richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schwarzkopf, Pia und das Spielefest 09: Tag 3

Spielefest – Tag 3 – Sonntag, 22. November 2009

Letzter Tag des Spielefests. Einen Ansturm erwartet. Dergleichen ist aber ausgeblieben. Trotzdem viele Spielebegeisterte, die sich im Austria Center tummelten und sich hie und da einen Kaffee an unserem Stand gönnten. Weil ich mich so glänzend unterhielt, dachte ich, wie es wohl wäre, ein Kaffeehaus zu haben. Der Patron, der mürrisch seine Gäste mit einem Nicken begrüßt. Dann und wann bequemt er sich zu seinen Stammgästen und wechselt ein paar freundliche Worte. Neue Gäste tuscheln, wenn sie ihn sehen („Er soll mal ein paar Bücher veröffentlicht haben. Waren nicht so erfolgreich.“) und erhoffen, dass er ihnen ihre Aufmerksamkeit schenkt. Ja, das könnte mir gefallen. Freilich, alles nur aufgeschäumte Träume. Harte, beinharte Arbeit wäre es, so ein Kaffeehaus zu führen. Da gilt es, den Geschäftsmann aus dem Ärmel zu schütteln. Man muss den Leutchen etwas (ver)bieten („Warum darf man hier nicht rauchen, ha?“ – „Weil ich es sage!“). Sicherlich, ein Treffpunkt für jene Menschen, die noch einen gesunden Verstand besitzen, die reflektieren und bereit sind, über die wichtigen Dinge im Leben zu befinden (und dazu zählt mit Sicherheit nicht das TV-Programm; Fußball-Live-Übertragungen natürlich ausgenommen, ja?). Ein literarisches Kaffeehaus? Tja. Hätte ich das Geld, würde ich es vielleicht machen. Weil auch die Literatencafés zumeist von Inhabern geführt wurden, die nicht auf die Einnahmen angewiesen waren. Wie sonst hätten sie dann solche Gäste toleriert, die den ganzen lieben langen Tag bei einem kleinen Braunen gesessen sind, immer wieder Wasser geordert und die Zigaretten erschnorrt haben? Einer dieser Kaffeehausliteraten, so sagt man, hatte nur ein Paar Schuhe. Als er diese flicken lassen musste, zog er sie im Kaffeehaus aus, gab sie einem der jungen Zuträger und schickte ihn mit den Schuhen zum Schuster, während der Literat – in Socken – geduldig wartete. Ja, die Geschichten der Wiener Kaffeehäuser (besser: ihrer Gäste, ihrer Kellner, ihrer Inhaber) sind legendär. Heute? Geht alles den gewöhnlichen Gang. Der Witz leidet darunter. Merklich.

Ich kam mit Pia ins Gespräch. Sie stattete uns einen Besuch ab. Kannte TB. und sein Spielemagazin. Ihr T-Shirt verriet es. Sie war von der Spielerei, der wohl bestsortierten Spielwarenhandlung Wiens, wenn es um Brett- und Gesellschaftsspiele geht. Sie mache den Einkauf, antwortete sie auf meine Frage, was sie denn so tue. Ich zeigte ihr meine Bücher, erzählte vom Krimi-ABO-Package (Schwarzkopf + Krimikartenspiel + ABO)  und meinte, so etwas auch in der Spielerei anbieten zu können. Ihr gefiel die Idee. „Du kannst die beste Auslage haben“, sagte sie. Erfreulichst. Wir vereinbarten, dass ich mit Sack und Pack morgen Nachmittag bei ihr „einziehen“ könne. Es ist schon erstaunlich, dass man immer wieder auf Menschen trifft, mit denen man innerhalb von Sekunden warm wird. Pia gehört zu jenem Menschenschlag, der sich die gute Laune nicht vermiesen lässt, der korrekt und ehrlich dem anderen gegenüber ist, keine Allüren aufweist und dem anderen eine Hand bietet. Gerne schlug ich in diese ein. Und hoffte, sie nicht zu enttäuschen.

Übrigens, im Dorfgasthof Tschitscher – das Spiele-, Lese- und Hörbuchhotel in Osttirol – kann man nun ein Rotkäppchen 2069 mit Widmung finden. Hoffe, dass deren Gäste aufgeschlossen sind. Literatenrabatt würd’s geben, sagte mir das Inhaber-Pärchen im hübschen Tiroler Akzent, falls ich mal eine Auszeit bräuchte. Sollte ich also meine leeren Batterien aufladen wollen, werde ich wohl gen Osttirol reisen. Ich denke, im Tschitscher würde es mir an nichts fehlen. Und Bücher und Spiele gäb’s dort genug. Wunderbar.

Ein Fotograf lichtete mich und meine Bücher ab. Für einen der Sponsoren, wie er sagte. Ich gab ihm meine E-Mail-Adresse und meinte, er solle sie mir zuschicken. Tja. Bis jetzt warte ich noch. Schade, schade. Ich schätze, sie täten schon was hergeben. Vermutlich sind sie für den Sponsor uninteressant („Was soll denn das?“). Aber vielleicht kommt ja noch mal ein fotografischer Nachschlag, den ich reichen kann.

Nach dem einen oder anderen netten Besuch (die treue Seele Elli ist da natürlich hervorzuheben 🙂 ging auch der Sonntag zu Ende. Abgebaut wurde. Das ging leicht von der Hand. Zwei Mädels, die völlig erschöpft im Stuhl saßen, quatschte ich freundlich an. Sie machten Promotion für XY. Ich fragte sie, was sie denn so verlangen würden, falls ich sie mal engagieren würde. Sie sahen mich mit großen Augen an und wollten wissen, was sie denn da zu tun hätten. Ich zuckte mit der Schulter. Das Übliche, meinte ich. Flyer verteilen. Hübsch lächeln. Jemanden ein Buch unter die Nase halten. Sie nickten. Nannten mir ihren Stundensatz (der manche verblüffte, weil er gar recht hoch schien). Sie gaben mir ihre E-Mail-Adressen. Sollten also einmal zwei hübsche Mädels, die sich verblüffend ähnlich sehen („Wir sind Zwillinge, hast du das nicht bemerkt?“ – „Äh, nein …“), auf meinem Event herumtreiben, dann wissen wir jetzt, wo ich sie kennen gelernt habe, nicht?

Das waren sie also, die drei Tage im Zeichen des Spiels. Ich habe es durchaus genossen, ins Gespräch zu kommen, meine Bücher freundlichst zu präsentieren und jedermann und jederfrau einen Folder in die Hand zu drücken („Da steht alles drin!“). Wo diese schlussendlich gelandet sind (Altpapier?), weiß der Himmel. Aber wer weiß, wer weiß. Eine lächerliche Postkarte, die ich im K7 deponierte (freilich sprach ich kurz mit der Projektkoordinatorin), führte zur Kriminacht 09. Man sollte deshalb den Flyer, den Folder, die Postkarte, das Plakat nicht gering schätzen, wer weiß, wohin es einen bringt. Noch vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass man all diese Werbematerialien kostengüstig herstellt. Heute sind auch kleine, überschaubare Mengen bezahlbar. Man muss nur das Händchen dafür haben. Ich kann von Glück reden, dass sich alles so schön fügt. Das Rollup von „frisch gespielt“, das ich designt habe, machte sich äußerst gut. Dabei kommt es vor allem auf die Größe an. Wie im richtigen Leben auch, nicht? Vielleicht werde ich dann und wann mal ein A1 Plakat drucken lassen. Oder gar A0? Damit könnte ich mich sicherlich zudecken, falls mir kalt ist , weil ich die Heizung nicht mehr bezahlen kann (zu viel in die Werbung gesteckt!).

Was habe ich gelernt?

Wenn man mir freundlich kommt, bin ich in bester Laune. Da verzeihe ich auch ein gewisses Desinteresse an meiner Literatür („Ich lese keine Bücher!“). Einer der Aufkleber, den ich von der Frankfurter Buchmesse mitgenommen habe, erfreute sich großer Beliebtheit („Den würde ich gleich kaufen!“), weshalb ich mir überlege, diesen nachdrucken zu lassen. Und damit meine Bücher bekleben. Und ein paar zum Buch dazugeben. Ja, so macht man das. Mit einem Buch fängt man noch keine Mäuse, respektive Leser. Es braucht viel Rundherum, um das Interesse zu wecken. Interessant ist natürlich: je mehr Leutchen sich für eine Sache interessieren, umso mehr Leutchen beginnen sich für die Sache zu interessieren. Das ist ja das geradezu seltsame Phänomen: zuerst tut sich nichts, dann ein wenig und eh du dich versiehst, türmen sich die Schulterklopfer. Man muss es schaffen, den anderen das Gefühl zu vermitteln, dass das Produkt begehrt ist. Der Mensch hat eine gewisse Angst, etwas zu verpassen, nicht dabei zu sein, ausgeschlossen zu werden. Wenn „alle“ ein Buch, einen Film sehen, dann muss ich es auch tun, sonst könnte ich ja nicht mitreden, gehörte nicht dazu und würde mich alleine fühlen. Der Einzelne will also in der Masse aufgehen. Wäre ich ausgepufft, hätte ich genügend Chuzpe, würde ich diese Verblendung ausnutzen. Das heißt, Aufläufe organisieren (da reichen schon ein paar sympathische Menschen, die sich lauthals um ein Produkt „raufen“), Bedarf wecken („Das musst du haben!“) und einfach unverschämt das Blaue vom Himmel bluffen („Der Kinofilm kommt nächstes Jahr in die Kinos.“; „Der größte US-Verlag hat mir ein Angebot gemacht … ich überlege noch.“, „Ein Hollywood-Studio schickt einen Konsulenten, um mein Script zu prüfen.“) Der Witz ist ja, dass diese Blufferei die Qualität des Buches weder anhebt, noch senkt. Nur in den Augen des Interessenten wird das Produkt begehrenswert, aber nicht, weil es gut ist, sondern weil es in Bälde viele begehren und nur deshalb gut sein muss.  Aber davon später einmal mehr (und ich weiß, dass ich mich wiederhole!). Hm. Vielleicht sollte ich ein Spiel erfinden. „Bestseller“, wird es heißen. Übrigens, ich habe erst vorgestern erfahren, dass man auch ein Spiel im Eigenverlag produzieren kann. Es gibt Firmen, die das Spiel nach den Vorgaben des Spieleerfinders produzieren. Das kostet natürlich und hat seinen Preis. Aber ich finde, es ist gut zu wissen, dass man nicht nur von den großen Herstellern abhängig ist. Ja, ja.

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