richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Very FONTS indeed

fonts4Über Schriftarten/Fonts könnte man Bände füllen (was schon andere getan haben). Im Zuge meiner „ich mache mir mein Buch wie es mir gefällt“-Tour sind mir jene WebSites eine wesentliche Unterstützung gewesen. Vielleicht hilft es den geneigten Leser und Typographen in spe.

Meine Profi-Fonts kaufe ich gegen Dollarscheine bei myfonts. Die Preise sind moderat, Auswahl gibt es natürlich genug. Und die Möglichkeit, sich mit den Fonts vor dem Kauf herumzuspielen, erleichtert jede Kaufentscheidung (im Normalfall). Für Typo-Fetischisten also genau die richtige Spielwiese, um sich auszutoben (und viele Stunden zuzbringen). Natürlich sollte man auf diese Weise eher spezielle, ausgefallene Schriftarten suchen und kaufen. Möchte man eine gute Schriftart, die hohe Lesbarkeit erfordert (für Zeitung, Bücher, Magazine usw.) und alle wesentlichen Schnitte (Kursiv, Fett, Kapitälchen, usw.) beinhaltet, sollte man auf die „üblichen Verdächtigen“ zurückgreifen. Hierzu erstand ich vor ein paar Jahren die ADOBE Type Basics Open Type Edition um läppische USD 99,- die 65 zuweilen hochkarätige Fonts inkludiert. Diese sind noch immer der Font-Stamm, auf denen meine Publikationen aufbauen. Ein Profi-Typograph würde es vermutlich erkennen und über die Limitierung lächeln, aber was nutzen mir 2400 Fonts (die Collection gibt es auch zu kaufen – kostet ein kleines Vermögen), die mich überfordern würden. Am Anfang bäckt man besser kleine Kuchen. Wer es günstig und ausgefallen mag, der kann sich z.B. auf dafont nach kostenlosen (oder Shareware) Schriftarten umschauen. Da gibt es schräääge Sachen. Prinzipiell sprießen die Gratis-Font-Verteiler wie Pilze aus dem Boden. Kein Wunder, die heutige Software macht es möglich, im Handumdrehen seinen eigenen Font zu basteln. Die Ergebnisse reichen demnach von „jössas“ bis „gar net schlecht“ und darüber hinaus. Ausprobieren heißt die Devise. Und wer keine gestrengen Kritiker überzeugen muss, kann ruhigen Gewissens tun, wie es ihm oder ihr in den Sinn kommt. Freilich, die professionelle Maxime „weniger ist mehr“ gilt auch hier.

An Büchern kann ich alle von Hans Peter Willberg empfehlen. Als Einstieg empfiehlt sich die kostengünstigen schmalen Ratgeber Erste Hilfe Typografie, Wegweiser Schrift und Schriften erkennen. In diesen habe ich so manche „Nächte“ zugebracht, mir die Haare raufend, welche Textschrift ich für mein erstes Buch wählen sollte. Die Angst, ich könnte eine „unleserliche“ wählen, raubte mir oftmals den Schlaf. Im Grund kann ich jetzt guten Gewissens sagen oder behaupten, dass die gängigen Book-Fonts (Garamond & Co) von namhaften Verteilern (Adobe, Linotype, FontFont, usw.) allesamt gut lesbar sind. Ob die Schriftart zum Buch/Medium passt, steht auf einem anderen Blatt Papier und ist natürlich Geschmackssache. Times New Roman ist aber im Normalfall keine Alternative. Es sei denn, man setzt sie bewusst ein, um einen Grafiker oder Designer zu ärgern. Tja. Als „Bibel“ (die Ausmaße kommen in etwa hin) gilt für mich noch immer Friedrich Forssman und Ralf de Jongs Standardwerk Detailtypografie. Was darin steht, ist für mich ehernes Typo-Gesetz. Freilich, am Ende entscheidet immer der Macher und sonst niemand (der muss auch Spott und Häme ertragen, wenn er daneben greift).

Erst heute das kleine Tool von Microsoft heruntergeladen und installiert: Font properties extension Mit dieser unscheinbaren Erweiterung, kann man alle relevanten Daten eines Fonts im Explorer auslesen (z.B., ob man sie einbetten kann oder nicht – embedding allowed, Info zum Vendor usw. und so fort). Habe dafür ewig im Internet gesucht, deshalb stelle ich es hier mal rein – sollte ich es wieder einmal benötigen.

Na, Hoppla, was les ich denn da. „Funny Font Forging Industry“. Die Website sanskritweb.net gibt lang und breit Auskunft, dass … äh, nun ja … Fonts (in D) kein Kunstwerk oder Softwareprogramm sind und deshalb auch urheberrechtlich nicht geschützt sind. Schlapperlot. Dass die Site noch online ist, wundert mich. Heutzutage werden ja Kanonen gegen laut zwitschernde Spatzen aufgefahren, wenn diese das einträgliche Geschäft vermiesen wollen. Interessant ist der (diskussionswürdige) Ansatz allemal, denn eines steht fest: viele Schriftarten stammen noch aus Urzeiten des Buchdrucks. Und wenn ich mit der Caslon von William Caslon schreibe, sollte man bedenken, dass mit seinen Bleilettern bereits die amerikanische Unabhängigkeitserklärung gesetzt wurde. Das ist nun wahrlich eine Zeit her. Ob er sich freut, wenn ein brotloser Dichter, der die Freiheit des Bürgers in Worte fassen und unters Volk bringen möchte, das letztes Hemd für seinen Schriftenentwurf hergeben muss? Darüber muss ich nachdenken …

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