Lesung und Podiumsdiskussion, 2.Oktober 2009

Lesung
aus


Die Liebesnacht des Dichters Tiret
Mosaik der Französischen Revolution
von Richard K. Breuer

am
Freitag, 2. Oktober 2009 – 19h30

in der
Buchhandlung am Quellenplatz
Laxenburger Straße 48 – 1100 Wien

es liest
Susanna Elisabeth Schimka

danach die Podiumsdiskussion

zum Thema
Chancen einer liberalen Partei im Kontext
der österreichischen „Demokratur“

es diskutieren
Hannes Heissl (Liberales Forum)
Richard K. Breuer (Autor)

Bernhard Schrei (Politikwissenschaftler)

es moderiert
Florian Kinast

Käse- und Weinverkostung im Anschluss

FLYER

Brouillé oder 350 losgelassene Seiten

Cover_Brouille_3D_1

Schlapperlot. Heute, gegen 16 Uhr, habe ich mich getrennt. Von Brouillé. Ich habe mich bemüht, redlich und fleißig, alles noch durchzusehen, vieles noch abzuwägen. Aber irgendwann ist Schluss. Jeder Künstler kennt dieses seltsame Gefühl, das zwischen Erleichterung („Endlich!“) und Gewissensbisse („Hätte ich nicht …?“) pendelt. Freilich, nach dem Korrektorat von EJ. wird es noch Änderungen (besser: Ausbesserungen oder Korrekturen, evtl. Ergänzungen) geben, ja, geben müssen. Die historischen Anmerkungen gehören akkurat geprüft. Und die Danksagung, ja, die fehlt auch noch.

Wie immer, wenn sich ein Buchprojekt dem Ende zuneigt, werden Zweifel wach. Muss so sein. Wird immer so bleiben. Man versucht sich mit netten Rückmeldungen zu beruhigen. Zwei Vorbestellungen (die Autorin HK. hat gleich mal alle weiteren Bände bestellt; HH., mit dem ich heute gesprochen habe, wollte in der Buchhandlung am Quellenplatz gleich den 2. Band kaufen) können durchaus Balsam auf der abgearbeiteten Seele des Schriftstellers sein. Und wie war die Rückmeldung von DG. (zu einer eher mäßigen Vorversion):  „FASZINIEREND, SPANNEND, FLÜSSIG, ÜBERRASCHEND, LUSTIG, REGT ZUM NACHDENKEN AN, VERWOBEN, GEFINKELT, BEEINDRUCKEND, KNIFFLIG, …“ [ich hab die Wörter bitteschön nicht groß geschrieben!] oder MK. [„dein bestes Buch, abgesehen von ‚Azadeh'“]

Naja. Schauen wir mal.

Ein Becher, zwei Menschen

Endlich. Endlich geht es wieder mit Brouillé weiter. Eine gefühlte Ewigkeit scheint es her zu sein, als ich das letzte Mal darin las und meine (letzten?) Anmerkungen bzw. Korrekturen machte. Im ICE, 1. Klasse (!), von Frankfurt nach Wien. 9 Tage ist es her. Aber in diesen 9 Tagen rotierte die Welt im Kopf, wollte das Layout der 2. Ausgabe von „frisch gespielt“ gemacht werden. Und der eine oder andere Termin wahrgenommen werden. Schließlich hat man gewissen Verpflichtungen nachzukommen, auch wenn man weder Lust, noch Laune, noch Zeit hätte. Man ist eben Profi genug, um sich blicken zu lassen. Tut man so. Und manch einen Termin, ja, freut einen. Weil man kurz erfreulich abgelenkt ist, vom gestressten Tun. Fein.

Gestern noch am Josefstädter Straßenfest teilgenommen. Mein Tisch, der vor Büchern nur so überquoll, wurde zwar wahrgenommen, aber es passierte selten, dass sich jemand getraute ein Exemplar in die Hand zu nehmen . Obwohl ich mich im Hintergrund aufhielt (weil ich es partout nicht leiden kann, wenn mich der Verkäufer gierig anstarrt und mich in ein Gespräch verwickeln möchte). Wenigstens kann ich sagen, die hübscheste Buchkäuferin des Tages gehabt zu haben. Meine Widmung fiel dementsprechend aus. Mal schauen, ob Jenni (ja, mit „i“!) mit Ro2069 glücklich wird. Geschmunzelt hat sie jedenfalls (nicht über mich, sondern über das Quergelesene). Zwei ältere Damen interessierten sich ebenfalls für Ro2069. Ich gab zu verstehen, dass es „kein Kinderbuch“ sei, worauf sie beide im Chor zurückgaben: „Deshalb interessiert es uns ja!“. Tja. Vielleicht hätte ich eher sagen sollen, dass es „computerlastig“ sei. Das verschreckt die Leutchen.

Im Großen und Ganzen zufrieden. Eva J. und Peter B. kamen auf einen Sprung vorbei. Gregor B., ehemaliger Schulkollege, dem das Schicksal übel mitspielte und er sich nicht unterkriegen lässt. Er ist das Paradebeispiel eines Stehaufmännchens. Und er weiß, was sich gehörte, erstand das BREUER-Package, also alle 3 Bücher, was den Autor natürlich sehr freute. Dabei geht es gar nicht so sehr um den monetären Aspekt (freilich, „ohne Marie gibt’s kan Kaffee!“), sondern um das Gefühl, als Schriftsteller/Verleger ernst genommen zu werden. Ganz anders Jessica, das quirlige Mädel, das sich um einen Teil des Josefstädter Straßenfestes kümmerte, ehemals in einer Buchhandlung arbeitete, sie konnte ich beim besten Willen nicht von Tiret überzeugen (das Cover gefiel ihr mit Ro2069 am besten, bei Schwarzkopf war sie sich nicht sichter – wobei sie die Rückseite besser fand). Trotz meines unschlagbaren Angebots, lehnte sie mit einem Lächeln ab und gönnte sich einen erfrischenden Eistee um € 3,50. („Ist aber ein großer Becher!“) Da wurde mir schlagartig bewusst, dass der Buchhandel über kurz oder lang die selbe Veränderung wie die Lichtspielhäuser durchmachen werden: nicht mehr am Hauptprodukt (Filme) zu verdienen, sondern an den Nebenprodukten (Snacks, Softdrinks, …). Im Prinzip geht es ja bereits in diese Richtung. Viele Buchhandlungen offerieren Kaffee und Kuchen (zum ersten Mal in Edinburgh gesehen, vor vielen Jahren, wo es in einer mehrstöckigen Buchhandlung ein Café gab – ich war begeistert). Die Buchhandlung am Quellenplatz bietet Nespresso-Kaffee, die kleine Buchhandlung Lhotzky im 2. Bezirk (meine Ansichtsexemplare habe ich genausowenig zurückbekommen wie eine Antwort, ob sie meine Bücher in Kommission nehmen möchten) offeriert kleine kalte, das Tiempo sogar warme Speisen (und hausgemachten Kuchen!). Kostenloses WLAN ist in den ersten beiden Lokalen selbstverständlich (während man in den Starbucks-Filialen gerade mal 30 Minuten geschenkt bekommt und in den Zügen der DB nicht mal eine, was mich maßlos aufregt).

Was haben wir vom gestrigen Straßenfest also gelernt? Ausgelegte Spiele ziehen seltsam verquere Menschen an. Manche Mütter sehen es als eine gute Möglichkeit an, ihre nervigen Kinder für eine Zeit abzugeben. Die ausgelegten Spielemagazine wurden als „Gratisexemplare“ angesehen. Ein Heft zu bezahlen, kam kaum jemanden in den Sinn – scheinbar ist es unvorstellbar eine Zeitschrift nicht in der Trafik (Kiosk) zu kaufen. Werbung und Auftreten ist alles. Zwar hatten wir einen hübschen, großen Pavillon (im Schweiße meines Angesichts geholfen, dieses Zelt auf- und wieder abzubauen), aber sonst deutete nichts darauf hin, worum es sich bei diesem Stand handelte („verkauft ihr die Spiele?“). Das nächste Mal (Spielefest) werden wir sicherlich Plakate und Werbebanner aufspannen. Schließlich wollen die Leutchen wissen, womit und vor allem, mit wem sie es hier zu tun haben. Da könnte ja jeder kommen. Außerdem müssen die Spiele so ausgesucht werden, dass sie im Vorbeigehen gespielt werden können. Langwierige Erklärungen schreckt jedermann ab. Memory® erfreute sich jedenfalls bei alt und jung größter Beliebtheit (vielleicht hat es auch nur damit zu, weil die Malermeisterin Petra Kaindel ihr gewinnendes Lächeln einsetzte – was wieder nur bedeutet, dass man mit attraktiven Damen mehr erreicht, als mit den besten Angeboten und Aufmachern).

Zu guter Letzt, der erfreulichste Part des Tages. Manu tauchte noch unvermittelt in den Abendstunden auf (da war der Pavillon schon abgebaut, die Spiele weggeräumt, die Verabschiedung schon spürbar). Wir beschlossen, eine Flasche Sturm um schlappe € 2,50 zu erstehen (während ein Glas € 1,20 kostete) und mit zwei Bechern (es gab nur noch einen) diesen auszusüffeln. Dieses Vorhaben verlegten wir von der Josefstädter Straße zum Platz der Maria Treu Kirche, die herrlich im Scheinwerferlicht leuchtete. Dazu gab es dann eine Pizza von der besten Pizzeria Wiens (ja, sie schmeckte wahrlich lecker) – ohne Käse. Wäre es nicht so kühl gewesen, es wäre perfekt gewesen. Das Szenario hatte etwas vom einfallsreichen brotlosen Künstlertum, das mit geringstem Aufwand ein Maximum an Zufriedenheit erschafft. Eine Nacken-Massage bekam ich auch noch (seit vielen Tagen verspannt wie nur). Herz, was willst du mehr. Nur die vielen Bücher, die ich im Rucksack mit mir schleppte, engten meine Kreise ein. Ja, jeder Künstler hat sein Bündel zu tragen. So oder so.

Goldiges Layout

Cover_fg02_2009_klein_72neuDas war’s also. Das österreichische Spielemagazin „frisch gespielt“ 02/2009 endgültig fertig. Die letzten Austauschseiten an die Druckerei geschickt. Nächste Woche werden wir die nervenaufreibende Designschlacht begutachten können. Am Freitag zu Mittag begonnen, am Mittwoch, gegen 2 Uhr früh die 52 auf Hochglanz polierten Seiten auf den Server der Druckerei hochgeladen. Heute, am frühen Abend, den Plott durchgesehen und 4 Austauschseiten vereinbart. Hübsch, so ein Andruck der Magazin-Seiten auf einem Bogen (70 x 100 cm). Bald werde ich so einen in meinem Zimmer an die Wand hängen dürfen. In kalten Tagen kann ich mich damit zudecken (oder einheizen).

Dass Rapid Wien den Hamburger SV aus dem Happel-Stadion schießt, also, wer hätte das gedacht? 3 : 0! Wahrlich, es gibt ja doch noch große (Fußball) Wunder 🙂

Nächtliches

1 Uhr 21. Heute ist Abgabetermin für das Spielemagazin frisch gespielt 02/2009. Hola. Da fehlen noch ein paar Seiten. Da heißt es warten, Kaffee trinken und wach bleiben. Wie? Man esse zu später Stunde Junkfood vom Feinsten, dazu ne Coke und Pommes. Das gibt Saft. Fragt sich nur, wie lange.

Vor ein paar Tagen Köln besucht. Wohl den letzten herrlichen Spätsommertag genossen. Im Schlosspark lustgewandelt, den Dom ehrfurchtsvoll bestaunt (wie muss es da einem Knecht des Mittelalter gegangen sein?), am Rhein (ganz schön breit, der Fluss) gesessen, einen Berliner mit Kafffe (kein Tippfehler bitteschön!) verspeist, holländische Pommes mit Mayo (!) gegessen, mich nett unterhalten. Man könnte durchaus sagen, dass Köln zu fesseln weiß, aber der Wermutstropfen war wohl, dass ich zu guter Letzt hören musste, dass Österreich gegen Rumänien nur 1:1 spielte. Blöd. Die WM ist damit dahin.

Die Rückreise komfortabel in der 1. Klasse des ICE. Leider nur die Hälfte von Brouillé überarbeiten können. Blöd. Schon wieder blöd. Wenn das Spielemagazin in Druck geht, dann heißt es, ran an Brouillé. Die Zeit bleibt ja bekanntlich nicht stehen und schon gar nicht für literarische Dampfplauderer.

Am Freitag, beim Josefstädter Straßenfest werde ich ab 16 Uhr bis in die Abendstunden anwesend sein. Beim Stand von frisch gespielt. Werde dort auch meine Bücher feilbieten und – auch nicht unwichtig – FLYER verteilen. Im großen Stil hab ich das noch nie gemacht. Weil ich mich um jeden Flyer, den ich aus der Hand gebe, sorge („ob er ein nettes Zuhause findet?“). Blöd. Schon wieder blöd. Weil Flyer dazu gemacht sind, zum Wegwerfen. Eigentlich ne ökologische Katastrophe. Am besten wäre, wenn die Leutchen von selbst den Flyer, nachdem sie diesen gelesen haben, an andere Interessierte weiterreichten. So bräuchte man nur eine Hand voll Flyer und ganz Wien würde beglückt werden. Toll, ha? Erinnert ein wenig an Schwarzer Peter (darf man das noch sagen?). Wer Zeit und Lust hat, kann gerne vorbeikommen, auf ein Schwätzchen. Natürlich werde ich meinem Besuch einen Flyer in die Hand drücken. Und wehe, der landet in der Gosse. Dort gehören nur die brotlosen Schriftsteller hin, nicht die zarten Papierflieger, die können ja noch am allerwenigsten dafür.

Da fällt mir ein. Dass ich noch einen virtuellen Flyer (schon wieder!) basteln sollte. Für die Lesung am 2. Oktober 09 in der Buchhandlung am Quellenplatz, inklusive einer Diskussion. Susanna Sch. wird lesen. Schauspielerin und Facebook-Bekanntschaft liest fleißig TIRET. Um den wird es ja gehen. Und um das LIF. Und um Wein. Und um Käse. Herz, was willst du mehr? Und ein Tiret-T-Shirt wird die Vorleserin auch tragen. Ha, da werden die Leutchen aber gucken.

Und einen Folder will ich mir machen. Weil der, den ich für Petra Kaindel machte, wirklich gut ausschaut. Und weil ich ja schon bald sechs (!) Bücher veröffentlicht habe, sollte das auch dem ehrenwerten Publikum mitgeteilt werden. Ja, ja.

Sodala. Vielleicht wär jetzt ein Kaffee nicht schlecht. Dann wüsste ich endlich einmal, wie es dem guten alten Balzac ging, der das schwarze Koffein über die Maßen genoss und es als Mittel zum Wachbleiben einsetzte. Ja, der Mann hat so gut wie nichts geschlafen. Jahrzehnte lang! Respekt.

rkb_koeln

1 Uhr 53!