100 Affen

Eigentlich sollte ich an Madeleine weitertun. Die Überarbeitung geht gut voran. Besser als gedacht. Der Teufel hilft da ordentlich mit. Nebenbei, weil es auch literarischer Pausen bedarf, immer wieder der Blick über den Tellerrand, der mir zeigt, dass die (westliche) Welt, wie wir sie kennen, langsam aber beständig den (ökonomischen) Bach runter geht. Davon lesen wir nichts in den Mainstream-Medien. Der gewöhnliche Bürger, über die Jahre verbildet und verblödet – ich nehme mich davon nicht aus! – wird in Watte gepackt, wird wie ein Kleinkind behandelt. Die erwachsene Elite flüstert hinter verschlossenen Türen. Sie sagen sich, dass man den Kindern nicht die Wahrheit sagen dürfe, da sie es sowieso nicht verstehen würden können und es am Ende zu einer Panik käme. Und Panik ist das Letzte, was die Welt braucht.

Gibt es also noch Hoffnung, dass wir die Notbremse ziehen, bevor wir den Karren gegen die Wand fahren?

Vielleicht. Vielleicht macht das folgende Phänomen Hoffnung: Die Geschichte geht so, dass die Amerikaner in den 50ern und 60ern auf der einen oder anderen abgelegenen Insel zu Testzwecken Atombomben gezündet haben. Nach dem sie es getan haben, wollten sie wissen, wie einfach oder schwierig es wäre, so eine verstrahlte Insel wieder bewohnbar zu machen. Sie entschieden sich für ein große Anzahl an Affen (waren es tausend?), die sie auf der Insel aussetzten. Da aber so gut wie alles essbare verstrahlt war, versuchten die Wissenschaftler die Affen dahingehend zu trainieren, dass diese die Kokosnüsse (und vermutlich andere Früchte) im Wasser eines Flusses waschen, um so radioaktiven Staub zu entfernen. Nun geschah folgendes: zu Beginn waren es nur ein paar Affen, die es taten. Mit der Zeit kam der eine oder andere dazu. Aber der größte Teil der Affen interessierte sich nicht dafür. Erst als etwa 100 Affen ihre Kokosnüsse im Fluss wuschen, passierte das Unglaubliche. Alle Affen fingen mit einmal damit an, ihre Kokosnüsse zu waschen. Faszinierend, nicht?