richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

ebook „Schwarzkopf“ für kindle von amazon

Und der dritte Streich folgt sogleich: Schwarzkopf ist nun auf amazon.dtp erhältlich. Damit sind alle meine Bücher in der digitalen Welt angekommen und als ebook erhältlich. Wie schon das letzte Mal gesagt, können die ebooks auch auf dem PC oder dem Mobile gelesen werden. Dazu muss man natürlich eine Gratis-Software installieren: kindle for PC/MAC bzw. kindle for iPhone und Schwuppdiwupp, schon kann’s los gehen.

Der nächste Schritt wird sein, die Formate epub, mobipocket und PDF über beam-ebooks anzubieten.  Be prepared.

Das „Drehbuch“-Layout in ein ebook-Format zu bringen hat mir sicherlich wieder ein paar graue Haare gekostet. So musste praktisch jede Zeile per Hand nach Formatierungsänderungen (Sprecher = Großbuchstaben und Beschreibungen in kursiv und jeder Absatz ist durch eine Leerzeile getrennt) durchsucht und geändert werden. Hilfreich – natürlich – die automatische Such- und Änderungsfunktion, aber der größte Brocken war wohl manuelle Handarbeit. Kein Zuckerschlecken. Sollte es nicht alsbald kostengünstige Lösungen für das Konvertieren geben, sehe ich schwarz für die kleinen und mittleren Verlage, die schon jetzt am (finanziellen und zeitlichen) Limit sind. Gut möglich, dass es wieder eine Chance für angehende Lektoren (Stundenten) ist, ausgenutzt zu werden. Übrigens, Ende Februar veranstaltet der Hauptverband des Buchhandels einen Vortrag bezüglich der  Produktion von ebooks. Ich werde mir das nicht entgehen lassen. Vielleicht gibt es ja schon die one-shop-solution.

Unangenehm aufgefallen ist mir, dass auf amazon.dtp ebooks angeboten werden, die mich durchaus interessieren, die aber in der Tat teurer sind als das gleichnamige Paperback. Diese Preisgestaltung ärgert mich. Andererseits ist klar, dass die Verlage und Vertriebsstellen zuerst das kostenintensive (weil gelagert) Taschenbuch loswerden wollen (schließlich kann man es nicht mehr wegmachen, es existiert schon und wartet und wartet und wartet). Deshalb ist die Buchindustrie nicht sonderlich glücklich mit all dem digitalen Hokuspokus. Die Angst, sich selber Konkurrenz zu machen, lässt viele Verlage zu einer verqueren Preisgestaltung hinreissen, was den Unmut der eReader-Jünger auslöst. Für den Konsumenten liegt es klar auf der Hand, dass ein ebook nicht so viel kosten kann wie ein Buch aus Papier (oder Papyrus). Die gleiche Problematik hatte (und hat) auch die Musikindustrie. Wie soll man den Konsumenten verklickern, dass digital heruntergeladene Musik genauso viel kostet wie eine CD in einem Musik-Shop? Die „bösen Buben“ sind dabei gar nicht so sehr die Musik-Konzerne, sondern vielmehr der Vertrieb, die Elektronik-Konzerne, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen. Was ist die Lösung der Kunden? Sie laden sich nur noch jene Songs herunter, die sie wollen und kaufen nicht mehr das ganze Album. Was ist die Antwort der iTunes-Sippe? Sie erhöhen einfach die Preise jener Musikstücke, für die es eine erhöhte Nachfrage gibt. Ja, nie war der Markt so transparent wie heute und trotzdem hat man das Gefühl, immer eine Deppensteuer zu entrichten.

Wie dem auch sei, die Verlage tun sich schwer mit dem flexiblen kopierbaren digitalen Content. Ein weiterer Punkt ist auch, dass die Vertriebsstellen (Buchhandlungen, Web-Shops, …)  Bestseller kaufen oder vorbestellen mussten, um welche vorrätig zu haben, wenn die Kunden danach verlangten. Damit lag das Risiko beim Vertrieb (und dieser erhielt dafür auch dementsprechend Rabatt). Beim digitalen Content wird nur das abgerechnet, was verkauft wurde. Ob es zehn oder tausend Mal heruntergeladen wurde. Der Vertrieb hat kein Risiko mehr und bezahlt auch nicht mehr im Voraus (jedenfalls habe ich noch nicht das Gegenteil gehört). Je nach Vertrag wird dann monatlich oder quartalsweise abgerechnet. Wie soll nun ein Verlag kalkulieren, wenn die Vorbestellungen der Buchhändler und damit ihre Zahlungen wegfallen?

Ein weiteres Kuriosum ist, dass für jede Vertriebsstelle ein Vertrag ausgefertigt werden muss. Amazon umgeht diese bürokratische Hürde sehr amerikanisch: man klicke sich beim Anmelden durch die Geschäftsbedingungen, akzeptiere diese mit Häkchen da und dort, bestätige, dass man Inhaber aller Rechte ist (immerhin, da schreiben Sie dir sogar eine E-Mail und bitten dich, deine Urheberschaft schriftlich zu bestätigen) und schon ist man bei der digitalen Kuchenverteilung dabei. In good ol‘ Germany ticken die Uhren anders. Da werden Verträge tatsächlich noch penibelst herumgereicht. Scheinbar ist hier ein wenig Angst im Spiel (nämlich kein Geld zu bekommen bzw. verklagt zu werden, weil unrechtmäßig Kopien der ebooks in Umlauf gebracht wurden). Vielleicht ist es auch nur die deutsche Gründlichkeit. Who knows?

Umgelegt auf Bücher würde es bedeuten, dass jeder Verlag mit jedem Buchhändler einen Vertrag abschließen müsste. Das würde wohl den Rahmen sprengen, nicht? Scheinbar bedarf es auch für ebooks eine virtuelle Drehscheibe, analog der Auslieferung bei den Büchern. Oder – analog der Musikwelt – es wird sich ein kalifornischer Apfel ins gemachte Nest setzen. Noch wird iBook bei der Einführung in Europa nicht zugänglich sein. Aber alles eine Frage der Zeit. Believe me!

Und die Zukunft der Buchhändler? Ist wohl analog der kleinen Musikläden zu sehen, die sich gegen die Elektronik-Ketten (mehr oder minder) behaupten. Ich würde empfehlen, dass Buchhändler verstärkt in den Gastro-Bereich ausweichen. Dabei meine ich nicht, nur ein paar Tische in die Buchhandlung zu stellen. Es sollte nicht „Buchhandlung mit Kaffee“, sondern „Kaffeehaus mit Büchern“ heißen. Nur dann ist ein Überleben möglich.

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