richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

gespielte Theatralik und eine Liebelei

Als ich gestern das dunkle Sakko übersteifte, weil der familiäre Anlass es so vorsah, fischte ich aus der Tasche eine Eintrittskarte. Beinahe drei Jahre ist es also her, als ich mit diesem Sakko vor dem Ticketschalter des Volkstheaters nach einer Regie-Karte für mich fragte. Doch die Dame schüttelte dezent den Kopf. Tja. Da stand ich nun. Mit der großen Erwartung, dass mir eine gewisse Kathi Strasser eine Gratis-Karte für das Schnitzler Stück „Liebelei“ hinterlegt hätte. In jenem Stück spielte sie einer der Hauptrollen. Und sie war es, die ich am Vortag kennen lernen durfte. Sagen wir, es war eine kleine intime Feier unter Schauspielern (wer kann schon sagen, im schmalen Dramaturgenzimmer des Volkstheaters einen Becher Wein getrunken zu haben – mit durchaus ehrenwerten und bekannten Schauspielern?). Ja, damals fühlte ich mich bereits als der kommende Arthur Schnitzler. Auch dieser, wir wissen es, hatte so seine liebe Freude mit dem Theater. In jungen Jahren bandelte er mit einer Reihe von Schauspielerinnen an. Eine davon war Adele Sandrock, die Grande Dame des Wiener Theaters. Schnitzler literarisierte eines ihrer verzwickten Bettgespräche („Ich werde jetzt gehen …“), was sicherlich zu den ehrlichsten und echtesten und amüsantesten Mann-Frau-Gesprächen zählt, was mir bis dato untergekommen ist.

Wie dem auch sei, ich erträumte mir den Theaterhimmel (alles gemalt und gezimmert, zuweilen hohl und schal!) und fiel in den zwischenmenschlichen Bedeutungslosigkeits-Stehplatz. Was hatte ich damals schon vorzuweisen. An Literatür? Diese absurde Science-Fiction-Komödie, die ich im Privatdruck veröffentlichte, konnte wohl kaum einen angehenden Bühnenstar beeindrucken. Azadeh und Erik nur Manuskript. Und ein Theaterstück sollte ich erst später fürs TWW schreiben.

Ich erstand also eine Eintrittskarte, sah mir das Stück an und erhielt im Anschluss der Vorstellung – immerhin, immerhin – eine theatralische Kurznachricht auf mein Mobilo. Gehört hab ich seit dem nichts mehr von ihr. Und damit bin ich dem guten Schnitzler wieder ein Stück näher gekommen. Auch wenn es  nur durch den  Hinterausgang eines Wiener Theaters erfolgte.

Heute die Version 9.03 von Azadeh an FB. verschickt. Weil es für einen Wien-Besuch so passend ist. Spielen doch die 13 Tage des Johann Gottfried von Märwald in der Karwoche und in Wien (Semmering). In Prinzersdorf, dort, wo mich der familiäre Anlass und mein dunkles Sakko hinführte, kam ich zum Entschluss (ist es einer?), endlich mit Azadeh an die Öffentlichkeit zu treten. Im Kleinen. Im Überschaubaren. Denn, wir wissen, meine Schriftstellerei begann mit diesem Mädchen aus Isfahan. Ob es auch mit ihr endet, man wird sehen. Man wird sehen.

Osterputz? Ja, es wird Zeit. Es wird Zeit.

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6 Antworten zu “gespielte Theatralik und eine Liebelei

  1. die Radiomarijke Mittwoch, 31 März, 2010 um 12:46

    du räumst nicht auf, du trainierst für die Ostereiersuche, gib’s zu 🙂 Schnitzler würde heutzutage wahrscheinlich singen „Liebe, Liebe, Liebelei, morgen ist sie vielleicht vorbei“ und dazu eine heiße Samba aufs Parkett legen 🙂

  2. Richard K. Breuer Mittwoch, 31 März, 2010 um 13:04

    Schnitzler würde mit Sicherheit mit der Samba-Tänzerin anbandeln und diesen Kultur-Clash mit sanfter Melancholie in seinem Tagebuch beschreiben.

    Und jetzt räum ich auf!
    Nein, stimmt ja nicht, ich schreib gerade diesen Kommentar, aber gleich wird der Müllsack platzen …

  3. Gregor B. Mittwoch, 31 März, 2010 um 14:25

    Bleibt dir für den Osterputz und den anderen Grauslichkeiten noch genug Zeit. Es sieht ja fast so aus als ob du vor lauter Schreiberei garnicht dazu kommst, oder?

  4. Victoria Mittwoch, 31 März, 2010 um 16:31

    Oi.
    Um es positiv zu sehen, immerhin hast Du eine Menge mehr schnitzlzereske Erfahrungen gesammelt, als die meisten anderen unter uns Normalsterblichen von sich behaupten können.

    Mir hingegen – die ich selbst in kühnsten Traumgespinsten nicht mit Schnitzler-Ambitionen auffahren kann – fällt hierzu eine Szene aus meines persönlichen schreiberischen Idol-Helden (Leo Perutz) grandiosen „Meister des Jüngsten Tages“ ein – und ich verrate sie Dir nicht. Um Dich vom Osterputz abzulenken, und Dich zum Lesen über Schauspielerinnen zu bringen.

    Perfide, oder? 😉

    Liebe Grüße
    V.

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