richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

to b’ebook again

Get the books!

Anfang Oktober 2009 habe ich mich bereits ernsthaft mit der Erstellung eines ebooks auseinandergesetzt. [hier nachzulesen] Damals war es nicht machbar. Ich habe aufgegeben. Weil ich meine Energie und Zeit (und Nase) in andere Projekte zu stecken hatte. Ich schob also das „homemade ebook“  auf. Hoffte darauf, dass die Technik einem nicht im Stich ließe und Software.Lösungen anböte, die ein normalsterblicher Kerl (und natürlich Kerlin) bedienen kann.

Wenn man mich fragte, wie ich damals auf die Idee gekommen bin, unbedingt ein ebook zu machen, wo ich doch schon genug mit den Printversion geschlagen bin, nun, dann ist die Antwort einfach und mit einem Wort zu benennen: amazon!

Also, die Reader Amazon Kindle 2 und DX wurden voriges Jahr nun auch in Europa angeboten, aber es mangelte ihnen an „deutschsprachiger Software“, sprich elektronischer Bücher. Da dachte ich mir, gevifter Verleger der ich bin, ich biete meine (deutschsprachigen) Bücher über amazon.us an. Somit wäre ich einer von wenigen und würde das große Geschäft machen. Und wenn schon nicht das große Geschäft, so hätte es doch eine gewisse Publicity gebracht. Zwei Hürden gab es zu bewältigen: die technische und die vertragliche. Um sein ebook über amazon.us anzubieten brauchte es ein US-Konto. In Zeiten der Terror-Paranoia und Bankenkrise ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einfach so im Vorbeigehen ein US-Konto zu eröffnen. Ich hätte wohl meine Ex-Banker-Beziehungen spielen lassen müssen. Aber so weit bin ich dann erst gar nicht gekommen, weil ja, wie zuvor erwähnt, die Technik (besser: mein Unverständnis) mir einen Strich durch die Rechnung machte.

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober war es ein großes Thema (für Verlage), aber die perfekte und kostengünstige Lösung konnte niemand präsentieren (abgesehen von utopisch anmutenden Datenbankapplikationen, die nicht mehr von Büchern oder Texten, sondern nur noch von „content“ sprechen, der in allen Varianten formatiert und ausgegeben werden kann; ja, in Zukunft ist man kein Schriftsteller mehr, sondern ein „content builder“); freilich, die vielen kleineren und größeren IT-Consulting-Firmen rieben und reiben sich erfreut die Hände (immer dann, wenn Geschäftsführer und Manager keine Ahnung von Technik haben, engagieren sie um teures Geld Konsulenten, die ihnen auf hundert Seiten hübsch und penibel auflisten, dass die Geschäftsführung keine Ahnung von Technik hat). Wer also gutes Geld scheffeln möchte, der mache sich mit der Datenaufbereitung für Printmedien vertraut. Dabei ist natürlich das oberste Gebot, dass die präsentierte Lösung eine kostengünstige ist. Das ist ja die Krux an der Sache: es gibt nur wenige (vermögende) Platzhirschen in der Verlagsbranche und die basteln natürlich bereits an (teuren) Zukunftslösungen; übrig bleiben die kleinen und mittleren Verlage, die wenig Budget für solch eine „Spielerei“ haben.

Die kleinen Verlage warten auf die „one-touch-one-cent-solution„, will heißen: auf eine deppensichere Konvertierung ihrer bestehenden Texte (zumeist im PDF, InDesign, Quark) in die e-Welt. Diese wird tatsächlich kommen. Vielleicht nicht gleich, aber bald. Einen ersten Schritt in diese Richtung wird wohl (wieder einmal) Apple machen (wiewohl Microsoft diesmal gleich auf ist): der „modernisierte und abgespeckte“ Tablet-PC; die Größe des Bildschirmes macht es möglich, ein elektronisches Taschenbuch wie ein echtes aus Papier aussehen zu lassen. Was nichts anderes heißt, als dass man auf diesen Tablets ein PDF öffnen und lesen kann; deshalb, wir können es uns gut vorstellen, wird die Verlagsindustrie dieses Format auch verstärkt unterstützen, da sie keinen Aufwand haben, „content“ anzubieten. Mehr noch, die Backlist von vergriffenen Büchern, kann ohne Probleme zur Verfügung gestellt werden (google ist ja so freundlich und scant diese ein ;-). Damit werden die kleinen Reader, die „nur“ (grauen) Text (e-ink) darstellen, ins Hintertreffen geraten und nur noch für Geeks (heißen die Nerds heute so?) interessant sein; früher oder später werden diese dann von den Smart-Phones abgelöst, denen man einen besseren Bildschirm spendieren wird.

Ergo: warum tue ich mir jetzt noch ein ebook an? Weil amazon.us seit 15.Jänner 2010 die „Grenzen“ geöffnet hat; auch Nicht-US-Verlage (oder Personen) dürfen nun an der Digital Text Platform (DTP – die Abkürzung, die eigentlich für Desktop Publishing steht) teilnehmen. Die Erträge werden mittels Scheck an die Nicht-US-Verlage ausbezahlt. Also, einmal in meinem Leben möchte ich es noch erleben, einen US-Scheck für Buchverkäufe zu bekommen. Deshalb mein Ehrgeiz, mich der leidigen Technik-Sache anzunehmen. Also die letzten Tage begonnen, mich virtuell umzusehen. Im c’t-Magazin vom November des Vorjahres gibt es eine Anleitung, wie man ein ebook fürs gängige epub-Format erstellt (amazon.kindle geht natürlich einen anderen Weg und hat ein eigenes Format); wenn ich mir diese Anleitung anschaue, dann fühle ich mich wieder in die Zeit zurück versetzt, als ich mit meinem Homecomputer die Anleitungen für hübsche Basic-Spiele abtippte und später sogar selber welche programmierte. Hier verband sich auf das Schönste die analytische mit der kreativen Seite. Aber es dauerte nicht lange, und die analytische Hälfte in mir war heillos überfordert. Die neueren (abstrakteren) Programmiersprachen ließen mich ratlos zurück (aber meine rudimentären Basic-Erfahrungen halfen mir in einer IT-Software-Firma viele Zusammenhänge zu verstehen).

In Zeiten des Web2.0, in Zeiten der Shareware, der Open Source und vieler Web-StartUps gibt es kleinere und größere Programm-Lösungen für jedes Problem. Auch für das Konvertieren von Text in ein ebook-Format. Calibre oder MobiPocket sind zwei dieser Tools. Aber sie sind bei weitem keine „one-touch-solutions“. Generell ist die Frage, in welchem Format der Quelltext vorhanden ist. Ich kann InDesing CS2 (okay, in der CS4 soll es eine Möglichkeit der Konvertierung geben, die aber noch nicht ausgereift ist) und PDF anbieten. C’est ca! Aus InDesign kann man den Text als „txt“-File abspeichern. Auch schon was. Damit wirft man all die überflüssigen Formatierungen (das heißt dann: „Typo.Reduzierung“) raus, die nur hinderlich sind, für ein simples ebook. Das Dilemma besteht nun darin, dass aus dem simplen Text jene Formatierungen bestehen bleiben, die wiederum notwendig sind, z.B. der Zeilenumbruch. Freilich, wer seinen Texte in einem langen, einförmigen Block wiedergeben möchte, der muss sich darüber keine Gedanken machen; aber da mir davor graut, will ich natürlich eine sinnvolle Formatierung haben; ja, Probleme gibt es derer viele (z.B. die Umlaute, die da und dort nicht übernommen werden).

Mein Lösungsansatz: ich habe viel herumgedoktert und da ich (wie gesagt) kein Vollblut-Programmierer bin, der auch mit HTML so seine Mühen hat, muss ich auf Tools zurück greifen. Mein Weg sieht wie folgt aus: InDesign -> txt.file -> Go.Live HTML-Editor (seltsamerweise ist es gar nicht so einfach, einen Editor aufzutreiben, der gratis ist und das tut, was er tun soll; Go.Live ist Überdrüberkomplex, aber ich verwende nur den HTML.Editor und ärgere mich, wie man ein Software so verquer programmieren kann – im Gegensatz zu InDesign oder Photoshop); natürlich muss noch von Hand nachgebessert werden (Kursivierungen, Sonderzeichen, Fußnoten sind alle zum Teufel gegangen; Kapitelstruktur muss angelegt, die Verlinkung zu den Anmerkungen im Anhang  erstellt werden – ob diese Hyperlinks funktionieren wird sich noch weisen).

Die Meta-Daten (Autor, Titel, …) werde ich wohl per Hand erfassen, eventuell Beispiele heraussuchen – denn sollten diese nicht verständlich sein, würden meine Bücher sicherlich falsch gelistet oder erst gar nicht auffindbar sein. Amazon bietet da nur bedingt Hilfe (freilich, die HTML-Codes listen sie penibel auf). Aber im Web2.0 sollte sich da schon eine Lösung finden lassen.

Jetzt ist noch immer die Frage, warum ich mir das antue (beseits des US-Schecks). Nun, amazon wird – wohl oder übel – der Platzhirsch in Sachen ebook-Angebot. Noch beschränkt man sich auf das kindle.Format, aber technisch gesehen ist es keine Hexerei, dieses auch für andere Reader.Formate aufzubereiten. Was Apples iTunes.Store für mp3 und Musikdownloads ist, wird amazon mit elektronischen Büchern, also eine Plattform (der Name DTP deutet bereits in die Zukunft). Was die europäische/deutsche Verlagslandschaft nicht zu Wege brachten (libri?), machen wieder einmal die big players aus US vor: bestehende Strukturen nützen, ausbauen und vermarkten. Deshalb „muss“ ich auch auf diesen Zug aufspringen. Was bleibt mir übrig? Würde ich in den Aussendungen mitteilen, meine Bücher würden bei xy als ebook zum Download  zur Verfügung stehen, interessiert das den gewöhnlichen Leser keine Bohne. Nehme ich aber „amazon“ in den Mund, werden diese hellhörig. Jeder kennt amazon, viele haben schon einmal dort ihre Bücher, CDs und mehr bestellt und im Web läuft man immer daran vorbei. Amazon wird generell als ein seriöses Unternehmen angesehen, dem man sein Geld (im Tausch) anvertraut. Bei iTunes von Apple ist es ja nicht anders (jedes verkaufte iPhone, jeder verkauft iMac trägt dazu bei, dass die Leutchen mehr Vertrauen in das Store bekommen). Und wenn eines meiner Bücher (ja, wir reden bitteschön vorerst nur mal von „Tiret“) bei amazon.dtp angeboten wird, bringt das die nötige Anerkennung, die es braucht, um (verlegerisch) ernst genommen zu werden  (freilich, zumeist läuft diese Akzeptanz unbewusst ab, deshalb ist sie doppelt so wichtig).

Und das beste daran: es kostet einen nur Schweiß und Tränen. Und davon sollte jeder Kleinstverleger mehr als genug haben.

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9 Antworten zu “to b’ebook again

  1. Pingback: Tweets that mention to b’ebook again « richard k. breuer -- Topsy.com

  2. Petra Donnerstag, 21 Januar, 2010 um 19:07

    Danke für diese vielsagenden Einblicke! Ich hatte ja auch schon mit Ebook für vergriffene Bücher liebäugelt oder einer E-Ausgabe meines Blogs oder… allerdings wäre ich in der Formatierung offen, weil ich eine gewisse Firma nicht brauchen möchte.

    Was ist denn mit den Plattformen, die einem Ebooks auch für Technik-DAUs versprechen, da gibt es ja einige? Laufen die nicht? Dumm ist ja, dass man die tatsächlichen Abrufzahlen nirgends erfährt.

    Kurzum: Ich warte ab, nach diesem Beitrag sowieso – derzeit explodiert das alles und ändert sich ständig. Mich regt aber auch auf, dass die Anbieter alle nur das große Geld mit den finanzstarken Verlagen im Sinn haben. Davon redet jeder. Aber gerade weil die Ebooks oft Verlage überflüssig machen, fehlt die kleine Lösung, die bezahlbare – die trotzdem die gleiche Reichweite bekommt. In der Tat findet man darüber selten Infos.

    Es scheint mir, da läuft das Gleiche wie in der Musikbranche: Absahnen werden die Content-Anbieter und Zwischenhändler. Das wird Autoren UND Verlage treffen.

    • Richard K. Breuer Freitag, 22 Januar, 2010 um 0:26

      Was sind „Technik-DAUs“, Petra?

      Es gibt natürlich noch andere Anbieter beseits einer gewissen Firma, aber diese hat nun mal die im Moment beste Akzeptanz (wenn es um zu bezahlenden Literatur-Content geht).

      Vergriffene Bücher als ebook zu veröffentlichen ist eine gute und richtige Sache. Im c’t Magazin wird genau dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt, ausgehend von einem public domain Text aus der virtuellen Bibliothek Gutenberg.

      amazon hat heute oder gestern bekannt gegeben, dass Verlage oder Autoren eine 70 % Marge optieren können, im Gegensatz zu den bisher veranschlagten 35 %. Leider gilt es nur für Bücher, die in den USA verkauft werden. Aber falls es auch für ausländische Verlage gilt, wäre das ein hübsches Geschäft.

      Früher oder später werden alle Texte in HTML oder XML (XHTML) endlektoriert werden und danach für die jeweiligen Formate (print, ebook, internet, …) aufbereitet.

      Absahnen tun schon jetzt die „Content-Anbieter“ und Zwischenhändler und Auslieferer und Vertreter beim gedruckten Buch. Beim ebook gibt es bald vielleicht nur noch den Autor. Und die Mär vom Schriftsteller, der vom Buchverkauf leben kann, könnte wahr werden.

  3. pebowski Freitag, 22 Januar, 2010 um 1:59

    Na, dann ist es ja schon klar, wie du jetzt Millionen scheffelst: du bietest deine Konvertierungsdienste allen Verlage an!
    Nur wer hat schon einen Kindle?
    Ich kenn ja nicht einmal jemand, der die Absicht geäußert hat, einen kaufen zu wollen.
    Ich bin schon wieder so pessimistisch, tsss, tsss, tsss. Jetzt soll mal Apple sich der Sache annehmen und Händen mit Füßen machen oder so ähnlich: einen e-book Reader, der gleichzeitig Hörbuch ist, dass man auf Wunsch hören und/oder lesen kann. Ja, Sackelzement, muss man denen alles vorsagen, da könnten sie doch selbst mal draufkommen, aber wirklich!!! Herr Dichter, lass ma uns das patentieren und werma Millionäre?! Ohne uns zu verstümmeln! 😉

    • Richard K. Breuer Freitag, 22 Januar, 2010 um 11:43

      Also, amazon hat bereits so einen Passus im Vertrag stehen, dass der Text vertont werden könnte (so genau hab ich mir das jetzt nicht ang’schaut), also, ich denke, die Leutchen sind auch nicht am Kopf gefallen und wissen, was den Pebos dieser Welt gefällt 🙂 Mit anderen Worten: es wird die Funktion sicherlich geben, die einem das Buch auch vorliest (wenn Navigationsgeräte mit einem sprechen, warum nicht auch ein ebook/reader?) – ich schätze, es ist eine rechtliche Hürde (was, wenn ein Verlag bereits ein Hörbuch im Programm hat? Wäre dann nicht das automatische Hörbuch eine Konkurrenz?).

      Dummerweise kenne ich auch (noch) niemanden, der einen kindle besitzt. Deppert. Weil ich ja gerne wissen würd wollen, wie mein ebook am Ende aussieht. Ich werde mich wohl mal umhören müssen.

      ad Millionäre: Wenn du dich erinnerst, ich habe in Ro2069 bereits das iTab vorweggenommen. Vielleicht sollte ich mir den Namen schützen lassen 😉

  4. Petra Freitag, 22 Januar, 2010 um 12:16

    DAU… ist eine englische Abkürzung aus der Computerwelt, die Wörter kenne ich nicht mehr, aber das sind Leute wie ich: völlig unbeleckt, sprich ein bißchen doof, was Programmieren & Co. betrifft 😉

    Ich bräuchte also einen Service nach dem Motto: Laden Sie hier ihr pdf / html hoch – drücken Sie auf den Knopf und Ihr ebook wird in sämtlichen Formaten dieser Erde ausgespuckt und zur Verfügung gestellt.

    Noch schöner wäre, wenn die Handelswelt sich auf ein gemeinsames Weltformat einigen würde. Aber es geht ja um Geld…

    • Richard K. Breuer Freitag, 22 Januar, 2010 um 14:24

      Na, wenn du dein Buch bereits als HTML hast, dann gibt’s ja keine Probleme mehr; bei amazon lädtst du das HTML hoch und voilà, schon rollt der Rubel. An und für sich kannst du amazon auch ein word.doc oder txt.file schicken, die dann von denen konvertiert werden, aber wie das Ganze dann ausschaut kann ich nicht sagen. Du siehst, amazon dürfte schon bemerkt haben, dass die DAUs ein sattes Geschäft versprechen 😉

    • pebowski Donnerstag, 28 Januar, 2010 um 2:18

      Ich glaube ja sogar gehört zu haben, dass DAU eine deutsche Abkürzung ist (anscheinend kreiert von entnervten Support-Mitarbeitern): Dümmster anzunehmender User.

  5. Petra Mittwoch, 27 Januar, 2010 um 12:06

    Danke für die Info! Ja, html bekomm ich hin 😉

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