richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Tagesarchive: Mittwoch, 13 Mai, 2009

Gotcha!

paintball_01Als ich in den späten 80ern den Film Gotcha sah, war ich hin und weg, von diesem erwachsenen Räuber und Genarm-Spiel (politisch nicht korrekt: Cowboys und Indiander). Ja, in der Tat liefen da die Leutchen im Film durch den Wald und verschossen aus ihren „Luftdruck-Pistolen“ Farbkugeln, die bei Treffern am Körper aufplatzten und hübsche Farbspritzer hinterließen (und dabei riefen „Gotcha“ von „hab dich/got you“). Generell eine ungefährliche Sache (Helm und Sichtschutz vorausgesetzt), abgesehen vielleicht von den blauen Flecken (ja, so Treffer aus der Nähe können ganz schön weh tun *aua*). Damals, bereits zum Mann herangereift (woran erkennt man es? Du bekommst vom Wiener Bürgermeister einen Brief, der dir dazu gratuliert, dass du nun wahlberechtigt bist), dachte ich mir, so ein Spielchen, also, das tät ich auch gern spielen. Ja, in jedem Manne wohnt ein kleines, ungezogenes, vielleicht sogar bösartiges Kind! Viele Jahre vergingen.  Dann – der Globalisierung sei Dank – kam „Gotcha“ nach Österreich. Da die Amerikaner natürlich einen sportlichen Wettkampf daraus machten, musste ein sprechenderer Namen her: PAINTBALL. Und so probierte ich das Spielchen mit Freunden aus, die allesamt jenseits der 30 und treusorgende Väter oder Mütter (!) waren bzw. geworden sind. Nur der eine da, mit den langen Haaren, der versucht sich in der Schriftstellerei.

Wie die teutonpaintball_02ischen Politiker auf die Idee kommen, dass durch dieses Spiel Amokläufe ausgelöst/begünstigt werden könn(t)en, bleibt mir ein großes Rätsel. FAZ-Artikel. Nein, so rätselhaft ist es nicht. Politiker wollen zeigen, dass sie Probleme ernst nehmen und sie anzupacken wissen. Gut für die Publicity, wenn Verbote ausgesprochen werde. (immer, wenn es um die Vermeidung von zukünftigen Tragödien geht, will man verbieten, nie erlauben)  Aber sonst? Ich meine, würde ein Politiker ernsthaft in Erwägung ziehen, Fußballspiele zu verbieten, weil es Ausschreitungen der rechtsextremen Hooliganszene begünstigt? Schon Voltaire wusste vieles über Ursache und Wirkung zu berichten. Kann es sein, dass die hart erkämpfte Aufklärung nach bald 300 Jahren sang- und klanglos aus den Köpfen der Eliten verschwindet? Zeigt  diese obskure Verbots-Chose nicht in einer erschreckender Klarheit, dass Politiker den Weg des geringsten Widerstands gehen? („Uh, gegen die Waffenlobby bleiben wir besser ruhig“) Und dass sie in Wahrheit zwar die Wurzel des Problems erkennen, diese aber nicht anpacken wollen/können? Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zum Schluss, dass hier nur ein Amoklauf hilft, um die Leutchen zum Aufwachen zu bewegen („Eigenverleger prügelte mit seinen selbst produzierten Taschenbücher auf Beamte ein!“). Gut möglich, dass dann jeder Eigenverleger einen Waffenschein lösen muss. Einfacher wäre es natürlich, Bücher nur noch mit staatlicher Erlaubnis drucken zu lassen („Was ist denn das für ein Schmarrn?“), damit solche „Prügel-Amokläufe“ nicht mehr passieren können. Ja, für jede Wirkung findet sich eine passende Ursache. Man muss nur suchen.

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