richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Früchte der Schriftstellerei

Monatelang sitzt du hinter deinem Schreibtisch, tippst wie verrückt, korrigierst wie gestört, liest wie gedruckt. Deine Gesundheit geht den Bach runter, du wirst auf einem Auge fast blind, dein Rücken krümmt sich bedrohlich und der Bauchansatz sprengt die alten Hosen, obwohl du kaum noch etwas isst. Weit nach Mitternacht, wenn die Augenlider schwer werden, schreibst du noch eine Seite, dann noch ein und noch eine. Schließlich fällst du bei Tagesanbruch vom Stuhl und in ein mehrstündiges Koma, in dem du neue Ideen fürs Buch halluzinierst. Ewiglich scheint es in dieser Ton- und Spielart dahinzugehen. Dann getraust du dich, die erste Rohfassung aus der Hand zu geben. Es regnet eine Tracht kritischer Prügel, die du wie ein Mann einsteckst. Du beginnst Änderungen zu machen, zermarterst dir dein Hirn, weil du das letzte Drittel dermaßen verunstaltet hast, das nun die ersten beiden Dritteln nicht mehr passen. Also beginnst du von vorne. Würgst wieder tage- und wochenlang am Buchstabenbrei. Der Alkohol wird dein bester Freund. Die Tablette deine beste Freundin. Schließlich, man möchte es nicht glauben, hast du es geschafft und blätterst im Musterbuch der Druckerei. Dein Herz klopft, deine Hände schwitzen. Du bemerkst einen Fehler hier, einen dort – zitternd und verärgert versuchst du diese Unsäglichkeiten noch abzuwenden und bezahlst diesen Anspruch an Perfektionismus aus deiner eigenen Tasche. Und dann. Endlich. Endlich. Endlich. Die Bücher sind da. Jetzt, wo du die Stöße deines gedruckten Wortes siehst, weißt du, was alles noch auf dich zukommen wird. Sei’s drum. Was jetzt zählt ist nur noch eines: die Früchte der Mühen und des Mühsals vorangegangener schreibender, korrigierender und köpferauchender Tage einbringen. Ja, das ist der Grund, der einzige und wahre Grund, warum ein Schriftsteller Schriftsteller sein möchte: Das Leuchten in den Augen der Leser zu sehen, zu spüren, zu hören.  Im Großen und Ganzen hört sich dies dann so an:

Die Früchte der Schriftstellerei

Die Früchte der Schriftstellerei

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13 Antworten zu “Die Früchte der Schriftstellerei

  1. Wortman Samstag, 11 April, 2009 um 10:00

    Ich erinnere mich noch an mein erstes Buch. Da hat auch das Herz geklopft wie blöde 🙂

    Wünsche dir ein frohes Osterfest.

  2. maureen v. nebenschauplatz Sonntag, 12 April, 2009 um 0:24

    früher habe ich auf der bühne getanzt. der applaus – und die leuchtenden augen – sind der schönste lohn, die aufregung vor dem auftritt unermesslich.
    kann mir vorstellen, dass sich das mit dem geschlossenen, gedruckten buch in etwa gleich anfühlt.
    wunderbar diese aufregung. freue mich für dich, dass es vorwärts geht, und erst noch in die richtige richtung.
    (apropos: komischerweise hat man vor dem grossen auftritt „geburt“ so gar kein herzklopfen. man ist die ruhe selbst. hab mit einer bühnenschauspielerin gesprochen, und wir haben uns sehr darüber gewundert. aber ich komm‘ vom thema ab. ist wohl schon spät.)
    gute nacht, maureen

  3. Richard K. Breuer Sonntag, 12 April, 2009 um 9:08

    Servus Maureen, schön von dir zu lesen. Deine beiden „Plagegeister“ lassen dir wohl nur in der Nacht die nötige Ruhe zum Bloggen, oderrr ;-))

    Der große Auftritt „Geburt“ ist dafür aber für den Zuseher (vulgo Ehemann) eine einzige herzklopfende Raserei, oder?

    ad neues Büchlein: Na, dann schauen wir mal, ob’s für einen Applaus reichen wird. Für „leuchtende Augen“ kann ich nicht garantieren, aber „tränende“ – der Leser muss nur bei schlechtem Licht laaange lesen 😉

    Liebe Grüße nach Züri.

  4. maureen v. nebenschauplatz Sonntag, 12 April, 2009 um 17:26

    ja, du hast recht, nur wenn die kleinen schlafen, kann ich auch mal in ruhe etwas lesen oder schreiben (zb jetzt). gestern nacht die steuererklärung ausgefüllt, und dann als belohnung noch bei dir reingeschaut 🙂

    ich bin auf jeden fall auf deine büchleins* (bücher!) gespannt!

    * du nennst sie so!

    herzlichst, maureen

  5. Richard K. Breuer Sonntag, 12 April, 2009 um 17:58

    Yippie. In Züri kann ich die Früchte meiner Arbeit genießen – dank der guten Maureen 😉

  6. maureen v. nebenschauplatz Sonntag, 12 April, 2009 um 22:33

    vielleicht bald auch in der grossen weiten welt. dazu später mehr.

    herzlichst, maureen

  7. Richard K. Breuer Montag, 13 April, 2009 um 10:47

    Ach, die große weite Welt *sehnsüchtiger Blick aus dem Fenster*

  8. Ecki Donnerstag, 16 April, 2009 um 13:19

    Du peppst meine Toons aber ganz super auf! 🙂

  9. Richard K. Breuer Donnerstag, 16 April, 2009 um 13:52

    Ach, das macht die Tonwertkorrektur in Photoshop, wenn du das meinst.

  10. Bademeck Freitag, 31 Juli, 2009 um 13:39

    In dem Fantasyroman an dem ich gerade arbeide geht es unter anderen um Kamfkunst. Zwüschen durch auf zu Stehen etwas zu Trainiren und die Bewegungen die ich beschreibe selbst durchzuführen, gehört bei mir dazu und ist sehr Förderlich was Qalität und Gesundheitserhaltung betrift

    Anmerkung: was will uns der Autor dieser Zeilen wohl sagen? Also, wenn ich’s nicht besser wüsst, ist das ein künstlich intelligenter SPAM 😉

  11. Bademeck Freitag, 31 Juli, 2009 um 13:43

    Ps
    Ich tringe beim Schreiben Schwarzen oder Grünen Tee mit Trauben Zucker und Zitronensaft dazu manchmal ein Magnesium Preperat

    Anmerkung: Äh, ja?!

  12. Bademeck Freitag, 31 Juli, 2009 um 13:45

    PPs
    Hilft ganz gut

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