richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schwarzkopf, Puffy und Spielefest 09: Tag 1

Freitag Nachmittag zum Spielefest. Mit Rucksack, Trolley, Tasche („Frankfurter Buchmesse 09“ – man will schließlich den rechten Eindruck machen, nicht?), Plakat-Koffer und drei Marille-Krapfen angekommen. Zum Stand von frisch gespielt (1. Stock, in der Nähe der Spielothek), wo ich mich breit machen durfte und an einem Tisch meine literarischen Ergüsse präsentieren durfte. Allen voran natürlich die Black Edition von Schwarzkopf. Hier sollte also die nächsten Tage Grundlagenforschung betrieben werden. Wie kommt der neue Umschlag an? Wie die kleinen Buttons? Und die Posters? Etliche Schwarzkopf-Plakate mitgenommen. Sie galt es, so anzubringen, dass die Aufmerksamkeit geweckt wird. Dazu empfehlen sich natürlich keine Klebestreifen (vulgo Tixo), sondern Klebe-Gummis („Pattafix“), die sich leicht lösen lassen.

Nach einer Kaffeepause (überhaupt, die Espresso-Maschine sollte noch Wunder wirken) machte ich mich an die Arbeit. Da Freitags vorwiegend jüngeres Publikum anwesend war, gab es keinen Grund zur Eile. Kinder- bzw. Jugendbücher habe ich ja nicht im Programm, wie der geneigte Leser sicherlich weiß. Trotzdem kam im Laufe des Nachmittags eine junge Frau und wollte ein Rotkäppchen 2069-Exemplar erstehen, weil es „R. nicht mehr im Laden habe“. Aha, dachte ich mir. Die gute R. hat also keine Bücher mehr und sagt mir nichts. Später sollte sich herausstellen, dass sie die Bücher, die sie eigentlich anpreisen und verkaufen sollte, kurzerhand unter die Theke gelagert hatte und nur darauf wartete, dass ich sie abholte. Tja. Ich sage ja immer wieder: was nutzt dir, in hunderten Geschäften aufzuliegen (also dein Produkt), wenn sich keiner darum kümmert und es den Verkäufern egal ist, ob dein Produkt oder das der Konkurrenz ins beste Licht gerückt wird. Mehr noch: nur, wenn man es schafft, eine gewisse mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen (hohe Kosten!), mag es ein guter Grund sein, dass man auch freundlich angepriesen wird). Wie dem auch sei, der Freitag brachte noch keine Erkenntnisse, in Bezug auf Schwarzkopf. Immerhin dürfte es aber doch den einen oder anderen in den Fingern gejuckt haben, jedenfalls musste ich feststellen, dass eines der ausgelegten Bücher verschwunden war. Mitgenommen. Wir sehen: um an ein Exemplar der Black Edition zu kommen, gehen manche ein gewagtes Spiel ein. Vielleicht dachte jener welcher (oder jene welche), dass die Bücher gratis seien. Immerhin werden ja immer wieder Bücher gratis in der Stadt verteilt (für das Geld, das diese Gratis-Verteilung verschlingt, könnte man vermutlich die Existenz für einige brotlose Schriftsteller sichern, zumindest für ein Jahr – statt dessen rührt man für betuchte Autoren und gestandene Verlage die Werbetrommel und zahlt brav eine ganze Auflage aus dem städtischen Einnahme-Topf).

Nach der Spielmesse direkt zum Haus des Meeres. Wann war ich das letzte Mal dort? Ewigkeiten mag es her sein. Ewigkeiten! Wiener Ferienspiel. Die Aquarien, die Terrarien (Vogelspinne!) reizten mich nicht sonderlich. Der seltsame Mief verleidete eine längere Verweildauer. Einzig, dass man in das Innere eines ehemaligen Luftschutzbunkers und massigen Flakturms gelangte, machte das Ganze für mich interessant. Meterdicke Mauern. Fotos, auf denen abzulesen war, dass alles schon verloren schien, aber mit dem Mute der Verzweiflung solche monströsen Betonklötze in kürzester Zeit in den (von Bombern bevölkerten) Himmel gebaut wurden. Abschreckung! Gegen die alliierten Bomberflotten. Angeblich, so heißt es, sollen diese Betonklötze, mit ihrer erhöhten Flak-Stellung, den Alliierten den nötigen Respekt abgerungen und deshalb schlimmere Raids in der Wiener City verhindert worden sein. Jedenfalls, wieder zurück in der Gegenwart, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Wie verwandelt schien das Innere des Gebäudes. Alles nach modernsten Gesichtspunkten ausgerichtet. Aufzug. Cafeteria. Einen Wintergarten (mit frei herumlaufenden Äffchen, frei herumflatternden Vögel und Feldermäusen), der mit einer Hängebrücke ausgestattet ist. Beeindruckend. Muss man gesehen haben. Ein riesiges Aquarium, mit Puffy, einer großen, sehr großen Meeresschildkröte (wenn diese ablässt, wird das Wasser kurzzeitig sehr trüb), die ihre „Kindheit“ in einer Wiener Badewanne verbrachte. Lange Geschichte.

Im Seminar-Raum, im vorletzten Stock, konnten die Werke des Künstler-Duos, die zur Vernissage luden, besichtigt werden. Pebo war es, der mit den beiden auf einem Hausboot Urlaub machte und mich deshalb ermutigte, zur Eröffnung der Ausstellung zu kommen. Anfänglich so gar keine Lust, muss ich sagen, dass ich es keine Sekunde bereue. Wieder nette Menschen kennen gelernt. Allen voran Micha Löhe, deren Hochdrucke mir so gut gefallen haben, dass ich mir überlege, ein Buch/Text damit zu illustrieren. Freilich, der Text muss erst gefunden werden. Schön, wenn es noch solch strahlende Künstler wie Micha gibt, die einfach sympathisch ohne Ende sind. Freilich, auch hier scheitert es nicht an Genie oder Talent, sondern vielmehr an Marketing und Werbung. Sie hat weder Website noch Folder. Tja. Weshalb ich ihr riet, diese „Projekte“ in Angriff zu nehmen. Heutzutage, wir wissen es, können die Leutchen kaum mehr gute Qualität erkennen. Man muss es ihnen so lange vorkauen, bis sie es glauben. Plakativ. Unterschwellig. Subtil. Alles ist gut, so lange es zum Ziel führt. Übrigens hat Micha Löhe das Buch Der Spurenzeichner von Peter Bosch illustriert. Ist zwar schon ein Weilchen her, aber man sieht, der gute Pebo hat ein Näschen für die schönen Künste und reizenden Künstlerinnen. Ja, ja.

So nebenbei einem Christian das erste Schwarzkopf-Geschenke-Set verkauft. Er hat sich gefreut. Noch dazu, wo er an diesem Tage den Kredit für das neue Haus aufgenommen hatte („Kannst du dir das jetzt noch leisten, das Buch?“) und ich dies in der Widmung natürlich erwähnen musste. Sollen seine Kinder einmal sehen, wenn sie das Buch aufblättern, dass an diesem Tage der Grundstein für die familiäre Häuslichkeit gelegt wurde.

Franz Six, Geschäftsführender Präsident im „Haus des Meeres“, der uns viele Einblicke in den Ablauf gewährte, ist einer der selten Spezies des immer sympathisch-freundlich-gut-gelaunten Mannes, der gerade durch das reife Alter viele amüsante Anekdoten zu erzählen weiß. Seine Rhetorik ist so natürlich, dass man nur begeistert sein kann. Und ihm ewig zuhören wollte. Man fragt sich unwillkürlich, warum es so wenige Menschen gibt, die mit funkeln in den Augen, Begeisterung in der Stimme von all den Widrigkeiten erzählen, die sie erlebten und schlussendlich gemeistert haben. Man muss sich vorstellen, dass der Verein „Haus des Meeres“ anfänglich von ein paar illustren jungen Herren ins Leben gerufen wurde, die ihre Passion (Meer) nach Wien bringen wollten. Man kann sich vorstellen, wie das (geheime und wirkliche) Hofräte und Staatssekretäre aufgenommen haben. Darüber könnte man sicherlich ein gutes Buch füllen. Jedenfalls, zu guter Letzt mit Herrn Six über die Möglichkeiten einer Buchpräsentation geplaudert. Er erzählte vom letzten Stock, wo man mit Hilfe eines Historikers des Herresgeschichtlichen Museums einen Kommando-Stand eingerichtet habe. Man würde dort eine etwa 8minütige Dokumentation über das Schicksal dieses Flakturms sehen. Und danach würde man die Gäste aus der schlimmen dunklen Enge aufs Dach führen. Für eine exklusive Gästeschar (etwa 20 Leutchen haben Platz) wäre es der perfekte Rahmen, um sein Buch zu präsentieren. Ja, ja. Da fällt mir ein, dass ich Herrn Six noch eine E-Mail schreiben muss. Was man nicht gleich macht …

 

Advertisements

2 Antworten zu “Schwarzkopf, Puffy und Spielefest 09: Tag 1

  1. pebowski Montag, 30 November, 2009 um 2:09

    Vor lauter Micha-Schwärmerei – wer versteht das besser als ich 😉 – hat der gute RKB – wohl aus einer gewissen Holywood-Fixierung heraus die urwienerische Puppi zu einer amerikanischen Vorabendserienheldin namens Puffy gemacht. Sie wird es ihm nachsehen. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: