richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Ohio – Wieso?!

Gestern in den Wiener Kammerspielen. Sonntagnachmittagsvorstellung, sozusagen. Es gab Gabriel Baryllis Ohio – Wieso?!, eine gut gemachte und gut gespielte Beziehungs-Tour-de-Force. Da wird geküsst und geschlagen, geliebt und gestorben. Alles ein wenig überzeichnet, überspitzt, aber immer kann man sich im Kleinen darin wiederfinden, in all diesen Hoffnungen („Diesmal wird es anders!“) und all diesen Enttäuschungen („Wieder nichts!“). Wunderbar wohltuend das Gespräch zwischen Autor und Publikum, der das gerade Gesehene, das gerade auf der Bühne erlebte, analytisch zerlegt und amüsant ehrlich auf den Punkt zu bringen weiß. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Theaterstück und Kabarett-Seminar. Der konservative Theatergeher wird damit vielleicht seine Probleme haben, ich, für meinen Teil, fand es – im wahrsten Sinne des Wortes – herausragend.

Im Stück spielten Michael Dangl und Ruth Brauer-Kvam, die Josefstadt-Schauspieler, das manische Liebespaar mustergültig und tobten sich in allen Facetten aus. Gabriel Barylli, mit Unterstützung von Alexandra Kismer (auch Josefstadt), versuchte dem liebestollen Treiben Einhalt zu gebieten und eine nüchtern rationale Gegenposition zu beziehen. Dabei bediente er sich auch augenzwinkernder Vergleiche, die ihren Witz hatten. Nicht unbedingt subtil, aber treffend.

Im Anschluss der Vorstellung traf ich Michael Dangl – noch ein wenig außer Atem – und setzten uns ins Café. Ja, es ist beeindruckend, wie schnell ein Schauspieler nach einer aufreibenden Darbietung wieder ins gewohnte Alltagsleben zurückkehren kann. Man hört ja, dass es manche nicht so gut konnten und dafür einen hohen Preis zahlten. Ent-Rollung, so ließ ich mir einmal sagen, sei sehr, sehr wichtig für einen Schauspieler, um nach einer Vorstellung Abstand zu seiner Rolle zu gewinnen. Als Autor tue ich mir dahingehend leichter. Zwar lebe ich auch viele Rollen,  manchmal durchaus intensiv, aber der Fokus liegt auf dem Ganzen, der Geschichte.

Ich gab Michael Dangl ein Exemplar von Schwarzkopf. Er hatte ja bis dato nur das Drehbuch gelesen und ist davon sehr angetan. Wir plauderten zwanglos. Über seine Probenarbeit in der Josefstadt, über sein neues Buch, das im September im Braumüller-Verlag erscheinen und vom Theater handeln wird – vor nicht langer Zeit las er daraus im MQ vor – und natürlich über Schwarzkopf. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

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