richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

eine allerrührigste Tyrannei

»Die Privilegien sind nützlich gegen die Könige; aber sie sind verabscheuenswert gegen die Nationen, und niemals wird unsre Nation öffentlichen Geist haben, solange sie nicht von ihnen befreit ist; da haben Sie den Grund, warum wir bleiben müssen, was ich persönlich in hohem Grade bin: monarchisch. Ah, gestehen wir’s doch ehrlich, was wäre eine Republik, die aus all den Aristokratien zusammengesetzt wäre, die an uns nagen? Der Hort der allerrührigsten Tyrannei.«

Graf Mirabeau
entnommen: Brief vom 16. August 1788 an Buchhändler Levrault in Straßburg. [ldr]

Die ebook-Fabrikationen haben mir die letzten Nerven gekostet. Und ich frage mich, ob es all die Mühe wert war. Weil ich keinen eReader mein Eigen nenne, kann ich demnach nicht beurteilen, wie das Resultat meines Konvertierungs-HTML-epub-Gewirxes schlussendlich wirkt. In den nächsten Tagen wird „Schwarzkopf“ bei amazon.dtp online gehen. Morgen werde ich ciando und ebeam die Daten und Vertrag schicken (epub und PDF) und dann möchte ich nichts mehr sehen und hören von HTML und Calibre und Adobes Digital Edition und GoLive (kein Wunder, dass Adobe später das Programm in den Wind geschossen und durch DreamWeaver abgelöst hat – für so einer Softwarelösung gehören die Mannen ausgepeitscht). Sei’s drum, darüber wird noch später zu schreiben und lesen sein.

Conspiracy? Konspirationen? Verschwörungen? Alles Theorie, heißt es. Liest. man. Hört man. Wird einem gesagt. Aber je mehr man sich Klarheit verschaffen will („Und wie war es nun, Dad?“), umso nebulöser wird alles. Die Wahrheit müsste doch straight, also klar und deutlich herauszufinden sein. Oder? Gewiss, es kommt auf den Blickwinkel an. Auf den Standpunkt. Fakten sind noch keine Beweise. Vermutungen unterstützen keine Anklage.

Was mich stutzig macht, ist, dass es auf die einfachsten Fragen keine hinreichenden Antworten gibt. Antworten, die einem zufrieden stellen. Wenn man nüchtern (vielleicht muss man betrunken sein?) und (soweit möglich) objektiv die gegebenen Antworten beurteilt, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. What the heck is going on, folks?

In „Brouillé“ geht es um einen Kriminalfall, besser: um eine Konspiration am Vorabend der Französischen Revolution. Die Aufdeckung dieser veranschlagt etwa ein gutes Viertel des Buches. Dass die Dinge am Ende nicht so sind, wie es sich anfänglich darstellt, nun, das sollten Leser meiner Werke ja schon kennen. So ein Twist, ein Turn, ja, das ist eine feine Sache. Und wer kombinieren möchte, ist herzlich eingeladen, die Lösung zu skizzieren, bevor es der Protagonist Mickiewicz macht. Zugegeben, die eine oder andere Kleinigkeit bleibt dem Leser (vorerst) verborgen. Der Spannung wegen. Und – wenn ich so darüber nachdenke – dann gibt es einen Twist, der für die weitere Geschichte von Bedeutung sein wird, aber erst in Band III aufgezeigt und in Band IV tödliche Konsequenzen haben wird. Oui, oui.

Zurück zum Thema.

Es ist mir klar, dass es immer eine kleinere oder größere Gruppe an Individuen gibt (nennen wir sie der einfachheithalber ELITE), die große Vorteile daraus ziehen, wenn sie Ereignisse direkt herbeiführen oder sie in einem bestimmten Ausmaß beeinflussen. Wir müssen nur vor unserer eigenen Türe kehren. Es gibt wohl niemanden, der nicht die eine oder andere Notlüge gebrauchte, um für ihn unangenehme Geschehnisse unter den Tisch fallen zu lassen („Besser, ich sage nicht, dass …“; „Das würde sie/ihn nur unnötig aufregen … und war es wirklich so schlimm?“; „Es ist ja nur zum Besten für alle!“ usw.)

Gut. Was mir unklar ist: Warum beteiligen sich so viele „Bauern“ (im Schach sind sie zahlreich und man opfert sie gerne, wenn es die Umstände erfordern) an diesen „Spielchen“? Vermutlich, weil sie auch etwas gewinnen. Oder, weil sie von ihrer Sache überzeugt sind. Vielleicht werden sie auch gezwungen, bedroht und man lässt ihnen gar keine Wahl.

Nehmen wir an, wir würden in den Besitz von Beweisen kommen, die unwiderruflich bestätigen, dass Politiker X eines unnatürlichen Todes starb. Was nun? Zur Polizei? Aber die Beweise deuten darauf hin, dass die Verschwörer Kontakte in die höchsten Polizeikreise haben. Presse? Ja, die Presse, die Medien sollten der Eckpfeiler jeder Demokratie sein, der „Watchdog“, der anschlägt, wenn krumme Dinge in Regierung und Wirtschaft geschehen. Aber wie wir alle wissen, sind die großen Medienhäuser alle in der Hand von ein paar wenigen, die wiederum enge Kontakte zu den Verschwörer haben werden (oder man hat sich ihr Wohlwollen im Vorhinein gesichert). Die Presse scheidet demnach aus. Gut. Heutzutage gäbe es noch das Web. Aber auch das ist ohne große Probleme in den Griff zu bekommen, würde jemand „Beweismaterial“ ins Netz stellen. Nicht umsonst unterhalten die Geheimdienste und Regierungsstellen „PR“-Mitarbeiter, die hübsche Kommentare einstellen („Das ist Unsinn!“, „Wurde doch schon zu den Akten gelegt!“ usw.), um den Lesern zu verdeutlichen, dass es Humbug ist, was da geschrieben wird. Ich gehe davon aus, sollte diese „friedliche“ Lösung nicht funktionieren, würde man andere (technische) Möglichkeiten haben, unangenehme Webseiten zu blockieren. Wohl am ehesten, in dem man sie erst gar nicht in Suchmaschinen findet (gibt es nicht eine Kooperation zwischen Google und dem NSA?) oder weit nach hinten reiht (wer guckt auf den Trillionsten Eintrag?).

Was ich damit sagen will? Nun, was bedenklich ist, ist nicht das Verbrechen und der Versuch, das Verbrechen zu verschleiern, sondern vielmehr, dass es keine Möglichkeit zu geben scheint, das Verbrechen zu richten. Spinoza sagte schon vor vielen hundert Jahren: „Weil jeder so viel Recht hat, wie er Macht hat.“

Zugegeben, ich war tatsächlich einmal so naiv, zu glauben, dass die Lenker und Denker dieser Welt nur das Gute* im Sinne hätte und jedes schwarze Schaf belangen. Langsam sickert in mir die Erkenntnis durch, dass es an der Spitze nur noch schwarze Schafe gibt, die jedes weiße belangen. Ich fürchte, ich sehne mich wieder nach dieser Naivität. Tja. Ich schätze, ich muss mir wieder ein TV-Gerät anschaffen. Nichts verblödet besser.

„The individual is handicapped by coming face-to-face with a conspiracy so monstrous he cannot believe it exists.“
J. Edgar Hoover

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