Rotkäppchen 2069 goes freitag-komunity

Es geschehen bekanntlich noch Zeichen und Wunder. Wahrlich. Da durfte ich bemerken, dass „lee berthine“, eifrige Freitags-Komunity-Teilnehmerin, aus Rotkäppchen 2069 zitiert. Ich habe mir nun erlaubt, ihre Kommentare einfach hegemannisch zu kopieren und ihr nichts zu sagen. Ich denke, das tut man heutzutage im Web so:

Liebe Titta,

das mit dem [Blog-] Pranger, der nun auch noch funktioniert und genutzt wird, da er ja nun mal da ist, ist ein Problem, für das ich eine Lösung sehe. Neben Jakob Augstein (JA), den du als optional kompetent erachtest, da er die „Büchse der Pandora“ öffnete, sollten aber noch andere Experten konsultiert werden, die sich mit der virtuellen Realität auskennen. Denn des könnte durchaus sein, dass JA zwar die Büchse öffnete, aber währenddessen sein Script deaktiviert war, oder er gerade – nach dem Genuss eines Bio-Shakes – in eine andere Bewusstseinsebene geraten war.

Wenn du mich nun fragst, ja – wer ist denn der Experte?

Dann antworte ich dir:

Es ist Professor Sablotznik und dann noch das Team um Dr. Storm und Kravitz, die mit Franzi, Rob und Wolf Studien am lebenden Objekt durchführen. Hierbei gibt es einen ScriptWriter und einen ScriptGenerator, der automatische Gegebenheiten in der Virtualität erschafft, nach dem Zufallsprinzip treten bestimmte Inzidente auf und werden mit anderen „Zufällen“ nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip gekoppelt.

Bei diesem System, wie bei jeder anderen Software treten natürlich Fehler auf, bugs und shutdowns können passieren. Richard K. Breuer nennt das in seinem Sachbuch „Rotkäppchen“ ANOMALIEN, das heißt fehlerhafte Skripte und fehlerhafte Nebeneinspielungen.

Liebe Titta, ich empfehle daher, Herrn Breuer zu kontaktieren, oder sein Buch zu lesen, das im übrigen auf meinem Nachttisch liegt.

Oder frag mich.

[später] Dennoch sollte Sablotznik nicht außer Acht gelassen werden, da es maßgeblich von seinen Intentionen, seinem Geisteszustand und nicht zuletzt von der implementierten Beta-Version und der Anomalien-Dichte abhängt, wie sich Verhaltensmuster, Verhaltenskonglomerate und Fehlleistungen entwickeln und womöglich aufbauen und sogar blockieren.

Verstehst du? Ich mache hier auf der einen Seite zwar Witze und Werbung für ein Buch, aber ich halte diese Dimension, denn es ist eine geistige Dimension der Geschehnisse in dieser (wie jeder) Community, für außerordentlich entscheidend.

eBook-Version

Dass die gute Lee Berthine Rotkäppchen 2069 als Sachbuch bezeichnet, verwundert auf den ersten Blick, aber vielleicht ist das gar nicht so weit hergeholt. Ich werde meine Werbeagentur „Ego“ darauf hinweisen, dass sie dann und wann in politischen wie wissenschaftlichen Medien aus dem Buch zitieren sollen. Sodala. Jetzt klopf ich mir auf die Schulter.

Das Verbrechen der Aristokratie

Bevor ich mit dem Layout zum neuen Punzengruber-Buch Die Suppe danach beginne, muss ich mir wieder ein paar Zeilen von der gemarterten Seele schreiben. Mit Brouillé hat es begonnen. Ich habe mich ein wenig mit den politischen Zusammenhängen beschäftigt. Manchmal nur am Rande. Manchmal wiederum sehr intensiv (mein Blog-Beitrag über das JFK-Attentat gibt diesbezüglich Aufschluss über die recherchierende Intensität, die ich an den Tag legte). Ich bin versucht, der Mainstream-Meinungsmachenden-Propaganda-Maschinerie aus dem lesenden Weg zu gehen, was aber in Wirklichkeit kaum möglich ist. Dann und wann getraue ich mir, meine gewonnenen Einsichten in einem persönlichen Gespräch darzulegen. Aber wie merkwürdig! Wenn ich erfahren muss, wie uneinsichtig die Gesprächspartner sind, wenn es um den Schutz einer elitären Gruppe geht, die ein Vermögen angehäuft hat, das jenseits von Gut und Böse und nicht mehr vorstellbar ist. Die Logik des Bürgers ist natürlich zwingend einfach: würde man sich dafür einsetzen, sagen wir, A. etwas wegzunehmen, weil er sehr viel besitzt, dann könnte es gut und gerne sein, dass ein anderer sich dafür einsetzt, mir etwas wegzunehmen, weil ich mehr habe, als der andere. In anderen Worten: es erinnert an ein Kleinkind, das verbissen darum kämpft, sein Spielzeugauto behalten zu dürfen. Erfreulich für jene, die einen ganzen Fuhrpark an Autos, Vans, SUVs, Luxuskarossen und dergleichen mehr besitzen. Natürlich werden diese freundlichen Herren (über die Propaganda-Maschinerie) den Kleinkindern immer wieder vor Augen führen, wie wichtig Besitz ist und dass man dafür kämpfen müsse, dass dieser nicht angetastet wird. Osteuropäische Einbrecherbanden, die das Land „plündernd“ durchstreifen, bringen die nötige Einsicht („Mehr Gesetze zum Schutz von Eigentum! Mehr Kontrolle! Mehr Schutz! Härteres Durchgreifen!“).

Am Vorabend der Französischen Revolution und natürlich auch währenddessen, wurde immer wieder eine Frage gestellt, die wir uns auch heute stellen müssten: wem gehört das Land, das Vermögen, der Besitz? Und wie möchte man es verteilen?

In Alternet weist ein Artikel darauf hin, dass 25 Hedge Fund Managers (sie arbeiten mit Geld, viel Geld!) im Jahre 2009 so viel verdient hätten, dass man damit etwa 680.000 Lehrer für 13 Millionen Schüler anstellen hätte können. Natürlich kann man immer damit argumentieren, dass diese 25 Manager ein Recht auf ihren legal erwirtschafteten Verdienst hätten. Aber wer bestimmt, was gesetzlich und was ungesetzlich ist?

1788 konnte jeder Aristokrat auf ererbte Rechte und Ländereien hinweisen, die seine Vorfahren vom damaligen König für ihre Dienste erhielten und somit im Einklang mit den bestehenden Gesetzen waren. Wenig später fegte die Revolution diese Legalität hinweg, mehr noch, sie machte das Aristokratische zu einem Verbrechen.

Jahre, bevor eine aufgebrachte Paris Bürgerschar die Bastille stürmte, gab es Überlegungen, die Finanzen Frankreichs zu ordnen und notwendige politische und fiskalische Reformen durchzuführen. Unter anderem hätte es bedeutet, auch den Adel konsequenter und entsprechender zu besteuern. Aber die Aristokratie legte sich quer, weigerte sich und verwies auf ihre angestammten Rechte. So ähnlich mag es nun auch mit der „Geld-Aristokratie“ bestellt sein. Diese häufen ein irrwitziges Vermögen an, schaffen es außer Landes, legen es „steuerschonend“ an und verwenden grenzwertige Finanzkonstruktionen, um ihren Reichtum virtuell zu mehren (was bedeutet es, wenn uns jemand einen Kontoauszug zeigt, der von einer für uns unbekannten ausländischen Privatbank auf den Bahamas ausgestellt ist, und der einen Saldo von, sagen wir, 313 Milliarden Dollar aufweist?).

Bereits 1779 schreibt Graf Mirabeau, ein Vordenker der Revolution, an Dupont – in das Heute übersetzt, müsste man nur „Privilegien“ mit „immensen Reichtum“ und „Aristokratien“ mit „Geldadel“ austauschen:

»Die Privilegien sind nützlich gegen die Könige; aber sie sind verabscheuenswert gegen die Nationen, und niemals wird unsre Nation öffentlichen Geist haben, solange sie nicht von ihnen befreit ist; da haben Sie den Grund, warum wir bleiben müssen, was ich persönlich in hohem Grade bin: monarchisch. Ah, gestehen wir’s doch ehrlich, was wäre eine Republik, die aus all den Aristokratien zusammengesetzt wäre, die an uns nagen? Der Hort der allerrührigsten Tyrannei.«

Freilich, noch interessiert sich nur eine kleine skeptische Minderheit für diesen Sachverhalt, während die Mehrheit bei Junkfood (früher: Zuckerbrot) und medialer Panikmache (früher: Peitsche) über die Verteilung von Brotkrümel hitzig streiten.