richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die blaue Mappe des Josef F.

Aha. So schaut also der berühmt berüchtige Inzest-Drangsalierer aus. Ein blauer Aktenordner, A4, ist alles, was man von seinem Gesicht sieht. Wäre ich sein Anwalt gewesen, ich hätte den Ordner als Werbefläche verkauft. Immerhin gehen die Bilder ja um die ganze Welt. Welches Unternehmen hätte sich diese Werbefläche sichern sollen? Vielleicht der in Misskredit geratene Ort Amstetten? Slogan: „Amstetten ist für die Höchststrafe!“.

Hola. Eine Richterin. Sie verließt die Latte an (möglichen) Verbrechen. Wirkt ein bisserl nervös. Nur verständlich. Wie sieht es mit dem Strafausmaß aus?

CNN sagt dazu:

Murder: The infant who died in 1996 died from a lack of medical care, the state prosecutor said. The charge carries a sentence of life in prison.

Involvement in slave trade: From 1984 until 2008, prosecutors allege, Fritzl held his daughter, Elisabeth, captive in a dungeon, abused her sexually and treated her as if she were his personal property — in a situation similar to slavery. If he is convicted, the sentence could range from 10 to 20 years in prison.

Rape: Between August 30, 1984, and June 30, 1989, Fritzl „regularly sexually abused Elisabeth,“ according to the prosecutor. The sentence could be from five to 15 years in prison.

Incest: Parallel to the rape charge. It carries a sentence of up to one year.

Withdrawal of liberty: Three of the children Fritzl had with Elisabeth were illegally held captive in a dungeon with no daylight or fresh air, according to prosecutors. That charge carries a sentence of one to 10 years.

Assault: Between August 28, 1984, and April 26, 2006, Fritzl repeatedly threatened Elisabeth and their three children with gas and booby traps as warnings in case they tried to escape, authorities allege. The sentence would range from six months to five years.

Die Strafen werden übrigens nicht aufgerechnet! Wenn ich mir das so ansehe, dann kommen mir Zweifel am Rechtssystem. Warum? Nun, würde der Täter seinem Opfer einen schnellen, humanen Tod gewähren, wird dies mit „Lebenslänglich“ bestraft. Ist es aber so, dass der Täter sein Opfer „nur“ 24 Jahre malträtiert, vergewaltigt und sonst wie foltert, darf er damit rechnen, mit 15 Jahren davonzukommen. Ein Glück, dass die meisten Verbrecher keine Rechenkünstler sind. Ansonsten gibt es bald mehr lebende Leichen in den Kellern als uns lieb ist.

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4 Antworten zu “Die blaue Mappe des Josef F.

  1. maureen v. nebenschauplatz Montag, 16 März, 2009 um 17:13

    wie gut du das wieder zusammenfasst. stell dir vor, am ende deines lebens stehst du mit blauem aktenordner vorm gesicht vor gericht. ebendieser blaue aktenordner hat mich zutiefst irritiert. mehr als wenn ich sein gesicht in der kamera gesehen hätte. wie tief die scham. leider kehrt sie die taten damit nicht ins reine. wozu der mensch fähig ist, beängstigt immer wieder.

  2. Richard K. Breuer Montag, 16 März, 2009 um 19:07

    ORF NÖ schreibt:
    http://noe.orf.at/stories/348982/

    „Die Mappe sei sein persönlicher Ordner gewesen, sagt der stellvertretende Leiter der Justizanstalt. Es stehe jedem Untersuchungshäftling zu, Unterlagen zu seiner Verhandlung mitzunehmen, die Justizanstalt habe den Ordner nicht zur Verfügung gestellt.“

    Die Farbe blau bedeutete übrigens in der Antike nichts Gutes. Also gut ausgewählt, von Herrn F.

    Ja, der Mensch und sein großes Ego können ziemlich übel werden. Beware!

  3. maureen v. nebenschauplatz Montag, 16 März, 2009 um 22:41

    für mich hat das erfrischende blau eher was positives. gelb wäre schrecklicher gewesen, nicht?
    was heisst übrigens in der antike nichts gutes? im generellen oder auf etwas bestimmtes bezogen?
    beware, beware!
    auch in der schweiz passiert übrigens schreckliches. ich stell mir vor, ich hätte ein au-pair mädchen bei mir, das eines abends nicht mehr nach hause kommt. einige tage später stellt sich ein mann, er habe sie in seiner wohnung stranguliert. unter drogen nicht mehr zurechnungsfähig. beware, beware!
    http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/letztes_geleit_fuer_die_getoetete_lucie_1.2209990.html

  4. Richard K. Breuer Montag, 16 März, 2009 um 23:14

    Die Motivation des Junkies ist natürlich auch nicht schlecht (so die NZZ es sich nicht aus den Fingern gesaugt hat): „Mit der Gewalttat wollte er nach eigenen Angaben wieder ins Gefängnis zurückgelangen.“

    Tatsächlich gibt es einen alten SW-Film, wo ein Landstreicher versucht, ins Gefängnis zu kommen – wegen der Kälte und überhaupt. Das war eine Komödie – und natürlich braucht es bis zum Ende des Filmes, dass er wegen einer Kleinigkeit eingesperrt wird.

    Ich schätze, dem Kerl ist nix besseres eingefallen, in der Schnelle. Ja, solche Typen sind wirklich gefährlich. Brrr.

    Stimmt. Gelb wäre schröcklich gewesen. Herr F. ist ein ganz ein ausgekochter. Wird sein Foto dem Meistbietenden verkaufen – oder hat vielleicht Angst, dass er in der Justizanstalt von anderen Häftlingen erkannt werden könnte, die ihm sicherlich gerne einen Besuch abstatten („Bist du der Fritzl? Hey, Burschen, des is a! Was mach’ma mit earm? Auf die Eier aufhängen?“)

    Die Farbe blau war in der Antike negativ besetzt. Hab ich mal aufgeschnappt.

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