richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Der kleine Unterschied

[Rated R] Sex im Film? Gibt es. Wissen wir.
Aber jedes Filmland hat seine eigene Art mit der natürlichsten Sache der Welt umzugehen. Das ist zwar eine höchst verwerfliche Verallgemeinerung, aber, hey, es geht ja immer nur um das eine.

Die Amis (vulgo Hollywood) machen aus Sex eine choreographische Reizüberflutung – entweder ins romantisch Kitschige oder übertrieben Klamaukhafte. Nie realistisch! Man könnte meinen, zwei Hochglanzüberdrüber- bzw. Cartoon-Figuren würden sich näher kommen. Woody Allen hat das schon früh bemerkt und auf seine Weise kommentiert.

Die Franzosen (vulgo Pariser) machen aus Sex eine choreographische Ballettübung – entweder ins romantisch Reale oder übertrieben Amüsante. Nie realistisch, aber immer sehr nahe an der Realität oder wenigstens nicht all zu weit von ihr entfernt (und deshalb macht es einem wohlig satt und zufrieden). Die Unterschiede zwischen Franzosen und Amis und ihren Ansichten zur Sexualität werden übrigens von Julie Deply in 2 days in Paris schonungslos heiter auf den Punkt gebracht.

Die Deutschen machen aus Sex … nichts. Jedenfalls kann ich mich an keine erwähnenswerten relevanten Szenen erinnern, wenn ich mir die erfolgreichen Filme anschaue (Okay, auf einem U-Boot im zweiten Weltkrieg ist wahrlich kein Platz für sowas; und die Bully Herbigs dieser deutschen Welt machen sowieso nur eindeutige Witze – wer es halt lustig findet, nicht).  Hm. Merkwürdig. Ich muss da jetzt mal recherchieren, woran das liegt.

Die Österreicher machen aus Sex ein pornographisches HomeVideo. Man kann sich nie sicher sein, ob da jetzt geschauspielert wird oder jemand am Set vergessen hat, die Kamera abzuschalten, während es sich die beiden Schauspieler ordentlich besorgen. Ja, Manu, „ernüchternder Realismus“, der sehr weh tut. Aua. Man sehe sich hierzu Hundstage an, und schon weiß man, woran man (im österreichischen Film) ist: brennende Kerze im Arsch und ein Kran-Shot über einen Berg nackter Körper in einem Swinger Club … ach, wären sie nur Hochglanzüberdrüber- oder Cartoon-Figuren gewesen, wir hätten uns alles gefreut.

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2 Antworten zu “Der kleine Unterschied

  1. Manu Samstag, 7 März, 2009 um 13:04

    Oh, das ging aber schnell – danke! An Hundstage hab ich ehrlichgesagt auch gedacht, als du das in deinem letzten Post erwähnt hattest – das war so ziemlich das am schwersten zu ertragende, was ich an Film jemals gesehen habe. (Schlimmer war eigentlich nur ‚Der freie Wille‘).
    So spontan kann ich dir ebenfalls gar nichts ausführliches zum deutschen Film sagen. Die Szenen, die mir gerade einfallen, fallen in die Kategorie „abgeklärt realistisch“ – aber mit weniger Fokus auf das schwitzig-hässliche als in besagten österreichischen Filmen.

  2. Richard K. Breuer Samstag, 7 März, 2009 um 14:22

    „Der freie Wille“? Nie gehört, nie gesehen. Klingt danach, als wäre es die deutsche Antwort auf „Saw“ 😉

    „schwitzig-hässlich“! Die Manu bringt es schon wieder auf den Punkt. Beeindruckend. Dazu bedarf es wohl den (germanischen) Blick auf Klösterreich. Meiner einer steckt ja zu sehr drinnen. Ja, ja.

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