Würde 2.0

Buchpremiere “Brouillé”. Buchhandlung am Quellenplatz. Nach der Lesung. Mitternacht.

Ich stehe noch mit W., dem Buchhändler, S., einem Architekten und F., einem pensionierten Chemiker zusammen. Wir plaudern über den sozialen Wohnbau, über die Entstehung der Neuen Wiener Hofoper, die den beiden Architekten nach der Fertigstellung Häme und Spott einbrachte, weil das Straßenniveau um einen halben Meter zu tief angesetzt wurde und das prestigeträchtige Gebäude sozusagen „in der Versenkung verschwand“. Wer den Schaden hat, muss bekanntlich für den Spott nicht sorgen, das erledigen die Wiener meisterhaft. Der Rufmord dürfte ja in der weinseligen Stadt erfunden worden sein, so hört man. Nicht lange, und einer des Architekten-Duos nahm sich das Leben, der andere folgte ihm noch im selben Jahr nach. Und während wir über dies und das plauderten, meinte der gute F. zu W., er würde noch das Rotkäppchen dazu nehmen. Mit anderen Worten, F. kaufte je eine Ausgabe meiner Bücher. Ich signierte. Und bemerkte, dass an diesem 6. April, wenige Minuten vor Mitternacht, meine Würde doch nicht verloren ging.

Hier sollte die Geschichte eigentlich schon zu Ende sein. Jeder weitere Satz würde die Pointe nur verschleppen. Sei’s drum. Die Frage, die sich mir stellt, immer wieder, ist, was denn nun der Unterschied zwischen einem Schausteller, einem Bittsteller und einem Schriftsteller sein könnte. Eine mögliche Antwort ist bereits gegeben. Weitere folgen. Zu gegebener Zeit. Das Kaffeehaus ruft.

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3 Kommentare zu „Würde 2.0“

  1. so ganz spontan (und das sollte man ja im Internet sein) fällt mir ein, dass der Bittsteller kaum mehr als eine einzige Frage stellt, nämlich die nach ein bisschen Kohle. Der Schriftssteller dagegen stellt alle Fragen dieser Welt, er ist also ein Fragensteller, ein Allesinfragesteller, auch ein Fallensteller, ein Offenleger und damit auch ein Schausteller. Er ist ein Immerwiederaufsteller alles eben noch Verworfenen und seiner selbst. Weitere Antworten folgen. Two and a half men rufen 😉

    1. Gar nicht schlecht, Herr Kollege. Noch dazu so ganz spontan, die Antwort. Respekt. Die Leserschaft denkt sich ja, der „Guido M. Breuer“ ist mein Alter Ego und ich fabriziere mir meine Kommentare gleich selbst. A bisserl Schizo ist das schon. Muss ich jetzt gar zum Eckelhofer?

      Yep. Two and a half men sind kult.

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