richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Trillionen Schulden und ein Vorwort für „Brouillé“

Ich sollte endlich das Vorwort für „Brouillé“ schreiben. Die Zeit läuft mir davon, möchte ich das (fertige) Taschenbuch am 18. März auf der Leipziger Buchmesse präsentieren. Das Vorwort, wie bereits angekündigt, soll dem geneigten Leser die Augen öffnen. Über die politische und wirtschaftliche Situation, in der wir uns gerade befinden. In ein paar Jahren, Jahrzehnten, wird man sich fragen, wie dieses Desaster  hat geschehen können. Die Antwort ist (immer) in der Vergangenheit zu suchen. History reapeats itself! Die Humanisten des 17. Jahrhunderts und die Aufklärer des 18. Jahrhunderts dachten noch (naiv!), dass sich der Mensch zum Besseren bekehrt, wenn er mit Wissen und Bildung und Bücher gesegnet ist. Das Gegenteil war und ist der Fall.

In der heutigen „Die Presse am Sonntag“ erinnert man an Bruno Kreisky, der 1970 „einen sanierten Haushalt mit einem Schuldenstand von umgerechnet 3,4 Milliarden Euro“ als neuer Bundeskanzler übernahm. 1983 zog sich Kreisky aus der Politik zurück und hinterließ „etwas mehr als 30 Milliarden Euro“ Schulden. Soweit, so gut oder schlecht. Die Große Koalition hingegen brachte es zuwege, von 1986 bis 1999, 73 Milliarden EUR weitere (!) Schulden anzuhäufen. Laut ÖNB ist der Schuldenberg auf 185 Milliarden EUR angewachsen (link). Daraus erwachsen jährliche Zinszahlungen von etwa 7,5 Milliarden EUR! Die Einnahmen des Staates beliefen sich 2009 auf etwa 170 Milliarden. (link) So viel zur Milchmädchenrechnung.

Nun ist es so, dass Österreich in der Vergangenheit einfach nur dem Beispiel der anderen Staaten gefolgt ist. Auf Teufel komm raus wurden Schulden gemacht und über die (leichtgläubigen?) Medien das Bild propagiert, dass alles bestens ist. Dies wiederum hat die (leichtgläubige) Bevölkerung für bare Münze genommen. Fakt ist aber, dass man nur so lange Schulden machen kann, so lange einem Kredite eingeräumt werden. Werden die Geldgeber skeptisch, drehen sie den Geldhahn zu und verborgen ihr Geld anderen Ländern, die kreditwürdiger sind. Siehe Griechenland. Oder: die Geldgeber mengen sich in innenpolitische Diskurse ein (Erpressung?) und können so ganze Staaten in ihrem Sinne lenken (Profitmaximierung!). Wenn es (halbwegs) stimmt, was der US Statistiker Jim Willie prognostiziert, dann kollabiert langsam, aber beständig ein (wirtschaftlich angeschlagener) Staat nach dem anderen, ausgelöst durch die US Banken- und Betrugskrise (man wird noch Jahre brauchen, um die Schuldigen zu benennen, aber es wurde kräftigst im Banken-, Kredit- und Börsenmarkt manipuliert und geschönt). Mexiko, Argentinien, Spanien, die Baltischen Staaten, die Osteuropäer, Frankreich, England und so weiter und so fort werden Zahlungsschwierigkeiten bekommen oder gänzlich bankrott anmelden, was wiederum weitere Auswirkungen auf den Welt-Finanz- und Wirtschaftsmarkt hat. Eigentümlicherweise hört und liest und sieht man sehr wenig in den breiten Medien. Immer nur dezente, versteckte Andeutungen. Damit stellt sich die Frage: alles nur Einbildung? Hirngespinste? Meinungsmache?

Wie kann überhaupt so ein Kollaps des Wirtschaftssystem aussehen? Gibt es da eine Explosion? Bumm! Oder geht es schleichend? Was sind die Indikatoren, die darauf hindeuten? Und würde nicht eine realistische Darstellung der momentanen Schieflage diese nicht noch erhöhen? Frei nach dem Motto: „bitte geraten Sie jetzt nicht in Panik!“ – Wer diesen Satz hört, gerät unweigerlich in Panik. Also ist wohl die oberste Devise der Entscheidungsträger, zu beschönigen und so zu tun, als würde man alles im Griff haben. Siehe Griechenland noch vor 8 Wochen.

Der strebsame Bürger, immer Bedacht seine Pflichten zu erfüllen, will von all diesem „Weltuntergangs“-Gezeter nichts wissen. Wozu auch? Kann er es ändern? Nein! Diese einmal in Gang gesetzte staatliche Schuldenspirale  durch private bzw. unternehmerische Profiteure (man nennt diese „netten“ Menschen „Banksters„, Spekulanten, Hedge-Fonds-Manager, Wall Street Gangsters, Kredithaie und so weiter) ist nicht mehr aufzuhalten. Das beste Beispiel dafür ist Goldman Sachs, dieser US-Bankkonzern, der Griechenland half, seine erdrückende Schuldenlast zu kaschieren und gleichzeitig darauf „wettete“, dass es bankrott geht. Diese „Credit Default Swaps“ sind eine Versicherung für Gläubiger, die befürchten, dass die Staatsanleihen in ihrem Besitz wertlos werden, wenn einmal der Staat zahlungsunfähig ist. Um sich vor dem Staatsbankrott abzusichern, kann man so ein CDS-Instrument  kaufen. Natürlich, wie mit jedem Finanzinstrument, kann man damit auch spekulieren und (vielleicht) seinen Chancen nachhelfen (wofür gibt es die guten Kontakte zu anderen Finanz- und Bankriesen?).

Ich weiß, keiner hört und liest all das gerne. Schwarzmalerei? Schon möglich. Fakt ist, dass sich am Horizont etwas zusammenbraut und sich die „sonderbaren“ Anzeichen mehren. Es gibt womöglich zwei grundlegende Ausgangsszenarien:

Das kollabierende Finanzsystem bleibt bestehen, weil die Entscheidungsträger (und Profiteure des bestehenden Systems) dies befürworten und weil sie die exekutive und mediale  Macht dazu haben! Wie das geht, kann ich nicht sagen. Aber wir müssen uns immer vor Augen halten, dass ein Wirtschafts- und Finanzsystem nicht gottgegeben ist, sondern immer der Mensch (mit all seinen charakterlichen Vor- und Nachteilen) dahinter steht. Geld ist nur Glaube! De facto ein wertloses Papier, das erst durch den kollektiven Konsens einen Wert erhält. Das sollten wir nicht vergessen! (und manch einer der älteren Damen und Herren weiß noch, wie sich nach dem Krieg in Europa ein Schwarzmarkt etablierte, als das Währungssystem zusammengebrochen war)

Das kollabierende Finanzsystem kollabiert. Okay, das ist natürlich unvorstellbarer Hokus Pokus. Es wird Zeit, dass ich mein Vorwort schreibe. 1789, you know!

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