richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Ein Becher, zwei Menschen

Endlich. Endlich geht es wieder mit Brouillé weiter. Eine gefühlte Ewigkeit scheint es her zu sein, als ich das letzte Mal darin las und meine (letzten?) Anmerkungen bzw. Korrekturen machte. Im ICE, 1. Klasse (!), von Frankfurt nach Wien. 9 Tage ist es her. Aber in diesen 9 Tagen rotierte die Welt im Kopf, wollte das Layout der 2. Ausgabe von „frisch gespielt“ gemacht werden. Und der eine oder andere Termin wahrgenommen werden. Schließlich hat man gewissen Verpflichtungen nachzukommen, auch wenn man weder Lust, noch Laune, noch Zeit hätte. Man ist eben Profi genug, um sich blicken zu lassen. Tut man so. Und manch einen Termin, ja, freut einen. Weil man kurz erfreulich abgelenkt ist, vom gestressten Tun. Fein.

Gestern noch am Josefstädter Straßenfest teilgenommen. Mein Tisch, der vor Büchern nur so überquoll, wurde zwar wahrgenommen, aber es passierte selten, dass sich jemand getraute ein Exemplar in die Hand zu nehmen . Obwohl ich mich im Hintergrund aufhielt (weil ich es partout nicht leiden kann, wenn mich der Verkäufer gierig anstarrt und mich in ein Gespräch verwickeln möchte). Wenigstens kann ich sagen, die hübscheste Buchkäuferin des Tages gehabt zu haben. Meine Widmung fiel dementsprechend aus. Mal schauen, ob Jenni (ja, mit „i“!) mit Ro2069 glücklich wird. Geschmunzelt hat sie jedenfalls (nicht über mich, sondern über das Quergelesene). Zwei ältere Damen interessierten sich ebenfalls für Ro2069. Ich gab zu verstehen, dass es „kein Kinderbuch“ sei, worauf sie beide im Chor zurückgaben: „Deshalb interessiert es uns ja!“. Tja. Vielleicht hätte ich eher sagen sollen, dass es „computerlastig“ sei. Das verschreckt die Leutchen.

Im Großen und Ganzen zufrieden. Eva J. und Peter B. kamen auf einen Sprung vorbei. Gregor B., ehemaliger Schulkollege, dem das Schicksal übel mitspielte und er sich nicht unterkriegen lässt. Er ist das Paradebeispiel eines Stehaufmännchens. Und er weiß, was sich gehörte, erstand das BREUER-Package, also alle 3 Bücher, was den Autor natürlich sehr freute. Dabei geht es gar nicht so sehr um den monetären Aspekt (freilich, „ohne Marie gibt’s kan Kaffee!“), sondern um das Gefühl, als Schriftsteller/Verleger ernst genommen zu werden. Ganz anders Jessica, das quirlige Mädel, das sich um einen Teil des Josefstädter Straßenfestes kümmerte, ehemals in einer Buchhandlung arbeitete, sie konnte ich beim besten Willen nicht von Tiret überzeugen (das Cover gefiel ihr mit Ro2069 am besten, bei Schwarzkopf war sie sich nicht sichter – wobei sie die Rückseite besser fand). Trotz meines unschlagbaren Angebots, lehnte sie mit einem Lächeln ab und gönnte sich einen erfrischenden Eistee um € 3,50. („Ist aber ein großer Becher!“) Da wurde mir schlagartig bewusst, dass der Buchhandel über kurz oder lang die selbe Veränderung wie die Lichtspielhäuser durchmachen werden: nicht mehr am Hauptprodukt (Filme) zu verdienen, sondern an den Nebenprodukten (Snacks, Softdrinks, …). Im Prinzip geht es ja bereits in diese Richtung. Viele Buchhandlungen offerieren Kaffee und Kuchen (zum ersten Mal in Edinburgh gesehen, vor vielen Jahren, wo es in einer mehrstöckigen Buchhandlung ein Café gab – ich war begeistert). Die Buchhandlung am Quellenplatz bietet Nespresso-Kaffee, die kleine Buchhandlung Lhotzky im 2. Bezirk (meine Ansichtsexemplare habe ich genausowenig zurückbekommen wie eine Antwort, ob sie meine Bücher in Kommission nehmen möchten) offeriert kleine kalte, das Tiempo sogar warme Speisen (und hausgemachten Kuchen!). Kostenloses WLAN ist in den ersten beiden Lokalen selbstverständlich (während man in den Starbucks-Filialen gerade mal 30 Minuten geschenkt bekommt und in den Zügen der DB nicht mal eine, was mich maßlos aufregt).

Was haben wir vom gestrigen Straßenfest also gelernt? Ausgelegte Spiele ziehen seltsam verquere Menschen an. Manche Mütter sehen es als eine gute Möglichkeit an, ihre nervigen Kinder für eine Zeit abzugeben. Die ausgelegten Spielemagazine wurden als „Gratisexemplare“ angesehen. Ein Heft zu bezahlen, kam kaum jemanden in den Sinn – scheinbar ist es unvorstellbar eine Zeitschrift nicht in der Trafik (Kiosk) zu kaufen. Werbung und Auftreten ist alles. Zwar hatten wir einen hübschen, großen Pavillon (im Schweiße meines Angesichts geholfen, dieses Zelt auf- und wieder abzubauen), aber sonst deutete nichts darauf hin, worum es sich bei diesem Stand handelte („verkauft ihr die Spiele?“). Das nächste Mal (Spielefest) werden wir sicherlich Plakate und Werbebanner aufspannen. Schließlich wollen die Leutchen wissen, womit und vor allem, mit wem sie es hier zu tun haben. Da könnte ja jeder kommen. Außerdem müssen die Spiele so ausgesucht werden, dass sie im Vorbeigehen gespielt werden können. Langwierige Erklärungen schreckt jedermann ab. Memory® erfreute sich jedenfalls bei alt und jung größter Beliebtheit (vielleicht hat es auch nur damit zu, weil die Malermeisterin Petra Kaindel ihr gewinnendes Lächeln einsetzte – was wieder nur bedeutet, dass man mit attraktiven Damen mehr erreicht, als mit den besten Angeboten und Aufmachern).

Zu guter Letzt, der erfreulichste Part des Tages. Manu tauchte noch unvermittelt in den Abendstunden auf (da war der Pavillon schon abgebaut, die Spiele weggeräumt, die Verabschiedung schon spürbar). Wir beschlossen, eine Flasche Sturm um schlappe € 2,50 zu erstehen (während ein Glas € 1,20 kostete) und mit zwei Bechern (es gab nur noch einen) diesen auszusüffeln. Dieses Vorhaben verlegten wir von der Josefstädter Straße zum Platz der Maria Treu Kirche, die herrlich im Scheinwerferlicht leuchtete. Dazu gab es dann eine Pizza von der besten Pizzeria Wiens (ja, sie schmeckte wahrlich lecker) – ohne Käse. Wäre es nicht so kühl gewesen, es wäre perfekt gewesen. Das Szenario hatte etwas vom einfallsreichen brotlosen Künstlertum, das mit geringstem Aufwand ein Maximum an Zufriedenheit erschafft. Eine Nacken-Massage bekam ich auch noch (seit vielen Tagen verspannt wie nur). Herz, was willst du mehr. Nur die vielen Bücher, die ich im Rucksack mit mir schleppte, engten meine Kreise ein. Ja, jeder Künstler hat sein Bündel zu tragen. So oder so.

Advertisements

6 Antworten zu “Ein Becher, zwei Menschen

  1. pebowski Samstag, 19 September, 2009 um 13:35

    Demnächst in der RKB Filiale (Richards Kaffee & Bücher): „Einen großen Schwarz-Kopf“ bitte!“ „Kaffee oder Buch?“

  2. Richard K. Breuer Samstag, 19 September, 2009 um 19:09

    „Tunkens mir das Buch bittschön in den Kaffee, weil der ist mir sonst zu stark.“

    „Bitte sehr, bitte gleich, der Herr.“

  3. pebowski Sonntag, 20 September, 2009 um 23:13

    Geh, mit der Druckerschwärze wird er noch stärker!!!

  4. Manu Montag, 21 September, 2009 um 9:12

    oh ja, ein sehr schöner abend war das!

    (aber uff, irgendwie fällt mir bei dem titel eine grausige assoziation ein 😉 )

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: