richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Junge Verlagsmenschen in Wien

pic: boersenblatt.net

Gestern Abend das Treffen der Jungen Verlagsmenschen im Universitätsverlag facultas.wuv, nur wenige Schritte von Sigmund Freuds damaliger Praxis in der Berggasse entfernt. Die Räumlichkeiten beherbergten um die Jahrhundertwende (Fin de Siècle) ein Kaffeehaus. Dort soll auch schon Arthur Schnitzler gesessen sein. An der (leider renovierungsbedürftigen) hübschen Deckenstuckatur und den großen einladenden Fenster, die zum schattigen Innenhof gehen, kann man noch gut erkennen, wie es sich hier anno dazumal gelebt hat, bei Kaffee, Zeitung, Zigarre und vielen Gesprächen über die Seele und andere Befindlichkeiten.

Durch Zufall bin ich über das Netzwerk der Jungen Verlagsmenschen gestoßen. Natürlich im Web. Ich habe mir erlaubt, eine Anfrage zu stellen („Servus“), die auch prompt und freundlich beantwortet wurde („Lieber Richard“). Gerne nahm man mich in den Verteiler auf. Gerne leitete man meine Daten an die Wiener Regionalgruppe weiter, die sich in unregelmäßigen Abständen zu einem gedanklichen Austausch trifft. Gestern lud besagter Universitätsverlag  zu Wein und Gespräch. Eine Führung durch die Räumlichkeiten durfte nicht fehlen. So erfuhren wir, dass der Verlag auch eine kleine Druckerei betreibt und Fremdaufträge annimmt (dahingehend werde ich mal vorsichtig meine Fühler ausstrecken). Es war ein entspanntes Get-together. Ich kam mit den äußerst sympathischen Verlagsmitarbeiterinnen der folgenden Verlage in Kontakt: Linde, Springer (Wissenschaft), Folio, Czernin, Metro und eine russische Germanistin, die in Wien ihr Praktikum macht.

Der verlegerische Austausch verlief wunderbar. Wäre da nicht ein kleiner Wermutstropfen, die bittere Pille sozusagen. Also, als Eigenverleger hat man es an und für sich schwer, ernst genommen zu werden. Sei es, was die Bücher, sei es, was das Verlegen betrifft. Das hat seine Gründe, die ich hier nicht breit treten möchte, weil ich es sowieso schon oft getan habe. Und (Wort)Wiederholungen streichen mir meine Lektorinnen gnadenlos an. Jetzt ist es so, dass ich natürlich eine Strategie entwickelt habe, um gegen das Vorurteil „Eigenverleger“ anzukämpfen: ich bete eine Litanei an „Erfolgserlebnissen“ herunter. Dadurch erhoffe ich mir,  nicht schon im Vorfeld aus dem Rennen genommen zu werden („du bist rrraus!“), sondern im Gegenüber einen positiven Gedankenstrom einsetzen zu lassen („Klingt interessant“, „Aha!“, „Sollte ich mir mal angucken“). Mit anderen Worten: ich schinde Eindruck!

Das hört sich dann in etwa so an (wer es bereits zu Genüge kennt, der mag einfach den Absatz überspringen):

Bis jetzt habe ich 4 Bücher veröffentlicht, zwei weitere folgen dieses Jahr, zwei sind in der Lade; ich bin bei LIBRI und KNV gelistet; meine Bücher gibt es alle als ebooks (das ist im Moment ein heißes Thema!); das ebook Tiret (gratis) wurde bereits über 1200 Mal heruntergeladen; ich kenne einen digitalen Vertrieb; ich habe auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt; ich war auf der Frankfurter Buchmesse (Besucher); ich habe ein Verlegerseminar bei Prof. Mazakarini besucht; eine Rezi erschien in der FALTER Buchbeilage; die Literaturkritikerin der Leizpiger Volkszeitung fand „Schwarzkopf“ hinreißend komisch; das Drehbuch zu „Schwarzkopf“ wird von einer „Agentin“ betreut; ich habe schon Paul Harather (Regisseur von „Indien“), Christoph Grissemann und Michael Dangel (Josefstadt) getroffen, um über das Drehbuch zu plaudern; die Illustrationen der TIRET-Saga sind von Kheira Linder, die bereits für VIVA und MTV gearbeitet hat und von Berlin nach Schweden gezogen ist; ich beschäftigte zwei Lektorinnen; ich suche mir die Schriftart für jedes Buch aus und stecke viel Liebe ins Layout (das sagen sie natürlich alle); ich habe zwei Auslagen mit meinen Büchern gestaltet, Plakate und Folder entworfen; bei der Wiener Kriminacht 09 gelesen; werde bei der kommenden Wiener Kriminacht 10 wieder lesen, diesmal am Nachmittag und am Abend; ich layoute ein Spielemagazin (50 Seiten 4c, Auflage 5000 Stück); ich twittere, bin bei facebook und xing aktiv („Was bringt facebook?“); meine Bücher liegen beim FRICK am Graben auf; ich habe mich an der Diskussion „Die Zukunft des Buches“ („Barcamp“) rege beteiligt;

Hab ich etwas vergessen? Ich bin ganz Ohr!

Nun, der geneigte Leser kann unschwer erkennen, dass sich diese Litanei ganz nett liest, aber im Gespräch der Eindruck entsteht, ich würde meine Leistungen herausstellen und die der anderen unter den Scheffel kippen. Tja. Das ist ein folgenschweres Dilemma, in dem ich stecke. Einerseits bleibt mir nichts anderes übrig, mich im besten Licht zu präsentieren, auf der anderen Seite kann dieses Licht im Gegenüber heftige Kopfschmerzen auslösen. Und am Ende, wenn ich mich am Nachhauseweg mache, den Abend gedanklich Revue passieren lasse, bemerke ich meine aufdringlich eindringliche Art. Das ärgert mich. Weil ich nicht so sein will.

Die Pointe, zu guter Letzt, ist, dass ich es vielleicht gar nicht nötig gehabt hätte, so dick aufzutragen. Weil die jungen Verlagsmenschen, die ich gestern gesprochen habe, interessiert und vorurteilsfrei auf mich zugegangen sind. Ja, mehr noch, ich hatte das Gefühl, verlegerisch geschätzt und akzeptiert zu sein. Das gibt es auch nicht alle Tage. Dumm, dass ich trotzdem den Bogen mit Beweihräucherungen überspannte. Ja, dahingehend muss ich noch an mir arbeiten, nämlich die Balance zwischen einem zu wenig und einem zu viel zu finden. Gar nicht einfach. Wirklich nicht. Habe ich übrigens schon erzählt, dass UP. „Brouillé“ am Pfingstsonntag in einem Rutsch gelesen hat und so begeistert davon ist, dass sie gleich „Schwarzkopf“ und „Ro 2069“ bei mir orderte? Und dass HB. „Tiret“ in wenigen Tagen verschlungen  und sich gleich mal zu den „99 Förderern“ angemeldet hat („wo muss ich einzahlen?“). Okay, jetzt sollte ich aufhören, nicht?

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2 Antworten zu “Junge Verlagsmenschen in Wien

  1. Michael Hammerer Mittwoch, 26 Mai, 2010 um 20:58

    Es ist nicht leicht, als Kleinverlag mit den „Grossen“ mithalten zu können. Das Spielchen kenne ich, ist in der Schweiz genau gleich. Finde es schön, dass es Leute wie dich gibt, die sich liebevoll um ihre Bücher kümmern. Du hast einen exzellenten Webauftritt, so finden die Leser früher oder später ganz bestimmt zu dir.

  2. Richard K. Breuer Mittwoch, 26 Mai, 2010 um 21:10

    Oha. Verlagsgrüße aus der Schwyzz. Ei, das freut mich jetzt. Merci für die netten Worte.

    Vielleicht, wer weiß, bringe ich mal meine (packende?) Lebensgeschichte bei „Wörterseh“ raus. Da braucht es freilich noch ein paar Höhenflüge, ein paar Abstürze und am Ende natürlich den groooßen Erfolg. Klingt irgendwie so einfach 😉

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