and the Oscar goes to wtf***

20:58 Eigentlich dachte ich ja nicht, dass ich über die OSCAR-Nacht schreiben werde. Aber dann, durch Zufall bemerkt, dass ich bereits vor einem Jahr durch den Gala-Abend „führte“, sprich: ich machte mir meine Gedanken und notierte diese in das virtuelle Blogbuch. Hier geht’s zum Beitrag 2009: and the Oscar goes to schnarch.

21:02 Eine Einladung, den Event livehaftig mit CT. & Co im Gartenbaukino mitzuverfolgen, musste ich schweren Herzens ausschlagen, da ich befürchte, dass mich die Müdigkeit niederstreckt. *gähn*  Und sollte ich nicht morgen den (neuen) Umschlag für „Brouillé“ an die Druckerei schicken? Da sollte bitteschön nix schief gehen, ja? Gut, gut. Noch vier Stunden, bis der rote Teppich ausgerollt wird. Die Zeit gilt es gewinnbringend zu vertrödeln. *starrt-in-die-luft*

01:29 Michael Haneke. Sehr sympathisch, der Gute. Hat den Verstand am rechten Fleck, wenn er über die Befindlichkeit fabuliert und sich getraut, diese auf die Leinwand zu bringen. Freilich, wenn einer Erfolg hat – und das hat er natürlich – huldigen einem die Massenmedien, als hätten sie’s schon immer gewusst. Hätte er hingegen weder kommerziellen, noch „künstlerischen“ Erfolg (sind die OSCARs jetzt ein künstlerischer Erfolg?), keiner der ihn jetzt Lobpreisenden würde seinen Namen korrekt aussprechen („Hancke, oder?“). Jeder sollte sich die Frage stellen, wann ein Kunstwerk, sei es Film, Literatur, Malerei, Musik und dergleichen mehr,  „wertvoll“ ist. Es scheint, als würde es nur noch über die Medien gehen. Was im TV, in den Zeitungen lang und breit als „wertvoll“ oder „wichtig“ oder „richtig“ propagiert wird, erfährt auch die notwendige Aufmerksamkeit. Darüber gilt es noch ins Detail zu gehen. Später.

01:39 Christoph Waltz. Ich sollte es nicht schreiben. Wirklich nicht. Aber als ich Inglourious Basterds sah und im Hinterkopf die Lobeshymnen über Waltz abrief, musste ich feststellen, dass er „nur“ die Rolle des sadistischen Gentleman-Psychopathen abspulte. Es gibt Rollen, die sind einfach dankbar. Da kann ein Schauspieler im Normalfall nichts falsch machen. Erinnern wir uns an Penelope Cruz, die im Vorjahr den Oscar abräumte. Wofür? Für eine ausflippende, um sich schießende, durchgeknallte, eifersüchtige und weird spanische Liebhaberin. Wie hätte sie diese Rolle versenken können? Eben! Ich müsste jetzt nachdenken, aber diese sadistischen Gentleman-Psychos tauchen in Film, Funk und Fernsehen immer wieder auf. Teufel. Die Müdigkeit macht das Denken schwer. „Bingooo.“

01:53 Woody Harrelson. Ja, das nenn ich einfühlsame Schauspielerei. Tolstoi, respektive Christopher Plummer.  Ja, das nenn ich reduzierte Schauspielerei. Stanley Tucci. Aha. Verbrecher von Nebenan.

01:58 Aha. Tarantino & Waltz das neue Traumpaar? Meine Güte. Den Leutchen fällt auch immer wieder was Absurdes ein.

02:00 Oha. Der rote Teppich! Vermutlich ist heute der einzige Tage im Jahr, wo das Wort „red“ in den USA ,ohne dass der „Homeland Security Act“ eine sofortige Verhaftung vorsieht, in den Mund genommen werden darf („Hey, this guy is a f** communist, you know! He talks the whole night about a red carpet … let’s take him to cuba and  beat the s**t out of him to see, who is behind the red conspiracy!“) Okay. Die Moderatoren sind … meiner Seel‘, da fehlen mir die Worte. Alles fühlt sich so künstlich an, dass es mich nicht wundern würde, wenn man in zehn Jahren erfährt, dass es SubRoutinen waren, die in den Medien den gehirnlosen Einheitsbrei tagtäglich lauwarm servierten. Mirren & Plummer werden interviewt! Schätze, da müssen alle durch. Was denken sich die beiden jetzt? Meine Güte. Die Dumpfbacke mit dem Mikrofon (okay, da laufen im Moment ziemlich viele Leutchen damit herum – wurden die eigentlich durchgecheckt?) nimmt den Namen „Nelson Mandela“ in den Mund. Um im selben Atemzug geht sie auf den Schmuck der Begleitung von Morgan Freeman ein. Wenn ich mir das so anschaue, dann komme ich zum Schluss, dass im Kodak Theatre (stimmt das?) Weapons of Massive Brain Destructions (WoMBD) herumlaufen und Leute interviewen.

02:30 Schlapperlot. Es geht los. Hochglanz, wohin man schaut. Jeff Bridges? (da fällt mir gleich mal Arlington Road ein! Sollte man wenigstens einmal gesehen haben. Und natürlich Big Lebowksi – im Übrigen forciert die amerikanische Regierung „Pot Is More Mainstream Than Ever, So Why Is Legalization Still Taboo?“ Link )

2:42 Baldwin & Martin machen sich einen Spaß daraus, die Leutchen auf den Arm zu nehmen. Der Gag mit Christoph, huh, politisch sehr inkorrekt. Bös. Clooney denkt sich vermutlich gerade „wtf***“. Jedenfalls macht er keinen Hehl daraus, seinem Gesichtsausdruck zu urteilen.

2:44 Supporting Role Male. Matt Damon? (Apartheid, Football) Würde mich wundern. –  Harrelson? (Irak, Tragik) No way! – Plummer. (Tolstoi. Russe!) Unwahrscheinlich. – Tucci. (Kindermörder!). No way! Oha. – Christoph Waltz. (Nazi, der bekommt, was er verdient). Sehr wahrscheinlich. Na bitte. Wir sind Oscar! „Bingooo!“

2:51 Na klar. Im ORF sind sie natürlich happy. Und schon werden wieder die Rufe laut, die Filmförderung zu erhöhen (wem kommen die Gelder schlussendlich zu Gute? Würde mich interessieren, ob ein Christoph Waltz jemals Geld aus dem Topf gesehen hat).

2:56 Animated Feature. Fantastic Mr. Fox. Ein Fuchs? Coraline. Knöpfe? Secret Kells? Häh? Princess Frog. Disney, oder? Up! Oha. Witzig. Immerhin hat „Lou Grant“ dem alten Herren die Stimme geliehen (Ed Asner – der sich übrigens dafür ausspricht, die Vorfälle von 9/11 neu aufzurollen). Na bitte. Up.

3:01 Best Original Song. Princess Frog. Randy Newman. Aha. Klassisch. Rythmisch. Gleich zwei Mal. Ambitioniert. Paris 36. Klassisch. Französisch. Chanson, eben. Naja. Nine. Huh. Kräftig. Crazy Heart. Interessant. Folk. Klingt gut. Bravo. Crazy Heart. T Bone Brunett.

3:09 Hola. Müde.

3:11 Original Screenplay. Tarantinos Inglourious Basterds gibt’s übrigens als Buch zu kaufen. Soll keiner sagen, dass es nicht Drehbücher in Buchform gibt, ja? Tina Fey! 30 Rock! The Hurt Locker. Inglorious Basterds. The Messenger. A Serious Man. Up. Oha. The Hurt Locker. Was hat das wohl zu bedeuten? Aha. Immer vorsichtig, Junge, wenn es um den Irak-Krieg geht. Immer positiv, immer patriotisch. Zur Not werden politisch inkorrekte Statements einfach rausgeschnitten. Ist ja kein Problem. Wird ja zeitverzögert gesendet. Seit Michael Moor die richtigen Worte fand, ist Redefreiheit zwar noch möglich, aber nicht auf einem US-TV-Sender.

3:20 The Breakfast Club. Wir haben uns den Film damals in einer Religionsstunde angesehen (zu meiner Zeit, gab es noch keinen Ethik-Unterricht). Ja, unser holländischer Religionslehrer wusste, wie der Konsum-Hase läuft. Don’t you, forget about me! John Hughes!

3:24 Bigelow! Blue SteelStrange Days … ja, gute Filme.

3:28 Best Animated Short. Logorama. Da schau her. Ein Animationsfilm, der sich mit Logos und Trademarks auseinandersetzt. Sechs Jahre hat er dafür gebraucht, für die 16 Minuten. McD wird sich freuen. Deren Clown …

3:33 Best Documentary Short: Music by Prudence. Schade. The Last Truck: Closing of GM Plant hätte mir besser gefallen. Man sollte nicht vergessen, dass da draußen noch immer ein Wirtschaftskrise herumdümpelt. Freilich, die Damen und Herren im Kodak Theatre müssen sich diesbezüglich keine großen Gedanken machen. Rund 23,8 Millionen Beschäftigungslose sind ja kein „Lercherlschas“, net? [Echtzeit-US-Debt-Clock]

3:35 Live Action Short Film. The New Tennants.

3:41 Make up. Ben Stiller als AVATAR-Lookalike. Naja. Star Trek.

3:47 Best adapted Screenplay. Precious. „Don’t know to say“. Yep. Ganz seiner Meinung.

3:54 Hypocrite!

3:56 Best Supporting Role Female. Precious. Mo’nique. „Don’t know to say“. „God bless us all …“ War ihre Dankesrede  jetzt politisch überkorrekt? Vermutlich. Ein Kommentar der IMDB bringt es auf folgenden Punkt: „I feel about this movie the exact same way I felt about Schindler’s List. I understand that it needed to be made. It was powerful and important. I’m glad I saw it. AND I NEVER WANT TO SEE IT AGAIN.“

4:05 Art Direction. Avatar. Na bitte. Blockbuster goes Oscar.

4:09 Best Costume Design. The Young Victoria. History goes Oscar.

4:16 HORRORRRR … Jaws! Freddy! Psycho! Halloween! Poltergeist! Shining (remember Schwarzkopf ;-)! Misery! Frankenstein! The Birds! Marathon Man (Horror?). Aliens! Der Exorzist! The Blob!

4:24 Best Sound Editing. The Hurt Locker. Schau mal einer an. Der Film hat ja ein Low Budget Feeling, sieht mehr nach einer (realitätsnahen) Doku aus. Seltsam. Deutet darauf hin, dass die Leutchen ein Statement setzen wollten. („Ätsch, Cameron!“)

4:26 Best Sound Mixing. The Hurt Locker. Okay. Jetzt wird’s peinlich. Sagen sogar die beiden Gewinner, die zum zweiten Mal auf die Bühne geholt wurden. Das war für Cameron der Schlag unter die Gürtellinie. Definitiv! Es sei denn, es geht noch gut für ihn aus. Ich glaub’s ja eigentlich nicht. But who knows?

4:29 „Killing Nazis!“ … Inglourious Basterds

4:31 Jubel im Gartenbaukino. Waltz goes Oscar. Interview hier und da. Hola. Hypocrite takes on! Stop it!

4:34 Cinematographer. Harry Potter? Hat sich der verirrt? And the winner is … not Austria but Avatar. 3D zahlt sich aus. Italienischer Kameramann, also. Schätze, Jim ist wieder halbwegs versöhnt.

4:37 DAS BESTE EINER JEDEN OSCAR-VERLEIHUNG! Der Rückblick auf jene, die nicht mehr sind. Ist immer wieder ergreifend, weil einem so manche/r noch sehr gut in Erinnerung ist. Kindheit, you know? (Michael Jackson, Patrick Swayze, Karl Malden, …)

4:44 Best Original Score. Aha. Es wird getanzt. *gähn* Ganz nett. Auf IMDB hat „District 9“ gute Kommentare. Ist vielleicht ein Blick wert. James Horner? Hans Zimmer? Die üblichen Verdächtigen, sozusagen. Na sowas. Wieder ein Italiener. Sein Name klingt jedenfalls wie einer. Up! „Be creative! It’s not a waste of time!“ Sehr hübsch gesagt.

4:54 Visual Effects. Kann ja nur Avatar werden, oder? Na bitte. Avatar. Huh. Der letzte Satz der Dankesrede war mir zu sophisticated. Muss ich mir noch mal anhören.

5:01 Best Documentary Feature. Food Inc! Huh. Ein wichtiger Film. The Most Dangerous Man. Auch ein sehr wichtiger Film. Pah. The Cove. Was soll man dazu sagen. Okay, es ist sehr ugly, dass Menschen Delphine abschlachten. Aber es ist ein sehr spezifisches Detail (analog den Robbenbabys, den Walfängern), das sich gut vermarkten lässt (während andere Untaten medial untergehen – wer interessiert sich für Thunfische?). Die anderen beiden Dokus zielen auf Themen, vielleicht die wichtigsten überhaupt in unserer Zeit: die Profitgier eines Industriekomplexes und die politische Lüge). Darüber gilt später zu befinden.

5:08 Film Editing. The Hurt Locker. Was soll man dazu sagen?

5:14 Oha. Tarantino und Almodovar präsentieren Best Foreign Film. Israel. Peru. Frankreich. Argentinien. Deutschland (Österreich). Klingt nach der Auslosung zu einer Fußball-WM-Vorrunden-Gruppe. Und wie im Fußball, gewinnt natürlich Argentinien. Was soll da Österreich ausrichten, ha? Wir brauchen neue Kicker. Soviel steht fest.

5:24 Best Actor. Hallelulja. Jetzt wird’s aber langatmig, wenn zu jedem nominierten Schauspieler eine Lobhudelei heruntergeplaudert wird. Naja. Es sei ihnen vergönnt. Aha. Kate Winslet. Sehr sympathisch, sehr natürlich, die Gute. And the winner is … Jeff Bridges. Auch ein sehr sympathischer, sehr natürlicher Mensch. Jedenfalls wirkt er so. Wer weiß denn schon, wie es in einem (anderen) ausschaut. Na, der gute Jeff hat aber ganz schön vielen Leuten zu danken. And it goes on and on and on …

5:40 Best Actress. Es geht dem Ende zu. Sandra Bullock leuchtet wie ein Weihnachtsstern. Kein Wunder, wenn Forrest Whittaker eine Laudatio hält. Michael Sheen („Is that Tony Blair?“) säuselt Helen Mirren ins Ohr. „American Cinderella“? wtf*** Vielleicht sollte man aufhören, den Leuten da draußen zu erzählen, dass Märchen wahr werden können. Sean Penn? Superb! And the winner is … Sandra Bullock. Na, sie hat sich wahrlich herausgeputzt. Fesch, die Gute. Uups. „We are all deserving love.“

5:52 Best Directing. Barbara Streisand? Schlapperlot. Könnte man ja beinahe sentimental werden. Hat sich schon seit Jahrzehnten nicht verändert. Na sowas. Ein Afroamerikaner oder eine Frau könnten zum ersten Mal den Oscar für  die beste Regie bekommen. Erinnert das nicht an die US-Vorauswahl der Demokraten zwischen Obama und Hilary Clinton? Let’s see … Kathrin Bigelow! The Hurt Locker. Ich schätze, Jim Cameron beißt sich gerade auf die Lippe. Sehr mutig, von der Academy, so ein kontroverses Thema in die breite Öffentlichkeit zu bugsieren (in Österreich ist der Film erst gar nicht in die Kinos gekommen, weil er in Deutschland durchgefallen war). Oha. Irak. Afghanistan. Die Dankesreden werden immer politischer. Gut so.

5:58 Nanu. Das ging jetzt aber schnell. The Hurt Locker ist Best Picture. Ich schätze, Jim Cameron has left the building. Eigentlich kann man es gar nicht glauben, dass solch ein Film die Oscars abräumt. Hat sich Hollywood so gewandelt in den letzten Jahren? Man mag es nicht glauben. Jetzt wird sich zeigen, wie der Oscar prämierte Film und das Thema in der amerikanischen Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

6:02 Das war sie, die 82. OSCAR-Nacht.

6:04 Es dämmert.

6:05 offline!

Das Rollenspiel und das Geld

Ich glaube, dass unser Geldsystem Armut erzeugt.
Prof. Bernard A. Lietaer
ehemaliger Zentralbanker

Warum überall Geld fehlt“ oder „Gib mir die Welt und 5 %“ ist nach einer Geschichte von Larry Hannigan und verdeutlicht, woher das Geld kommt, wie es uns steuert und wohin die Reise geht. Zu dieser Geschichte gibt es einen gut gemachten und sehr anschaulichen Film von Michael Kent im Web zu finden. Diesen Film müssten unsere Kinder bereits in der Schule sehen. Damit sie wissen, was sie in späteren Tagen erwarten wird: eine freiwillige Unfreiheit!

Wir behaupten allen Ernstes, dass wir frei wären. Sind wir es? Oder bilden wir uns das vielleicht doch nur ein? Sind wir nicht von einer Zahl abhängig? Jener, die auf einem Blatt Papier, gemeinhin als Kontoauszug bekannt, angedruckt ist? Je höher diese Zahl, desto höher die Freiheit. Je geringer die Zahl, desto geringer die Freiheit.

Ich werde in zwei Wochen mein neues Buch „Brouillé“ präsentieren. Ich bin – wie jeder andere Geschäftsmann auch – in Vorlage getreten. Dieses „Vorschießen“ bedingt natürlich, dass man die nötigen Finanzen hat. Hat man sie nicht, bleibt nur der Weg der Kreditnahme. Hier sind wir bereits im besten Wege abhängig zu werden. Der nette Angestellte der Bank, der natürlich nur seine Vorgaben erfüllt, würde meinen Antrag auf Wirtschaftlichkeit prüfen. Würde die Unternehmung, also das Verlegen eines (oder mehrerer) Bücher so viel Überschuss erzielen, so dass der Kreditnehmer den Kredit und die fälligen Zinsen über die Jahre wird zurück zahlen können? Die Verlegerei und die Buchandelei, wir wissen es, plagen und mühen sich. Nicht alle. Aber viele. Zu meist kleinere und mittlere Verlage, kleinere und mittlere Buchhandlungen berserkern sich zu Tode und müssen doch fürchten, am Ende eines Tages nicht genug erwirtschaftet zu haben. Und so kommt es, wie es nun einmal kommt: die Bittstellung! Der Verleger bittet den Angestellten der Bank untertänigst um einen weiteren Kredit, um Stundung der fälligen Zinsen. Im Glauben, dass er im nächsten Verlagsprogramm mit einem Bestseller aufwarten kann. Nun wissen wir (oder sollten es zumindest), dass ein Bestseller nicht aus dem Nichts entsteht, sondern dass zuvor große Investitionen in Werbung und PR und viralem Marketing getätigt sein müssen. Aber wer viel in Werbung investiert, der hat trotzdem keine Garantie, dass sich diese bezahlt macht. Manchmal ist es einfach ein Glücksspiel. Nun, das weiß natürlich auch der freundliche Angestellte der Bank. Warum sollte er also einem „Glücksspieler“ Geld borgen? Wenn es doch recht ungewiss ist, dass dieser die Schulden jemals wird zurückzahlen können?

Der Verleger bittet also um ein Darlehen. Er legt dazu sein Verlagsprogramm vor. Der Angestellte der Bank blättert dieses durch und verspricht, den Sachverhalt mit seinem Vorgesetzten zu prüfen. Gesagt getan. Der Vorgesetzte blättert ebenfalls das Verlagsprogramm durch und leitet es an seinen Vorgesetzten weiter. Was muss dieser im Verlagsprogramm erkennen? Ein Buch, das sich mit der illustren Geschichte einer Familie beschäftigt, die während der Wirtschaftskrise der 1920er und 1930er zu großem Vermögen gekommen ist. Das Buch soll die familiären Verstrickungen in Korruption und Verbrechen offen legen, sowie die Vernetzung mit der NSDAP und gewichtigen US-Industriellen. Aber das liegt lange zurück. Und der Vorgesetzte des Vorgesetzten hat gute Kontakte zu dieser Familie, die zwischenzeitlich ein beträchtliches Vermögen (in der Schweiz und Luxemburg und den Kanalinseln) angehäuft und einflussreiche Kontakte zu Politikern, Industriellen und Medien im In- und Ausland unterhält.

Das Buch, davon können wir ausgehen, wird aus dem Programm genommen. Dafür erhält der Verleger sein gewünschtes Darlehen. Klingt diese Geschichte jetzt zu banal, zu einfach? Ist das Finanzsystem nicht komplex und undurchsichtig? Eine Black Box? Sogar Alan Greenspan, der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank musste sich eingestehen, die Marktmechanismen falsch eingeschätzt und die Finanzkrise 2008 nicht vorausgesehen zu haben; gut möglich, dass er sich auch nur blöd stellte. Das Finanzsystem ist in der Tat zu komplex, um es zu verstehen. Aber die Menschen, die darin wirken, sind es nicht. Halten wir uns an die Menschen und wir wissen, wie der Hase läuft.

Seit Anbeginn der Zivilisation (ist es nicht eine Ironie der Geschichte, dass man jener Bevölkerung, deren Urahnen die menschliche Zivilisation begründeten, nun eine „Fast-Food-Demokratie nach amerikanischen Vorbild aufzwingen möchte?), also vor rund 5000 Jahren, war der herrschende Mensch fanatisch bestrebt, seine Einflussbereiche mit allen Mitteln zu vergrößern. Es ging damals nur um eines: die ganze (bekannte) Welt zu beherrschen und untertan zu machen. Dafür wurde  auf Teufel komm raus gemordet und gebrandschatzt. Städte, die sich weigerten den Belagerern ihre Tore zu öffnen, wurden einfach dem Erdboden gleich gemacht und die Bevölkerungen allesamt niedergemetzelt oder versklavt. Das ist bitteschön nicht übertrieben, das gehörte einfach zum „guten Ton“ des Kriegshandwerks. Noch im dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648)  wurde diese Praxis gerne angewandt. Schließlich musste man die teuren Söldner auch bezahlen. Zum ersten Mal wurde eine sich selbst erhaltende Kriegsmaschinerie in Gang gesetzt, die 30 Jahre plünderte, wütete und Europa dezimierte, wie es die Pest und alle Kriege davor nicht zuwege brachten.

Eine ähnliche Strategie erfanden schon viel früher die italienischen Fürsten der Renaissance (natürlich war es zu aller erst die Idee einer darbenden Familie mit Namen Medici): sie borgten sich Geld für ihre kleinen Kriege bei der Bevölkerung, respektive wohlhabenden Familien, die man später Banquiers nennen sollte. Das konnte sich durchaus bezahlt machen. Immerhin konnte nach erfolgreicher Unternehmung das eroberte Fürstentum geplündert und damit die angehäuften Schulden zurückgezahlt werden. Aber am Ende profitierte durch die vielen kleineren und größeren „Unternehmungen“ mit dem Schwert nur ein uneinnehmbares Fürstentum: die Bank! Die Fürsten verschuldeten sich und mussten immer größere Anstrengungen unternehmen, um zu Geld zu kommen (seine Bevölkerung erpressen? Nennen wir es „Steuer eintreiben“). Ein Fürst ohne Kredit war somit bankrott – weil dieser einen möglichen Angriff auf sein Fürstentum nicht abwehren konnte (dazu brauchte es teure Söldnerheere). Wir sehen: das Bankwesen entstand aus der Notwendigkeit, Krieg führen zu wollen oder zu müssen, nicht, um eine Schule oder eine Krankenanstalt zu bauen. Es geht um lukrative, gewinnbringende „Unternehmungen“, die sich in Form von Geld bemessen lassen (soziale und körperliche Gesundheit der Gemeinschaft erhöht vielleicht die Zufriedenheit, spült aber kein Geld in die Kasse des banquiers!). Wir müssen uns unbedingt vor Augen halten, dass eine Bank ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen ist und seinen Aktionären oder Eigentümern verpflichtet ist. Wer glaubt, Banken seien darauf bedacht, das Gemeinwohl zu stützen, der irrt. Auch wenn sie karitative oder künstlerische Projekte unterstützen,  so ist es doch nur ein Bruchteil ihres Profits und kann als Werbe- und PR-Ausgabe angesehen werden.

Wieder zurück zur Frage: Warum sollte also eine Bank einem Verleger Geld leihen? Oder einer Tageszeitung? Oder einer Gratiszeitung? Oder einem link-ischen Journal, das sich kritisch mit dem bestehenden Bankwesen auseinandersetzt? Wenn wir doch alle wissen, wie schlimm es um die wirtschaftliche Situation dieser bestellt ist. Wer weiß die Antwort?

Und weiß eigentlich jemand, warum in der österreichischen Kronen Zeitung das Fernsehprogramm von ARTE fehlt? Vielleicht, weil sich der Sender getraut hatte, einen kritischen Dokumentarfilm über die Zeitung auszustrahlen? Ich werfe diese Frage nur deshalb in die Waagschale, damit klar ist, dass auch eine unabhängige Zeitung so unabhängig nicht berichtet, wenn ihre (und die potenzieller Geldgeber) Interessen in Gefahr sind.