Wohin des Weges, Österreich?

Gestern also, hier, in der Buchhandlung am Quellenplatz, die „li(e)berale“ Lesung abgehalten und an der Podiumsdiskussion teilgenommen. Susanna Elisabeth Schimka (im „Tiret“-T-Shirt) las wunderbarst aus „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“, die Herrn Heissl und Kinast von den Wiener Liberalen und der Politikwisschenschaftler Schrei versuchten sich an der Frage, wie es mit der Politik in Österreich bestellt sei und ob es nicht eine liberale Partei brauchte, die die bestehende „Demokratur“ (vulgo Proporz) aufbricht. Dass es dazu Menschen bedarf, die mutig (illusorisch oder idealistisch?) an die Sache herangehen und sich allerlei Kopfschütteln gefallen lassen müssen, sollte nicht unerwähnt bleiben. Als Schriftsteller und Künstler darf ich mir jedenfalls das Recht herausnehmen, un-parteiisch zu sein und Fragen aufzuwerfen, die ich nicht beantworten muss. Mit meinen Bänden (gut, im Moment ist es nur einer, aber die anderen folgen in absehbarer Zeit) zur Französischen Revolution will ich aufzeigen, dass es vor über 200 Jahren mutige Menschen gegeben hat, die nicht nur ein politisches System in Frage stellten, sondern sich daran machten, eine Lösung zu finden (wohin diese führte, nun, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben). Gernau darum geht es mir vorrangig: Die Leute zum Nachdenken und Disputieren zu bringen. Mehr kann man vorerst nicht wollen.

Die anschließende Diskussion bzw. die an das Podium gerichteten Fragen zeugten davon, dass die (wenigstens anwesenden) Bürger eine Veränderung der bestehenden Politik befürworteten (vielleicht sogar verlangten). Nachhaltigkeit wurde hervorgehoben, wobei mein Einwurf, dass dies bedeutete, „den Gürtel enger zu schnallen“ und viele Wähler/Bürger dies nicht wünschten (was zur Folge hat, dass eine Partei, die so einen Weg einschlägt, von der Mehrheit nicht gewählt werden würde – es sei denn, die Umstände ließen den Menschen keine andere Wahl). Diese „Gürtel“-Phrase stieß auf eine gewisse Ablehnung. Warum, nun, das konnte ich auch im nachfolgenden Gespräch mit einem älteren liberalen Bürger bei Wein und Käse nicht klären. Immerhin ist er der Meinung, die bestehende politische Ordnung mit den eigenen Waffen zu schlagen. Will heißen: eine unabhängige Partei wird gewählt und setzt alle notwenigen Maßnahmen um – eine andere Möglichkeit sehe er nicht. Worauf ich meinte, dass es durchaus eine Bewegung geben könnte, die im Stande wäre, viel zu erreichen. „Wenn 100.000 Leute jetzt zum Parlament ziehen …“ (wir wissen, ich schreibe über die Französische Revolution). Darauf schüttelte er griesgrämig den Kopf „Das kann nicht das Ziel sein, das Parlament auszuschalten.“ Kann es nicht? Ja, das ist das schöne, an der Schriftstellerei. Morgen könnte ich schon darüber nachdenken. Und übermorgen ein Buch in Angriff nehmen, wo dieses Szenario zu Papier gebracht wird. Ein Künstler muss über den erlaubten Tellerrand sehen und schreiben und reden. Das öffnet vielleicht neue Ansatzpunkte, bringt frische (gefährliche?) Ideen. Über kurz oder lang bleibt der Karren sowieso stecken. Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, die notwendigen Fragen zu stellen. Die Antworten, sie ergeben sich von ganz alleine.

Jedenfalls rümpfte der ältere Liberale („von der Lesung hab ich nicht viel verstanden … ich hör vielleicht schon schlecht“) die Nase, als ihn ein jüngerer Kollege auf mein Buch aufmerksam machte („ich habe es in meinem Urlaub gelesen“). Gekauft hat er es schlussendlich nicht . In solchen Fällen werde ich dann meist intolerant und krawutisch. Ja, auch Schriftsteller haben ihre dunklen Seiten. Nicht nur Politiker.

Ach ja. Nicht unerwähnt, die Käse- und Weinverkostung. Zum einen der Vorarlberger Käse (verschiedene Sorten!) der Sennerei Schnifis (viele Auszeichnungen!), der allerherrlichst schmeckte (nicht zu vergleichen, mit all dem industriell gefertigten Massenkäse). Und der Blanc de Rouge (gleichgepresster Cabernet Sauvignon) vom Weingut Lunzer, also, ich muss sagen, der hat’s mir angetan – um schlappe € 5,- erstand ich eine Flasche. Sollte mir also beim Schriftstellern das Brot ausgehen, dann halte ich mich mich am Wein. Darin soll ja bekanntlich die Wahrheit liegen.