richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Twitter, eine Visitenkarte und ein Grab

Heute ist also heidnisches Halloween. In meinem Literaturkalender steht außerdem noch „Reformationstag“ und dass Jean Améry 1912 zur Welt kam. In einer Stunde mache ich mich auf den Weg, meine Großeltern besuchen, respektive ihr Grab. Lange ist der letzte Besuch her. Obwohl ich ihnen viel zu verdanken habe. Literarisch! Waren es nicht die alten, vergilbten Fotos, die von einer intakten Gesellschaftsordnung sprachen, die mich interessierten, die meine Phantasie beflügelten. Mein Großvater war eine Zeit lang Kammerdiener bei einem Freiherrn (um später als Postbote seinen Dienst zu versehen, weil er von der „Gräfin Jeriza“ aus dem Schloss geekelt wurde). Ich denke, all diese sehnsuchtsvollen Blicke, zurück, in eine vergangene, verlorene Zeit (ohne zu wissen, wie es sich wirklich damals gelebt haben könnte), brachten mich zur Jahrhundertwende (1900), dem Fin-de-Siècle in Wien. „Azadeh„, mein (noch nicht veröffentlichter) Erstling, über 13 Tage im Leben des Leutnant Johann Gottfried von Märwald, war Zündstoff für alles Folgende. Gutes wie Schlechtes. Überhöhtes wie Banales. Und meine Großmutter? Sie schenkte mir viele alte Münzen. Eine alte, sehr alte war auch darunter. Aus dem Jahre 1668. Sie faszinierte. Aber damals wusste ich nicht, was mit ihr anzufangen sei. Beinahe hätte ich den ganzen Topf verkauft. Gottlob war das Angebot des Händlers so gering, dass ich es nicht tat. Später, viel später, sollte mich diese Münze auf die Idee bringen, meine Webpräsenz in einer Zahl zu adressieren. Wer die kurze Geschichte ein wenig poetisch verklärt lesen möchte, muss nur einen Blick auf meine Site machen und herumklicken. Wer Glück hat, findet sie. Und das verlorene Herz.

Was hat die Frankfurter Buchmesse mit dem Naschmarkt zu tun? Natürlich nichts. Wenn mir da nicht am Gemeinschaftsstand der IG Autoren eine silbern glänzende Visitenkarte in die Hände gefallen wäre. Aha. „Chefredakteurin“ der Edition Mokka. Und der Zeitung „Der Naschmarkt“. Kurzerhand steckte ich mir die Karte ein. Wer weiß, dachte ich mir. Vielleicht schreibe ich ihr. Ein guter Anknüpfungspunkt („Ich habe deine Visitenkarte aus Frankfurt mitgenommen!“) war gegeben. Ich tat es. Schrieb ihr. Zu Hause, in Wien angekommen. Sie schrieb zurück. War interessiert. Gestern haben wir uns getroffen. Im Landsknecht. Am Naschmarkt. Intensives Gespräch. Einblicke. Viele gute Tipps. Wir verstanden uns. Vermutlich, weil wir auf der selben Seite stehen: kleiner Verlag, aber mit viel Herz und Engagement bei der Sache dabei, nicht unterkriegen lassend, alles versuchend, mit wenig Budget ein Maximum an Aufmerksamkeit erreichen. Neben dem Verlag macht sie auch noch die Zeitung, die in einer Auflage von 70 000 Stück (hab ich es richtig in Erinnerung?) erscheint. Noch habe ich sie nicht gesehen. Werde ich aber. Vielleicht zur BUCH Wien, wo sie einen guten Platz für ihren Stand wählen konnte. Meine Folder möchte sie auflegen. Meine Bücher unter Umständen auch. Falls es die Messeleitung, respektive AGB erlaubt. Das tät mir natürlich gefallen. Auf der Buchmesse in Wien präsent zu sein. Das zweistündige Gespräch hat also viele Einsichten (die Konditionen eines Auslieferers sind für einen Kleinverleger nur schwer akzeptieren; WieWien Buchhandlung;  Druckerei in Wien; Gebietsbetreuung für die „3. Mann“-Tour, …) und Aussichten (evtl. Lesung am Naschmarkt, Buchbesprechung in der Zeitung) gebracht. Freilich, der Nikotinpegel war nicht ohne. Auch darüber wurde gesprochen („Ich bin Kettenraucherin!“). Ohne sich in die Haare zu bekommen. Fein!

Zu guter Letzt die erfreuliche Nachricht, dass sich ein TWITTERer von meinem Webauftritt so angetan war, dass er kurzerhand in wenigen Minuten ein Tiret-Package („Tiret“ + „Brouillé“) orderte (nicht wissend, dass „Brouillé“ erst erscheinen wird). Das war schon ein „olles Ding“. Doch, seltsamer Zufall, ist es so, dass FG. ein Filmemacher ist. Werbe- und Industriefilme, aber auch szenische Kurzfilme, setzt er um. Ich habe mir einen Vide0clip auf seiner Website angesehen. Sehr angetan. Ihn angesprochen. Bezüglich eines „literarischen Videoclips“. Ein Buchtrailer. Eine gusto-machendes Filmchen. Als Idee geistert ja schon lange der Prelude aus Tiret in meinem Kopf herum. Ein paar Szenen (Kamerafahrt am Beginn, Vogelperspektive, dunkel gehalten, Licht und Schatten, sonore Stimme aus dem Off, epischer Kurzfilm, sozusagen). Wir werden darüber befinden. Mal schauen, was mein Finanzreferent dazu sagt. Ja, das bin ich auch.

Cover fg 3 2009

Cover frisch gespielt 3 2009

Das Cover für das Spielemagazin frisch gespielt wurde gestern abgesegnet. Damit ist der Startschuss für Ausgabe 3/09 gegeben. Die nächste Woche (am 9.November wird gedruckt) werde ich also wieder rotieren. Mich im Kreis drehen. Aber Routine ist nun mal durch nichts zu ersetzen. Und alle guten Dinge sind drei. In diesem Sinne. Ich mache mich jetzt auf.

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