richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Wohin des Weges, Österreich?

Gestern also, hier, in der Buchhandlung am Quellenplatz, die „li(e)berale“ Lesung abgehalten und an der Podiumsdiskussion teilgenommen. Susanna Elisabeth Schimka (im „Tiret“-T-Shirt) las wunderbarst aus „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“, die Herrn Heissl und Kinast von den Wiener Liberalen und der Politikwisschenschaftler Schrei versuchten sich an der Frage, wie es mit der Politik in Österreich bestellt sei und ob es nicht eine liberale Partei brauchte, die die bestehende „Demokratur“ (vulgo Proporz) aufbricht. Dass es dazu Menschen bedarf, die mutig (illusorisch oder idealistisch?) an die Sache herangehen und sich allerlei Kopfschütteln gefallen lassen müssen, sollte nicht unerwähnt bleiben. Als Schriftsteller und Künstler darf ich mir jedenfalls das Recht herausnehmen, un-parteiisch zu sein und Fragen aufzuwerfen, die ich nicht beantworten muss. Mit meinen Bänden (gut, im Moment ist es nur einer, aber die anderen folgen in absehbarer Zeit) zur Französischen Revolution will ich aufzeigen, dass es vor über 200 Jahren mutige Menschen gegeben hat, die nicht nur ein politisches System in Frage stellten, sondern sich daran machten, eine Lösung zu finden (wohin diese führte, nun, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben). Gernau darum geht es mir vorrangig: Die Leute zum Nachdenken und Disputieren zu bringen. Mehr kann man vorerst nicht wollen.

Die anschließende Diskussion bzw. die an das Podium gerichteten Fragen zeugten davon, dass die (wenigstens anwesenden) Bürger eine Veränderung der bestehenden Politik befürworteten (vielleicht sogar verlangten). Nachhaltigkeit wurde hervorgehoben, wobei mein Einwurf, dass dies bedeutete, „den Gürtel enger zu schnallen“ und viele Wähler/Bürger dies nicht wünschten (was zur Folge hat, dass eine Partei, die so einen Weg einschlägt, von der Mehrheit nicht gewählt werden würde – es sei denn, die Umstände ließen den Menschen keine andere Wahl). Diese „Gürtel“-Phrase stieß auf eine gewisse Ablehnung. Warum, nun, das konnte ich auch im nachfolgenden Gespräch mit einem älteren liberalen Bürger bei Wein und Käse nicht klären. Immerhin ist er der Meinung, die bestehende politische Ordnung mit den eigenen Waffen zu schlagen. Will heißen: eine unabhängige Partei wird gewählt und setzt alle notwenigen Maßnahmen um – eine andere Möglichkeit sehe er nicht. Worauf ich meinte, dass es durchaus eine Bewegung geben könnte, die im Stande wäre, viel zu erreichen. „Wenn 100.000 Leute jetzt zum Parlament ziehen …“ (wir wissen, ich schreibe über die Französische Revolution). Darauf schüttelte er griesgrämig den Kopf „Das kann nicht das Ziel sein, das Parlament auszuschalten.“ Kann es nicht? Ja, das ist das schöne, an der Schriftstellerei. Morgen könnte ich schon darüber nachdenken. Und übermorgen ein Buch in Angriff nehmen, wo dieses Szenario zu Papier gebracht wird. Ein Künstler muss über den erlaubten Tellerrand sehen und schreiben und reden. Das öffnet vielleicht neue Ansatzpunkte, bringt frische (gefährliche?) Ideen. Über kurz oder lang bleibt der Karren sowieso stecken. Es liegt an uns, an jedem Einzelnen, die notwendigen Fragen zu stellen. Die Antworten, sie ergeben sich von ganz alleine.

Jedenfalls rümpfte der ältere Liberale („von der Lesung hab ich nicht viel verstanden … ich hör vielleicht schon schlecht“) die Nase, als ihn ein jüngerer Kollege auf mein Buch aufmerksam machte („ich habe es in meinem Urlaub gelesen“). Gekauft hat er es schlussendlich nicht . In solchen Fällen werde ich dann meist intolerant und krawutisch. Ja, auch Schriftsteller haben ihre dunklen Seiten. Nicht nur Politiker.

Ach ja. Nicht unerwähnt, die Käse- und Weinverkostung. Zum einen der Vorarlberger Käse (verschiedene Sorten!) der Sennerei Schnifis (viele Auszeichnungen!), der allerherrlichst schmeckte (nicht zu vergleichen, mit all dem industriell gefertigten Massenkäse). Und der Blanc de Rouge (gleichgepresster Cabernet Sauvignon) vom Weingut Lunzer, also, ich muss sagen, der hat’s mir angetan – um schlappe € 5,- erstand ich eine Flasche. Sollte mir also beim Schriftstellern das Brot ausgehen, dann halte ich mich mich am Wein. Darin soll ja bekanntlich die Wahrheit liegen.

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6 Antworten zu “Wohin des Weges, Österreich?

  1. Susanna Schimka Samstag, 3 Oktober, 2009 um 13:27

    Hallo Richard!

    Fand es seeehr nett gestern!
    Und die Diskussion angeregter als ich dachte!

    Muss gerade schmunzeln als ich Deinen Kommentar über den gestrigen Abend las. Vor lauter „Angst“ daß Du statt SusannA eventuell wieder SusannE schrieben könntest, läßt Du´s jetzt ganz weg und nun heiße ich plötzlich nur mehr Elisabeth!:-)

    ganz lieben Gruß,
    Nana

    • Richard K. Breuer Samstag, 3 Oktober, 2009 um 14:33

      Jössassss. Schön langsam muss die gute Nana glauben, ich mach es absichtlich, ihre Namensverstümmelungs- bzw. Weglassaktionen. Natürlich gleich ergänzt. Du hast es wirklich nicht leicht, Nana. Gestern wurdest du nicht mal mit dem Namen vorgestellt und heute hätte ich dich beinahe deines Vornamens beraubt. Aber das T-Shirt stand dir gut 🙂 – ich hoffe, es gibt bald ein paar Fotos zu sehen (der Fotograf Peter Urban hat die Bilder leider noch nicht hochgeladen).

  2. Susanna Schimka Sonntag, 4 Oktober, 2009 um 12:37

    Nein, ich denke natürlich nicht im geringsten daß Du absichtlich meinen Namen verstümmelst, ich kategorisiere das unter künstlerischer „Verhuschtheit“.

    Ich muß sagen ich habe Angst vor den Bildern des Photographen, soweit die Bilder mich betreffen.

    Ein befreundeter Photograph, der vor vielen Jahren einmal Claudia Schiffer photographierte erzählte mir, daß es nicht möglich war von ihr auch nur ein schlechtes Bild zu machen.

    Bei mir ist es – fast – umgekehrt. Und das ist leider Gottes nicht kokett!:-)

    Bis bald bei Kaffee und Kuchen!
    Nana

  3. Richard K. Breuer Sonntag, 4 Oktober, 2009 um 14:52

    Nein, nein, die Fotos sind allesamt gut geworden – sogar von mir 😉 Die Nana braucht sich da nicht hinter meinem Tiret-Aufsteller zu verstecken, sozusagen, gell.

    http://picasaweb.google.at/LIFWien/LifBuchhandlungQuellenplatz#

    Äh, ja, „künstlerische Verhuschtheit“ ist passend.

  4. Hannes Heissl Sonntag, 4 Oktober, 2009 um 15:08

    Ich möchte mich bei allen Mitwirkenden herzlich bedanken. Die Diskussion war für uns organisierte Liberale ein sehr schöner Einstieg in den politischen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern. Wenn unser Autor und die anderen Partner das möchten, würde ich das gerne mit einer Lesung aus dem neuen Buch und einer Diskussion, in der wir dann noch konkreter werden können, fortsetzen.

    Was für mich als Erkenntnis wichtig ist:

    – Das derzeitige politische System ist nicht gottgegeben, sondern kann verändert werden
    – die derzeitige politische Praxis führt zur Politikverdrossenheit und gefährdet die Demokratie
    – wie in der französischen Revolution bedarf es einer kritischen Masse an kritischen Bürgern, um hier auch etwas erreichen zu können
    – die Mitwirkenden an der Diskussion haben mehrheitlich die Meinung vertreten, daß es mutiger Ansagen einer liberalen Partei bedarf

    liebe Grüße
    Hannes
    http://wien.liberale.at

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 7 Oktober, 2009 um 9:32

      Ja, ja, mutige Menschen braucht das Land! Ich finde es toll, dass du dich engagierst. Wenn es nur dampfplaudernde Schreiberlinge wie meiner einer gäbe, tät sich ja nie was tun. Schön.

      Und ja, Lesung und Diskussion machen wir wieder.

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