richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Das Verbrechen der Aristokratie

Bevor ich mit dem Layout zum neuen Punzengruber-Buch Die Suppe danach beginne, muss ich mir wieder ein paar Zeilen von der gemarterten Seele schreiben. Mit Brouillé hat es begonnen. Ich habe mich ein wenig mit den politischen Zusammenhängen beschäftigt. Manchmal nur am Rande. Manchmal wiederum sehr intensiv (mein Blog-Beitrag über das JFK-Attentat gibt diesbezüglich Aufschluss über die recherchierende Intensität, die ich an den Tag legte). Ich bin versucht, der Mainstream-Meinungsmachenden-Propaganda-Maschinerie aus dem lesenden Weg zu gehen, was aber in Wirklichkeit kaum möglich ist. Dann und wann getraue ich mir, meine gewonnenen Einsichten in einem persönlichen Gespräch darzulegen. Aber wie merkwürdig! Wenn ich erfahren muss, wie uneinsichtig die Gesprächspartner sind, wenn es um den Schutz einer elitären Gruppe geht, die ein Vermögen angehäuft hat, das jenseits von Gut und Böse und nicht mehr vorstellbar ist. Die Logik des Bürgers ist natürlich zwingend einfach: würde man sich dafür einsetzen, sagen wir, A. etwas wegzunehmen, weil er sehr viel besitzt, dann könnte es gut und gerne sein, dass ein anderer sich dafür einsetzt, mir etwas wegzunehmen, weil ich mehr habe, als der andere. In anderen Worten: es erinnert an ein Kleinkind, das verbissen darum kämpft, sein Spielzeugauto behalten zu dürfen. Erfreulich für jene, die einen ganzen Fuhrpark an Autos, Vans, SUVs, Luxuskarossen und dergleichen mehr besitzen. Natürlich werden diese freundlichen Herren (über die Propaganda-Maschinerie) den Kleinkindern immer wieder vor Augen führen, wie wichtig Besitz ist und dass man dafür kämpfen müsse, dass dieser nicht angetastet wird. Osteuropäische Einbrecherbanden, die das Land „plündernd“ durchstreifen, bringen die nötige Einsicht („Mehr Gesetze zum Schutz von Eigentum! Mehr Kontrolle! Mehr Schutz! Härteres Durchgreifen!“).

Am Vorabend der Französischen Revolution und natürlich auch währenddessen, wurde immer wieder eine Frage gestellt, die wir uns auch heute stellen müssten: wem gehört das Land, das Vermögen, der Besitz? Und wie möchte man es verteilen?

In Alternet weist ein Artikel darauf hin, dass 25 Hedge Fund Managers (sie arbeiten mit Geld, viel Geld!) im Jahre 2009 so viel verdient hätten, dass man damit etwa 680.000 Lehrer für 13 Millionen Schüler anstellen hätte können. Natürlich kann man immer damit argumentieren, dass diese 25 Manager ein Recht auf ihren legal erwirtschafteten Verdienst hätten. Aber wer bestimmt, was gesetzlich und was ungesetzlich ist?

1788 konnte jeder Aristokrat auf ererbte Rechte und Ländereien hinweisen, die seine Vorfahren vom damaligen König für ihre Dienste erhielten und somit im Einklang mit den bestehenden Gesetzen waren. Wenig später fegte die Revolution diese Legalität hinweg, mehr noch, sie machte das Aristokratische zu einem Verbrechen.

Jahre, bevor eine aufgebrachte Paris Bürgerschar die Bastille stürmte, gab es Überlegungen, die Finanzen Frankreichs zu ordnen und notwendige politische und fiskalische Reformen durchzuführen. Unter anderem hätte es bedeutet, auch den Adel konsequenter und entsprechender zu besteuern. Aber die Aristokratie legte sich quer, weigerte sich und verwies auf ihre angestammten Rechte. So ähnlich mag es nun auch mit der „Geld-Aristokratie“ bestellt sein. Diese häufen ein irrwitziges Vermögen an, schaffen es außer Landes, legen es „steuerschonend“ an und verwenden grenzwertige Finanzkonstruktionen, um ihren Reichtum virtuell zu mehren (was bedeutet es, wenn uns jemand einen Kontoauszug zeigt, der von einer für uns unbekannten ausländischen Privatbank auf den Bahamas ausgestellt ist, und der einen Saldo von, sagen wir, 313 Milliarden Dollar aufweist?).

Bereits 1779 schreibt Graf Mirabeau, ein Vordenker der Revolution, an Dupont – in das Heute übersetzt, müsste man nur „Privilegien“ mit „immensen Reichtum“ und „Aristokratien“ mit „Geldadel“ austauschen:

»Die Privilegien sind nützlich gegen die Könige; aber sie sind verabscheuenswert gegen die Nationen, und niemals wird unsre Nation öffentlichen Geist haben, solange sie nicht von ihnen befreit ist; da haben Sie den Grund, warum wir bleiben müssen, was ich persönlich in hohem Grade bin: monarchisch. Ah, gestehen wir’s doch ehrlich, was wäre eine Republik, die aus all den Aristokratien zusammengesetzt wäre, die an uns nagen? Der Hort der allerrührigsten Tyrannei.«

Freilich, noch interessiert sich nur eine kleine skeptische Minderheit für diesen Sachverhalt, während die Mehrheit bei Junkfood (früher: Zuckerbrot) und medialer Panikmache (früher: Peitsche) über die Verteilung von Brotkrümel hitzig streiten.

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4 Antworten zu “Das Verbrechen der Aristokratie

  1. Manu Samstag, 10 April, 2010 um 13:32

    ich glaube, es geht halt nicht nur um eine elitäre gruppe. naja, eine elitäre gruppe hat zwar die kohle – aber die zugrundeliegenden strukturen (egoistischer materialismus) sind flächendeckend vorhanden. böte sich die gelegenheit – hätte man ja selbst nichts dagegen, superreich zu sein (das bobo-hirn begründet das auch gleich damit, dass man so ja auch ganz viel gutes tun könnte und so). und dann müsste man halt auch mal die perspektive wechseln. denn für afrikaner sind wir alle europäer zusammen die elitäre gruppe und so unrecht haben sie damit nicht. klar – eine gerechte güterverteilung innerhalb deutschlands oder österreichs, hmm, da könnte man sich vielleicht noch mit anfreunden. aber das ganze in global? da fängt es dann doch etwas nervös zu zwicken an in der bauchgegend – nicht?

    • Richard K. Breuer Samstag, 10 April, 2010 um 14:16

      uuuh, meine liebe Manu, mit dieser Argumentation spielt man der elitären Aristokratie natürlich in die Hände. Generell ist die Frage der gerechten Güterverteilung in jedem Fall eine globale. Was wir, im Westen, an Reichtum angehäuft haben, ging fast ausschließlich zu Lasten anderer Länder. Sollten diese einmal beginnen, etwas vom Kuchen haben zu wollen, wer könnte es ihnen verdenken?

      Je länger wir zuwarten und so tun, als könnte man gegen die ungerechte Verteilung nichts machen (gottgegeben?), umso eher wird aus dem „Zwicken in der Bauchgegend“ ein „Rollen der Köpfe“. Nicht, dass man jetzt meinen könnte, ich würde es befürworten, wenn der neue „Terreur“ einen elitären Kahlschlag durchführte (die Geschichte zeigt, dass es bei Umwälzungen immer Profiteure gibt, die in den Jahren zu einer neuen Aristokratie heranwachsen und um nichts besser sind, als die vorhergehende, die sie ausmerzten).

      Du hast natürlich Recht, dass die Situation ziemlich verkorkst ist, weil jeder Einzelne an dieser „Umverteilung“ Teil nimmt, und ich nehme mich davon natürlich nicht aus. Aber ich sehe in der vorherrschenden Politik nur eine Fortführung des eingeschlagenen Weges. Und dieser, das ist mir ganz klar, führt nur in den Abgrund.

  2. Manu Samstag, 10 April, 2010 um 14:40

    jaaa, vielleicht ist da meine argumentation noch nicht so ausgekocht 😉 könnte daran liegen, dass ich über das thema noch nicht so viel nachgedacht habe (technikerin und so…) und mein umfeld an derartigen diskussionen auch nicht übermäßig interessiert ist (uns gehts ja eh gut, etc). wir können uns aber gerne mal zu einem subversiven plausche treffen 🙂 vielleicht in verbindung mit einem veganen mahle in meiner wohnung? hat noch wer interesse? für 6 leute gibts teller 😉

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