richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Madeleine und Madame Anonym (1)

Madame Anonym hat sich die Mühe gemacht, MADELEINE in der Version 12052010 zu lesen und zu kommentieren. Hier sind also ihre gesammelten Eindrücke zu jedem der Kapitel. Der zweite und letzte Teil wird in den nächsten Tagen folgen. Man will ja den geneigten Leser nicht überfordern. Und nun, Vorhang auf.

Voilà

Bonsoir! So. Jetzt habe ich endlich begonnen, die Madeleine zu lesen. Das ist der Nachteil am e-book, (PDF) irgendwie sind Bücher angenehmer zu lesen, wenn sie nicht am Bildschirm passieren. Aber besser als (noch) nichts. =)

45: Der Anfang einer Geschichte. Ich mag den Monolog von dem Tagelöhner; ich weiß nicht, wie Du’s hinkriegst, aber das ist Infodump, der sich nicht wie Infodump liest. Sehr fein.

46: Die Lösung eines Problems. Ich habe gelacht. Laut. Diese frivol-spitz-intriganten Salonunterhaltungen sind ganz und gar Dein Metier. Und damit habe ich an dem Kapitel nichts auszusetzen; man ist amüsiert.

47: Die Polnische Eröffnung. abgesehen vom Akzent, ebenfalls keine größeren Einwände. (Und ich merke, wie ich in die Geschichte einsteige).

48: Die Schießübungen Madeleines. Bei der Beschreibung von Steinitz und seinen unkonventionellen Kuren fehlt es ein bisschen an der lapidaren Leichtigkeit, mit der Du sonst die Dinge so wunderbar schwebend abhandelst – stattdessen liest sie sich fast ein bisschen geschwätzig.; die Szene mit den Schießübungen ist hinreissend.

49: Die Venezianische Eröffnung. Standig Ovations! Sweet Jesus on a pogo stick. Das kam… überraschend. Yay.

50: Geschwisterliche Aussprache. Mir scheint, Ludomila hat das Zeug zum Magnificent Bastard. Die Szene, wo sie sich dem Doktor anvertraut ist toll; ich mag vielschichtige Antihelden. Und Bonuspunkte für Rochefoucauld, der Moralist. Und: oh Gott, arme Madeleine. Was die Geschichte vom Major angeht, bin ich mir nicht ganz sicher – auf der einen Seite passt sie „natürlich“ in die Szene, auf der anderen hat sie einen moralisierenden Beigeschmack, der dem ganzen nicht so gut zu Gesicht steht.

51: Der Auftrag. Es überpurzeln sich die Verschwörungerpartien; die Szene mit der Schlägerei ist interessant… indem sie existiert; man ist versucht zu schreien, Monsieur L’Auteur zeichnen die Unterschicht ganz schön widerlich – bis man drauf kommt, nein, wenn man den Charakteren mit moralischen Standards zuleibe rückt, zieht sich die Widerlichkeit durch alle Schichten.

52: Ein leichter Anstieg. Überhaupt ist Ludomila für mich eine interessante Person, mit all ihren Ecken, Kanten, Selbstmitleid, Mut und Härte.

53: Das Ende einer Geschichte. Ganz, ganz großes Kino. Schon allein wegen der Einleitung.

54: Der Wilde Haufen. So blöd es klingt, aber die Beiläufigkeit der Gewaltdarstellungen „gefällt“ mir; und ich glaube, ich kann mittlerweile benennen, was ich an der Serie so beeindruckend finde: Du erzählst (in meinen Augen wenigstens) mit dieser zynischen, etwas gelangweilten Leichtigkeit und Understatement, die, nun ja, einem „Intellektuellen“ des Ancièn Regime gut zu Gesicht gestanden hätte; Du bist irgendwie auch auf der Metaebene der Erzählstimme in der Zeit, und das ist faszinierend. Übrigens bitte nicht misszuverstehen: ich rede nur von den Implikationen der Erzählstimme!

Die „Gebet“szene, ist übrigens, in all ihrer Absurdität – und eingebettet in die Grauslichkeiten links und rechts – irgendwie ein humoristisches Meisterstück.

55: Eine sonderbare Medizin. Ohhh, noch eine Schicht Ludomila. Das Mädel fasziniert mich. Madeleine, for the record, bisher weniger – vielleicht, weil Madeleines (also, so wie ich sie bisher kennen gelernt habe) in der Literatur nicht so selten sind; Ludomilas schon. Ja, okay, sie hat den Antiheldenbonus; mal schauen, was sie daraus macht. Der Major, der Doktor und der Baron funktionieren übrigens so gut, dass ich nicht weiß, ob sie mich amüsieren, oder ob ich sie ohrfeigen will. Möglicherweise beides.

56: Das Haus mit der roten Laterne. Und täusche ich mich, oder sind Piotr und Ignacy auch bestrebt, immer schwindelerregendere Höhen monumentaler Blödheit zu erklimmen? Oi. Und, vor allem: S.! Es beginnt sich ein Bild zu formen. Yay!

57: Die Krallen einer Prinzessin. S.! Und, im Kontext eine Sexszene „die Details sind nicht weiter von Belang“ zu schreiben – absoluter CROWNING MOMENT OF AWESOME eines Autors. Und verdammt, ich kann nicht anders – irgendwie ist es schwer, L. nicht wenigstens ein bisschen zu mögen. (S. sowieso). Oh, dear.

58: Zehn Peitschenhiebe für einen Traum. Die Beschreibung vor der Jagdpartie ist ein bisschen geschwätzig für meinen Geschmack; ansonsten – au. Die Szene mit den Buben und dem Brot ist plakativ, aber trotzdem trifft sie. Au weh. Und ich habe Vorahnungen zu dem Körnchen Zukunft in Tagträumen von G.

Und ich ende hier; wahrscheinlich geht’s morgen weiter, die Geschichte hat mich wieder vollkommen eingefangen. Exzellente Arbeit.

FORTSETZUNG

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7 Antworten zu “Madeleine und Madame Anonym (1)

  1. Claudia Toman Freitag, 28 Mai, 2010 um 18:27

    Kenne ich Madame Anonym zufällig? Ihr Stil kommt mir äußerst bekannt vor, zumindest höre ich beim Lesen der Kommentare eine bestimmte Stimme im Kopf…

    Ich kann übrigens gar nicht mit elektronischen Büchern und muss daher auf die Druckversion warten, aber auch das ist ja in Reichweite, wenn ich die Idee mit der Vorfinanzierung richtig verstanden habe!

    lg Claudia

    • Richard K. Breuer Freitag, 28 Mai, 2010 um 19:24

      Also, nein, meine liebe Claudia, Madame Anonym kennst du bestimmmmt nicht. Und falls doch, dann psssst 🙂

      Yep. Wenn sich 99 förderliche Mitglieder einfinden, geht das Buch in Druck. Falls du mitmachen möchtest, gib mir Bescheid und ich setzt dich auf die Vorab-Liste. Erst nächste Woche, wenn ich mit meiner Lektorin gesprochen habe, wird es ernst. Oui, oui.

  2. Claudia Toman Samstag, 29 Mai, 2010 um 15:00

    Ich bin aber sowas von auf der Vorab-Liste!!! Muss ich noch was tun oder werde ich dann informiert, wie es weiter geht?

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