richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Was haben wir also getan?

Was haben wir also getan? Wir haben unsere Gemeinden im äußersten Maße destabilisiert. Wir haben alles gemacht, was in einem sozialen Sinne falsch war: wir haben die Menschen vom Land entwurzelt, wir haben sie förmlich aus ihrer Umgebung herausgerissen, wir haben sie in Städte abgeschoben, wir haben ihnen keine Jobs gegeben, dafür Ghettos und das Sub-Proletariat geschaffen; die Verbrechensrate ging genauso hinauf wie die Drogenabhängigen, während die Familien auseinander fielen – und all das in Zeiten einer extremen Hochkonjunktur. Warum? Weil wir nur an wirtschaftlichen Kennzahlen interessiert waren. Wir vergaßen, dass der Zweck von Wirtschaft nicht jener sein sollte, ständig Kennzahlen zu verbessern, sondern der Zweck von Wirtschaft ist vielmehr den Wohlstand zu erhöhen, sowie soziale Stabilität und gesellschaftlicher Zufriedenheit zu gewährleisten. Und GATT ist ein typisches Wirtschaftsinstrument um die Profite der Unternehmen zu steigern. Das Ergebnis wird die Zerstörung der gesellschaftlichen Stabilität sein, das weitere Auseinanderbrechen der Familien, erhöhte Kriminalität und Verarmung und all die anderen Krankheiten, an denen wir heute leiden.

Sir James Goldsmith
Unternehmer und EU-Parlamentarier
Excerpt taken from his speech, November 1994

Was wir jetzt haben ist nicht echter Kapitalismus. Ich gebe ihm den Namen Ersatzkapitalismus, weil was wir im Moment machen ist, dass wir Verluste verstaatlichen und Profite privatisieren. Das ist natürlich schlimmer als echter Kapitalismus, weil es dadurch verzerrte Anreize gibt. So können die Banken  all diese CDS und verrückten Derivate erschaffen, wohl wissend, dass, wenn es schief geht, die Steuerzahler einspringen müssen. Was ich also in erster Linie klar stellen möchte, ist, dass unser heutiges System kein echter Kapitalismus ist. Es ist Glücksspiel auf Kosten des Steuerzahlers.

Joseph Stiglitz
US-Wissenschaftler und Nobelpreisträger
Interview in Alternet

Die beiden oben genannten Zitate habe ich aus dem Englischen übersetzt. Ich hoffe, ich habe keine gröberen Schnitzer gemacht. Aber der Sinn sollte korrekt sein. Ich überarbeite im Moment Madeleine. Im März 1789 wusste noch niemand, wohin die Reise gehen würde. Frankreich hatte sich massiv verschuldet. Die von Finanzminister (und Philosoph) Turgot in den 1770ern vorgeschlagenen rigorosen Sparmaßnahmen, wurden zurückgewiesen. Der König und seine Minister machten weiter Schulden. Bis man sich eingestehen musste, dass Frankreich bankrott war. Neue Steuern mussten den Bürgern abgerungen werden. Die Generalstände sollten sich deshalb am 1. Mai 1789 in Versailles versammeln und ihren Sanktus geben. Schlussendlich, wir wissen es, kam alles anders. Ausgelöst durch die gebildete Bürgerschicht, ausgeführt durch den aufgebrachten Paris Pöbel.

Was lernen wir daraus? Die Mitteilung einer Regierung an ihre Bürger, dass der Staat bankrott ist, führt zu einer völligen Vertrauenskrise und damit einhergehend zu einer Aufhebung der sozialen Ordnung.

Jetzt ist es aber so, dass nicht nur Griechenland finanziell taumelt. Eine illustre Reihe finanzschwacher Wackelkandiaten stecken bereits ihre Köpfe in den Sand, hoffend, dass die Krise an ihnen vorüberzieht. Tja. Das wird wohl nicht funktionieren. Aber was heißt das? Geht jetzt alles der Reihe nach den Bach runter?

Wie auch immer diese Krise ausgehen wird, es zeigt, dass der gewöhnliche Bürger über Jahre und Jahrzehnte für dumm verkauft wurde. Wir haben das Ersatz Kapitalistische „The-Winner-Takes-It-All“-Prinzip so verinnerlicht, dass es uns gar nicht merkwürdig vorkam, wenn Leute zu ihren Lebzeiten einen immensen Reichtum anhäuften, während die Obdachlosen zunahmen. Warum stellte sich keiner die Frage, woher dieser Reichtum kam? Und welche Kosten die Gesellschaft dafür zahlen muss? Sir James Goldsmith, leider bereits verstorbener Multimillionär, erkannte am Ende seines Lebens, bereits Mitte der 1990er, was die boomende und globalisierte Wirtschaft den Menschen dieser Welt bringen wird: nichts Gutes.

Ich, für meinen Teil, frage mich, was geschehen muss, bis wir uns versammeln und über ein neues Wirtschaftssystem nachdenken. Es ist mir egal, wie man dieses bezeichnet und ob es links oder rechts oder oben oder unten ist. Drauf geschissen, mit Verlaub. Diese ideologische Diskussion müssen wir mal zur Seite räumen. Einen möglichen Lösungsansatz gibt ein gewisser C. H. Douglas und sein Social Credit. Ich habe mich noch nicht eingehend damit befasst, aber wenn ein Ökonom bereits in den 1920ern und 1930ern erkennt, dass es in Zeiten der Industrialisierung keine Vollbeschäftigung geben kann, dann bekommt er meine Aufmerksamkeit.

Bezüglich der Taschenbuchausgabe von Madeleine plane ich ein interessantes Vorbestellungs-Fördermodell. Aber davon später einmal mehr.

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3 Antworten zu “Was haben wir also getan?

  1. Petra K. Gungl via facebook Samstag, 8 Mai, 2010 um 10:08

    Ja, ja, was muss geschehen…über die Klimaerw… Mehr anzeigenärmung habe ich schon vor 25 Jahren in der Schule gelernt und heute gibt es immer noch keine echten Maßnahmen (aber immerhin schon Bekenntnisse 🙂 ) – wie wird das dann erst bei dem alles beherrschenden Kapitalismus sein? Angelegt auf Wachstum ohne Grenzen – d.h. wider jeder Natur, weil – wo in der Natur gibt es ungbegrenztes Wachstum?
    Die Blasen müssen platzen, die „Dinosaurier“ (leider diesmal wir) werden verhungern, da führt kein Weg vorbei. Ist nicht angenehm und wir dürfen uns vor unseren Kindern anständig schämen.

  2. Pingback: Eliten, Marionetten und ein paar Randfiguren oder Wo bitte geht’s nach 1788? « richard k. breuer

  3. Pingback: Der Anfang vom Ende eines Systems oder Fukushima 2011 « richard k. breuer

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