FairVerlag vs. Selbstverlag

[…] Allerdings – und hier haben wir das Problem – nehmen die österreichischen Krimiautoren grundsätzlich nur Mitglieder auf, deren Romane oder Kurzgeschichten in einem fairen Verlag mit einem dementsprechenden Autorenvertrag verlegt wurden (siehe http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com). Das ist für uns auch eine Schutzmaßnahme, um nicht aus allen Nähten zu platzen. […]

 

Anfrage an Aktionsbündnis Faire Verlage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Selbstverleger werde ich generell in einen Topf mit Pseudoverlagen gesteckt, obwohl ich meinen Werken jegliche Sorgfalt (Grafiker, Lektorat, …) angedeihen lasse und sagen kann, dass die Qualität meiner Bücher über dem Durchschnitt der Branche liegt. Gibt es hierzu Gremien, die mir diese Qualität bestätigen?

Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.
Richard K. Breuer
Wien

  • Antwort von Aktionsbündnis Faire Verlage:
Lieber Herr Breuer,
vielen Dank für Ihre Mail.
Klären Sie diese Leute einfach darüber auf, dass überhaupt nichts daran zu finden ist, einen Selbstverlag zu eröffnen. Nur gegen sog. Pseudo- und Bezahlverlage muss man kritisch sein.
Gremien gibt es nicht. Aber ein gutes Buch spricht auch bereits für sich. Führen Sie auf, was es mit den Pseudoverlagen auf sich hat. Denn man kann es nur so oft es geht wiederholen: Nicht der Autor hat für eine Veröffentlichung zu zahlen, sondern der Verlag (was bei einem Selbstverlag der Fall ist). Einen interessanten Bericht dazu lesen Sie auch im Literatur-Café: http://www.literaturcafe.de/zuschussverlage-und-naivitaet/
Mit den besten literarischen Wünschen
Christine Körner
Bundesverband junger Autoren und Autorinnen, BVjA
i.A. aller Initiatorenverbände des Ak Fairlag
[Abdruck der E-Mail mit freundlicher Genehmigung von Frau Körner]

Schwarzkopf goes Auslage

Auslage Buchhandlung am Quellenplatz
Auslage Buchhandlung am Quellenplatz - man beachte das Ro2069 Plakat

Vorige Woche durfte ich einen Teil der Auslage in der Buchhandlung am Quellenplatz für die Schwarzkopf Black Edition gestalten. Es galt zu klotzen, nicht zu kleckern. Nur wenn der neugierige Kunde verblüfft ist, über die immense Anzahl an Büchern in der Auslage, muss er wohl oder übel feststellen, dass der Buchhändler an einem sicheren Erfolg für das beworbene Buch glaubt. Und wenn er sich so sicher ist, dann muss es wohl seine Vorzüge haben. Einzig, dass er noch nie etwas in den Medien darüber gelesen hat, macht ihn stutzig. Freilich, der aufmerksame FALTER (Buchbeilage) Leser könnte sich dunkel an den Titel erinnern. Und wer im Internet fleißig herumsurft, könnte – unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich – schon mal über diesen Autor und Verleger gestolpert sein. Wie dem auch sei, die Auslage muss einfach die Neugierde wecken. Kann nicht anders sein. Mag sein, dass einem das Buch nicht anspricht, oder das Cover, aber diese omnipräsente Präsentation lädt zum Hinschauen ein.

Präsentierteller

In der Buchhandlung wurde ein kleines Holztischchen (dort, wo ich sonst den Kaffee trinke) als Präsentationsfläche für die Bücher (Package mit Designertasche und Plakat) gestaltet. Es sieht einladend aus. Ob es seinen Zweck erfüllt, wird sich wohl in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Es wäre enttäuschend, wenn es nicht zu einem neugierigen Blick verführen würde. Nächste Woche werde ich mein Werk aus der Distanz beobachten. Mal schauen, ob es mir noch immer gefällt. Ob es den rechten Eindruck macht. Gut möglich, dass meine jetzige Zufriedenheit in Unmut umschlägt.

Die Auslage in der „Spielereiist natürlich von einem ganz anderen Kaliber. Immerhin konnte da aus dem Vollen geschöpft werden. Viele Krimi-Karten- und Krimi-Brett-Spiele konnten da mit Schwarzkopf BE hübsch kombiniert werden. Zwar ist es recht eng, in der Auslage, aber mit gutem Willen lässt sich schon arbeiten. Fotos werden nachgereicht. Morgen, Montag, werde ich es mir bei Tageslicht anschauen. Und die Vitrine gehört ja auch noch mit einbezogen, in dieses literarische Krimi-Spiel-Package. Supersonderangebot inklusive. Am Samstag habe sie ein paar „Bände“ verkaufen können, schrieb sie mir. Erfreulich. Weil ohne mein Zutun, ohne mein Insistieren („brotloser Dichter …“). Überhaupt würde es mein geordnetes Weltbild auf den Kopf stellen, würden keine Packages verkauft werden. Denn besser präsentieren kann man sie nicht mehr, weder in der Auslage, noch im Geschäft (gleich neben der Kasse stehen die Taschen mit den Büchern und Spielen, also förmlich zum „Zugreifen“). Ich bin ja der (felsenfesten) Meinung, dass es vorwiegend auf Präsentation ankommt. Nun wird sich zeigen, ob ich Recht behalten sollte. Im Formel-I-Jargon (übrigens, ich war bei der Grand-Prix-Story-Präsentation im Morawa; Heinz Prüller ist ein launiger Redner, der den Schmäh förmlich aus dem Ärmel schüttelt) würde es wohl heißen: der beste Fahrer kann mit einem mittelmäßigen Rennauto nix gewinnen, wohingegen ein mittelmäßiger Rennfahrer mit dem besten Auto sehr wohl gewinnen kann. Was heißt das jetzt? Ein mittelmäßiges Buch, ordentlich präsentiert, kann zum Bestseller werden, wohingegen ein (mögliches) Bestseller-Buch, in der hintersten Reihe der Buchhandlung versteckt, keinen Blumentopf abräumt. Ja, das ist meine Meinung. Jetzt wird sich also zeigen, ob sich diese These bewahrheitet. Freilich, immer noch kann ich sagen, dass die Bedingungen nicht ideal waren (das falsche Publikum oder die Nicht-Empfehlung des Buchhändlers).

Dass ich nun auch beim FRICK, am Graben aufliege, freut mich besonders. Vielleicht hängt auch mein Plakat bereits? Jetzt hoffe ich, dass wenigstens ein paar Exemplare verkauft werden. Die Blöße will ich mir nicht geben, dass ich angerufen werde („Sie können Ihre Bücher abholen.“) – vielleicht sollte ich im FRICK für einen Auflauf sorgen. Wo war doch gleich die E-Mail-Adresse der hübschen Zwillinge?

Schwarzkopf, Pia und das Spielefest 09: Tag 3

Spielefest – Tag 3 – Sonntag, 22. November 2009

Letzter Tag des Spielefests. Einen Ansturm erwartet. Dergleichen ist aber ausgeblieben. Trotzdem viele Spielebegeisterte, die sich im Austria Center tummelten und sich hie und da einen Kaffee an unserem Stand gönnten. Weil ich mich so glänzend unterhielt, dachte ich, wie es wohl wäre, ein Kaffeehaus zu haben. Der Patron, der mürrisch seine Gäste mit einem Nicken begrüßt. Dann und wann bequemt er sich zu seinen Stammgästen und wechselt ein paar freundliche Worte. Neue Gäste tuscheln, wenn sie ihn sehen („Er soll mal ein paar Bücher veröffentlicht haben. Waren nicht so erfolgreich.“) und erhoffen, dass er ihnen ihre Aufmerksamkeit schenkt. Ja, das könnte mir gefallen. Freilich, alles nur aufgeschäumte Träume. Harte, beinharte Arbeit wäre es, so ein Kaffeehaus zu führen. Da gilt es, den Geschäftsmann aus dem Ärmel zu schütteln. Man muss den Leutchen etwas (ver)bieten („Warum darf man hier nicht rauchen, ha?“ – „Weil ich es sage!“). Sicherlich, ein Treffpunkt für jene Menschen, die noch einen gesunden Verstand besitzen, die reflektieren und bereit sind, über die wichtigen Dinge im Leben zu befinden (und dazu zählt mit Sicherheit nicht das TV-Programm; Fußball-Live-Übertragungen natürlich ausgenommen, ja?). Ein literarisches Kaffeehaus? Tja. Hätte ich das Geld, würde ich es vielleicht machen. Weil auch die Literatencafés zumeist von Inhabern geführt wurden, die nicht auf die Einnahmen angewiesen waren. Wie sonst hätten sie dann solche Gäste toleriert, die den ganzen lieben langen Tag bei einem kleinen Braunen gesessen sind, immer wieder Wasser geordert und die Zigaretten erschnorrt haben? Einer dieser Kaffeehausliteraten, so sagt man, hatte nur ein Paar Schuhe. Als er diese flicken lassen musste, zog er sie im Kaffeehaus aus, gab sie einem der jungen Zuträger und schickte ihn mit den Schuhen zum Schuster, während der Literat – in Socken – geduldig wartete. Ja, die Geschichten der Wiener Kaffeehäuser (besser: ihrer Gäste, ihrer Kellner, ihrer Inhaber) sind legendär. Heute? Geht alles den gewöhnlichen Gang. Der Witz leidet darunter. Merklich.

Ich kam mit Pia ins Gespräch. Sie stattete uns einen Besuch ab. Kannte TB. und sein Spielemagazin. Ihr T-Shirt verriet es. Sie war von der Spielerei, der wohl bestsortierten Spielwarenhandlung Wiens, wenn es um Brett- und Gesellschaftsspiele geht. Sie mache den Einkauf, antwortete sie auf meine Frage, was sie denn so tue. Ich zeigte ihr meine Bücher, erzählte vom Krimi-ABO-Package (Schwarzkopf + Krimikartenspiel + ABO)  und meinte, so etwas auch in der Spielerei anbieten zu können. Ihr gefiel die Idee. „Du kannst die beste Auslage haben“, sagte sie. Erfreulichst. Wir vereinbarten, dass ich mit Sack und Pack morgen Nachmittag bei ihr „einziehen“ könne. Es ist schon erstaunlich, dass man immer wieder auf Menschen trifft, mit denen man innerhalb von Sekunden warm wird. Pia gehört zu jenem Menschenschlag, der sich die gute Laune nicht vermiesen lässt, der korrekt und ehrlich dem anderen gegenüber ist, keine Allüren aufweist und dem anderen eine Hand bietet. Gerne schlug ich in diese ein. Und hoffte, sie nicht zu enttäuschen.

Übrigens, im Dorfgasthof Tschitscher – das Spiele-, Lese- und Hörbuchhotel in Osttirol – kann man nun ein Rotkäppchen 2069 mit Widmung finden. Hoffe, dass deren Gäste aufgeschlossen sind. Literatenrabatt würd’s geben, sagte mir das Inhaber-Pärchen im hübschen Tiroler Akzent, falls ich mal eine Auszeit bräuchte. Sollte ich also meine leeren Batterien aufladen wollen, werde ich wohl gen Osttirol reisen. Ich denke, im Tschitscher würde es mir an nichts fehlen. Und Bücher und Spiele gäb’s dort genug. Wunderbar.

Ein Fotograf lichtete mich und meine Bücher ab. Für einen der Sponsoren, wie er sagte. Ich gab ihm meine E-Mail-Adresse und meinte, er solle sie mir zuschicken. Tja. Bis jetzt warte ich noch. Schade, schade. Ich schätze, sie täten schon was hergeben. Vermutlich sind sie für den Sponsor uninteressant („Was soll denn das?“). Aber vielleicht kommt ja noch mal ein fotografischer Nachschlag, den ich reichen kann.

Nach dem einen oder anderen netten Besuch (die treue Seele Elli ist da natürlich hervorzuheben 🙂 ging auch der Sonntag zu Ende. Abgebaut wurde. Das ging leicht von der Hand. Zwei Mädels, die völlig erschöpft im Stuhl saßen, quatschte ich freundlich an. Sie machten Promotion für XY. Ich fragte sie, was sie denn so verlangen würden, falls ich sie mal engagieren würde. Sie sahen mich mit großen Augen an und wollten wissen, was sie denn da zu tun hätten. Ich zuckte mit der Schulter. Das Übliche, meinte ich. Flyer verteilen. Hübsch lächeln. Jemanden ein Buch unter die Nase halten. Sie nickten. Nannten mir ihren Stundensatz (der manche verblüffte, weil er gar recht hoch schien). Sie gaben mir ihre E-Mail-Adressen. Sollten also einmal zwei hübsche Mädels, die sich verblüffend ähnlich sehen („Wir sind Zwillinge, hast du das nicht bemerkt?“ – „Äh, nein …“), auf meinem Event herumtreiben, dann wissen wir jetzt, wo ich sie kennen gelernt habe, nicht?

Das waren sie also, die drei Tage im Zeichen des Spiels. Ich habe es durchaus genossen, ins Gespräch zu kommen, meine Bücher freundlichst zu präsentieren und jedermann und jederfrau einen Folder in die Hand zu drücken („Da steht alles drin!“). Wo diese schlussendlich gelandet sind (Altpapier?), weiß der Himmel. Aber wer weiß, wer weiß. Eine lächerliche Postkarte, die ich im K7 deponierte (freilich sprach ich kurz mit der Projektkoordinatorin), führte zur Kriminacht 09. Man sollte deshalb den Flyer, den Folder, die Postkarte, das Plakat nicht gering schätzen, wer weiß, wohin es einen bringt. Noch vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass man all diese Werbematerialien kostengüstig herstellt. Heute sind auch kleine, überschaubare Mengen bezahlbar. Man muss nur das Händchen dafür haben. Ich kann von Glück reden, dass sich alles so schön fügt. Das Rollup von „frisch gespielt“, das ich designt habe, machte sich äußerst gut. Dabei kommt es vor allem auf die Größe an. Wie im richtigen Leben auch, nicht? Vielleicht werde ich dann und wann mal ein A1 Plakat drucken lassen. Oder gar A0? Damit könnte ich mich sicherlich zudecken, falls mir kalt ist , weil ich die Heizung nicht mehr bezahlen kann (zu viel in die Werbung gesteckt!).

Was habe ich gelernt?

Wenn man mir freundlich kommt, bin ich in bester Laune. Da verzeihe ich auch ein gewisses Desinteresse an meiner Literatür („Ich lese keine Bücher!“). Einer der Aufkleber, den ich von der Frankfurter Buchmesse mitgenommen habe, erfreute sich großer Beliebtheit („Den würde ich gleich kaufen!“), weshalb ich mir überlege, diesen nachdrucken zu lassen. Und damit meine Bücher bekleben. Und ein paar zum Buch dazugeben. Ja, so macht man das. Mit einem Buch fängt man noch keine Mäuse, respektive Leser. Es braucht viel Rundherum, um das Interesse zu wecken. Interessant ist natürlich: je mehr Leutchen sich für eine Sache interessieren, umso mehr Leutchen beginnen sich für die Sache zu interessieren. Das ist ja das geradezu seltsame Phänomen: zuerst tut sich nichts, dann ein wenig und eh du dich versiehst, türmen sich die Schulterklopfer. Man muss es schaffen, den anderen das Gefühl zu vermitteln, dass das Produkt begehrt ist. Der Mensch hat eine gewisse Angst, etwas zu verpassen, nicht dabei zu sein, ausgeschlossen zu werden. Wenn „alle“ ein Buch, einen Film sehen, dann muss ich es auch tun, sonst könnte ich ja nicht mitreden, gehörte nicht dazu und würde mich alleine fühlen. Der Einzelne will also in der Masse aufgehen. Wäre ich ausgepufft, hätte ich genügend Chuzpe, würde ich diese Verblendung ausnutzen. Das heißt, Aufläufe organisieren (da reichen schon ein paar sympathische Menschen, die sich lauthals um ein Produkt „raufen“), Bedarf wecken („Das musst du haben!“) und einfach unverschämt das Blaue vom Himmel bluffen („Der Kinofilm kommt nächstes Jahr in die Kinos.“; „Der größte US-Verlag hat mir ein Angebot gemacht … ich überlege noch.“, „Ein Hollywood-Studio schickt einen Konsulenten, um mein Script zu prüfen.“) Der Witz ist ja, dass diese Blufferei die Qualität des Buches weder anhebt, noch senkt. Nur in den Augen des Interessenten wird das Produkt begehrenswert, aber nicht, weil es gut ist, sondern weil es in Bälde viele begehren und nur deshalb gut sein muss.  Aber davon später einmal mehr (und ich weiß, dass ich mich wiederhole!). Hm. Vielleicht sollte ich ein Spiel erfinden. „Bestseller“, wird es heißen. Übrigens, ich habe erst vorgestern erfahren, dass man auch ein Spiel im Eigenverlag produzieren kann. Es gibt Firmen, die das Spiel nach den Vorgaben des Spieleerfinders produzieren. Das kostet natürlich und hat seinen Preis. Aber ich finde, es ist gut zu wissen, dass man nicht nur von den großen Herstellern abhängig ist. Ja, ja.

Schwarzkopf, ein Kriminalromansekundärliteraturexperte und das Spielefest 09: Tag 2

Spielefest – Tag 2 – Samstag, 21. November 2009

Am Morgen, nach dem obligaten Frühstück am Stand von „frisch gespielt“ und dem Aufbau der Bücher (wichtig: Stapel, stapeln, stapeln – nur, wer klotzt, bekommt Aufmerksamkeit! Das Dezente, das Subtile geht völlig unter!), kam eine Dame vorbei, blieb stehen, dreht sich um, deutet auf meine Bücher und sagte zu ihrer Begleitung „Schau, Richard, ein Krimi!“ Wie sich später herausstellte, war dieser „Richard“ niemand geringerer als Richard Donnenberg, ein Kriminalromansekundärliteraturexperte, der „Österreichs vermutlich größte private Sammlung von Sekundärliteratur über das Fach Kriminalroman eklektisch zusammengetragen hat“. Donnenberg von einer charmanten Zurückhaltung, der die Lobeshymnen seiner Begleitung („DER EXPERTE in Sachen Krimi!“) mit einem freundlichen Lächeln abwehrte, besah sich „Schwarzkopf“ und nickte zufrieden. Ich erzählte frank und frei, dass ich die Bücher selber veröffentliche, dabei aber auf maximale Qualität achte. Donnenberg gab mir dahingehend Recht, dass man diesem Buch den „Makel“ des selbstverlegten Buches in keinem Falle anmerkte. Das freute mich sehr. Gerne hätte ich es schriftlich. Und wer weiß, vielleicht kommt es ja noch. Über den Inhalt, wir wissen es nur zu gut, lässt sich nicht streiten. Geschmäcker sind verschieden. Was dem Hans gefällt, muss dem Hänschen nicht gefallen. Und umgekehrt. Freilich, ein gewisses Maß an silistischer Handwerkskunst sollte schon vorhanden sein. Aber gestehen wir’s uns ein: wenn es sich gut verkauft, würde man auch das Getippsel des intelligentesten Affen („Cheeta“) verlegen und ihm Qualität attestieren. Jedenfalls freute ich mich noch mehr, als er mein Buch und die Ausgabe 2 von „frisch gespielt“ erstand („Das muss ich haben!“ – waren es seine Worte? Schwer zu sagen, in meinen Ohren klang es jedenfalls so), in der ein Special über Krimi-Spiele zu finden ist (der Autor schreibt Theaterkritiken für die FAZ, bitteschön!). Freundliche Verabschiedung. Ja, solch wunderbaren Begegnungen kann es geben. Vorausgesetzt, man nimmt all die Mühsal in Kauf (man will nicht glauben, was man da alles besorgen und herumschleppen muss – z.B. eine riesige Metall-Kiste, um die wertvollen Dinge über Nacht einsperren zu können), die solch ein „Event“ bereit hält.

Die Ironie dieser Begegnung soll nicht verschwiegen werden, hat doch der Kriminalromansekundärliteraturexperte (er hat einen Hang für lange Wörter) seine Hand bei der österreichischen Krimiautoren-Vereinigung, die mich zuerst freundlich aufnahm („Willkommen!“) und mich Tage später freundlich zur Ausgangstür begleitete („Selbstverleger …“). Ei, was hat mich dieses Lob von Donnenberg gefreut (und dass er das Buch erwarb). Gut möglich, dass ich nie wieder von ihm höre, aber dieses Gespräch mit ihm hat mich wahrlich beseelt. Schön!

Der Samstag ging flott über die Bühne. Viele Menschen. Viele Interessenten. Viele Gespräche. Die Schwarzkopf Black Edition fiel auf, nicht durch, könnte das Credo heißen. Die Plakate machten sich gut. Der hübsch angerichtete Präsentier-Tisch dito. Rotkäppchen 2069 wurde immer wieder begutachtet. Vielleicht hat BW. vom BZ. Recht, wenn sie meinte, das Buch verkaufe sich alleine durch das Cover. Das dazugehörige Plakat lockte eher die Jüngeren an („Mama, schau … Rotkäppchen …“). Vielleicht, weil es nicht auf Augenhöhe montiert war.

Mit Günter Rubik, Geschäftsführer von Audiamo, dem Hörbücher- und Hörspiel Shop in der Kaiserstraße, nett geplaudert. Muss noch eine E-Mail an ihn richten. Er möchte mir den Kontakt zu einem kleinen Hörbuch-Verlag geben, der auch Hörbücher/Hörspiele in seinem Studio produziert. Tät mich ja sehr interessieren, was denn so ein Hörbuch kosten täte. Für all die Leseunwilligen da draußen. Oder für die deutschen Leser, die gerne mal den Wiener Dialekt hören wollen, so, wie er richtig gesprochen wird. Habedehre … Meiner Seel, das wär was.

Buchhändler WG. (BAQ) besuchte mich mit seiner aufgeweckten Tochter („Ich bin schlauer als du denkst!“) und begutachtete die Bücher.  Er dachte, dass das Hintergrund-Schwarz dünkler sei. Aha. Zugegeben, es ist kein tiefes Schwarz. Aber auch kein helles. Sag ich mal. Natürlich gab ich seiner Tochter einen kleinen Button, den sie  werbewirksam sogleich ansteckte.

Nach der Spielemesse in die City, weil TC. unbedingt ein Geschenk für eine Freundin brauchte („bis 19h30!“) und dabei an den neuen Schwarzkopf dachte. Also in die U-Bahn. Stephansplatz. Übergabe. Geplaudert. Verabschiedet. Service am Kunden, sozusagen. Wo gibt es das sonst, dass der Autor persönlich sein Buch abliefert. Hm. Vielleicht wäre das eine Marktlücke. So, wie man Pizza bestellen kann, kann man auch Bücher bestellen. („PizzaBooks, Grüß Gott. Sie wünschen?“  –  „Ja, ich hätte gerne einmal den neuen Mankell, einmal Jelinek und dann noch diesen Breuer. Wie lange wird es dauern?“ –  „Zwanzig Minuten!“) Oder der Autor, die Autorin liefert ihr Buch gleich selbst ab. Ich bin sicher, es gäbe genügend AutorInnen, die das gerne machen würden. Und wie wär’s mitl literarischer Prostitution? Hm. Darüber müsste ich jetzt nachdenken.

Schwarzkopf, Puffy und Spielefest 09: Tag 1

Freitag Nachmittag zum Spielefest. Mit Rucksack, Trolley, Tasche („Frankfurter Buchmesse 09“ – man will schließlich den rechten Eindruck machen, nicht?), Plakat-Koffer und drei Marille-Krapfen angekommen. Zum Stand von frisch gespielt (1. Stock, in der Nähe der Spielothek), wo ich mich breit machen durfte und an einem Tisch meine literarischen Ergüsse präsentieren durfte. Allen voran natürlich die Black Edition von Schwarzkopf. Hier sollte also die nächsten Tage Grundlagenforschung betrieben werden. Wie kommt der neue Umschlag an? Wie die kleinen Buttons? Und die Posters? Etliche Schwarzkopf-Plakate mitgenommen. Sie galt es, so anzubringen, dass die Aufmerksamkeit geweckt wird. Dazu empfehlen sich natürlich keine Klebestreifen (vulgo Tixo), sondern Klebe-Gummis („Pattafix“), die sich leicht lösen lassen.

Nach einer Kaffeepause (überhaupt, die Espresso-Maschine sollte noch Wunder wirken) machte ich mich an die Arbeit. Da Freitags vorwiegend jüngeres Publikum anwesend war, gab es keinen Grund zur Eile. Kinder- bzw. Jugendbücher habe ich ja nicht im Programm, wie der geneigte Leser sicherlich weiß. Trotzdem kam im Laufe des Nachmittags eine junge Frau und wollte ein Rotkäppchen 2069-Exemplar erstehen, weil es „R. nicht mehr im Laden habe“. Aha, dachte ich mir. Die gute R. hat also keine Bücher mehr und sagt mir nichts. Später sollte sich herausstellen, dass sie die Bücher, die sie eigentlich anpreisen und verkaufen sollte, kurzerhand unter die Theke gelagert hatte und nur darauf wartete, dass ich sie abholte. Tja. Ich sage ja immer wieder: was nutzt dir, in hunderten Geschäften aufzuliegen (also dein Produkt), wenn sich keiner darum kümmert und es den Verkäufern egal ist, ob dein Produkt oder das der Konkurrenz ins beste Licht gerückt wird. Mehr noch: nur, wenn man es schafft, eine gewisse mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen (hohe Kosten!), mag es ein guter Grund sein, dass man auch freundlich angepriesen wird). Wie dem auch sei, der Freitag brachte noch keine Erkenntnisse, in Bezug auf Schwarzkopf. Immerhin dürfte es aber doch den einen oder anderen in den Fingern gejuckt haben, jedenfalls musste ich feststellen, dass eines der ausgelegten Bücher verschwunden war. Mitgenommen. Wir sehen: um an ein Exemplar der Black Edition zu kommen, gehen manche ein gewagtes Spiel ein. Vielleicht dachte jener welcher (oder jene welche), dass die Bücher gratis seien. Immerhin werden ja immer wieder Bücher gratis in der Stadt verteilt (für das Geld, das diese Gratis-Verteilung verschlingt, könnte man vermutlich die Existenz für einige brotlose Schriftsteller sichern, zumindest für ein Jahr – statt dessen rührt man für betuchte Autoren und gestandene Verlage die Werbetrommel und zahlt brav eine ganze Auflage aus dem städtischen Einnahme-Topf).

Nach der Spielmesse direkt zum Haus des Meeres. Wann war ich das letzte Mal dort? Ewigkeiten mag es her sein. Ewigkeiten! Wiener Ferienspiel. Die Aquarien, die Terrarien (Vogelspinne!) reizten mich nicht sonderlich. Der seltsame Mief verleidete eine längere Verweildauer. Einzig, dass man in das Innere eines ehemaligen Luftschutzbunkers und massigen Flakturms gelangte, machte das Ganze für mich interessant. Meterdicke Mauern. Fotos, auf denen abzulesen war, dass alles schon verloren schien, aber mit dem Mute der Verzweiflung solche monströsen Betonklötze in kürzester Zeit in den (von Bombern bevölkerten) Himmel gebaut wurden. Abschreckung! Gegen die alliierten Bomberflotten. Angeblich, so heißt es, sollen diese Betonklötze, mit ihrer erhöhten Flak-Stellung, den Alliierten den nötigen Respekt abgerungen und deshalb schlimmere Raids in der Wiener City verhindert worden sein. Jedenfalls, wieder zurück in der Gegenwart, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Wie verwandelt schien das Innere des Gebäudes. Alles nach modernsten Gesichtspunkten ausgerichtet. Aufzug. Cafeteria. Einen Wintergarten (mit frei herumlaufenden Äffchen, frei herumflatternden Vögel und Feldermäusen), der mit einer Hängebrücke ausgestattet ist. Beeindruckend. Muss man gesehen haben. Ein riesiges Aquarium, mit Puffy, einer großen, sehr großen Meeresschildkröte (wenn diese ablässt, wird das Wasser kurzzeitig sehr trüb), die ihre „Kindheit“ in einer Wiener Badewanne verbrachte. Lange Geschichte.

Im Seminar-Raum, im vorletzten Stock, konnten die Werke des Künstler-Duos, die zur Vernissage luden, besichtigt werden. Pebo war es, der mit den beiden auf einem Hausboot Urlaub machte und mich deshalb ermutigte, zur Eröffnung der Ausstellung zu kommen. Anfänglich so gar keine Lust, muss ich sagen, dass ich es keine Sekunde bereue. Wieder nette Menschen kennen gelernt. Allen voran Micha Löhe, deren Hochdrucke mir so gut gefallen haben, dass ich mir überlege, ein Buch/Text damit zu illustrieren. Freilich, der Text muss erst gefunden werden. Schön, wenn es noch solch strahlende Künstler wie Micha gibt, die einfach sympathisch ohne Ende sind. Freilich, auch hier scheitert es nicht an Genie oder Talent, sondern vielmehr an Marketing und Werbung. Sie hat weder Website noch Folder. Tja. Weshalb ich ihr riet, diese „Projekte“ in Angriff zu nehmen. Heutzutage, wir wissen es, können die Leutchen kaum mehr gute Qualität erkennen. Man muss es ihnen so lange vorkauen, bis sie es glauben. Plakativ. Unterschwellig. Subtil. Alles ist gut, so lange es zum Ziel führt. Übrigens hat Micha Löhe das Buch Der Spurenzeichner von Peter Bosch illustriert. Ist zwar schon ein Weilchen her, aber man sieht, der gute Pebo hat ein Näschen für die schönen Künste und reizenden Künstlerinnen. Ja, ja.

So nebenbei einem Christian das erste Schwarzkopf-Geschenke-Set verkauft. Er hat sich gefreut. Noch dazu, wo er an diesem Tage den Kredit für das neue Haus aufgenommen hatte („Kannst du dir das jetzt noch leisten, das Buch?“) und ich dies in der Widmung natürlich erwähnen musste. Sollen seine Kinder einmal sehen, wenn sie das Buch aufblättern, dass an diesem Tage der Grundstein für die familiäre Häuslichkeit gelegt wurde.

Franz Six, Geschäftsführender Präsident im „Haus des Meeres“, der uns viele Einblicke in den Ablauf gewährte, ist einer der selten Spezies des immer sympathisch-freundlich-gut-gelaunten Mannes, der gerade durch das reife Alter viele amüsante Anekdoten zu erzählen weiß. Seine Rhetorik ist so natürlich, dass man nur begeistert sein kann. Und ihm ewig zuhören wollte. Man fragt sich unwillkürlich, warum es so wenige Menschen gibt, die mit funkeln in den Augen, Begeisterung in der Stimme von all den Widrigkeiten erzählen, die sie erlebten und schlussendlich gemeistert haben. Man muss sich vorstellen, dass der Verein „Haus des Meeres“ anfänglich von ein paar illustren jungen Herren ins Leben gerufen wurde, die ihre Passion (Meer) nach Wien bringen wollten. Man kann sich vorstellen, wie das (geheime und wirkliche) Hofräte und Staatssekretäre aufgenommen haben. Darüber könnte man sicherlich ein gutes Buch füllen. Jedenfalls, zu guter Letzt mit Herrn Six über die Möglichkeiten einer Buchpräsentation geplaudert. Er erzählte vom letzten Stock, wo man mit Hilfe eines Historikers des Herresgeschichtlichen Museums einen Kommando-Stand eingerichtet habe. Man würde dort eine etwa 8minütige Dokumentation über das Schicksal dieses Flakturms sehen. Und danach würde man die Gäste aus der schlimmen dunklen Enge aufs Dach führen. Für eine exklusive Gästeschar (etwa 20 Leutchen haben Platz) wäre es der perfekte Rahmen, um sein Buch zu präsentieren. Ja, ja. Da fällt mir ein, dass ich Herrn Six noch eine E-Mail schreiben muss. Was man nicht gleich macht …