richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Die Fortsetzung eines müsterlichen Blind dates

Mit dem Muster von Schwarzkopf B.E. (B.E.= Black Edition) zog ich also in die Welt, um erste Stellungnahmen zu bekommen. Erste Station: Buchhandlung am Quellenplatz. Der gute Walter, Inhaber der schmucken Buchhandlung, musste sich gerade mit dem Gratisbuch der Stadt Wien herumschlagen („Und Nietzsche weinte“). Er hatte keines mehr. Seine ganze Tranche schon am Vortag ausgegeben. Erboste Kunden und Kundinnen wollten es nicht wahrhaben („Sie Lügner!“). Ich würde ja die Leutchen, die sich so ein Buch einsteckten, nach einem halben Jahr fragen, ob sie es auch gelesen haben. Ich schätze, dass es die wenigsten tun („Hauptsach es is gratis, net?“). Und manch einer hofft vermutlich, es für ein paar Euro losschlagen zu können. So viel mal dazu.

Cover Schwarzkopf U4

Cover Schwarzkopf B.E. Back (U4)

Walter besah sich das Muster eingehend, während ich mir einen Kaffee gönnte. Er war soweit zufrieden. Der Kontrast am Buchrücken gefiel ihm nicht so sehr. Richtig. Die graue Schrift hebt sich nicht sonderlich gut vom schwarzen Hintergrund ab. Nach meinem zweiten Kaffee und einer kurzen Plauderei, machte ich mich in den ersten Bezirk auf – mit der U1 ist man in wenigen Minuten in der City, am Stephansplatz. Von dort ins TIEMPO, in der Johannesgasse, wo ich die Buchhändlerin (nicht Alice) in ihrer Mittagspause störte. Tja. War mir unangenehm. Aber ich konnte nicht warten. Die Zeit drängte. Schließlich musste ich in wenigen Stunden die Druckfreigabe erteilen. Also zeigte ich ihr das Muster, während sie ihre Suppe löffelte. Sie nickte. „Ich habe ein Problem mit unruhigen Sachen“, meinte sie. Dann, nach einer Gedankenpause fügte sie hinzu, dass es stimmig sei, das Cover. Sie zog die Black Edition der weißen 1. Auflage vor.

Schließlich noch ins TIEMPO Nuevo in der Taborstraße. Die dortigen Buchhändlerin (jetzt hab ich ihren Namen glatt vergessen; ärgerlich!) freundlich und sympathisch bis zum Abwinken. Freilich, wir haben schon das eine oder andere Mal geplaudert. Ehemalige Verlagsangestellte. Sie begutachtete das Muster, das helle Begeisterung auslöste. Sie wolle welche haben. „Bring uns doch welche mit“, sagte sie. Ich versprach, sie auch mit Plakaten und Buttons zu versorgen, was sie ebenfalls erfreute. Ja, so macht das Klinkenputzen Spaß. Wenn man mit seinen Produkten (der Verleger und Marketing-Mensch spricht von Produkten, der Autor von einem literarischen Werk) hausieren (= man klopft freundlich an die Tür) geht, hat man immer ein ungutes Gefühl. Noch mehr, wenn man ein sensibles Wesen ist, das in den anderen hinein horcht. Ich will dem anderen die Chance geben, sich ohne Gesichtsverlust aus der Affäre zu ziehen. Umgekehrt erwarte ich es auch meinem Gegenüber. Das gehört sich so. Freilich, in Zeiten wie diesen, ist das keine Selbstverständlichkeit. Was keine fünf Minuten wieder einmal gezeigt wurde. Ich machte mich in die nächste Buchhandlung auf. Klein. Überschaubar. Ambitioniert. Im Sommer brachte ich dem Buchhändlerehepaar meine drei Bücher vorbei, damit sie prüfen konnten, ob diese etwas für ihr Sortiment wären. Da ich weiß, dass ein Kleinverleger ein Entrée braucht, ließ ich mich von HH., einem künstlerisch Umtriebigen und allseits bekannten Organisator im 2. Bezirk, einführen. Half nix. Ich zeigte dem Inhaber den Folder und meinte, ihm einmal Bücher vorbeigebracht zu haben. Ich musste gar nicht erst ausreden, er wusste sogleich, wer ich war und merkte an, dass er sich die Bücher angesehen habe, aber sie nichts für seine Buchhandlung seien. Wir vereinbarten, dass er die Bücher einem Bekannten aushändigt, den ich hin und wieder sehen. Das war’s. Kein Interesse. Keine Hintergragen. Kein Lächeln. Ich nenne die Buchhandlung nicht. Das gehört sich nicht. Er macht seinen Job. Ich mache meinen. Dass diese Lokalität für mich gestorben ist, muss natürlich klar auf der Hand liegen. Eine Hand wäscht die andere, heißt es. Deshalb lobe und erwähne ich die Buchhandlung am Quellenplatz, das TIEMPO, weil ich dort ernst genommen werde.

Am Samstag, nach der Köhlmeier-Lesung im MQ (er las Kurzgeschichten aus seinem neuesten Buch und ich muss sagen, dass diese wahrlich meisterhaft gelungen sind; eine der Geschichten erinnerte mich stark an Sempés „Le petit Nicolas“, den ich in meiner Jugend rauf und runter gelesen habe), stellte mir Elke, die Organisatorin der Lesereihe, einen Buchhändler der Buchhandlung Frick vor. Ich zeigte ihm das Muster, gab ihm einen Folder. Er nickte. Meinte, man könne es mal mit 10 Büchern probieren („Wie lieferst du? Mit Lieferschein?“ Natürlich liefere ich mit Lieferschein). Erfreulich. Außerdem würde er mit der Vertreterin eines Verlages über mich sprechen, die sich auf Regionalkrimis spezialisiert hat.  Vielleicht ergibt sich hier eine Synergie. Mal schauen. Wir sehen: es geht auch anders. Freilich, ich hatte das beste Entrée, das man sich wünschen kann. Mein Buch lag bei ihm auf dem Nachtkästchen (er hatte es aber nicht gekauft!). Alles klar?

Die literarische Lesereihe im Quartier21 im MQ ist wirklich eine feine Sache. Intimer Rahmen (Barock-Saal), gute Akkustik und im Anschluss gibt’s Wein und Brötchen. Für schlappe 3,- ist das wirklich eine gute Sache. Also hingehen, wenn das nächste Mal bekannte und unbekannte AutorInnen aus ihren Büchern oder Manuskripten lesen. Vielleicht steht ja so ein dreitagesbärtiger Autor beim Buffet-Tisch und schlägt sich den leeren Dichtermagen voll. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich es bin. Noch mehr, wenn man einen dreitagesbärtigen Kleinverleger sieht, der höflich und dezent, aber sehr bestimmend, dem Gesprächspartner einen Folder in die Hand gibt („Agatha Christie?“ „Leider … Brouillé ist erst für Anfang des Jahres geplant …“).

Zu Hause angekommen, also am Freitag, 13. November (!), musste ich noch die eine oder andere Änderung machen. Erhöhte den Kontrast der grauen Schrift auf der Rückseite (U4), sowie die Tagline („5 Tage, 4 Nächte, 3 Leichen, 2 Männer, eine einzige Katastrophe“). Das vormals eher dunkle Rot von „eine einzige Katastrophe“ wurde leuchtender gemacht. Auf der Vorderseite wechselte ich das „gelbliche Grau“ in ein „weißes Grau“ aus. Hopefully, dass es dann so wird, wie ich es mir vorstelle. Die letzten Tage immer wieder mit meinem Muster im Gepäck die Leute „beglückt“. TC., sonst strengste Kritikerin meiner Werke, meinte, es sei perfekt (sie hatte aber bereits zwei Glaserln Wein intus!). Und auch sonst gab es keine harsche, niederschmetternde Ablehnung. Gut so. Darauf kann man aufbauen. Das Werkpapier von Munken 90m² und 1,5Volumen ist fantastisch. Es hat für die Seitenzahl (304) und die Größe (13,5 x 19 cm) die perfekte Anmutung. Ich könnte stundenlang mit dem Buch in der Hand herumtun. Aufblättern. Zublättern. Aufschlagen. Zuschlagen. Die Klappen (9 cm!) erfreuen sich größter Beliebtheit. Weil sie sich so schön ins Gesamtbild einfügen. Und die Innenseite, die ist bitteschön bedruckt. Was bin ich froh, dass mir diese Idee noch gekommen ist. Kostete ein paar Cent mehr und gibt gleich eine Menge her. Huh. Wir sehen: die anfängliche Enttäuschung ist einer großen Zufriedenheit, beinahe bin ich versucht zu sagen: Glückseligkeit, gewichen. „Schwarzkopf B.E.“ hat Kultpotenzial. Ist es zu hoch gegriffen? Vielleicht. Aber ich spreche von Möglichkeiten. Von Visionen. Von Hoffnungen. Und das muss bitteschön erlaubt sein. Immer. Freilich, die Gefahr, sich lächerlich zu machen, hat man wohl oder übel in Kauf zu nehmen.

Jetzt noch schnell zwei kleine Buttons (24 mm) anfertigen lassen (Button4you – die Firma gibt’s bei mir gleich ums Eck und ich bin sehr zufrieden mit ihnen). Die gestrige Entwurfsphase, begleitete von M.D. aus A., gestaltete sich ein wenig schwierig („sag mal du verstehst mich einfach nicht, ne?“ oder „hmpf 😦 sieht genauso albern aus wie alle andern vor dem perfekten gerade“). Sie gehört ja unbedingt zur Zielgruppe „kleine Buttons braucht das Land“. Ihren Vorschlag („jetzt noch ein Button wo Schwarzkopf draufsteht (und das K verkehrtherum, du weißt schon 🙂 mit Blutklecks!!!“)
konnte ich mustergültig umsetzen („Schwarzkopf sieht geil aus!!!!“). Wer sagt’s denn? Gut Ding braucht Weile, nicht?

Auf der BUCH Wien mit einem netten Vertreter der Firma Europapier geplaudert. Er gab mir ein paar Muster der verschiedenen Papierhersteller mit. Ja, so etwas kann man gut gebrauchen. Außerdem legte er mir ein US-Papier ans Herz, das nachhaltig produziert und nur einen kleinen CO2-Fußabdruck hat. Interessant. Man will ja schließlich als Verleger nicht unbedingt Schuld sein, wenn sich die nächsten Generationen warm anziehen müssen, weil das Klima ungemütlicher wird. Wir tragen ja alle eine Verantwortung (was sich aber noch nicht herumgesprochen hat, oderrr?) für diese eine Welt. Abgedroschene Phrase, ich weiß. Aber sie stimmt. Jedenfalls sah ich auf dem Stand ein hübsches schwarzes Sackerl aus Karton (Tüte). Auf diesen müsste ich den weißen „Schwarzkopf“-Button befestigen und schon gäb’s eine schmucke Verpackung ab. Stylish zum Niederknien. Sag ich mal. Ist alles eine Frage der Kosten. Natürlich. Aber für ein exklusives Produkt sollte man (vorderhand der Produzent) auch keine Kosten und Mühen scheuen. Ja, ja.

Jetzt gilt  es, ein passendes Marketingkonzept für all diese Werbemittel (Poster, Buttons, Folder, Säckchen) zu finden. In die Menge schütten? Verschenken? Verkaufen? Horten? Tauschen? Anstecken? Und die exquisiten TaschenBuchTaschen von Miriam Spies und ihrem Gonzoverlag aus Mainz? Stimmt. Die sollten ja auch bald kommen. Abgestimmt auf Schwarzkopf B.E., bitteschön! Die gibt’s aber nur limitiert. Sind ja handgefertigt. Wenn wir Glück haben, werden ihre TBTs die Freitag-Taschen der Zukunft. Für Bücher. Taschenbücher.

[Anm.: im obigen 3D-Bild ist das Gemälde ein bisserl breit geworden; ist es natürlich nicht]

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