Begeisterungsstürme im Wasserglas

Wien

SP. hat angerufen. Ich kann innerhalb eines Augenaufschlages erkennen, wie gut oder schlecht sie gelaunt ist. Immer hat es natürlich mit dem Script zu tun. Mit jenem welchen. Wenn SP. also wie ein Maschinengewehr losrattert, wenn sie einen förmlich anspringt, man kaum Luft holen kann, dann ist es ein gutes Zeichen. Schön. SP. erzählt von ihrem Treffen mit V., der das Script in einem Aufwasch gelesen hätte. V. ist Filmakademiker, war Schüler eines sehr bekannten (und gerade im Moment sehr beklatschten) Regisseurs und ist sehr gut mit einem anderen (ebenfalls sehr angesehenen Regisseur). Gemeinsam besuchten die beiden Schauspieler H. (beinahe täglich flimmert er im TV), ein dicker Freund von V. Wie dem auch sei, SP. schildert mir das Gespräch mit V. Dieser sei begeistert, lobt das Script in den höchsten Tönen. Es gebe nichts zu ändern, soll er gesagt haben. Ja, er würde gerne etwas machen. Ja, er würde mit Produzent XY. sprechen – überhaupt scheint V. in der glücklichen Lage zu sein, dass zwei Produzenten gerne mit ihm zusammen arbeiten möchten. Damit ist wieder einmal eine Türe geöffnet. Etwa dreizehn weitere warten noch auf mich und das Script. Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben. Das wäre gefährlich. Ich halte diesen Moment nur deshalb fest, damit ich später nachlesen werde können, wie alles angefangen hat (wie oft habe ich eigentlich diesen Satz bereits geschrieben? Und ist es nicht schon Teil dieser gefährlichen Illusion?). Wie dem auch sei, das neue Jahr kommt gut in die Gänge. Ob ich hochschalten werde können, wird sich später zeigen.

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10 Kommentare zu „Begeisterungsstürme im Wasserglas“

  1. Wenn ich mich recht erinnere ist das ein Ausspruch Ernestos. Die Herren Dichter werden gebeten, sich nicht an den Sprüchen ihrer Protagonisten ohne deren ausdrückliche schriftliche Einwilligung zu vergreifen. 😉

    1. Man stelle sich vor, Protagonisten verklagen ihre Schriftsteller. Hm. Wäre wohl so, als würde ich Gott vor den Richterstuhl bringen. Ich schätze, er würde mit einer bedingten Strafe davonkommen. Frage mich nur, wer dann sein Bewährungshelfer wär – klingt nach einem guten literarischen Stoff 😉

  2. In „In-Schwimmen-zwei-Vögel“ hat der Autor seine Romangestalten in einem Hotel eingesperrt und die beginnen gegen ihn zu revoltieren. Sehr schräger Roman von Flann O’Brien und genauso schräg von Kurt Palm verfilmt.
    Und es gibt ja auch den Film „Der Mann, der Gott verklagte“

  3. mein Paradebeispiel: „Der seltene Vogel“ von Jostein Gaarder. In der darin enthaltenen Erzählung „Theobald und Theodor“ sagt die Hauptfigur plötzlich auf S. 112 „Jetzt will ich mein eigenes Leben führen“. Sehr geil. Er hat keine Lust mehr auf das Diktat des Autors. Der Autor nimmt das allerdings nicht ernst, mit fatalen Folgen: Theobald dreht den Spieß um.

    Lesenswertes philosophisches Gedankengut!

  4. Hätte mich ja gewundert, wenn so ein „guter literarischer Stoff“ brach liegen tät. Übrigens, beim absurden Theaterstücken eines Pirandellos, da suchten schon um 1920 sechs Personen einen Autor. Faszinierend, wenn man bedenkt, dass Gott immer Gott bleibt, nur in der Vorstellung des Lesers kann mit diesem unumstößliche Gesetz gespielt werden, weil ja jedes Buch sein eigenes Universum ist. Äh … vielleicht sollte ich mal die Bücher lesen, die ihr mir da vorgeschlagen habt. Und den Film kenn ich gar nicht.

  5. na dann aber flott zur Buchhandlung und Videothek deine Vertrauens:-) Freitag solls 40cm Neuschnee geben, dann hast du wenigstens was zu tun in deiner eingeschneiten Hütte 🙂

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