Film, genau! Und ganz anders als der Roman; da haben sie sich ‚was getraut.
    Ceterum censeo: Lest Haas! Einer der größten deutschsprachigen Autoren der Jetztzeit (sagt die Deutsche ganz ohne Neid – wir haben ja noch Clemens Meyer und Rainald Grebe 🙂

  7. Richard K. Breuer Montag, 9 März, 2009 um 23:12

    Schön langsam sollt ich die PR vom W. Haas machen. Oder ich versuche mich, in seinen Windschatten zu hängen, dann würde mich vielleicht die T. mit gaaanz anderen Augen sehen. Ja, ja.

    Und weil es sich einfach gehört, mit lateinischen Phrasen seinen Blog auszuschmücken, tue ich das.

    Gynai, gynaiksi kosmon hä sigä pherei.

    Hoppla, das ist ja altgriechisch. Na, macht auch nix. Wird schon keinem auffallen.

  8. T. Dienstag, 10 März, 2009 um 14:57

    Gemerkt hätt‘ ich’s schon, übersetzen kann ich’s trotzdem nicht. Hab‘ nur „Latein für Angeber“ gelesen. Ürschendwas Frauenfrotzeliges wird es wohl sein 🙂

  9. Richard K. Breuer Dienstag, 10 März, 2009 um 15:25

    Siehst, meine liebe T., ich hab dafür das schlaue Buch der Zitate gelesen 😉

    Stimmt. Frauenfrotzeliges war/ist es, aber da es sowieso nicht übersetzt werden kann, lass ich es einfach mal so stehen.

    Was sich wohl die Humanisten des ausgehenden Mittelalters gedacht hätten, wenn sie erfahren müssten, dass 500 Jahre später kaum jemand mehr griechisch oder latein versteht. Na, dafür gibt’s ja das Kino, wer muss da schon (überhaupt) lesen können?

  10. Manu Dienstag, 10 März, 2009 um 16:01

    Lesen sollte man schon können. Dann hilft einem auch Tante Gugl. „Frau, den Frauen ist das Schweigen ein Schmuck.“ na sowas. Gilt aber durchaus auch fürs andere Geschlecht, gell? *Griff in die Phrasen-Kiste*: si tacuisses, philosophus mansisses

    🙂

  11. T. Dienstag, 10 März, 2009 um 20:29

    Also Herr Breuer, ich bön ömpört!
    Ich wollte mit meiner Jubelei ja nicht gesagt haben, dass Eure hübsche Alpenrepublik keinen Platz für weitere grandiose Autoren hat! In diesem Sinne: Immer voran, Herr Dichter!

  12. Richard K. Breuer Dienstag, 10 März, 2009 um 21:49

    Schlapperlot. Auf die Tante Gugl hab ich natürlich nicht gedacht. Und dass die Manu mich aufblattelt und meine tolle Phrasen-Kiste moniert, in aller Blog-Öffentlichkeit, ist ein herber Schlag. Andererseits könnte man(n) der Manu ja erwidern, dass der „Griff in die Phrasen-Kiste“ auch eine Phrase ist, womit sich die Schlange in den Schwanz beißt, was wiederum eine Phrase ist. Blöd. Wir drehen uns im Phrasen-Kreis. Zu meiner Entschuldigung kann ich vorbringen, dass ich Schriftsteller bin. Phrasendreschen gehört also zu meinem (unbezahlten und unbelohnten) Job. Ja, ja.

    Fräulein von T. ist „ömpört“? Besser eine Ömpörung, als keine Regung, oderrr? Die modernen bzw. altbekannten Theater-Regisseure kümmern sich auch eher um Ömpörung als um eine ordentliche Aufführung. Was die können, kann ich schon lang, hier, in meiner hübschen Alpenrepublik.

    Sodala. Der Dichter galoppiert mal voran (mein Pferd ist zwar tot, aber dafür war’s billig).

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