richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Coco & Igor und andere Erfolge

Gestern Abend also die Kinopremiere von Coco Chanel & Igor Strawinsky, der sich auf die leidenschaftliche Affäre zwischen den beiden Persönlichkeiten konzentriert. Der Film ist exzellent gemacht, gerade im Nachhinein, wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat, bekommt man das eine oder andere Bild nicht aus dem Kopf. Und Anna Mouglalis verkörpert die leidenschaftlich obsessive Gabrielle Chanel bis in die letzte Nuance.  Ob sich die Liebschaft so zugetragen hat, kann ich nicht beurteilen. Die ORF Kulturredaktion meinte, dass es nicht überliefert sei, dass die beiden im Bett landeten und Strawinksy stets beteuerte, treu gewesen zu sein. Na, wer die Künstler kennt, der weiß auch, dass sie alles tun, um inspiriert zu werden. Eine hitzige Leidenschaft kann da als Initialfunke sehr sehr dienlich sein. Überhaupt kann man im Film die Zerrissenheit eines Künstlers zwischen Sicherheit und Geborgenheit (seine russische Frau und seine Kinder) und einer Amour fou förmlich spüren. Dass große Künstler keine netten und freundlichen Zeitgenossen waren, nun, das sollte man schon wissen. „Du bist nur eine Stoffverkäuferin!“, wirft er ihr an den Kopf. Künstler sind nun mal Egomanen, die niemanden an ihrer Seite dulden, der ihnen die Show stehlen könnte. Wer sich also auf eine intime Reise zwischen zwei besonderen Menschen einlassen will, dem sei der Film herzlich empfohlen. Happy End gibt’s keines. Dafür Mode und Musik.

Zurück zum Start. Um 18 Uhr lud man die ausgesuchten Gäste in die CHANEL Boutique am Wiener Kohlmarkt. Exquisite Adresse. Roter Teppich. Champagner. Fernsehkameras. Illustres Völkchen. Dass ich mich unter diese mischen durfte, hab ich Schwarzkopf zu verdanken. Soll mal einer sagen, dass die Schreiberei an einem Drehbuch nichts einbringt. Meine Begleitung, die hübsche IMS., wurde allseits beäugt. Dass sie zuvor am Graben einen aufdringlichen Herren in die Schranken weisen musste, passt zum Film und einer emanzipierten, sich nicht versteckenden Gabrielle Chanel. IMS. warf dem Herren schließlich französische Nettigkeiten an den Kopf. Das hat Stil. Und verstanden wird er es wohl nicht haben.

Ich plauderte also mit IMS. Begrüßte SP. und LB. Schlenderte durch die Boutique. Nippte am Champagner. Langte bei den kleinen Appetithäppchen zu. Beobachtete das Geschehen. Nein, ich habe weder mit Baron Drasche-Wartinberg angestoßen, noch mit Camilla Habsburg-Lothringen geflirtet. Wobei, wenn ich mich recht entsinne, dann ist Camilla kurz neben mir gestanden, habe ich kurz etwas zu ihr gesagt (was?), am Ausgang des Kinos, als ich mich mit KS. und SP. über das Drehbuch zu Schwarzkopf unterhielt. KS. ist ein großer, sehr großer Freund des Filmklassiker „Der dritte Mann“. Soll mal einer sagen, mit so einem alten Schinken lockt man niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Mitnichten. Mitnichten.

Von der CHANEL Boutique ging es mit Kleinbussen zum Kino. Das hatte etwas von den allseits bekannten Klassenfahrten. Ich saß mit IMS. in der hintersten Reihe. Dort machten sich ja in unserer Schulzeit immer die angesagtesten Cliquen breit. IMS. meinte darauf nur, dass sie schon damals in der ersten Reihe sitzen musste, weil ihr beim Busfahren so leicht schlecht wurde. Ja, es ist gar nicht leicht, dazuzugehören. Schon gar nicht mit einem Speibsackerl, respektive Kotztüte.

Das Kino war natürlich auch hübsch dekoriert. Für Speis und Trank war jedenfalls reichlich gesorgt. Beim Buffet erkannte mich AT. von der Buchhandlung Tiempo, die gemeinsam mit AB. den Büchertisch organisierte. Schlapperlot. Ich denke, ich konnte den rechten Eindruck erwecken, als ich ihr mein weinrotes Armbändchen zeigte und mich damit als VIP-Gast auszeichnete. Ich begleitete sie zum Büchertisch, besah mir kurz die Bücher, brachte ihnen zwei Gläser Champagner und plauderte über dies und das. Der Zufall, das Schicksal (eine Frage im Film, ob man an den Zufall oder an das Schicksal glaube, wurde von Strawinksy unbeantwortet gelassen) wollte es, dass ich mit einer sympathische freundlichen Dame ins Gespräch kam. Ihr Akzent verriet frankophilen Einschlag. Wie sich herausstellte kommt sie aus der französischen Schweiz, lebt aber in Paris und in Wien und versucht österreichische Maler in Frankreich und England bekannt zu machen. Als ich ihr sagte, dass ich schriftstellere und über die Französische Revolution geschrieben habe, wurden ihre Augen um eine Spur größer. Sie wollte es genauer wissen. Ich gab ihr einen meiner berüchtigten Verlags-Folder (immer eingesteckt, immer griffbereit) und wies auf Tiret und Brouillé. Sie frage, ob es diese Bücher in französisch gebe, was ich verneinte. Darauf meinte sie, dass man diese ins Französische übersetzen sollte und sie mit ihrer Tochter sprechen wird, die Schriftstellerin ist und in Frankreich gerade einen Preis bekommen hat. Aha. Aha. So nebenbei merkte sie an, mit der Frau des Französischen Botschafters bekannt zu sein. Schlapperlot. Wir unterhielten uns über die Franzosen. Sie seufzte. Schüttelte den Kopf. Heute würde es zu keiner Revolution kommen. Die Franzosen hätten Angst. Angst, alles zu verlieren. Sie war sichtlich enttäuscht von der neuen Mentalität der Franzosen. Und um ehrlich zu sein, ich hätte mir nicht gedacht, dass gerade die Franzosen „den Schwanz einziehen“. Vielleicht stimmt es doch, dass Wohlstand und Dekadenz ein Volk schwach und ängstlich macht. Abgesehen von den Migranten, die viel Feuer in sich haben und außerhalb von Paris ihren Unmut in die Welt schreien. Als ich Clichy-sous-Bois erwähnte, nickte sie. Soll mal einer sagen, mein guter Brouillé würde nicht den Nerv der Zeit  treffen. Jetzt schauen wir mal, ob ich von ihr noch einmal hören werde. Ach ja. Der Buchhandlung Tiempo muss ich ja noch ein paar Brouillé-Bücher vorbeibringen. Bis dahin werde ich mein weinrotes VIP-Band nicht abnehmen. Nur zur Sicherheit.

Zu Mittag traf ich übrigens AL., die Tiret lektorierte. Wir aßen in der Suppenwirtschaft, ein kleines Lokal in der Servitengasse, das ich nur empfehlen kann. Gutes, gesundes Essen, rauchfrei und bevölkert von netten Menschen. Würde ich im Servitenviertel wohnen (sehr hübsch, erinnert an die Josefstadt und ist demzufolge auch ein teures Pflaster), die Suppenwirtschaft wäre meine erste Adresse, wenn es darum geht, den leeren Dichtermagen zu füllen. Ich plauderte mit AL. über Leipzig, über die Verlagslandschaft. AL. ist Lektorin beim Braumüller Verlag, der neben Sach- und Schulbücher auch eine Auswahl an literarischen Büchern verlegt. MD., bekannter Schauspieler vom Theater in der Josefstadt, wird bei ihnen sein neues Buch herausbringen. Jener MD., der das Drehbuch zu Schwarzkopf gelesen hat und sehr begeistert davon ist. Mal schauen, bei welchen Türen er anklopfen wird. AL. bekam ein Exemplar von Brouillé. Sie ist schon sehr sehr gespannt. Während DP., die andere Lektorin aus Germanien, die sich damals Tiret uneigennützig angenommen hatte und von diesem Buch in vielen Tönen schwärmt, ist von Brouillé enttäuscht. Weil sie der Krimihandlung nicht viel abgewinnen kann. Weil sie keine Krimis liest. Weil sie erwartet hätte, dass die Geschichte von Tiret fortgeführt werden würde. Tja. Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. VS., die Autorenkollegin,  sieht es umgekehrt: Sie findet Tiret ganz nett, aber lobt in schwärmerischen Ton das neue Werk. Ich denke auch, dass Tiret seine Qualitäten hat, aber an Brouillé nicht im Mindesten herankommt. Dazwischen liegen auch zwei Jahre und viele Überarbeitungen. Ja, man kann es niemanden recht machen. Und das ist auch wieder gut so.

Die Leipziger Buchmesse zeigt einen ersten Erfolg. Libri, der deutsche Barsortimenter wird mich und meine Bücher im Katalog aufnehmen. Das ist äußerst erfreulich. Dadurch wird es dem Buchhändler möglich, meine Bücher nicht über mich, sondern über Libri zu beziehen und mit diesen abzurechnen. Wir wissen ja, dass ein Buchhändler viel um die Ohren hat. Müsste er sich auch noch mit einem Eigenverleger aus Ösiland herumschlagen, wäre das einfach zu viel des Guten. Jedenfalls, durch die bestandene Prüfung (Libri nimmt bitteschön nicht jeden Kleinverlag auf!) bin ich wieder einen verlegerischen Schritt weitergekommen.

Und zu guter Letzt, wobei last, but not least, möchte ich mich bei Petra van Cronenburg bedanken, die ich über die Twitterei kennen- und schätzen gelernt habe. Die Autorin, Journalistin und Übersetzerin aus Strasbourg verfolgt seit einem Weilchen mit Interesse mein schriftstellerndes und verlegendes Tun. Nun hat sie sich entschlossen, mich zu interviewen. Die Antworten habe ich gestern, im Vorbeigehen, beantwortet. Viel zu lang natürlich. Aber ich denke, sie wird meinem Geschwafel schon die richtige Kürze verleihen. Wenn das Interview in ihrem Blog online ist, werde ich den Link natürlich bekannt geben.

Voilà, hier ist der Link zu ihrem wunderbar geschriebenen Beitrag;
das ungekürzte Interview ist dann als PDF erhältlich:

http://cronenburg.blogspot.com/2010/04/interview-richard-k-breuer-der-autor.html

Hab ich was vergessen?

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10 Antworten zu “Coco & Igor und andere Erfolge

  1. Petra Mittwoch, 14 April, 2010 um 17:19

    Und ich möchte mich bei dir bedanken, dass du so kompetent und spannend geantwortet hast, so dass es ein wirklich abgerundetes Bild ergab, ohne Beschönigungen und trotzdem motivierend.
    Solche Interviewpartner hat man auch nicht alle Tage!

    Und wenn ich deinen Beitrag hier lese, bekomme ich den Eindruck, dass man zum Verkaufen wie zum Schreiben wohl auch ein Talent haben muss (ich hab das gar nicht), alles lässt sich da sicher auch nicht lernen… man spürt förmlich die Gedankenvernetzungen, wie sie prickeln.

    Hach – und Strawinsky…
    Ich hab zu den beiden ja intensiv recherchiert, weil er sozusagen der Privatkomponist der Ballets Russes war und Coco Chanel eine der wichtigsten Mäzeninnen der Truppe. Tja, was soll man sagen, die Affäre wurde stets mehr behauptet als belegt, aber bei den Ballets Russes ging es hinter den Kulissen extrem fortschrittlich und öfter wild zu und bei den Partys mit den Mäzenen versammelte sich die Crème de la Crème der sexuellen Befreiung in allen Richtungen. Coco, die damals noch Gabrielle hieß, war übrigens auch nicht aufs Maul gefallen!

    Viel Erfolg mit deinen Büchern!

    • Richard K. Breuer Mittwoch, 14 April, 2010 um 18:19

      Ich hab natürlich zu danken, Petra. Dein Beitrag ist wirklich toll geschrieben. Das klingt jetzt natürlich für die Leser ziemlich aufgesetzt, aber ich denke, wenn es wahr ist (dass der Artikel exzellent geschrieben ist), dann sollte man es auch in aller Deutlichkeit sagen. Schlecht geschriebene Blog-Beiträge gibt es im Web2.0-Zeitalter mehr als man verkraften kann. Wie schön, wenn sich da jemand wohltuend abhebt. Werde dein Blog gleich mal in meine Verlinkungs-Ecke eintragen. Muss sein.

      Ich denke, dir könnte der Film gefallen. Dass es hinter den Kulissen heiß hergegangen ist, wird wunderbar amüsant angedeutet. Und überhaupt die 20er Jahre. Man lese „Die stillen Tage in Clichy“ und bekommt eine Ahnung, wie freizügig die Welt damals war. Vielleicht kam die Wirtschaftskrise (und in Folge der Faschismus/Kommunismus) nicht von ungefähr, um dieser moralischen Verlotterung Einhalt zu gebieten.

      Bezüglich der Verkäuferei, also, ich denke mir, ich bin der Beste aller schlechtesten Verkäufer. Mit anderen Worten: der Einäugige unter den blinden 🙂

      Seltsamerweise hat der Champagner gar nicht so geprickelt …

  2. Iris Maria Stromberger Donnerstag, 15 April, 2010 um 0:16

    Auch in den vorderen Streberreihen kann man mit Speibsackerl in der Hand Papierkügelchen gen schülerischer Haute Volée der Heckplätze werfen. Heißt: Mit mir blamiert man sich erst im zweiten Moment.

    Danke für den netten Abend, aber statt des Chanel-Parfums hätte man mir mit weiteren Gläsern H&M-Champagner mehr Freude gemacht.
    Tu sais.

  3. Chrys Mittwoch, 21 April, 2010 um 14:54

    Das ist ja alles ganz nett, aber ZU VIEL. Ich kann nicht so lange lesen, also musste ich nach einigen Absätzen aufhören…
    Vor dem Kommentar-Feld hab ich dann auch noch gesehen, dass es ja ganz einfach, wäre, deine nur mit Initialien zitierte hübsche Frau ausfindig zu machen…
    Also dann – lieben Gruß!

  4. lichtermeer Donnerstag, 22 April, 2010 um 4:46

    tolles interview, spannend und informativ. du machst es wirkllich super! so viel durchhalten, so viel kreativitaet.

    herzliche gruesse

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