richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Börsenblatt: Eigenverleger in Österreich, Teil 18

Beeindruckende Professionalität zeichnet die literarischen Produktionen des Wiener Autors und Eigenverlegers Richard K. Breuer aus. Plakate, Folder, Buttons und natürliche eine Homepage – wie generell eine starke Präsenz im Netz – begleiten die selbstverlegten Bücher. So mancher Kleinverleger könnte sich hier die eine oder andere Anregung in puncto Marketing holen. […]

Herr Dr. Scherr von den IG Autorinnen Autoren hat im Börsenblatt österreichischer Autorinnen, Autoren & Literatur einen Artikel über mich verfasst, den ich als rundum gelungen bezeichnen darf. Das Gespräch fand bereits im Jänner statt – man beachte also den literarischen Schal auf dem Foto. Das PDF mit den beiden eingescannten Seiten gibt’s hier zum Herunterladen. Man klicke auf das Heftcover. Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Eigenverlage in Österreich, Teil 18:

Richard K. Breuer

Beeindruckende Professionalität zeichnet die literarischen Produktionen des Wiener Autors und Eigenverlegers Richard K. Breuer aus. Plakate, Folder, Buttons und natürlich eine Homepage – wie generell eine starke Präsenz im Netz – begleiten die selbstverlegten Bücher. So mancher Kleinverleger könnte sich hier die eine oder andere Anregung in puncto Merchandising holen. Und es gilt freilich auch hier die Gold’ne Regel: Nicht alles selber machen! Breuer arbeitet mit Illustratoren, einem Fotografen sowie mit Lektoren zusammen; Idee und Drehbuchrevision seiner absurden Wiener Krimi-Comedy „Schwarzkopf“ (2009) stammt überhaupt von jemand anders.

Schriftstellerisch tätig ist der 1968 in Wien geborene Autor erst seit 2002, als er an seinem ersten Roman „Azadeh“ zu arbeiten begann. Romane und Drehbücher machen seither die Schwerpunkte seiner literarischen Tätigkeit aus. Breuers bevorzugte Themen, Stoffe, Epochen: „Querbeet“! – Von einer historischen Romanreihe über die Französische Revolution über eine Krimi-Komödie im Wien der Gegenwart bis hin zu einer Science-fiction-Komödie, die im Jahr 2069 in New York spielt. Ein Tagebuchroman (ohne Bezug zu Ort und Zeit) liegt als Manuskript vor, ebenso ein Fin de siècle-Roman, dessen Handlung im Wien des Jahres 1899 angesiedelt ist. Die Wahl der Themen und Stoffe ergibt sich mehr oder minder durch Zufälle, durch Intuition und Inspiration und wird nie bewußt herbeigeführt. Breuer: „Ich will mich diesbezüglich auch nicht festlegen, muß ich auch nicht, denn ein großer Vorteil, verlegt man seine Bücher selbst, ist ja, daß man diese Freiheit hat. Ein Publikumsverlag wünscht sich zumeist Autorinnen und Autoren, die ausschließlich eine Sparte oder Schiene bedienen.“ Aber an zeitgenössischer Belletristik ist Breuer ohnehin kaum interessiert. Seine Leidenschaft gilt den Autobiographien und Tagebücher, zumeist von interessanten Künstlern, aber auch von Menschen, die im Krieg waren und an Schlachten teilgenommen haben. Auch dem Werk Arthur Schnitzlers und Stefan Zweigs wie der Wiener Kaffeehausliteratur der Jahrhundertwende fühlt er sich sehr verbunden; Inspiration für „Azadeh“ war A. Bariccos „Seide“. Es sind jedoch die Bücher und nicht die Autoren, die ihn faszinieren und mitunter beeinflußen. So etwa „Strich drunter“ von Robert Graves, „Stahlgewitter“ von Ernst Jünger oder „High Fidelity“ von Nick Hornby. Aber auch die Beilage „Spektrum“ in der Samstagsausgabe der „Presse“, die der Autor seit vielen Jahren aufmerksam liest, kann inspirierend wirken.

Bevorzugte Arbeitszeit Breuers ist der Vormittag. „Ich bin kein Nachtmensch – nur in Ausnahmefällen, denn ab 18 Uhr wird es schwieriger, mich zu konzentrieren. Ich notiere Gedanken, Einfälle und Ideen in einem Notizbuch, aber erst beim Schreibprozeß am PC formt sich die Geschichte. Viele Überarbeitungen sind nötig, und große Teile werden wieder verworfen. An und für sich bin ich ein intuitiver Schriftsteller, der nur grobe Skizzen im Kopf beziehungsweise auf dem Papier entwirft. Bei der Krimi-Comedy „Schwarzkopf“ habe ich allerdings zum ersten Mal ein detailliertes Konzept erarbeitet, abgestimmt und nach diesem die Dialoge geschrieben. Und wider Erwarten hat das auch sehr gut funktioniert! Handschriftlich notiere ich nur ins Tagebuch oder Notizen auf den PC-Ausdrucken. Ich schreibe sehr schnell im Zehnfinger-System, mit einem Stift bin ich zu langsam für das Tempo meiner Gedanken. Ich schreibe vor allem dann, wenn ich in Stimmung bin, wenn der zündende Funke übergesprungen ist. Ansonsten versuche ich nicht, etwas zu erzwingen; es gibt ups & downs, manchmal geht es sehr gut voran, manchmal geht gar nichts. Da ich nicht nur schreibe, sondern auch das Geschriebene verlege, mich um viele Belange kümmern muß, ist es so, daß im Moment der reine Schreibprozeß etwa zehn bis zwanzig Prozent meiner Zeit ausmacht, der Rest ist Überarbeiten, Korrigieren, Layouten, Entwerfen und Verkaufen. Wenn ich in einer Schreibphase bin, dann konzentriere ich mich darauf und versuche, alles Unwichtige zur Seite zu schieben. Solche intensiven Schreibphasen waren zum Beispiel von September bis Dezember 2008, als ich anfänglich nur einen Folgeband schreiben wollte, danach aber so viel verfaßt hatte, daß ich daraus zwei und schließlich sogar drei Bände machen konnte, und im Jänner 2009, als ich in etwa zwei Wochen das Drehbuch zu „Schwarzkopf“ schrieb. Als Perfektionist ist man sein strengster Kritiker, oftmals zweifelt man am Geschriebenen, ist unsicher, ein anderes Mal ist man begeistert. Rückmeldungen sind sehr wichtig, sie zeigen auf, wo eine Geschichte nicht funktioniert – der Schriftsteller weiß es ohnehin instinktiv, will es aber nicht wahrhaben – und wo nachgebessert werden sollte!“ Die bisherigen Reaktionen auf Publiziertes fielen sehr unterschiedlich aus; von heller, überschwänglicher Begeisterung bis hin zum Verriß. Breuer: „Oftmals muß das Werk dafür büßen, weil es im Selbstverlag veröffentlicht wurde und die Rezensenten dann gemeinhin davon ausgehen, daß es deswegen auch von minderwertiger Qualität sein muß.“ Das gesammelte Feedback ist übrigens über Breuers Homepage http://www.1668.cc zu finden.

Breuers Pläne für die nächste Zukunft sind die Herausgabe der Bände „Madeleine“ (Band III) und „Penly“ (Band IV) seines „Mosaik der französischen Revolution in mehreren Bänden“ sowie von „Der Fetisch des Erik van der Rohe“ – alle Bücher werden im Eigenverlag erscheinen. Seinen bereits erwähnten ersten Roman „Azadeh“ würde er lieber in einem Publikumsverlag oder eventuell in Kooperation mit einem solchen veröffentlicht sehen. Das kurze „Prelude“ aus seinem Roman „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“ möchte er mit einem namhaften und professionellen Kameramann verfilmen lassen und diesen Kurzfilm selbst produzieren. „Das Budget muß äußerst knapp gehalten werden, ich will aber in jedem Fall ein professionelles Ergebnis, das sich mit anderen Profi-Kurzfilmen messen kann. – In früheren Jahren existierte der (kleine) Wunsch, Filmregisseur zu werden. Mitte zwanzig habe ich kurz die Überlegung angestellt, im Sommer einen Regie-Kurs in New York zu absolvieren … Außerdem beabsichtige ich, das Drehbuch „Der vierte Mann / Schwarzkopf“ an eine Produktionsfirma zu verkaufen. Es gibt bislang immer wieder Gespräche, aber noch nichts Definitives.“

In „das dschunibert prinzip“ (nachzulesen und zu –schauen auf Breuers Homepage) werden auf amüsante – aber wahre – Weise, die Schwierigkeiten eines Eigenverlegers erzählt; so nebenbei erfahren wir auch einiges über seine Anfänge.

Dr. Dieter Scherr
Börsenblatt der IG Autorinnen, Autoren & Literatur
April 2010 – Ausgabe 1/10

alle Rechte beim Autor; „Abdruck“ mit freundlicher Genehmigung von Dr. Scherr

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6 Antworten zu “Börsenblatt: Eigenverleger in Österreich, Teil 18

  1. Petra K. Gungl via facebook Dienstag, 4 Mai, 2010 um 9:10

    Gratuliere! Wohlverdient wie ich mal annehme, muss jetzt doch unbedingt zu dem Buch kommen, villeicht gelingt der nächste Anlauf…. 🙂

  2. Jürgen Heimlich via facebook Dienstag, 4 Mai, 2010 um 9:12

    Ja, der Artikel ist richtig leiwand 😉

  3. Heike Dienstag, 4 Mai, 2010 um 11:22

    Gratuliere, lieber Kollege!
    Und es scheint mir nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich auch der Erfolg vor großem Publikum einstellt. Ich drücke die Daumen!

  4. Richard K. Breuer Dienstag, 4 Mai, 2010 um 15:22

    Die Kommentatoren Heike, Jürgen und Petra, hier sei es gesagt, sind allesamt Autorenkollegen. Ei, Lob und Anfeuerungen von diesen freut mich besonders 🙂

    MERCI!

  5. Reinhard Rausch Mittwoch, 5 Mai, 2010 um 19:17

    Hallo Richie!

    Als Ex-Arbeitskollege kann ich nur sagen, ich bin sehr überrascht über deine schriftstellerische Fortschritte.

    Ich kann dir nur alles Gute wünschen, mache auf jeden Fall so weiter und gehe deinen Weg so weiter.
    Ich denke, dass könnte eine erfolgreiche Geschichte werden 😉

    lg, Reinhard

  6. Pingback: Verlegerische Canossa-Gänge 2010 « richard k. breuer

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