es lebe die digitale Zensur oder: wo ist hier der Exit?

Gut. Eigentlich hätte es ein ganz normal gemütlicher Arbeitstag werden sollen. Layouten für das neue Punzengruber Buch, Twittern, an Madeleine feilen, Verträge durchlesen und dergleichen mehr. Dann kam mir die Idee, ich könnte über die letzten, nicht unwesentlichen Ereignisse meine Leser unterrichten. Also bastelte ich recht hurtig einen Newsletter, garnierte ihn mit reizenden Worten und appetitmachenden Zeilen und schickte ihn ab. Aber es ging nicht. Es wollte nicht. Mein Provider, UPC/CHELLO,  ließ es nicht zu. Warum? Darüber kann ich nur mutmaßen. Vermutlich ein Wort, das die automatische SPAM-BLACKLIST-Filterung in meiner E-Mail entdeckte. Einerseits blockiert nun mein Provider das Versenden meines Newsletters, andererseits, wenn man diese Hürde umgangen hat (ich habe noch eine andere Adresse), muss man bemerken, dass die Nachricht für CHELLO-Empfänger gelöscht wurde. Tja. So kann es also gehen.

Hin und wieder stolpert man ja über Zensur-Vorwürfe. Zum Beispiel in China. Man liest, nickt und geht zum nächsten Thema über. So lange es einem nicht selbst betrifft, kann man nicht ermessen, welches System wir da zum Leben erweckt haben. Da drängt sich natürlich das FRANKENSTEIN-Monster als passender Vergleich auf. Zu weit hergeholt, sagen Sie? Nun, dann versuchen Sie es einmal so zu sehen: würden Ihre, mit der Post versendeten Briefe von einer Maschine geöffnet, gelesen und geprüft werden, würden Sie und ich und alle anderen nicht von einer unerträglichen Zensur, von einer nicht hinnehmbaren Diktatur sprechen? Noch mehr, wo dieses Prozedere bereits kafkaeske Züge annimmt. Die Filterung geschieht vollautomatisch und der Provider darf sich jetzt mit einer „Abuse“-Stelle, irgendwo im nirgendwo, herumschlagen, falls er vom Kunden, also von mir, dazu genötigt wird.

Ich stünde auf der BLACKLIST, wird mir am Telefon des Helpdesks freundlich mitgeteilt. Ich könne nun 24 Stunden warten und keine E-Mails versenden, danach läuft alles wie gewohnt und geschmiert, oder ich schicke eine E-Mail an eine Abuse-Stelle und erklären, warum ich auf die Blacklist gekommen bin und dass man mich wieder herausnehmen solle. Das mag schon bittstellerisch genug sein, aber wenn man auch noch aufgefordert wird, die Original-E-Mail an diese „Abuse“-Stelle zu schicken, so dass diese den „Grund der falschen Deklaration“ ausfindig machen können, dann wird einem ganz schön schwummrig.

<xx.xxxx@chello.at>: host smtpgate.chello.at[xxx.xxx.xx] said: 552 5.2.0 MRja1b00C0QG32R03RjbHd automated process detected unsolicited content(in reply to end of DATA command)

Die Meldung habe ich von hier kopiert: HAUPTWORT – auch da macht man sich über diese Zensur Gedanken. Dass es wohl nicht nur meinen Provider sondern wohl auch andere betrifft, erfährt man in einem Kommentar (vermutlich eine übergeordnete Filter-Stelle). Jetzt frage ich mich, welche E-Mails so unter den Teppich gekehrt werden. Wir werden es wohl nie erfahren, weil die Nachrichten augenblicklich gelöscht werden. Das mag in manchen SPAM-Fällen ja vielleicht nützlich und sinnvoll sein. Aber wenn die Automatik beginnt, ungefährliche und seriöse Nachrichten einzustampfen, dann haben wir es hier mit Zensur oder einer schlecht programmierten Filterung zu tun. In beiden Fällen ist die Gacke am Dampfen, wenn es kein vernünftiges EXIT-Prozedere (erinnert an Rotkäppchen!) gibt. Was kann und soll ich in Zukunft tun, damit meine Newsletter nicht als SPAM erkannt werden? Sich andauernd mit einer BLACKLIST-ABUSE-Stelle auseinanderzusetzen kann ja wohl nicht wirklich die Lösung sein. Muss ich also in Hinkunft die Wörter, die ich großflächig verbreiten möchte, sorgfältig auswählen? SPAM-Words wie „günstige Versicherung“, „Penisverlängerung“, „Viagra“ usw. und so fort, dürften somit als zukünftige Buchtitel ausscheiden.

x

Hier nun der NEWSLETTER, der CHELLO- Empfänger nicht zugestellt wurde:

Verehrtes Lesepublikum,

hier sei kurz auf die folgenden Beiträge hingewiesen, die durchaus
lesenswert sind und einen guten Einblick in mein musisches wie verlegerisches Tun geben:

http://bit.ly/d7enLo

o) Wiener Galapremiere zum Film „Coco & Igor“ in der CHANEL Boutique,
Champagner, roter Teppich und Kinoticket inklusive:

o) die Journalistin Petra van Cronenburg interviewte mich und schrieb
einen wunderbaren Beitrag über den „Autor, der auch ein Verleger ist“:

o) wer meine intimen Eindrücke zur Leipziger Buchmesse samt WG-Erfahrung noch
nicht gelesen hat, der sollte es alsbald tun:

o) knappes zur Buchpremiere von „Brouillé“ in der Buchhandlung am Quellenplatz:

o) das eBook „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“ gibt es bis auf Weiteres
zum Gratis-Download bei beam-ebooks.de. Bis jetzt wurde es über 1.000 Mal
heruntergeladen.

o) ab etwa Mitte Mai werden meine Bücher im Katalog des Barsortimenters LIBRI
aufgenommen, d.h., Buchhändler im Deutschland können nun einfach und bequem
direkt bei Libri bestellen.

Ich wünsche einen schönen Tag.

Viele Grüße
Richard