richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Monatsarchive: Juni 2010

Steckerlfuchs und ein Schreibtisch

Die gute Uschi Fuchs, in den Weiten des virtuellen Webs auch als Foxy bekannt (klingt das nur für mich nach Sixties, Minirock und London?), warf mir ein  S t e c k e r l zu. Prinzipiell halte ich ja von diesen „Sag mir, was du gerade tust!“-Aktionen nicht viel. Aber weil ich sie erst kürzlich beim Webmontag kennen lernte und sie ein  ganz ein sympathischer Fuchs ist, dachte ich mir, man(n) will es sich nicht mit ihr verscherzen und tut, wie einem geheißen. Noch dazu, wo es um den Schreibtisch geht. Und der ist ja bei mir im Lebensmittelpunkt. Ich verbringe sicherlich mehr Zeit mit meinem Tisch als mit meinem Bett. Period! Und dass ich früher meine Blog-Einträge (damals waren es mehr virtuelle Essays) immer mit einem Foto meines Schreibtisches verhübschte, ist der Vollständigkeit halber erwähnt.


Ja, so sieht es bei mir aus. Mittig platziert ist das sogenannte Küchenbrett, die Layout-Vorlage für das Spielemagazin „frisch gespielt“, an dem ich die letzten Tage intensivst gearbeitet habe. Daneben, linker Hand, ein erfreuliches Stück Papier vom KNV: Die Bestellung einer Schippe Bücher. Meiner Bücher, selbstjafreilich. Brouillé leuchtet ein wenig hervor, sonst sind keine meiner Bücher zu sehen. Ein Jammer. Daran merkt man schon, ich bin kein guter Werbeheini. Beim nächsten Mal, da wird es besser. Versprochen.

Die bisherigen Stockerl-Werfer und Apportierer

Jetzt sollte ich natürlich das Steckerl weitergeben. Hm. Da tät mir gleich mal die gute Doris Christina einfallen. Mal schauen, was so eine Schnitzler-Liebhaberin auf ihrem Schreibtisch liegen hat. Jetzt weiß ich gar nicht, ob sie einen Blog hat, glaub fast nicht. Na, das soll ja nicht meine Sorge sein, nicht?

UPDATE: Weil die liebe Doris Christina noch keinen Blog hat und sich nach Miami aufmacht („Globetrotterin!“), wird das Steckerl anderwertig verwendet. Und weil wir doch ein bisserl ein internationales Flair in dieses Spiel bringen möchten, geb ich das Steckerl der Heike Koschyk, die im Norden Deutschlands, genauer in Hamburg, ihrer Schriftstellerei frönt. Einen Blog hat sie auch. Und einen Schreibtisch sowieso. Ich schätze, da kommt was Hübsches auf uns zu. Ich werd sie gleich mal anklingeln. Also virtuell, versteht sich.

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WM 2010: Tag #19

Das waren sie jetzt also, die Achtelfinalspiele. Jetzt gibt es zwei Tage ohne Fußball. Wie soll man das aushalten?

Paraguay : Japan  0 : 0 5 : 4 nach Elfmeterschießen

Die erste Halbzeit habe ich versäumt. Wobei, wirklich versäumt habe ich wohl nichts. Ein mäßiges Spiel. Weil weder Paraguay, noch Japan sich getrauten, Risiko zu nehmen und offensiv zu agieren. So spielten beide aus einer gesicherten Abwehr und rannten sich immer wieder in der gegnerischen Defensive fest. Es fehlte der Zunder. Ein Tor hätte vermutlich Spannung und Emotionen geweckt. Aber 120 Minuten lang blieb es torlos. Wobei, in der Verlängerung gab es hie und da ein paar gute Momente vor dem japanischen Tor. Und die Japaner hatten auch ihre Chancen. Aber alles in allem eine verhaltene Partie. Dass die Japaner das Elfmeterschießen verlieren würden, daran dachte ich eigentlich nicht. Eiserne Nerven attestierte ich ihnen. Dumm, dass einer der Elfmeterschützen es zu genau wissen wollte und nur die Latte traf, statt ins Tor. So jubelten die Südamerikaner, während die Asiaten nach Hause rudern müssen. Irgendwie hätte ich die Blauen Samurai noch gerne gegen die Spanier gesehen. Das wäre einer Weltmeisterschaft würdig. Exotische Mannschaften sind ja das Salz in der Suppe. Freilich, auf Paraguay hätte man auch nicht gesetzt. Aber im Viertelfinale ist dann Schluss. Gegen die Spanier werden sie keinen Blumentopf gewinnen.

Spanien : Portugal  1 : 0

Da sind sie ja wieder, die Spanier. In der Gruppenphase geschwächelt, verloren und am Ende doch wieder auferstanden. Villa, der Kleine, schießt jetzt die Tore, seit Torres, der Große, auslässt und mit sich hadert. Irgendwie scheint das Glück auf Villas Seite zu sein. Abpraller kommen immer wieder zu ihm. Das kann einen schon stutzig , Gegner hingegen vollends nervös machen. Ach ja, was war eigentlich mit den Portugiesen los? Sie taten, was sie die letzten Gruppenspiele über am besten konnten: hinten dicht machen. Aber nach vorne ging wenig, um nicht zu sagen: gar nix! Diese gestandenen Recken um Christiano Ronaldo, die noch der Elfenbeinküste und Brasilien getrotzt haben, die Nordkorea aus dem Stadion schossen, ihnen viel nicht viel ein, gegen die spanische Armada. Wie man die Spanier in Bedrängnis bringen kann, haben die Chilenen gezeigt. Konsequentes Pressing. Laufbereitschaft bis zum Umfallen. Kämpfen, kämpfen, kämpfen. Aber dafür sind sich die Portugiesen natürlich zu schade und versuchten es mit der einen oder anderen vorsichtig vorgetragenen Offensiv-Aktion. Bezeichnend: der gefährlichste „Schuss“ kam von Puyol, der eine Hereingabe mit seinem Knie gefährlich abfälschte und beinahe ein Eigentor machte. Gottlob ist es nicht passiert. Denn wir wissen, was dann geschehen wäre: die Portugiesen hätten sich mit Mann und Maus zurückgezogen und Beton angerührt. Nur Ronaldo hätte auf den Konter gelauert. Aber so gerieten die Portugiesen in Rückstand, hatten noch zwanzig Minuten Zeit und taten … nichts. Erst in den letzten Minuten hatte man das Gefühl, dass ihnen bewusst wurde, dass sie nach Hause schwimmen müssen, wenn sie nicht den Ausgleich erzielen. Half alles nichts. Die Spanier, mit ihrem „such den Ball“-Spiel, waren in allen Belangen besser. Ein logisches Finale kann wohl nur heißen: Brasilien gegen Spanien. Wer sollte die beiden stoppen? Und man werfe jetzt nicht „Deutschland“ in die Runde. Diese Mannschaft wird es bereits im Halbfinale nicht mehr geben. Und die Argentinier? Können mich nicht sonderlich überzeugen, obwohl sie natürlich starke Momente haben. Freilich, noch kann sich die Fußballwelt auf den Kopf stellen. Uruguay und Ghana sind ja auch noch da, aber seien wir ehrlich: was wollen diese beiden Mannschaften ausrichten, die ich schwächer als Portugal einstufe. Eben!

WM 2010: Tag #18

Niederlande : Slowakei  2 : 1

Gääähn. Die Holländer, vulgo Oranjes, sind also im Viertelfinale und treffen dort auf den Sieger Brasilien : Chile. Manchmal ist es mir ja ein Rätsel, wie es manche Mannschaften schaffen, mit mäßigen Leistungen, so souverän die Spiele für sich zu entscheiden. Die Niederländer gehören definitiv dazu. Die vier Spiele, die sie bis dato abgeliefert haben, waren schlichtweg zum Vergessen. Weil die Holländer es verstehen, den Raum eng und hinten dicht zu machen. Vorne reicht dann mal ein Maßflanke auf Robben, der zum Strafraum sprintet, nach links zieht und dann seinen Schuss anbringt. Messi macht es ja genauso. Eigentlich sollte man meinen, die Abwehrspieler kennen das schon. Aber hilft halt nix. Das Tor hat er trotzdem gemacht, der Robben. Schöne Bescherung. Weil dann gar nichts mehr los war. Die Holländer haben noch nie Ambitionen gezeigt, weiter Druck zu machen. Liegt es an ihren attraktiven Spielerfrauen? Verlangen die ihnen vielleicht des Nächtens zu viel Kraft ab? Während der EM 2008 spielten die Oranjes auf, dass es eine Freude war. Sie zerlegten die Italiener und Franzosen, ließen beide alt aussehen (was sie ja auch waren) und spielten sich mit Offensivfußball vom Feinsten in mein Herz. Tja. Zwei Jahre später ist nichts mehr davon zu sehen. Statt druckvoll nach vorne ihr Spiel zu machen, werden die Sicherheitspässe in der eigenen Hälfte zelebriert, so lange, bis Robben, Van Persie oder Kuyt in Position gesprintet sind, um von Sneijder bedient zu werden. Das war’s auch schon wieder. Die anderen Holländer versuchen nur das Spiel des Gegners zu zerstören. Das ist vielleicht effizient, aber zum Zuschauen eine Zumutung. Man müsste eigentlich das Eintrittsgeld zurück verlangen. Was die Fußballwelt braucht, ist kein Videobeweis, sondern Haltungsnoten!

Und die Slowakei? Vittek, der nach seinen Toren in der Gruppenphase bereits Nationalheld in spe ist, hätte sich unsterblich machen können. Blöd. Hat er aber nicht. Alleine vor Stekelenburg versagen ihm die Nerven (hat er schon daran gedacht, wo man seine Statue für ihn aufstellen würde?). Einmal. Und sogar ein zweites Mal. Statt ins Tor schießt er den Torhüter an. Da hätte es noch einmal spannend werden können. Aber wo Holland drauf ist, ist Un-Spannung drin. Zu guter Letzt holten sich die Slowaken noch den Ehrentreffer in der letzten Minute ab. Auch das ist zum Ärgern. Zehn Minuten früher und wir hätten ein Hopp-oder-Dropp der Slowaken gesehen. Aber es sollte wohl nicht sein. Und jetzt stelle man sich vor, die Oranjes kicken Brasilien (oder die Chilenen, von denen ich sehr viel halte, habe ich das schon gesagt?) aus dem Turnier. Unvorstellbar, aber leider möglich. Und weil wir gerade bei Unvorstellbarem sind: Deutschland : Holland im Finale?  Wenn ja, dann geb ich mir den Jabulani! Auf der Stelle!

Brasilien : Chile  3 : 0

Tja. Das war wohl nix. Aus Sicht der Chilenen. Für die Brasilianer könnte es nicht besser laufen. Wer das Spiel nicht gesehen hat, wird es bereits am Ergebnis festmachen, dass die Dribblanskis vom Zuckerhut in allen Belangen besser waren. Äh, so einfach ist es bitteschön nicht gewesen. Zum einen: die Chilenen haben anfänglich das Spiel gemacht, haben recht flüssig kombiniert und nach vorne gespielt. Aber vor dem 16er baute sich eine rigorose, konsequente Abwehrmauer auf, die durchaus beeindrucken konnte. Da gab es sprichwörtlich kein Durchkommen. Nada. Und wenn wir uns vor Augen führen, dass die Chilenen die Schweizer Abwehr knackten, dass sie mit nur 10 Mann die Spanier teils schwindlig spielten, dann lässt es wohl nur den Schluss zu, dass die Brasilianer vielleicht spielerisch nicht die beste Mannschaft des Turniers ist, dafür aber die Konsequenteste in der Abwehr und die Effizienteste im Angriff. Sie machen gerade so viel, wie nötig ist, ein Tor zu machen, dann ziehen sie sich zurück und lauern. Da sind sie den Holländern nicht unähnlich. Und wenn diese beiden Mannschaften nun im Viertelfinale aufeinandertreffen, dann heißt das, wir müssen mit dem schlimmsten rechnen: ein ewiges Abtasten, ein zögerliches Offensivbemühen. Die Chilenen halten nichts von einer Abwehrreihe. Sie versuchen den Gegner unter Druck zu setzen, Pressing zu spielen. Gegen die Brasilianer hat es anfänglich genauso gut funktioniert, wie gegen die Spanier. Der Ballbesitz in den ersten, sagen wir, 15 Minuten, war etwa 45 zu 55 % für die Chilenen. Schätze, das sieht man nicht so oft, dass die technisch starken Brasilianer in die Defensive gedrückt werden. Freilich, gefährlich wurden die Chilenen nicht wirklich. Daran happert es bei ihnen, bei der Konsequenz. Besser machen es da die Brasilianer, die das erste Tor aus einer Standard-Situation (Eckball: Kopfball gegen die kleinen Chilenen ist ein geeignetes Mittel), das zweite durch einen klassischen Konter erzielten. Wir sehen: die Brasilianer müssen nicht mehr das Spiel machen (vielleicht wollen sie’s auch nicht, who knows?), sie wollen nur die Tore machen und Schluss.

Die Chilenen haben mir jedenfalls gefallen. Beherztes Spiel nach vorne. Ihr junges Alter macht sich immer wieder bemerkbar. Sie sind zu wenig abgebrüht, zu wenig zielgerichtet. Ihnen fehlt die Souveränität, das Selbstbewusstsein, das ein Lucio, ein Gilberto Silva hat. Jeder der Spieler aus Brasilien versprüht eine Aura des „Hier bin ich und  was willst du?“. Es wird schwierig, diese Mannschaft, die nicht mehr schön spielen, sondern nur noch gewinnen möchte, zu schlagen. Die Holländer werden es wohl kaum sein. Aber vielleicht schläfern sie die Brasilianer 120 Minuten ein und kicken sie dann im Elfmeterschießen raus. Ich schätze, ein frühes Tor für Brasilien und wir sehen wütende Oranjes, die zum ersten Mal einem Tor nachlaufen. Kann auch umgekehrt sein.

WM 2010: Tag #17

Deutschland : England  4 : 1

Tja. Was soll man dazu sagen? Vermutlich wäre es jetzt besser, den Mantel des Schweigens über das Geschehen zu werfen und so zu tun, als hätte dieses Match nie stattgefunden. Aber das geht nun mal nicht. Also zurück zum Start. Vorderhand, ich hoffe, ich habe es klar und deutlich in meinen bisherigen Zusammenfassungen gesagt, dass ich von den Engländern schwerst enttäuscht gewesen bin. Wie die Inselkicker in ihren drei Gruppenspielen am Rasen ideenlos herumstolperten, war eine Zumutung. Gegen Algerien, neben Nordkorea eine der schwächsten Mannschaften des Turniers, konnten sie in der zweiten Halbzeit keine einzige nennenswerte Torchance herausspielen. Die Engländer sind nur deshalb ins Achtelfinale gekommen, weil es in ihrer Gruppe zwei Mannschaften gab, die noch ideenloser agierten. Hätten die Slowenen nur einen Funken an Selbstbewusstsein gehabt, sie hätten Rooney & Co vorzeitig aus dem Bewerb schießen können. Und vermutlich wäre es besser gewesen, denn dann hätten wir uns diese deutsch-englische Farce erspart.

Die Engländer, man muss es sagen, ist die schwächste Mannschaft, die ins Achtelfinale gekommen ist. Und im heutigen Spiel gegen Deutschland setzten sie ihre mäßige Leistung fort. Träges Spiel. Ideenlos. Wie Zombies traben sie am Rasen herum. Keine Spritzigkeit. Keine Geistesblitze. Interessanterweise spielten die Deutschen verhalten. Scheinbar ist die Ehrfurcht, gegen einen der (ehemals) großen Kaliber zu spielen, in den Hinterköpfen. Vermutlich wäre es lange Zeit im Mittelfeld so hin und her und hin und her gegangen, aber dann überläuft Klose die englische Innenverteidigung und spitzelt den Ball ins Tor. Gut, die US-Boys haben gestern gegen Ghana ein ähnliches Tor bekommen, aber das war in der Verlängerung und da kann ein Verteidiger schon müde sein, nicht hingegen in der 30. Minute. Die Deutschen bemerkten natürlich, dass man England ohne Probleme schwindlig spielen kann und taten das auch. Die logische Konsequenz war das 2 : 0 durch Podolski, dem der Ball vom Fuß springt und trotzdem das Tor aus spitzem Winkel macht. Eigentlich dachte ich, na gut, das war’s dann. Doch, eigenartigerweise, ging ein Ruck durch die englischen Kicker. Plötzlich war da ein Zug zum gegnerischen Tor zu bemerken. Aber diese behäbige Art lässt mich noch jetzt den Kopf schütteln. Wiederum bemerkenswert: die Deutschen spielen nicht mehr weiter, sondern wollen die Engländern anlaufen lassen, um sie dann natürlich eiskalt auszukontern. Diese Taktik erfreut sich größter Beliebtheit, aber vielleicht sollte man ihnen sagen, dass man hinten gut stehen muss, um einen Vorsprung über die Zeit zu spielen (retten). Der Anschlusstreffer war ein billiges Tor. Und zuvor hatte ja noch Lahm den Ball vor der Linie wegkratzen können. Und war da nicht auch noch ein Lattenkracher von Lampard? Die schwächste Offensive gab also der deutschen Hintermannschaft einige Probleme auf. Und dann, ja, dann passierte, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Ein „Wembley“-Tor auf Seiten der Deutschen (oder ist es dann umgekehrt?), also, der Ball springt von der Innenkante der Latte gut sichtbar hinter die Torlinie und von dort wieder zurück. Die Engländer jubeln. Die Deutschen spielen weiter und hätten beinahe den dritten Treffer im Gegenzug erzielt. Aha.

Die Deutschen haben ordentlich gewackelt. Wahrlich. Und was geschehen wäre, wenn … freilich, darüber zu befinden, ist müßig. Die Fakten sind, dass sich die Engländer wie eine Schülerliga-Mannschaft auskontern haben lassen. Bei einem Lampard-Freistoß ließen sie genau einen Verteidiger im Rückraum zurück, während alle anderen (vermutlich mit Schaum vor dem Mund), im Strafraum der Deutschen herumirrten. Das war aber nicht in der letzten Minute des Spiels, nein, das war in 63. Minute. Soll mir einer sagen, die Engländer können Fußballspielen! Der Rest war dann nur noch die Draufgabe und ziemlich peinlich. Für alle Beteiligten. Die Deutschen lenken von der Fehlentscheidung ab („Hey, wir haben vier Tore gemacht!“) und glauben sich schon im Finale („Mit dieser Leistung ist alles möglich!“). Die Kommentare von einem Franz Beckenbauer sind einfach nur lächerlich. Nicht die Deutschen waren so gut, sondern die Engländer so schlecht. Und wenn man sich vor Augen führt, dass so eine inferiore Truppe die deutsche Hintermannschaft ordentlich beschäftigte, wenigstens für kurze Zeit, dann muss einen schon als Deutscher Angst und Bang werden, wenn die Argentinier im Viertelfinale angeritten kommen. Sollten die Deutschen also aus dem Stadion geschossen werden, soll mir keiner kommen, ich hätte es nicht gesagt. Und falls die Germanen tatsächlich die Hürde Argentinien nehmen, nun, dann ziehe ich meinen Hut.

Argentinien : Mexiko  3 : 1

Meine Güte. Der heutige Spieltag hat sich gegen mich verschworen. Zuerst beraubt man den Engländern ein reguläres Tor, dann schenkt man den Argentiniern ein irreguläres Abseitstor. Derweil haben mir die Mexikaner gefallen. Ich setzte große Stücke auf sie. Ein Jammer, dass sie nicht zeigen konnten, was in ihnen steckte. Kurzzeitig blitzte ihre kreative Spielstärke durch. Da fanden die Argentinier nicht zu ihrem Spiel. Aber dieses leidige Tor, das machte die Mexikaner nervös, während die Argentinier selbstsicherer wurden. Tja. Der Anschlusstreffer kam leider zu spät. Ich bin sicher, hätten sie diesen beim Stand von 2 : 0 gemacht, wir hätten ein packendes, mitreißendes Spiel gesehen. Naja. Sei’s drum. Jetzt treffen die beiden Mannschaften aufeinander, die von einer grundlegenden Schiedsrichterfehl-entscheidung profitierten. Immerhin ist damit sichergestellt, dass eine der beiden Mannschaften nicht den WM Titel holen wird. Das ist in gewisser Weise eine halbe Genugtuung.

Die Argentinier haben mich bis dato nicht sonderlich überzeugt. Ihre Offensiv-Stärke begründet sich in Tevez – Messi – Higuain und dann kommt lange nichts. Ähnlich der Mannschaft aus Uruguay, die ebenfalls das Heil in ihren Offensiv-Kräften Forlan und Suarez findet. Spielerisch tut sich gar nicht so viel. Und man möge bitte dieses Kurzpass-Spiel nicht überbewerten, wenn die meiste Zeit der sichere Pass gespielt wird bzw., wenn der Gegner weit vom Mann steht und kaum Pressing macht. Man hat gesehen, bei den Spaniern, eine der technisch stärksten Mannschaften des Turniers, dass, wenn man sie unter Druck setzt, wie es gegen Chile geschehen ist, dass sie Fehler machen und wie jede andere Mannschaft nervös werden. Am Ende sind auch galaktische Kicker nur Burschen aus Fleisch und Blut.

WM 2010: Tag #16

Die Spiele in der Gruppenphase gingen gestern zu Ende. Jetzt also beginnt das Achtelfinale und damit die KO-Phase der Fußball WM in Südafrika. Taktik-Geplänkel gibt’s keine mehr. Eine Entscheidung muss in jedem Spiel her.

Uruguay : Südkorea  2 : 1

Ojemine. Mir haben sie gefallen, die Südkoreaner. Quirlig, schnelles Pass-Spiel, fair, technisch sehr gut, immer in Bewegung und – sehr wichtig – sich nie aufgebend. Als sie in der zweiten Halbzeit auf den Ausgleich drängten spielten sie die Südamerikaner schwindlig. Nach dem Ausgleich hat wiederum Uruguay das Heft in die Hand genommen, Druck gemacht und nach einer Eckballserie die unaufmerksame Hintermannschaft der Südkoreaner bestraft. Eleganter Bananenschuss in die lange Tormannecke. Tja. Das ärgerte mich dann schon. Weil ich ja hoffte, dass dieses Spiel in die Verlängerung gehen würde. Das hätte der Dramatik noch eines drauf gesetzt. Und beinahe wäre meine Hoffnung erhört worden, aber der schwache Schuss eines Südkoreaners (vermutlich ein Lee), der unter den Torhüter der Südamerikaner durchrutschte, wurde von Lugano vor der Torlinie abgefangen. Schade, schade. Wäre der Ball ins Tor gekullert, es hätte noch einen Thriller im strömenden Regen gegeben. Sei’s drum. Die Südkoreaner haben brav gekämpft, müssen aber an ihrer Chancenauswertung arbeiten. Der Freitstoß, der nur an die Stange ging, wenige Minuten nach Beginn des Spieles, war wohl ein schlechtes Omen. Jetzt treffen die Urus (wie nennt man die Einwohner Uruguays eigentlich korrekt?) auf den Gewinner USA : Ghana. Also, würde mich wundern, wenn wir die Südamerikaner nicht im Halbfinale sähen. Andererseits, wer es bis ins Achtelfinale geschafft hat, gibt kein Spiel verloren. Definitiv nicht.

USA : Ghana  2 : 1

Na, das war ja mal schon einigermaßen spannend. Nicht unbedingt das große Kino, aber für einen unterhaltsamen Abend hat es immer noch gereicht. Und mit dem richtigen Gewinner. Weil die Afrikaner in allen Belangen besser waren, nur in einer Disziplin, da könnten sie sich etwas von den US-Boys abschauen: Selbstbewusstsein und der Wille, eine längst verloren scheinende Partei noch zu drehen. In den Gruppenspielen musst sie zwei Mal einen Rückstand aufholen und das eine Mal, gegen Algerien, standen sei bereits mit dem Rücken zur Wand, sprich: vor der Heimreise. Aber in den letzten Minuten konnten sie noch immer ihre Tore machen. Diesmal war es nicht der Fall. Diesmal war „Gott der beste Spieler“ der Afrikaner. Sagt der Goldtorschütze Gyan. Und der muss es wohl wissen. Wie dem auch sei, man darf zufrieden sein. Für Emotion ist also im Viertelfinale gegen die Urus gesorgt. Würden die Ghanaer nicht so zickig sein, sie könnten Großartiges leisten. Aber wenn es mal nicht so läuft, dann werfen sie schnell mal die Nerven weg und spielen wie eine verschreckte Schülermannschaft. Ich frage mich ja noch immer, warum sie gegen die Deutschen nicht Fußball gespielt haben. Wollten sie nicht? Trauten sie sich nicht? Wir werden es wohl nie erfahren. Oder, who knows?, sollten die beiden Mannschaften noch einmal aufeinander treffen, dann wird es mit Bestimmtheit ein ganz anderes Spiel. Aber bevor wir uns so weit aus dem Fenster lehnen, bleiben wir mal am Boden und schauen, wie sich morgen die Germanen gegen die Engländer schlagen. Das wird ein Fest. Ganz bestimmt.