richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Eine Kamerafahrt für Tiret und Ijon Tichy

„Sprachlich – stilistisch hat mich der Text angesprochen, inhaltlich weniger. Texte, in denen gleich auf den ersten Seiten Frauen sadistisch hingemordet werden, gefallen mir nicht. Das ist mein persönlicher Geschmack und meine persönliche Einstellung, aber in dem Punkt hört bei mir jeder Spaß auf.“
MH. zum Prélude aus „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“ *)

Heute Nachmittag Florian N. Gintenreiter auf einen Kaffee getroffen. Er ist freiberuflicher Kameramann und Cutter/Editor, beschäftigt sich eingehend mit Color-Correction und natürlich auch mit Licht. Profunde  inernationale Erfahrungen im Bereich der filmischen Umsetzung. Wir sprechen über eine mögliches Kurzfilmprojekt. Der blutige Prélude aus Die Liebesnacht des Dichters Tiret soll filmisch umgesetzt werden (wer diese noch nicht kennt, er ist in der Leseprobe enthalten, die man sich gratis herunterladen kann;) . Dabei will ich natürlich professionell zu Werke gehen, ohne mich finanziell auszubluten. Florian ist auf meiner Wellenlänge. Wir verstehen uns. Kreative Projekte, die künstlerisch anspruchsvoll sind, brauchen vor allem Leute mit einem großen Herz. Der pralle Geldbeutel ist da nicht sonderlich von Bedeutung (wenngleich man sagen muss, dass es nichts umsonst gibt).

Der nur wenige Minuten dauernde Kurzfilm sollte alle Register (vulgo Stückeln) spielen. Schließlich und endlich wollte ich ja vor vielen, vielen Jahren Regisseur werden. Wäre beinahe nach New York gegangen, um an der Film Academy einen Sommerkurs zu machen. Auf deren Bewerbungsunterlagen standen die drei wichtigsten Kriterien, die verantwortlich sind, um einen guten Film machen zu können. Wie heißen sie? Auflösung folgt.

Ich entschied mich gegen New York und blieb in Wien. Arbeitete brav und bieder. Häufte ein wenig Geld an. Jenes Geld, das mir später einmal meine kreativ künstlerische Phase (böse Zungen würden jetzt sagen: Auszeit) erlaubte. Und, wer weiß, vielleicht auch dieses Filmprojekt finanziert. Die Rahmenbedingungen können nicht besser sein: es braucht nur eine Örtlichkeit, zwei Schauspieler und kaum Requisiten. Für das Ende habe ich schon eine subtile Idee im Kopf. Die Eröffnung muss noch gefunden werden. Überhaupt lebt ein Kurzfilm vom Beginn und vom Ende. Sag ich mal.

Die Location (schwarzer Raum?) muss noch gefunden werden; Florian denkt darüber nach, ich genauso (habe ich nicht unlängst eine StageManagerin kennengelernt?). Die beiden Schauspieler gilt es zu casten. Ich werde mal aus dem Keller die Besetzungscouch holen. Gut, das war jetzt ein Witz. Bezahlen werde ich den beiden nicht viel können. Und das ist kein Witz, bitteschön. Eine Dolly-Kamerafahrt um die beiden Protagonisten muss natürlich sein. Ei, das tät mir gefallen. Und das Spiel mit Licht und Schatten. Unbedingt.  Orson Welles zog da einst alle Register. Aber bevor ich mich da in Illusionen versteige, werde ich mit mit Florian zusammensetzen und am Storyboard arbeiten und jede Einstellung andenken, überdenken und festhalten. Muss ja alles Hand und Fuß haben. Ja, ja. Spannend!

Als ich gerade meinen Espresso im Starbucks bestellte, steht neben mir die hübsche dunkelhaarige Barista, diesmal in Straßenkleidung und bestellt ihrerseits Kaffee. Sie dreht ihren Kopf zu mir.

„Du hast bei der Kriminacht gelesen!“

Ich bin kurz sprachlos. Sie ergänzt, dass sie mich auf einem Foto erkannt habe, als sie diese  zur Kriminacht durchgesehen habe („Du warst schon vor 6 Jahren Stammgast hier, oder?“). Die hübsche Barista hatte nämlich den Event im Starbucks Mariahilferstraße mit der Krimiautorin Beate Maxian abgehalten. Sie fügt an, alsbald ein Kaffeeseminar mit Krimiautoren abzuhalten und ob ich nicht mitmachen möchte. Natürlich will ich. Vielleicht kann man das mal gut gebrauchen, beim Schreiben. Wir sehen: eines kommt zum anderen, wenn man nur nicht stehen bleibt, außer Atem kommt und die Flinte ins Korn wirft.

Der gute Florian ist mir übrigens bei TWITTER über den Weg gelaufen. Er hat spontan eine „Tiret“-Bestellung aufgegeben, was mich sehr gefreut hat. Und so kommt eines zum anderen und später vielleicht ein Kurzfilm.

Heute Abend wird gespielt. Ich muss schließlich eine Kolumne im Spielemagazin „frisch gespielt“ füllen. Also sollte ich das eine oder andere neue Brettspiel schon mal gesehen haben. Spielbare Literatur, heißt das Thema. „Donna Leon“ steht angeblich auf dem Programm. Wobei mich die anderen beiden Spiele mehr interessieren würden („Tore der Welt“ und „Welt der Bücher“). Na, schauen wir mal.

Gestern, auf der Science-Fiction-Lesezirkelei im 1. Bezirk, wurden wir mit der absurden SF-Kurz-Serie IJON TICHY: RAUMPILOT bekannt gemacht. Köstlich. Die Macher hatten Null Budget und trotzdem einiges zu Wege gebracht. Es mag ein Klischee sein, aber es bewahrheitet sich hin und wieder: Geld macht nicht kreativ. Und wie sagte Florian: wenn er mal das Geld für einen ordentlichen Film zusammen hat, dann würde er vor allem in eines investieren: in ein gutes Drehbuch! Und damit ist auch schon die Frage beantwortet, die anfänglich gestellt wurde, nämlich die drei wichtigsten Kriterien für einen guten Film:

1. Story

2. Story

3. Story

So stand das in den Unterlagen der NY Film Academy. Kein Witz. Alles klar?

*) ja, das ist das Dilemma, wenn man nicht bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen;  MH., Historikerin, die so freundlich war, unentgeltlich die historischen Anmerkungen im 1. Band durchzusehen (aber nicht genannt werden wollte, weil es ihr vermutlich zu peinlich war, im Buch eines Kleinverlegers aufzuscheinen), ging davon aus, dass ich die Reflexionsbereitschaft eines stupiden Pubertierenden hätte, also keine. Ja, ja.

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6 Antworten zu “Eine Kamerafahrt für Tiret und Ijon Tichy

  1. Florian Gintenreiter Montag, 2 November, 2009 um 23:24

    Es war ein recht anregendes Gespräch und das mit der Wellenlänge stimmt auf jeden Fall! Ob aus der Prélude jemals ein Filmchen wird? Wer weiß. Freuen würde es mich auf alle Fälle und die Zuversicht ist groß. Ein kurzer, prägnanter Text, der gut umgesetzt durchaus einen guten Kurzfilm ergeben.

    • Richard K. Breuer Dienstag, 3 November, 2009 um 1:37

      Ja, ja, das muss ein guter Kurzfilm werden. Geht gar nicht anders. Ich denke, es müssen nur die richtigen Leutchen ran. 🙂

      • pebowski Dienstag, 3 November, 2009 um 8:44

        Sehr professionell, der gute Florian. Wenn die Prelude so wird, wie das, was man auf seiner Homepage sieht, dann wird das die mit Abstand beste Buchwerbung, die ich jemals gesehen habe, Quasi neuer Standard, Da könnten sich sogar die großen Verlage warm anziehen. Wenn ich die Fotos richtig interpretiere, dann arbeitet er mit einem 35mm Adapter – alleine das wäre ein Grund mich bedenkenlos in seine Hände zu begeben. 😉 Und seine Arbeitsproben sowieso – und wenn dann noch die Wellenlänge passt, wäre es quasi eine Todsünde, dieses Projekt NICHT zu realisieren. Wenn ihr für den Dreh irgendjemand für Hilfsdienste braucht, ich stelle mich gerne kostenlos dafür zur Verfügung.

  2. Richard K. Breuer Dienstag, 3 November, 2009 um 10:09

    „Hilfsdienste“ werden gerne angenommen, Pebo. Du könntest natürlich den Dreh begleiten, für deine OKTO-TV-Sendung „Wie geht das?“. Dann hätten wir auch gleich „Hinter den Kulissen“-Footage, das ich gerne in irgendeiner Weise verwenden möchte.

    Ja, ja, warm anziehen, das ist gut gesagt 🙂

  3. pebowski Dienstag, 3 November, 2009 um 11:15

    Gute Idee! Ich dreh auf jeden Fall mit, egal ob wir das für Okto verwenden oder nicht – obwohl das könnte natürlich auch eine gute Sendung werden: der erste Trailer für ein Buch – ich nehme ja an, dass es zusätzlich zum Kurzfilm als „Abfallprodukt“ aus dem Material auch einen Trailer zu Tiret geben wird. Hat es das auf dem Buchmarkt schon gegeben? Also nicht einen Trailer mit abgefilmten Buch oder Standbildern, sondern dass echt ein Teil vom Buch verfilmt wurde. Oder wirst du damit der erste weltweit sein????

    • Richard K. Breuer Dienstag, 3 November, 2009 um 14:16

      Ich denke, es gibt nichts, was es nicht schon irgendwann, irgendwo gegeben hat. Aber gut möglich, dass ich eine kleine Vorreiterrolle diesbezüglich habe („Hühott!“).

      Und je mehr Video-Material es gibt, umso besser. Ja, ja. Wirst sehen, Pebo, bald gehört uns die Welt 😉

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