Imageproblem 2.0

Buchpremiere „Brouillé“. Buchhandlung am Quellenplatz. Nach der Lesung.

Ich plaudere mit E. Dann kommt X. mit einem gut gefüllten Weinglas zu uns. Das Glas schwankt gefährlich, während er spricht und immer wieder weit ausholt. X. sieht zu mir und meint, ich hätte Ähnlichkeiten mit Jesus. Dann fügt er noch hinzu, dass es auch nicht immer toll sei, gekreuzigt zu werden. Ich lächle ein wenig verkrampft. X. wendet sich an E. und fragt, ob man nicht etwas für mich tun könne, in Bezug auf Marketing und Werbung.

E: „Du könntest mal von ihm ein Buch kaufen.“

X. schüttelt den Kopf und macht eine wegwerfende Handbewegung.

X: „Nein, nein, das ist viel zu einfach …“

Buchpremiere “Brouillé”. Buchhandlung am Quellenplatz. Nach der Lesung. Mitternacht.

Ich stehe noch mit W., dem Buchhändler, S., einem Architekten und F., einem pensionierten Chemiker zusammen. Wir plaudern über den sozialen Wohnbau, über die Entstehung der Neuen Wiener Hofoper, die den beiden Architekten nach der Fertigstellung Häme und Spott einbrachte, weil das Straßenniveau um einen halben Meter zu tief angesetzt wurde und das prestigeträchtige Gebäude sozusagen „in der Versenkung verschwand“. Wer den Schaden hat, muss bekanntlich für den Spott nicht sorgen, das erledigen die Wiener meisterhaft. Der Rufmord dürfte ja in der weinseligen Stadt erfunden worden sein, so hört man. Nicht lange, und einer des Architekten-Duos nahm sich das Leben, der andere folgte ihm noch im selben Jahr nach. Und während wir über dies und das plauderten, meinte der gute F. zu W., er würde noch das Rotkäppchen dazu nehmen. Mit anderen Worten, F. kaufte je eine Ausgabe meiner Bücher. Ich signierte. Und bemerkte, dass an diesem 6. April, wenige Minuten vor Mitternacht, meine Würde doch nicht verloren ging.

Hier sollte die Geschichte eigentlich schon zu Ende sein. Jeder weitere Satz würde die Pointe nur verschleppen. Sei’s drum. Die Frage, die sich mir stellt, immer wieder, ist, was denn nun der Unterschied zwischen einem Schausteller, einem Bittsteller und einem Schriftsteller sein könnte. Eine mögliche Antwort ist bereits gegeben. Weitere folgen. Zu gegebener Zeit. Das Kaffeehaus ruft.

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11 Kommentare zu „Imageproblem 2.0“

  1. also erstens sah Jesus nach heutigem Wissensstand völlig anders aus, das schulterlange Haar und der Bart ist das Ergebnis der Vorstellung und des Schönheitsideals einer lang zurückliegenden Kunstepoche. Unser Richard K. galt also irgendwann einmal als schön 😉

    Und der Herr X wollte vermutlich nicht etwa Geld ausgeben (und sei es auch für ein gutes Buch) sondern eher Geld verdienen. Und das ist in einer so verlogenen Branche wie dem Buchmarkt für den einen recht einfach, für die meisten aber sehr schwer …

  2. 😀
    Mich hat einmal jemand völlig unmotiviert in der U Bahn als Antichrist bezeichnet. Vielleicht sollten wir uns zusammentun.

    Und wenn X sich den Brouillé entgehen lassen will, ist er selber schuld.
    So.

    (Ich bin ja schon sehr unzufrieden, dass ich mir die Lesung entgehen lassen musste; hoffentlich wird das morgen was… momentan bin ich pessimistisch. Oi.)

    1. Anti-Christ meets Jesus in the subway. Klingt nach einem guten Witz – ich denk, das könnte funktionieren 😉

      Na, ich drück die Daumen, dass du morgen topfit bist. Positive Gedanken sollen da angeblich helfen, meine liebe V.

  3. Victoria: vor allem mal: Gute Besserung!!!! Gib uns noch Bescheid wegen morgen. Ich steck auf jeden Fall mein „Elsbeth & Ingwer“ Exemplar ein. Können wir ja einen kleinen Tausch machen.

    Richard: hast du meine Fotos bei Walter schon entdeckt? Laut ihm sollen sie ja online sein??!

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