richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

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ccc

Bevor amazon.dtp „Rotkäppchen 2069 Basic Edition“ (neues Cover!) zum Verkauf frei gibt, noch ein paar Gedanken zum elektronischen Bücher-Wirrwarr. Wer nämlich anfängt, sich in die Materie der ebook-Herstellung und des ebook-Vertriebs zu vertiefen, der muss schon bald bemerken, dass es viele Fragezeichen, viele Köche und massenhaft Brei gibt. Jeder kocht sein Süppchen. Jeder will „chef de cuisine“ werden und das größte Kuchenstück abbekommen. Und wenn man schon nicht beim Hauptgericht mitschneidet, dann vielleicht bei der Vorspeise? Beim Dessert?

ISBN

Ebooks verlangen nach einer eigenen ISBN. Liest man allerorts. Das heißt, jeder Verlag, ob klein, ob groß, verdoppelt, verdreifacht damit seinen ISBN-Nummernkreis. Denn jedes Format soll seine ISBN bekommen (PDF, epub, HTML, txt, …) und wenn man sich vor Augen führt, wie schnell sich ein gängiges Format in Luft auflöst bzw. durch ein anderes ersetzt wird, der kann schon mal ISBN kaufen. Ja, diese gilt es natürlich für Geld zu bestellen. Hätte ich vor fünf Jahren gewusst, dass ich mich mal im ebook-Dschungel durchkämpfen werde, ich hätte mir freilich gleich 100 ISBN geleistet. So dachte ich, dass 10 Stück allemal reichen würden. Tja. Dumm gelaufen. Und jetzt? Muss ich tatsächlich 100 Stück bestellen? Wobei abzuklären ist, wie einfach oder schwierig es ist, seinen bestehenden Nummernkreis zu erweitern. Wir sehen: die Digitale Revolution hinterlässt verbrannte Erde.

BÜROKRATIE

Will man bei amazon.us ein ebook für kindle anbieten, dann klickt man sich durch die Geschäftsbedingungen, akzeptiert diese, füllt die erforderlichen Daten aus und voilà, schon kann es los gehen. Wenn das Buch bereits in HTML vorliegt, braucht das ganze Prozedere keine Stunde. Alles easy going, überhaupt keine Hexerei (naja, natürlich gibt es die obligaten kleineren Fallstricke). Möchte man hingegen in good old Europe seinen „digitalen content“ anbieten, dann merkt man, wie festgefahren wir hier allesamt sind. Verträge werden herumgereicht (jeder Provider/Vertrieb hat da seinen eigenen) mit „Präambel“ und allem Drum und Dran. Unterschrieben muss es werden. Zurückgeschickt. Dann noch die Meta-Daten, die die einen in einem Excel- die anderen in einem Onix-XML-Format bereitgestellt haben wollen. Für die einen ist eine ISBN unbedingt erforderlich, für die anderen nicht unbedingt. Die Umschlag-Abbildungen sind sowieso ein eigenes Kapitel für sich (dahingehend kennt epub keinen Standard – deshalb geben die Provider die Maße bekannt). Und dann ist da noch die Frage des Preises und der Preisbindung. Theoretisch könnte man für jedes Format (PDF, epub), für jede Version (ein ebook mit Bilder und Sound, das andere ohne)  einen eigenen Preis festsetzen. Jetzt frage ich mich, ob man die ebooks im Verzeichnis der Lieferbaren Bücher (VLB ) eintragen muss, wo sie aber wieder nur  als „non-book“ festgehalten werden. Wenn ich’s mir recht bedenke, dann haben hier die Dachorganisationen/Verbände ein wenig Aufholbedarf in Sachen „was machen wir mit ebooks?“.

SOFTWARE

Es gibt Gratis-Software-Programme, die einem das Konvertieren von einem Format zum anderen erleichtern Aber nie hat man die absolute Gewissheit, dass am Ende das Richtige herauskommt. Es sei denn, man hat alle eReader, die es da so auf dem Markt gibt und spielt das fertige ebook drauf und sieht es sich Seite für Seite an. Wird wohl nur schwerlich gehen. Also sucht man Referenz-Modelle. Adobe Digital Edition wird da genannt. Und in der Tat sieht die Benutzeroberfläche aufgeräumt und sehr hübsch aus (Holzregale!). Was demnach hier funktioniert, funktioniert auch auf dem eReader. So heißt es. Aber was, wenn nicht?Da wird noch viel Geduld vonnöten sein, bis es einen Standard geben wird. Bis dahin werden die einen oder anderen Konsulenten und IT-Firmen reichlich profitieren.

LINKS

Gerne hätte ich meine ebooks mit Weblinks versehen. Aber welcher eReader kann schon so mir nix dir nix ins Web verzweigen? Und wie sieht es rechtlich aus? Immerhin finden diese Links Verwendung in einem kommerziellen Produkt. Und wer prüft die Links auf Aktualität? Und was, wenn man nachbessern und neue Links einfügen/ergänzen will? Dann muss man alle Provider mit dem neuen ebook „beglücken“. Ist es dann „ebook v1.1“? Gibt es dann ein Release-Management – wie es schon jetzt bei Software-Programmen üblich ist?

WELCHE RECHTE WELTWEIT?

Jeder Verlag wird sich jetzt seine Verträge mit seinen Autoren genauer anschauen müssen. Wurden damals alle Vertriebsformate (Buch, Hörbuch, Film,…) festgelegt? Wurden da die weltweiten Vertriebsrechte geklärt? Vor ein paar Jahren dachte ja noch niemand, dass man ein ebook in China oder den USA anbieten würde können (in deutscher Sprache wohlgemerkt!). Schon jetzt hört man von namhafteren (US-) Autoren, die ihre Bücher als ebook anbieten und ihren Verlag umgehen, da sie der Meinung sind, dass sie die Rechte an ebooks nicht abgetreten hätten. Gerade für jene Autoren, die sich einen Namen gemacht haben bzw. eine treue Fangemeinde um sich gescharrt haben, kann es äußerst lukrativ sein, ihren content selber anzubieten.

INTERNATIONALE SHOPS

Barnes & Nobles – The Internet’s Largest Bookstore (Eigendefinition) – hat seinen eigenen eReader vorgestellt („Nook“) und vertreibt natürlich dafür ebooks. Mit der Funktion „Lend me“ kann man seine ebooks nun auch verborgen (was bei DRM-geschützten ebooks wohl nicht einfach möglich wäre). Wie man seinen content bei B & N unterbringt? Darauf konnte ich noch keine Antwort finden. Ganz im Gegensatz zu amazon.dtp. Amazon.us lädt Verlage und Autoren förmlich ein, ihren content hochzuladen und zu verkaufen. Die Leutchen machen es einem so einfach, dass man sich schon gar nicht mehr wundert, wenn Verlage eine unlektorierte „Vorab“-Version um 0,99 USD anbieten. Es kostet ja nichts und bringt vielleicht Geld in die Portokasse. Überhaupt hat nun amazon auch ein print-on-demand-Modell im Angebot, mit allem Drum-und-Dran. Apples iBook Store dürfte vorerst nur in den USA „erhältlich“ sein. Ist natürlich nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser Shop für Europa geöffnet wird. Ich schätze, es geht wieder einmal darum, dass man die großen europäischen Verlage ins Boot holen muss. Und weil es gar soo viele gibt, heißt es, dass auf die Rechtsabteilung viel Arbeit zukommt.

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8 Antworten zu “ebook ebook ebook

  1. pebowski Mittwoch, 3 Februar, 2010 um 1:59

    Man öffnet RKBs neuestes eBook „Rotkäppchen 2069 Woodstock Edition“ – ein Fenster popt auf: „Für dieses Buch sind Aktualisierungen vorhanden. Wollen Sie sie herunter laden?“ „Ja“ ……. nach 50 Sekunden: „Aktualisierung erfolgreich. Sie müssen das Buch neu zu lesen beginnen, um die Aktualisierungen wirksam werden zu lassen.“

  2. Richard K. Breuer Mittwoch, 3 Februar, 2010 um 10:51

    Herrlich! 🙂

    Du wirst sehen, Pebo, wir werden uns noch an diese Tage zurück erinnern, als es nur eine Version eines Buches gab (abgesehen von den Neuauflagen); alsbald wird es den „Author Cut“, die „Extended Version“, die „Short Version“, die „Interactive Version“, die „Sound & Music Clip Version“ usw. und so fort.

    Weil es ja so gut wie nix kostet und die Chance besteht, dass die Leutchen fleißig kaufen, kaufen, kaufen.

    Im Moment sehen die Publikumsverlage die Digitale Welt in erster Linie als neuer Kostenfaktor und als Konkurrenz zu den Treebooks. Wird sich alles ändern.

  3. die Radiomarijke Donnerstag, 4 Februar, 2010 um 20:12

    🙂 was zum Teufel sind Treebooks? 🙂 Bücher über die Baumbestände Österreichs?

    • Richard K. Breuer Freitag, 5 Februar, 2010 um 1:27

      Tree = Baum = Papier = Papierbuch ich glaube, die Geeks brauchen einen Namen für die herkömmlichen Bücher, weil es in den Foren sonst unübersichtlich wird. Also merke:

      ebooks = elektronisches Buch treebooks (vielleicht abgekürzt: tbooks?) = Buch aus Papier

      „Papierbuch“ klingt auch nicht gerade hübsch.

      Schwarzkopf als ebook fabrizieren, also, das ist ein Job, ich sag’s dir …

  4. die Radiomarijke Freitag, 5 Februar, 2010 um 12:30

    also aus linguistischer Sicht gesehen impliziert das Wort Buch doch schon aus Papier zu sein, oder? die spinnen, die Geeks 🙂

    • Richard K. Breuer Freitag, 5 Februar, 2010 um 13:02

      Na, das verhält sich wohl so wie mit Telefon und Computer, wo es viele Sub-Kategorien gibt. Tja, man könnte sagen, die Welt ist nicht mehr so einfach zu erklären 😉

      Frage mich, ob man zu Gutenbergs Zeiten die Bücher auch unterschieden hat, also jene, die gedruckt wurden und jene, die mit Hand erstellt/kopiert wurden. Seltsam. Wenn ich es mir recht überlege, muss die damalige Situation, als man den Buchdruck einführte, nicht unähnlich jener von heute mit den ebooks gewesen sein. Fakt ist, dass der Buchdruck das Luxusgut Buch für breitere Schichten erschwinglich und vor allem beziehbar machte. Beim ebook ist es genauso. Wir dürfen bitteschön nicht von einem Wegwerf-Taschenbuch ausgehen, sondern um ausgewählte wissenschaftlich/literarische Werke, die in Kleinauflagen von USD 50,- aufwärts verkauft werden. Hm … darüber sollte ich was schreiben … aber der gute Schwarzi lässt das momentan nicht zu …

  5. Maureen Montag, 8 Februar, 2010 um 13:05

    mein lieber dichter
    erst bin ich weg, dann wieder da, und siehe da, die welt hat sich geaendert… hoert sich sehr spannend an, was du da mit ebooks grad erlebst und austestest und vielleicht solltest du dir tatsaechlich die sache mit dem gutenberg ueberlegen….
    herzlichst, maureen

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