richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Blind date mit Harry oder designte Ausmaßlosigkeiten

plakate_ausmasseEigentlich wollte ich noch gestern, weit nach Mitternacht, diesen Blog-Beitrag schreiben. Gehört sich so. Am Puls des Geschehen, sozusagen. Aber die Müdigkeit ließ mich wie einen vertrockneten preußischen Generalstabsoffizier klingen. Kein Witz. Keine Ironie. Staubtrockenes Abhandeln der letzten Tage. Derweil, es böte sich an, das Geschehene in amüsante Worte zu verpacken. Freilich, schenkelklopfenden Humor kann ich nicht bieten. Aber ich denke, das erwartet jetzt auch niemand. So viel zur Einleitung. Kommen wir zum Wesentlichen – denn alsbald sollte ich auf die BUCH Wien. Mich dort ein bisserl umsehen. Am frühen Nachmittag wird die Autorenstammtischrunde des TIEMPO die Messe unsicher machen. Claudia Toman und Vicotria Schlederer (wir besuchten am Mittwoch ihre erste Lesung im W3 Thalia) sind mal dabei. Um 17 Uhr Lesung im MQ von Köhlmeier. Um 20 Uhr die CD-Präsentation von Irmie Vesselsky im Haus der Musik. Edler Rahmen. Genau das Richtig für die Musik von Irmie, die mich schon vor einem Jahr dermaßen begeistert hat, dass ich sie und ihr Klavier zu einer Lesung ins Prückel einlud, wo sie für den passenden musikalischen Rahmen  sorgte. Mit ihrem vorzüglichen Lied „Run“ unterlegte ich übrigens einen meiner Videoclips. Hoffe, sie hat nicht vergessen, mich auf die Gästeliste zu setzen.

Von Donnerstag auf Freitag Nacht den Designer raushängen lassen. Gut. Designer kann sich jedermann, jedefrau schimpfen oder nennen oder auf seine/ihre Visitenkarte drucken. Verhält sich wohl so ähnlich wie mit der Bezeichnung Schriftsteller. Vermutlich wird es alsbald den Schriftsteller-Führerschein geben – samt den dazugehörigen Überprüfungen („Haben Sie etwas getrunken?“, „Wo ist der Verbandskasten?“, „Haben Sie Tabletten genommen?“, „Wann haben Sie das letzte Mal etwas veröffentlicht?“). Jedenfalls, um nicht abzuschweifen, meinte TB., es wäre gut, wenn der Stand des Spielemagazins auf dem SPIELEFEST (20. – 22. 11. im Austria Center) einen Banner hätte. Vielleicht auch noch gleich so einen Rollup Banner zum aufziehen. Kostet ja heutzutage nicht mehr die Welt. Also habe ich mich hingesetzt (nein, gesessen bin ich ja schon) und habe mich mal schlau gemacht, was es denn da so zu beachten gilt, wenn man Plakate und Banner in solchen Ausmaßen bastelt. Die wichtigste Frage schlechthin: wie hoch müssen Grafiken und Bilder aufgelöst sein, damit sie nicht pixelig wirken. Da Banner und Plakate ja nicht mit der Nase gelesen werden, reichen üblicherweise geringer aufgelöste Bilder als für, sagen wir, den Fotodruck in einem Buch (300 dpi aufwärts). In einem der unzähligen Foren, die sich mit diesem Thema beschäftigen („Hey, ich soll für eine Band ein Plakat machen, aber ich hab das noch nie gemacht. Muss ich da wirklich die Fotos mit 300 dpi nehmen … da wird die Datei so groß, oder reicht da weniger. Ich kenn mich da nicht so aus. Wäre um Unterstützung dankbar.“), konnte ich eine interessante Info finden (leider habe ich mir nicht mehr gemerkt, wer und wo es war):

Bildgröße                    Bildauflösung    Dateigröße

DIN A4                         300 dpi min      min. 35 MB
von 1 m² – 3m²          100 dpi min.    min. 61 MB/m²
von 4 m² – 10 m²          72 dpi min.   min. 31 MB/m²
von 11 m² – 25 m²        50 – 10 dpi     max. 15 MB/m²

Wie die Angaben zu den Dateigrößen zu verstehen sind, entzieht sich meiner Kenntnis, aber falls jemand etwas damit anfangen kann, hab ich es mal eingestellt. Wichtiger ist ja die Bildauflösung im Verhältnis zur Bildgröße. Damit ist klar, dass man für ein Riesenplakat sein Foto, das in 300 dpi vorliegt, vergrößern kann. Zwar stößt man auch hier bald an seine Grenzen und es bedarf wohl des einen oder anderen Tricks (Software zum Skalieren, ausgedrucktes Bild einscannen), aber es ist gut zu wissen, woran man ist bzw. woran man zu arbeiten hat. Tutorials (vulgo „Wie-mache-ich“) gibt es im Web ja genug. Eine Site hat ein paar nette Tutorials im Angebot: http://www.dma.ufg.ac.at Zwar hab ich diese nur überflogen, dürften aber eine gute Einführung in die Materie sein.

Nachdem ich also die einfachste Lösung für die Riesendinger gefunden habe (bzw. stand es schon von vornherein fest), nämlich eine reine Schriftenlösung zu machen, ist das Herumdoktern natürlich um Vieles leichter. Schriften sind ja in Kombination mit Größe und Farbe eine probates Mittel, um aus wenig mehr zu machen. In einer Woche wissen wir, ob ich Recht behalten sollte. Wobei, das ist das Gute an der Sache: sollte die Chose in die Hose gehen, dann hätte ich nur ein paar hundert Euro versenkt (vielleicht kann man sich mit dem PVC-Banner einwickeln … hm?! Bitte mich zu erinnern, dass ich mir den Banner genau anschaue; eventuell wäre das etwas für die gute Miriam aus Mainz, die neuerdings TaschenBuchTaschen aus Kunststoff-Tischdecken schneidern lässt … ich sag ja, man muss nur blöd in der Gegend herumschreiben und schon stößt man auf eine Idee – während im Hintergrund „My Heart Asks Pleasure First“  von Michael Nyman läuft). Um die Ausmaße und Dimensionen einschätzen zu können, habe ich die verschiedenen Plakat- bzw. Bannergrößen gegenübergestellt. Ziemlich beeindruckend, oder?

Weit nach Mitternacht habe ich also die beiden Banner in Auftrag gegeben (Lieferzeit etwa 5 Tage! Und in einer Woche brauchen wir die Dinger – da heißt es, machen und nicht trödeln). Und weil ich auf den Geschmack gekommen bin (es verhält sich mit dem Baden ähnlich: ist man einmal im (anfangs) kalten Wasser, fühlt man sich darin recht wohl und will gar nicht mehr raus), habe ich mir gedacht, mache ich gleich ein Plakat für „Schwarzkopf Black Edition“. Weil es sich ja förmlich aufdrängt. Wer als Hauptton bzw. Hintergrund Schwarz wählt, kann eigentlich nicht mehr viel falsch machen – es sieht im Normalfall stylish cool aus. Da auch hier die Schriftenlösung im Vordergrund stand, konnte ich natürlich aus dem Vollen schöpfen. Weil ich bereits am Buchrücken der neuen Auflage die Quotes („Erinnert an die Werke von Wolf Haas!“, „Ja, fast schon Monty Python!“) in eine mir passende Form gebracht habe, konnte ich diese ohne weiteren Aufwand übernehmen, eine funktionierende Größe finden und auf dem Plakat arrangieren. Dazu garniere man mit dem einen oder anderen grafischen Detail (Wien-Silhouette, Schw-arz-koPf-Hintergrund vom Buch … jetzt fällt mir gerade ein, dass ich diesen über das ganze Plakat gehen hätte lassen können … hm?!), versehe es am Kopf und am Fuß mit einem amüsanten Schmankerl („5 Tage, 4 Männer …“ und „Hollywood kommt nach Wien …“) und biete den Interessierten noch die Gelegenheit, im Kleingedruckten zu lesen, was es mit dem Plakat auf sich hat (Titelei, ISBN und, ach ja, der Autor und – wichtig – die WebSite). Voilà. Fertig ist ein Plakat. Zwar kann ich nicht sagen, ob  die Farben versprechen, was sie am Bildschirm halten (RGB vs. CMYK), aber für einen ersten Wurf sollte es schon okay sein. Die Auflagenhöhe beträgt übrigens 500 Stück. Vielleicht gebe ich eines zu jedem Buch dazu. Oder verpacke es damit. Oder mach Confetti daraus, falls ich mich genieren sollte („Was soll’n das für ein Plakat sein? Is ja super peinlich!“). Die gute Elli, mit der ich gestern noch in facebook zwitscherte, und die mich auf dem Spielefest besuchen kommt, zeigte sich sehr begeistert davon, dass ich ihr zum Buch ein Poster dazugebe (okay, sie hat es noch nicht gesehen). Falls alle Welt so reagieren würde, ich wäre ein gemachter und zufriedener Mann. Ja, ja. Ich werde vielleicht auch noch Buttons machen (gleich notieren, sonst vergess ich!). Diese Buttons (Marijke traf fast der Schlag, weil sie so groß waren, derweil sind es die 08/15-Buttons) erfreuen sich ja bei Literaturkritikerinnen der Leipziger Volkszeitung großer Beliebtheit („Anstecker nun am Rucksack“). Und am Josefstädter Straßenfest waren sie der Renner bei den Buben („Wie viel kostet der?“ – worauf ich mit einer generösen Geste ihm bedeutete, er könne sich einen nehmen, wenn er ihn gleich ansteckte – was er auch tat).

Als ich mit dem Schwarzkopf-Plakat zu einem Ende gekommen bin, dachte ich an meine anderen beiden Bücher. Und weil man als Vater keines seiner Kinder allzu sehr hervorheben sollte, entschloss ich mich, weiter zu machen. Gegen 2 Uhr früh fing ich also an, eine Lösung für „Rotkäppchen 2069“ zu finden. Auch das ist keine Hexerei. Cartoons von Gunther Ecki gibt’s ja genug (die Auflösung war ausreichend, noch mehr, wo ich eigentlich sogar eine pixeligen Effekt  erzielen wollte, da die Figuren ja in der Virtuality stecken … aber ich habe davon dann doch Abstand genommen, weil ich ja befürchten muss, dass man mich belächelt). Der „binäre“ Hintergrund hat bereits im Folder seine gute Wirkung gezeigt (überhaupt ist anzuraten, zuerst im Kleinen die Ideen zu überprüfen; da ich den Folder und die Postkarten immer bei mir am Tisch herumliegen habe, kann ich einen kurzen Blick darauf werfen und weiß, wie grafische Elemente und Farben zueinander wirken – Mikro-Design, sozusagen, das dann aufgeblasen wird; das muss nicht funktionieren, ist aber ein guter Anhaltspunkt und besser, als vor einem leeren Plakat zu sitzen und sich das Hirn zermartern). Da ich ja mein eigener Verlag bin (psst!), muss ich natürlich ein corporate design einfügen. Also habe ich die „Fußnote“ mit den Informationen einfach aus dem Plakat von „Schwarzkopf“ kopiert und bei Rotkäppchen eingefügt (natürlich die Daten soweit korrigiert – der Autor und die WebSite sind gleich geblieben, ja?). Das Ganze dann natürlich auch bei „Tiret“. Da wären wir auch schon beim Stichwort. Rotkäppchen war recht schnell fertig. Bei „Tiret“ musste ich kurz inne halten. Es gab ja nicht nur ein Buch, sondern derer vier (wir erinnern uns: Kheira Linder illustrierte die nächsten 3 Bände für mich: „Brouillé“, „Madeleine“, „Penly“). Jetzt war guter Rat teuer. Der einfachste und zugleich schlechteste Weg wäre gewesen, alle vier Illustrationen zu verwurschten. Geht nicht. Weil es plötzlich vier gleichwertige Illustrationen gegeben hätte, die sich gegenseitig konkurrieren. Wohin soll der Betrachter dann gucken? Es würde ihn ablenken (die Grafik soll ihn nur hinführen, soll eine positive Stimmung vermitteln – so dann soll er die Information wahr nehmen und nicht auf den Grafiken verbleiben). Also entschied ich mich für die erste Illustration aus „Tiret“. Leider nur in einer kleinen Auflösung. Ich habe sie ein wenig vergrößert. Hoffe, dass sie nicht zu sehr pixelt. Wäre jammerschade. Danach die Titelei der drei Folgebände mittels der passenden Schriftart und den dazugehörigen Farben (blau, braun, rot) am Plakat arrangiert. Wesentlich natürlich auch hier die Quotes. Ohne diesen geht gar nix. Warum sollte einer mein Buch kaufen? Eben! Man muss dem potenziellen Käufer einen guten Grund geben („Hey, das Buch wird mit Terry Pratchett verglichen … und das andere mit Wolf Haas … wir könnten es ja X. schenken, der hat ja alle Haas-Bücher, oder?“). Und wenn ich sage, dass meine Bücher gut geschrieben sind, naja, das zählt Elfe, also nix. Die Leute wollen an der Hand geführt werden. Und keine Verantwortung übernehmen („Du findest das Buch nicht gut? Komisch. Auf dem Buchrücken sind sie alle begeistert …“).

Kurz und gut. Gegen 7 Uhr Morgens war ich fertig. Sowohl als auch. Schickte meine PDFs an die Druckerei und gab den Auftrag zum Druck. Die beiden anderen Plakate haben die Hintergrundfarbe weiß. Deshalb entschied ich mich für ein hochgläzendes Fotopapier. Sollte Eindruck machen. Die Plakate gibt’s dann bitteschön nicht zu erstehen. Da hilft auch kein Betteln. Ich habe mir nur eine Hand voll machen lassen. Und für meine Events, nun, da brauch ich diese, sonst weiß ja keiner, was da so gelesen, beworben und verkauft wird, nicht?

Zu guter Letzt – die Zeit drängt – noch schnell erzählt, dass ich Stunden später aus dem Schlaf geläutet wurde (nein, zuerst rief mich TB. an und fragte, ob die Banner in Auftrag gegeben wurden). Eigentlich öffne ich keinen unangemeldeten Besuchern die Türe (da könnte ja jeder kommen, also hallo?!), aber nach einem Hin und Her musste ich bemerken, dass der Bote der Druckerei mein Muster hatte („Don’t shoot the Messenger!“). Da war sie also, die Black Edition von Schwarzkopf. Nun könnte ich sagen, dass ich vor Begeisterung auf die Knie gefallen bin und ein Halleluja gen Himmel (Plafond) ausgerufen habe. Nein, dem war natürlich nicht so. Wie es sich mit Blind dates nun einmal verhält (und da kenne ich mich aus, wahrlich!), ist die Vorstellungskraft so stark, dass die  Realität nie mithalten kann (freilich, Ausnahmen bestätigen wiederum diese Regel). Was soll ich also sagen. Wie bei einem Blind date, das nicht den Erwartungen entspricht, macht man das beste daraus und versucht sich einzureden, dass alles gut ist. Ist es natürlich nicht. Aber was bleibt über.

Das Muster war nicht cellophaniert. Dadurch konnte ich schon mal nicht erkennen, wie die Farben durch die glänzende Oberfläche noch einmal um eine Nuance hervorgehoben worden wären. Und dann, Schreck lass nach, musste ich bemerken, dass eine „graue“ Farbe ein wenig gelblich wirkte. Sie stieß mir unangenehm auf. Überhaupt, der Kontrast war nicht so überwältigend wie gedacht, erhofft. Und die Titelei ragte in den Falz hinein. Muss man natürlich ändern. Gehört sich nicht. Mit gerade einmal zwei Stunden Schlaf machte ich mich mit dem Taschenbuch also auf, in die weite Welt und zog Erkundigungen ein. Schließlich, eine Binsenweisheit, muss es nicht mir gefallen, sondern jene, die es verkaufen bzw. kaufen, also Buchhändler.

Über die späte Liebe (besser: ans-Herz-wachsen) zur Black Edition erzähle ich dann ein anderes mal mehr. Ich muss mich fertig machen. Los, los!

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